Nikolaus Harnoncourt zum 90. Geburtstag

Der grossartige Musiker, Dirigent und langjähriger Leiter des von ihm gegründeten „Concentus Musicus“ wäre am 6. Dezember 2019 90 Jahre alt geworden.

Der Pionier der historischen Aufführungspraxis stammte väterlicherseits aus einem luxenburgisch-lothringischen Adelsgeschlecht, seine Mutter war eine Urenkelin von Erzherzog Johann. Da er an einem 6. Dezember, dem Nikolaustag, zur Welt kam, erhielt er den Vornamen Nikolaus. In Berlin wurde er geboren, weil sein Vater dort als Bauingenieur arbeitete, doch bereits 1931 übersiedelte die Familie nach Graz. Nach Nikolaus wurden noch 3 weitere Brüder geboren, die alle Musikunterricht erhielten und regelmäßig mit den Eltern zusammen Hausmusik praktizierten.

Nikolaus entschloss sich nach dem 2. Weltkrieg, Musiker zu werden, und zog 1948 zum Studium nach Wien, um professionellen Cello-Unterricht zu nehmen. Dort wurde er auf die „Alte Musik“ aufmerksam und lernte auch seine spätere Frau Alice kennen, die Geigerin war. 1952 wurde Harnoncourt als Cellist zu den Wiener Symphonikern verpflichtet, wo er bis 1969 im Orchester spielte.

1953, dem Jahr in dem Nikolaus und Alice heirateten, wurde ein Musikkreis gegründet, der zunächst nur aus Streichern bestand, sich in der Wohnung der Harnoncourts traf und sich zur Aufgabe setzte, Musik aus Barock und Vorbarock auf alten Instrumenten zu spielen, um „Musik als Klangrede“ umzusetzen. Dazu war es notwendig, die alten Spieltechniken zu erlernen, die im Stilwandel der Jahrhunderte verloren gegangen waren. Erst im Jahre 1957 traten die Musiker unter dem Namen „Concentus Musicus Wien“ erstmals öffentlich auf und erzielten wenig später mit den Brandenburgischen Konzerten von Johann Sebastian Bach auf Originalinstrumenten den internationalen Durchbruch.

Nachdem Harnoncourt lange Zeit die Orchesterwerke des Concentus immer vom Cello aus geleitet hatte, begann er in den 1970-er Jahren zu dirigieren und leitete auch andere, moderne Orchester – übrigens immer ohne Taktstock. Er erweiterte das Repertoire der Barockmusik und nahm mehr und mehr auch klassische, romantische und modernere Komponisten in sein Programm auf. Legendär wurde sein gemeinsam mit dem Regisseur Jean-Pierre Ponnelle im Opernhaus Zürich gestalteter Monteverdi-Zyklus, der ihn als Dirigent international bekannt machte, und dem in den 1980-er Jahren noch ein Mozart-Zyklus folgte.

Seit 1985 findet in Graz das Musikfestival „Styriarte“ statt, das bis heute eine wesentliche Aufführungsplattform des Concentus Musicus ist, der sich nach wie vor Harnoncourt verpflichtet fühlt.

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und sogar Anfeindungen seitens anderer renommierter Dirigenten erlangte Nikolaus Harnoncourt mit seinen Musikinterpretationen auf historischen Instrumenten Weltruhm und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Er dirigierte an verschiedenen Opernhäusern, bei den Salzburger Festspielen, den Berliner Philharmonikern und anderen Orchestern von Weltformat. Am 5. Dezember 2015, einen Tag vor seinem 86. Geburtstag, teilte er seinen Rückzug vom Dirigentenpult mit. Nikolaus Harnoncourt starb am 5. März 2016 in St. Georgen im Attergau.

Werfen wir nun einen Blick in das Horoskop dieses aussergewöhnlichen Musikers, der von seiner Arbeit nicht nur beseelt, sondern fast besessen war.

Als erstes fällt die übermäßige Betonung des Feuer-Elements auf: Löwe-Aszendent, Sonne, Merkur und Mars in Schütze sowie Uranus in Widder: Das ist ein Mensch, der für seine Berufung brennt, der mit begeisterungsfreudiger Initiative, mit Mut und Lebensfreude an seine Aufgabe herangeht und dabei auch einen Sinn für Dramatik
erkennen lässt.

Wir finden die meisten Planeten in der unteren Hemisphäre, vor allem im 2. Quadranten, dem Seelenquadranten, haben es also mit einem Menschen zu tun, der in sich selbst verankert ist und möchte, dass die anderen sich mit ihm auseinandersetzen.

Der Löwe-Aszendent verweist auf einen gewissen Geltungsdrang. Das Ich will großartig sein, strahlen, glänzen und im Mittelpunkt stehen, daher strebt es eine Chefposition an, setzt sich gerne in Szene und kann auch autoritär sein. Als Dirigent duldete Harnoncourt keine Schlampereien und liess so lange probieren, bis der von ihm gewünschte Klang und Rhythmus erzielt war.

Die Sonne, die über das Aszendenten-Zeichen herrscht, steht eingebunden in ein Stellium mit Mars und Merkur in Schütze im 4. Haus. Das zeigt, wie wichtig ihm die Familie und sein Zuhause war. Nicht nur arbeitete er ja mit seiner Frau Alice zusammen (Mond in 6: die Frau als Mitarbeiterin), und stellte seine Wohnung für Orchester-Proben zur Verfügung. Auch seine 4 Kinder wurden in die Arbeit eingebunden, die Eltern beschäftigten sich viel mit ihnen und widmeten ihnen tagebuchartige Aufzeichnungen über das gemeinsame Leben. Ein weltoffenes (Schütze) und zugleich harmonisches Zuhause gab dem Musiker Geborgenheit und Kraft (Sonne Konjunktion Mars), die vertraute Umgebung hatte einen hohen Stellenwert in seinem Leben.

Aber auch der Concentus Musicus war eine Art Familie für Harnoncourt. Manche Mitglieder begleiteten ihn jahrzehntelang auf seinem Weg und waren ihm bis zuletzt freundschaftlich verbunden.

Über das, was ihn seelisch und emotional bewegte (also vor allem die Musik) konnte sich Harnoncourt mit viel Begeisterung und Eloquenz äussern (Sonne als Herr von 1 in Schütze Konjunktion Merkur), er war aber auch zuweilen sehr direkt und impulsiv in seiner Ausdrucksweise (Sonne Konjunktion Mars), machte auch gerne spitze, treffende Bemerkungen.

Venus beherrscht das 10., das Berufshaus, und steht in Skorpion im 4. Haus. Wiederum haben wir hier eine Verbindung zwischen dem Beruf, der mit Musik zu tun hat (10. Haus Stier), und dem Privatleben. Einerseits prädestiniert ihn diese Venus-Stellung für eine anspruchsvolle berufliche Tätigkeit, die auch das Gefühl anspricht, andererseits weist sie auf eine leidenschaftliche Beziehung mit seiner Partnerin hin, die auch einen grossen Einfluss auf ihn hat. Soviel wir wissen, war die Beziehung zu seiner Frau Alice sehr glücklich, er schätze sie auch als Künstlerin und besprach sich in wichtigen beruflichen Fragen mit ihr. Da Venus auch über das 3. Haus herrscht, wird die Wichtigkeit der Kommunikation mit der Partnerin über Kunst noch einmal hervorgehoben. Beruf und Liebe bzw. Familie hängen für den Horoskopeigner zusammen, über die Beziehung kann ein wichtiger beruflicher Schritt gemacht werden und umgekehrt.

Auch der Mond steht für die Familie und zeigt uns durch seine Stellung in Wassermann und im 6. Haus, dass der Familienbegriff hier erweitert werden muss: für Harnoncourt waren all jene seine Familie, mit denen er intellektuelle, kulturelle und/oder humanistische Werte teilen konnte. Und mit denen er arbeitete (Mond in 6).

Diese Mondstellung verleiht ihm aber auch das Gefühl, etwas Besonderes zu sein und ein gewisses Sendungsbewusstsein zu haben. Harnoncourt hat sich in seiner künstlerischen Tätigkeit (Mond ist Herr von 12) auf etwas ganz Eigenes spezialisiert (die alte Musik), und darin wollte er auch nicht eingeschränkt werden (Mond in Wassermann), er brauchte emotionale Freiräume, um sich wohl zu fühlen, prüfte Gefühle durch vernunftbetontes Denken und konnte trotz aller Freundlichkeit innerlich distanziert bleiben. Dieser Gefühlszustand wirkte sich auch auf die Arbeit aus, daher brauchte er eine Arbeit, die dem eigenen Wesen entsprach, sowie eine familiäre Atmosphäre bei der Arbeit.

Dass diese Arbeit auch erfolgreich ist und in der Öffentlichkeit gut ankommt, zeigt uns wiederum das Trigon zwischen dem Mond und Jupiter im 10. Haus, der überdies in Opposition zur Sonne steht und zusätzlich Glück in der Selbstverwirklichung bedeutet. Harnoncourt hat bei seinen Mitarbeitern stets hohes Vertrauen genossen, sodass er seine Visionen im Beruf verwirklichen konnte (Jupiter in 10), allerdings mit Verzögerungen, da Jupiter rückläufig ist. Doch konnte er sich das Vertrauen und Ansehen der Öffentlichkeit erwerben. Jupiter herrscht über das 5. Haus (Kreativität): der Horoskopeigner kann seine Kreativität beruflich zum Ausdruck bringen, was gut ist für die Selbstbestätigung.

Interessanterweise steht Saturn im Haus der Kreativität – er bedeutet hier aber keineswegs Hemmung oder Einschränkung, sondern, dass Harnoncourt seinen kreativen Ideen eine Form verlieh, und dass er sich bemühte, perfekte Leistungen zu vollbringen. Dennoch dürfte er eine gewisse Scheu gehabt haben, sich zur Schau zu stellen, sondern fühlte sich erst dann bereit für den grossen Auftritt, wenn alles tadellos war. Auf Auftritte bereitete er sich seriös und strukturiert vor und wirkte entsprechend klar und fachkundig. Er war sehr gewissenhaft in Bezug auf das Leben, das nicht vertan werden durfte, fühlte sich in oberflächlicher Gesellschaft und mit Small Talk nicht wohl, legte aber durchaus Wert darauf, als künstlerische Autorität anerkannt zu werden.

Saturn steht auch für das Alte (alte Musik) und bedeutet im Quadrat zu Uranus das Aufbrechen alter Werte und das Neue und Ungewöhnliche, das das Spielen von alter Musik auf Originalinstrumenten mit sich brachte.

Bleiben noch die Mondknoten, die genau über die MC/IC-Achse verlaufen und eine besondere Begabung sowie Schicksalshaftigkeit der Verwirklichung anzeigen. Der nördliche Mondknoten in Stier und am MC bedeutet, dass Harnoncourt seiner ureigenen Bestimmung und Berufung zu folgen hat (Stier steht für Musik), und zeigt auch eine besondere Leistung an, die zur Berühmtheit führt.

Somit gedenken wir dieses aussergewöhnlichen Menschen und Musikers an seinem 90. Geburtstag mit Freude und Dankbarkeit für das, was er der Musikwelt geschenkt hat.