Napoléon Bonaparte – zum 250. Geburtstag

Sein Name ist in der ganzen Welt bekannt, er wurde bewundert, war gefürchtet, verhasst und wird vor allem mit Kriegen und Schlachten in Verbindung gebracht. Lange Zeit galt er als unbesiegbar, und die Schlacht, die ihm zum Verhängnis wurde, steht symbolisch für Niederlagen aller Art: Waterloo. Vor 250 Jahren wurde Napoléon Bonaparte in Ajaccio, Korsika, geboren. Sein ursprünglicher Name war Napoleone Buonaparte.

Seine Eltern entstammten dem niederen korsischen Adel und kämpften gemeinsam mit Pasquale Paoli gegen die genuesische Herrschaft und für die Unabhängigkeit Korsikas. Letizia Buonaparte hatte noch hochschwanger ihren Ehemann Carlo zu den Guerillakämpfen begleitet, und als sie am 15. August 1769 einen Sohn zur Welt brachte, nannte sie ihn nach einem ihrer Onkel, der gegen die Franzosen gekämpft hatte, Napoleone – der Löwe ist darin enthalten.

Kurz nach seiner Geburt kam Korsika unter französische Herrschaft, und da der Gouverneur mit Carlo Buonaparte befreundet war, kamen die Söhne Joseph und Napoleone, später auch Lucien und Louis, in den Genuss einer Ausbildung in Frankreich. Während der ältere Joseph für das Priesteramt vorgesehen war, wurde der lebhaftere und kräftigere Napoleone in eine Militärschule geschickt, in der er durch Intelligenz, Disziplin und eine mathematische Begabung auffiel, sodass er später die Ecole militaire in Paris besuchen konnte und zum Artillerieleutnant ausgebildet wurde. Im Zuge der französischen Revolution stieg er rasch auf und war mit 24 Jahren bereits General.

Napoleons Lebenslauf dürfte in weiten Zügen bekannt sein. Viele Menschen verbinden mit seinem Namen einen unbeugsamen Eroberungswillen und Machthunger, schon in der Schule wurde uns beigebracht, dass dieser despotische Feldherr halb Europa unter seine Herrschaft brachte. Das ist natürlich der Standpunkt seiner „Feinde“, zu denen Österreich die meiste Zeit auch gehörte. Dabei wird aber vergessen, dass er ein „Kind der französischen Revolution“ von 1789 war, der von den Ideen der Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit begeistert und überzeugt war, und diese auch den anderen europäischen Völkern schenken wollte. Dass das der Aristokratie, vor allem der englischen, aber auch den Herrschern von Preussen, Österreich und Russland, nicht geschmeckt hat, ist nachvollziehbar.

Wer aber war der Mensch Napoléon Bonaparte – seinen Namen hatte er „französisiert“, nachdem er mit seiner Familie ins Exil nach Marseille gegangen war.

Schauen wir zunächst auf die Elemente-Verteilung in seinem Horoskop, so finden wir die Elemente Wasser, Erde und Feuer beinahe gleich stark: er war also ein mitfühlender, sozial denkender und hilfsbereiter Charakter (Wasser), der oft aus einem Gefühl heraus agiert, was ihn befähigt, auch in schwierigen Situationen richtig zu handeln, ohne lange zu überlegen. Gleichzeitig ist er auf das Praktische, Machbare fixiert, und er braucht Fakten und Beweise als Grundlage seiner Lebenssicherheit. Er ist imstande, methodisch zu denken und Informationen systematisch zu ordnen (Erde). Und obwohl das Feuer-Element das schwächste dieser drei Hauptelemente ist, trägt es doch wesentlich zu seinem Erfolg bei, denn es macht ihn begeisterungsfreudig, initiativ, aktiv, vital, energisch, stark, mutig und direkt, schenkt ihm Vertrauen und Lebensfreude. Das Feuer macht ihn dynamisch und ungeduldig, er kann spontane Entscheidungen treffen und lässt sich durch Hindernisse nicht so schnell entmutigen.

Bemerkenswert ist jedoch der totale Luft-Mangel: dieses fehlende Element ist ein Hinweis auf eine etwas starre, unflexible Haltung und mangelnde diplomatische Fähigkeiten. Es ist bekannt, dass Napoleon immer sehr direkt war und auch Wert darauf legte, dass seine Umgebung ihm offen und ohne Umschweife begegnete. Deshalb war er gefinkelten Diplomaten wie Metternich nicht gewachsen, an denen er letzten Endes scheiterte. Trotz seines Wunsches nach zwischenmenschlichen Beziehungen und Kommunikation fühlte er sich oft auch in seiner engeren Umgebung isoliert und unverstanden. Ein wenig kompensierte er den Luft-Mangel durch die Planetenbesetzung der Lufthäuser 3 und 7: seine 7 Geschwister waren für Napoleon die engsten Vertrauten, denen er Schlüsselpositionen zukommen ließ, aber auch die Partnerinnen (Josephine und Marie Louise) waren ihm immer sehr wichtig, er hörte auf sie.

Die Sonne, die das Wesen eines Menschen ausmacht, steht in ihrem eigenen Zeichen Löwe im 10. Haus erhöht und nahe dem MC, sodass ihm Selbstvertrauen, Würde und Stolz wesensimmanent sind. Wie viele Löwe-Menschen umgab auch Napoleon ein besonderes Charisma, das auf Großmut, Herzenswärme und Courage beruhte. Löwe-Menschen haben aber meist auch ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis, es genügt ihnen nicht, ein Teil der Menge (des Rudels) zu sein, nein, sie möchten im Mittelpunkt stehen, strahlen, glänzen und bewundert werden. Wie die Planeten um die Sonne, so sollte sich das Universum (sprich: die Umwelt) um die Löwe-Menschen drehen. Bei Napoleon kommt mit der Sonnen-Stellung im 10. Haus auch noch ein grosses Ego-Bewusstsein hinzu sowie ein enormer Ehrgeiz, um etwas zu gelten und anerkannt zu werden. Die Verwirklichung über den Beruf (in diesem Fall des Soldaten) ist für so einen Menschen fast lebensnotwendig. Für eine Führungspersönlichkeit ist die Fähigkeit, andere Menschen zu motivieren und zu begeistern, ihnen Selbstvertrauen und Mut vermitteln zu können, natürlich besonders wichtig. Genau das war Napoleons Talent: seinen Soldaten vor jeder Schlacht Selbstvertrauen und Mut zu vermitteln, sie von der Bedeutung ihrer Leistung zu überzeugen und sie für ihre Tapferkeit auszuzeichnen.

Die Gefahr bei der Löwe-Sonne ist der Hang zur Selbstüberschätzung und das übermäßige Streben nach Geltung, Macht und Bewunderung.

Stichwort Macht: Der Skorpion-Aszendent in Napoleons Radix schenkt ihm Willensstärke, Ausdauer und Entschlossenheit, zudem verleiht er ihm Leidenschaft, Intensität, Zähigkeit und die Bereitschaft, sich voll und ganz auf etwas einzulassen. Er verfügt über eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe, ist zu tiefen Einsichten fähig und schont sich selbst nicht. Von Zeitgenossen wird auch seine bemerkenswerte Konzentrationsfähigkeit und Fokussierung auf das Wesentliche hervorgehoben, die es ihm ermöglichte, selbst bei äusserster innerer Erregung äusserlich ruhig und gefasst zu bleiben. Wenn auch oft gesagt wird, dass Skorpione eher im Hintergrund die Fäden ziehen, so ist das bei der starken Löwe-Sonne in 10 natürlich nicht möglich, denn diese will Macht, ohne sich unterzuordnen. Von anderen abhängig zu sein, war Napoleon ein Gräuel, er folgte seiner Berufung, die ihn bis an die Spitze des französischen Staates führte.

Was in Biographien über Napoleon immer wieder erwähnt wird, ist sein starker Gerechtigkeitssinn. Ausserdem war die Ehre eines der höchsten Güter für ihn, die er allerdings mit der Liebe zu seinem Vaterland verband. Dafür könnte der Steinbock-Mond in Rezeption und Opposition zu Saturn verantwortlich sein, der ihm einerseits in seiner militärischen Ausbildung und auch später als General und Befehlshaber sehr viel Verantwortungsbewusstsein, Ehrgefühl und Disziplin verlieh. Andererseits entwickelte Napoleon aber auch einen enormen Ehrgeiz und konnte sich mit seinem Perfektionsdrang vermutlich in einen Dauerstress versetzen. Da er früh den Ernst des Lebens kennengelernt hat (mit 9 Jahren begann seine militärische Ausbildung) und nur beschränkt ein ausgelassenes und fröhliches Kind sein durfte, war er spontanen Gefühlsausbrüchen gegenüber skeptisch und stellte seine persönlichen Bedürfnisse stets hinter das Wohl Frankreichs zurück.

Mit Ernsthaftigkeit und Begeisterung verfolgte er die Ideen der französischen Revolution und machte sie sich zu eigen. Deren Terror-Auswüchse standen jedoch seinem moralischen Empfinden total entgegen, er fand die sinnlosen Gemetzel, die sich gegen die eigene Bevölkerung richteten eines aufrechten Soldaten unwürdig und bekämpfte die Gegner der Revolution lieber im Ausland. Doch auch das fünfköpfige Direktorium, das während seines Ägypten-Feldzugs installiert worden war, aber keine staatlichen Führungsqualitäten zeigte und den Saat an den Rand des Bankrotts führte, erregte Napoleons Missfallen, der, im Bestreben seinem Land und der Republik zu dienen, einen Staatsstreich inszenierte und sich selbst an die Spitze eines Dreier-Konsulats setzte. In seiner Zeit als Erster Konsul gelang ihm Aussergewöhnliches: er sanierte die Staatsfinanzen, gründete die Banque de France, initiierte ein umfangreiches Gesetzbuch, den Code Civil, an dem er auch selbst maßgeblich mitarbeitete, baute das Straßennetz in Frankreich aus und gab die Schaffung einiger bedeutender Bauwerke in Auftrag. Das alles ist die Konsequenz seines Dranges, die Dinge in seiner Umgebung zu strukturieren und zu ordnen (Mond in Steinbock in 3 Opposition Saturn).

Ein Wort noch über Napoleon und die Frauen. Mit Stier am Deszendenten und einer Krebs-Venus hatte er eine Vorliebe für sinnliche, weibliche Frauen, eventuell Ausländerinnen (Venus Spitze 9. Haus), erwartete aber natürlich Treue, Beständigkeit und wohlfundierte Grundsätze in ihrem Verhalten. In der 6 Jahre älteren verwitweten Josephine de Beauharnais hatte er wohl seine grosse Liebe gefunden, auch wenn ihre Zuneigung anfangs weniger auf Liebe, sondern auf den Vorteilen eines angenehmen Lebens beruhte. Aus Staatsräson ließ sich Napoleon später als Kaiser der Franzosen von ihr scheiden, um mit einer anderen Frau eine Dynastie aufbauen zu können. Diese war Marie Louise, die Tochter des österreichischen Kaisers Franz, eine junge, sinnliche, wenn auch schüchterne Frau, die ihm wunschgemäß einen Sohn schenkte. Die Geburt war schwer, und Marie Louise vergaß es ihrem Mann nie, dass er befahl, im Zweifelsfall ihr Leben zu retten, nicht das des Kindes – eine Entscheidung, die zum Glück nicht getroffen werden musste. Auch Marie Louise liebte Napoleon aufrichtig, und seinen Sohn baute er zum Nachfolger auf, verlieh ihm den Titel „König von Rom“ – dass dieser mit Anfang 20 an Tuberkulose starb, erlebte Napoleon nicht mehr. Mit einer weiteren Ausländerin, der polnischen Gräfin Marie Walewska, hatte Napoleon eine sieben Jahre dauernde Affäre, der ebenfalls ein Sohn entsprang. Die ungewöhnlichen Partnerinnen sind durch Uranus im 7. Haus verkörpert, der aber natürlich auch einen Hinweis auf das revolutionäre Umfeld und die unberechenbaren Gegner gibt.

Wurde Napoleon seine Selbstüberschätzung (Löwe-Sonne) oder seine Ungeduld (Merkur Quadrat Uranus und Mars Trigon Uranus) zum Verhängnis beim Russland-Feldzug, der in einem Desaster endete? Hat ihn bei Leipzig sein strategisches Genie verlassen, das ihm zu unzähligen Siegen verholfen hatte (Mars in Jungfrau Trigon Pluto Trigon Uranus bezeichnet einen kämpferischen, willensbetonten, kompromisslosen Menschen, der sich durch originelle Ideen und Finten auszeichnet) hat er einfach die Klimabedingungen des russischen Spätherbstes falsch eingeschätzt? Jedenfalls hatte sein Aussenminister Talleyrand recht, der da meinte: „Das ist der Anfang vom Ende.“ Und so war es auch.

Nach der Niederlage des Russland-Feldzugs verlor Napoleon die Völkerschlacht bei Leipzig, wo seine Armee gegen eine Übermacht von 3 Reichen auf aussichtslosem Posten stand. Im folgenden Jahr ging er im Verlauf des Wiener Kongresses nach Elba ins Exil, kehrte für 100 Tage zurück und ging in Waterloo endgültig unter. Er starb in der Verbannung in St. Helena am 5. Mai 1821 mit nicht ganz 52 Jahren. Todesursache: Magenkrebs.

Das heutige Frankreich wäre ohne Napoleon undenkbar. Er hinterließ nicht nur ein Gesetzeswerk, den Code Civil, der in Frankreich und anderen Staaten bis heute die Grundlage einer modernen Gesetzgebung bildet, er schuf auch das heute noch mustergültige französische Schulsystem, zentralisierte die Verwaltung, gründete die staatliche Bank und ließ zahlreiche Bauwerke und Straßen errichten. Europa war Anfang des 19. Jahrhunderts für die Ideen der Demokratie und der Menschenrechte noch nicht reif, die Napoleon zu gerne in vielen europäischen Staaten begründet hätte. Im Grund führte er Kriege, weil er den Frieden sichern wollte – etwas, was ihm leider nicht gelungen ist. Dennoch fielen die Ideen der französischen Revolution auch im übrigen Europa auf fruchtbaren Boden, was sich spätestens 1848 zeigen sollte. Aber das ist eine andere Geschichte.