Freddie Mercury – zum 70. Geburtstag

Freddie Mercury wurde am 5. September 1946 als Farrokh Bulsara auf der afrikanischen Insel Sansibar geboren, die damals eine Britische Kolonie war und heute zu Tansania gehört. Seine Eltern waren indische Parsen, Angehörige einer ethnisch-religiösen Gruppe, die der Lehre des Zoroastrismus des Stifters Zarathustra folgt und als streng abgeschlossene Gemeinschaft lebt. Sie waren nach Sansibar emigriert, wo der Vater für das Britische Kolonialamt arbeitete. Farrokh hatte noch eine jüngere Schwester, Kashmira.

Im Alter von 8 Jahren wurde Farrokh Bulsara auf das englischsprachige Knabeninternat St. Peter’s School nach Indien geschickt. Dort bekam er den Spitznamen Freddie, den er sein ganzes Leben behielt. Der Direktor des Internats bemerkte Bulsaras Musiktalent und schlug dessen Eltern vor, ihn Klavierspielen lernen zu lassen. Ausserdem durfte Freddie im Schulchor singen und an Aufführungen des Schülertheaters teilnehmen. Mit etwa zwölf Jahren wurde er Mitglied der aus fünf Musikern bestehenden Band The Hectics, deren Auftritte vor allem im Rahmen von Schulveranstaltungen stattfanden. Mercury kehrte im Sommer 1963 ohne Schulabschluss nach Sansibar zurück, das Ende des Jahres seine Unabhängigkeit von der britischen Kolonialherrschaft erreichte. Im Januar 1964 kam es zu einer gewaltsamen Revolution gegen den Sultan von Sansibar, sodass Freddies Eltern noch im selben Monat mit ihren Kindern nach London flüchteten.

Von 1966 bis 1969 war Freddie Bulsara Kunststudent am Ealing College of Art, das er mit einem Diplom in Grafikdesign abschloss. In dieser Zeit fertigte er zahlreiche Zeichnungen an, darunter Portraits seiner Idole Jimi Hendrix, Rock Hudson, Paul McCartney und Cliff Richard, und er entwarf auch modische Männerkleidung.

Nach Auftritten bei verschiedenen Bands gründete Freddie Bulsara mit seinen Freunden und Bandkollegen Brian May und Roger Taylor im April 1970 die neue Band „Queen“, zu der später noch der Bassist John Deacon stieß. Einige Zeit nach der Gründung von Queen legte sich Freddie Bulsara den Künstlernamen „Mercury“ zu. Der Name ist bezeichnend, bezieht er sich doch unter anderem auf den römischen Gott Merkur, der dem Planeten den Namen gab, der Freddies Sonnen-Herrscher ist und in seinem Horoskop eine starke Position innehat.

Die Band Queen mit ihrem Lead-Sänger Freddie Mercury machte in den 1970-er und 1980-er Jahren eine beispiellose Karriere, nicht zuletzt durch Mercurys unverwechselbare Stimme, die ein für einen Rocksänger ungewöhnliches Volumen und Umfang hatte. Legendär sind sein Charisma und seine Bühnenpräsenz bei Live-Auftritten, wo er sein Publikum immer wieder durch besondere Einlagen faszinierte. Und er schrieb selbst auch einige der bekanntesten Queen-Songs, wie beispielsweise „Killer Queen“, „Crazy Little Thing Called Love“, „We Are the Champions“, oder „Bohemian Rhapsody“.

Im Mai 1987 erfüllte sich Mercury einen langgehegten Traum und trat mit der spanischen Opern-Diva Montserrat Caballé auf Ibiza auf. Im Oktober erschien die gemeinsame Single mit der Hymne Barcelona, die vom NOK als Erkennungsmelodie für die Olympischen Sommerspiele 1992 in Barcelona gewählt wurde.

Das Privatleben des Musikers verlief nicht so erfolgreich wie seine Karriere. Nachdem er in seiner Anfangszeit in London einige Jahre mit Mary Austin zusammengelebt hatte, konnte er seine homosexuellen Neigungen nicht länger verleugnen und lebte diverse Beziehungen zu Männern aus, die er jedoch nicht öffentlich machte. Um seine Partner weiterhin privat zu halten, lebte Mercury einige Jahre in New York und München.

Ende der 1980-er Jahre erkrankte Mercury an AIDS, informierte die Öffentlichkeit darüber jedoch erst im November 1991, kurz bevor er ins Koma fiel und am 24. November 1991 mit 45 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung verstarb. Mercurys Leichnam wurde im West London Crematorium eingeäschert, seine Eltern nahmen die Urne an sich. Bis heute ist nicht eindeutig geklärt, ob und wo es eine Ruhestätte für Mercury gibt. In der schweizerischen Stadt Montreux am Genfersee, in der Queen eine Zeitlang ein Tonstudio besaßen und in der Mercury teilweise seine letzten Lebensjahre verbracht hatte, wurde ihm zu Ehren ein Denkmal errichtet.

Kann uns das Horoskop etwas über diese aufregende, aussergewöhnliche Künstler-Existenz mit ihren unzähligen Höhen und Tiefen erzählen?

Auf den ersten Blick sehen wir eine Planetenverteilung vor allem in der östlichen (linken) Hemisphäre (nur der Mond steht in der westlichen), was auf einen Menschen verweist, der weiss, was er will, sodass er auch zielgerichtet agieren kann. Dabei verliert er nie seine persönlichen Interessen aus den Augen. Er hat ein grosses Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit, ebenso nach Sicherheit und Genuss, kann aber nur schwer aus sich herausgehen und sich auf andere voll einlassen. Dass in der unteren, der nördlichen, Radix-Hälfte alle persönlichen Planeten stehen, in der oberen jedoch nur sogenannte „Problemplaneten“ zeigt uns einen Menschen mit seelischem Tiefgang, der alles selbst „machen“ will, sich aber immer wieder dem Schicksal ausgeliefert fühlt.

Die Betonung der unteren Hemisphäre dürfte auch der Grund dafür sein, dass Mercury trotz seiner Berühmtheit und Stellung als öffentliche Person sein Privatleben doch lieber unter Verschluss hielt und sich jahrelang aus der öffentlichen Wahrnehmung in Städte wie New York, München oder Montreux zurückzog, um ungestört leben zu können. Auch zu seiner Homosexualität hat er sich nie öffentlich bekannt.

Nun hat dieser Mensch aber auch einen Löwe-Aszendenten, der prinzipiell nach Beachtung und Bewunderung strebt und sein Ich in den Mittelpunkt stellen will. Löwe bezeichnet einen strahlenden, selbstbewussten, lebensfrohen, kreativen und grosszügigen Menschen, der eine natürlich Würde ausstrahlt und sich gerne in Szene setzt. Nun, das war jener Freddie Mercury, den es auf die Bühne drängte, dem Pluto am Aszendenten seine charismatische Ausstrahlung und suggestive Wirkung verlieh. Dieser Planet war wohl auch für sein Bedürfnis verantwortlich, eine wichtige Rolle zu spielen und sich durchzusetzen, wenn er etwas unbedingt wollte, ohne dabei die Kontrolle aus der Hand zu geben.

Sein Geltungsdrang könnte Mercury großspurig und angeberisch wirken lassen, da er viel Anerkennung, Aufmerksamkeit und Bewunderung braucht. Doch die Aszendenten-Herrscherin, die Sonne, steht im Zeichen Jungfrau. Menschen mit einer Jungfrau-Sonne drängen nicht so ins Zentrum des Geschehens, verhalten sich eher vernünftig und bescheiden. Mit der Sonne im ersten Haus lassen sie sich aber auch nicht ihren Willen und ihre Selbstbezogenheit nehmen, auch wenn sie sich dabei möglicherweise etwas verhaltener geben.

Wie lässt sich nun die kreative Selbstverwirklichung des Löwen mit dem notwendigen sozialen Verantwortungsbewusstsein der Jungfrau vereinbaren? Geht ein lebensfroher, für seine Aufgabe brennender Künstler wie Freddie Mercury verantwortlich mit seinen Kräften um? Wenn nein, wird ihn das Jungfrau-Prinzip daran erinnern, dass er sich gewissen Gesetzmäßigkeiten des Lebens anzupassen hat. Doch nur, wenn er diese Gesetzmäßigkeiten erkennt und mit ihrer Hilfe seinen Selbstausdruck in die richtigen Bahnen lenken kann, wird er sich in der Realität optimal entfalten können. Durch den größtmöglichen Einsatz seiner Fähigkeiten am richtigen Ort kann er seinen Beitrag zum Funktionieren des grösseren Ganzen leisten. Ist Freddie Mercury dies gelungen? Im Beruflichen sicherlich. Das Privatleben sehen wir uns später noch an.

Mit dem Merkur im eigenen Zeichen Jungfrau und ebenfalls im 1. Haus stehend, bekommt Mercurys Charakter etwas Berechnendes, was so ausgelegt werden kann, dass er Vernunft und Zweckmässigkeit zur Grundlage seiner Strahlkraft auf der Bühne macht. Es ist durchaus vorstellbar, dass er Karriere und Auftritte von Queen genau plante und den Erfolg miteinrechnete. Die Songs, die er zum Teil selbst geschrieben und mit sehr viel Bewegungstalent performt hat, sind ein weiterer Hinweis auf Mercurys sprachliche und schauspielerische Begabung (gut positionierter Merkur).

In diesem Horoskop gibt es aber ausser dem starken Merkur noch einen weiteren sehr gut gestellten Planeten, und zwar die Venus, die als MC-Herrscherin in ihrem eigenen Zeichen Waage und in Konjunktion zu Jupiter steht, und daher den Bezug zur beruflichen Entfaltung des Queen-Frontmans herstellt. Venus in Waage finden wir oft bei Menschen mit künstlerischen Fähigkeiten oder zumindest Interesse für den künstlerischen Ausdruck.

In Mercurys Lebensgestaltung dürfte auch das ästhetische Moment eine grosse Rolle gespielt haben. Und die Waage-Betonung (Venus, Mars, Jupiter, Neptun) weist auf einen Menschen hin, dem sehr viel an persönlichen Beziehungen gelegen ist, an ungewöhnlichen, unkonventionellen Beziehungen, denn Uranus, der Herrscher des Deszendenten-Zeichens Wassermann, steht im 11. Haus. Er bewegte sich gerne in Lebensbereichen, die den normalen gesellschaftlichen Strukturen wenig entsprechen und konnte generell mit konventionellen gesellschaftlichen und familiären Ansichten und Anforderungen wenig anfangen. Damit ist nicht nur seine Homosexualität angesprochen, sondern auch (sexuelle?) Beziehungen zu ungewöhnlichen Frauen, wie z.B. der Schauspielerin Barbara Valentin.

Werfen wir noch einen Blick auf den Mond, der ja nicht nur unsere Art zu fühlen ausdrückt, sondern auch einen Hinweis auf Talente und tiefsitzende Bedürfnisse gibt, die erfüllt werden müssen, damit wir uns sicher und geborgen fühlen. In Mercurys Horoskop steht der Mond im beweglichen Feuer-Zeichen Schütze und im 5. Haus, dem Haus der Kreativität, der Selbstdarstellung, des Selbstausdrucks. Ein Mensch mit einem Schütze-Mond verfügt über viel Idealismus, Optimismus und Begeisterung, er liebt es, aus dem Vollen zu schöpfen und geht auch manches Risiko ein, um seine Abenteuerlust und seine hedonistischen Begierden zu stillen. Das tiefe Bedürfnis, sich kreativ auszudrücken und damit Begeisterung zu erwecken, konnte Freddie Mercury sich erfüllen, seine Träume in unzähligen Bühnenauftritten verwirklichen. In Beziehungen verhielt er sich überschwänglich, interessiert und grosszügig, brauchte jedoch viel Freiraum und stellte seine eigenen Spielregeln auf. Ebenso schenkte er den Annehmlichkeiten des Lebens viel Aufmerksamkeit und war sicher ein Genießer. Der Mond hat in diesem Horoskop allerdings eine gewisse Sonderstellung, da er als Einzelplanet in der westlichen Hemisphäre (der rechten Hälfte) des Horoskops steht und danach über 5 Zeichen kein weiterer Planet folgt – diese Mondstellung wird „Leerlauf“ genannt. Das kann sich in einem Gefühl von Einsamkeit und Nicht-Zugehörigkeit äussern und auch ein Hinweis auf fehlende seelische Verankerung und auf ein nicht vorhandenes Heimatgefühl sein. Denn wo war Mercurys Heimat? Sansibar? Indien? England? War er nicht ein heimatloser Weltenbummler, der vielleicht nur in seinem künstlerischen Ausdruck zu Hause war? Nicht einmal seine Asche hat ja eine Ruhestätte gefunden, zumindest keine, die der Öffentlichkeit bekannt wäre.

So wollen wir bei Queen-Musik am 5. September 2016, seinem 70. Geburtstag, des charismatischen Sängers Freddie Mercury gedenken, der uns Fans viel zu früh entrissen wurde.