Sophie Scholl – harter Geist und weiches Herz

Erinnerung an Sophie Scholl – zum 100. Geburtstag

Vor 100 Jahren, am 9. Mai 1921, wurde im württembergischen Forchtenberg, wo ihr Vater Ortsvorsteher (=Bürgermeister) war, Sophie Scholl als viertes von 5 Kindern einer christlich-liberalen Familie geboren. Als junges Mädchen wuchs sie, ebenso wie ihre Geschwister, im Gemeinschaftsideal der nationalsozialistischen Propaganda auf und trat mit 13 Jahren dem Bund Deutscher Mädel (BDM) bei, wo sie es bis zur Scharführerin brachte. Später wandte sie sich von NSdAP-Gruppierungen ab und eher links-liberalen Gruppen zu, die im „Dritten Reich“ verboten waren und verfolgt wurden.

Nach dem Abitur 1940 begann Sophie zunächst eine Kindergärtnerinnen-Ausbildung. 1941 fand sie durch die Lektüre des Kirchenvaters Augustinus eine von frühchristlichen Werten geprägte Orientierung. Diese Hinwendung zum Religiösen führte auch zu einer veränderten sozialen und politischen Haltung. 1942 entschloss sie sich zu einem Studium der Biologie und Philosophie in München. Durch ihren Bruder Hans lernte sie Studenten kennen, die sie in ihrer Ablehnung der NS-Herrschaft bestärkten. So trat auch Sophie der studentischen Widerstandsgruppe „Die weiße Rose“ bei, beteiligte sich an der Herstellung und Verbreitung von Flugblättern, die Hitler als Tyrannen demaskierten, Meinungsfreiheit forderten und zum Widerstand gegen die Hitlerdiktatur aufriefen, und verfasste schließlich auch selbst Texte dafür. Diese Flugblätter, die vor allem der deutschen Jugend die Augen über das verbrecherische Regime öffnen sollten, wurden in mehreren deutschen und österreichischen Städten verteilt. Das 6. Flugblatt schaffte es sogar bis nach Großbritannien, wo es nachgedruckt, von britischen Flugzeugen über Deutschland abgeworfen und durch den Rundfunksender BBC verbreitet wurde.

Ein Hausschlosser der Universität München, der gleichzeitig SA-Mann war, entdeckte die Gruppe am 18. Februar 1943 und verriet Hans und Sophie Scholl an die Gestapo. Die Geschwister wurden mehrere Tage verhört und am 22. Februar 1943 wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung“, gemeinsam mit ihrem Kommilitonen und Mitkämpfer Christoph Probst durch den berüchtigten Nazi-Richter Roland Freisler zum Tode verurteilt. Wenige Stunden später fand die Hinrichtung durch die Guillotine statt.

Wer war diese junge Frau, die ihr Leben eingesetzt hatte, um auf ein Unrechtsregime aufmerksam zu machen und dieses zu bekämpfen? War ihr dieses Leben in die Wiege gelegt? Ich habe mir in diesem Zusammenhang ihr Horoskop angesehen.

Zunächst deutet kaum etwas auf so extreme Lebensbedingungen hin. Sophie ist behütet und geborgen in einer zwar christlichen, aber nicht rigid religiösen Familie aufgewachsen. Die Mutter, eine ehemalige Diakonisse (also eine evangelische Krankenschwester), war in einem tiefen Gottglauben verhaftet, der Vater gar nicht. Die Betonung des Erd-Elements in Sophies Horoskop verweist auf Bodenständigkeit, praktisches Geschick, Sinnlichkeit, Genuss- und Sicherheitsstreben, die veränderliche Dynamik lässt sie flexibel und anpassungsbereit erscheinen. Allerdings finden wir die rechte Horoskophälfte übermäßig betont: hier gibt es eine Hinwendung zu anderen Menschen, die Einfluss ausüben können, und denen sie sich verbunden fühlt. Fast alle persönlichen Planeten finden sich im Horoskop Sophie Scholls im 2. Quadranten, was auf Seelentiefe und viele innere Ressourcen verweist, auch die enge Bindung an die Familie ist hier angesprochen, die noch bestätigt wird durch die Stellung der Sonne im 4. Haus. Die seelische Befindlichkeit spielt hier eine grosse Rolle, und so verwundert es nicht, dass Sophie die Begegnung mit anderen sucht, mit denen sie sich auseinandersetzen will und muss (wie der Geburtsherr Jupiter im 8. Haus verrät). Obwohl sie ihr Schicksal selbst gestalten will, kommt vieles von aussen auf sie zu, dem sie sich nicht entziehen kann (4 überpersönliche Planeten im 3. Quadranten).

Der Schütze-Aszendent zeigt uns eine sehr optimistische, begeisterungsfähige Persönlichkeit, die auf andere vertrauenerweckend und motivierend wirkt. Ganz besonders sucht sie jedoch auch nach einem Lebenssinn, denn sie spürt, dass alles mit allem verwoben ist und in einem grösseren Zusammenhang steht. Diesen Sinn meint sie zunächst im Bund deutscher Mädel gefunden zu haben, wo sie sich voll Begeisterung engagiert und auch andere Mädchen dazu motiviert, denn sie fühlt, dass sie sich „einer heiligen Aufgabe verschrieben“ hat. Diese Aufgabe erfüllt sie zunächst mit grossem Eifer und Gewissenhaftigkeit (Jupiter in Jungfrau).

Die Stellung der Venus, die das 10. Haus (die Berufung, das Lebensziel) beherrscht, befindet sich im 3. Haus im feurigen Widder-Zeichen, wo sie zwar im Exil steht, sich jedoch durch besonderen Tatendrang hervortut. In den nationalsozialistischen Jugendorganisationen sind weibliche Jugendliche den männlichen gleichgestellt, das ist für eine starke Frau wie Sophie verlockend. Als sie BdM-Scharführerin wird, lässt sie sich die Haare kurz schneiden und stürzt sich mit Feuereifer in ihre Aufgabe: sie will es ihren Brüdern bei der HJ gleich tun, zeigt Mut und erlaubt sich keine Schwächen. All das ist sehr bezeichnend für eine Widder-Venus.

Später entzieht sie sich bewusst diesem Zwang, indem sie eine Ausbildung in Ulm zur Kindergärtnerin anstrebt, wo auf ernsthaftes Lernen mehr Wert gelegt wird als auf (nazi)-ideologische Unternehmungen.

Wenn wir uns den Geburtsherrn (Aszendentenherrscher) Jupiter ansehen, der in Jungfrau im 8. Haus steht, dann wird uns klar, dass ihr der Sinn des Lebens im Laufe ihrer Jugend abhanden kommt und sie in diesem Bereich eine komplette Wandlung durchmacht. Ihre Weltanschauung wird sie sich nicht länger von den Nazi-Machthabern aufzwingen lassen. Dabei hilft ihr der tiefe Glaube (Jupiter in 8), zu dem sie durch die Lektüre der Schriften von Augustinus findet. Sie erkennt, dass sie die Machthaber mit einer ethischen Gesinnung bekämpfen muss und sich dem auch nicht entziehen kann (der Geburtsherr in 8 wird immer wieder in Lebenskämpfe verstrickt und findet im Fall von Jupiter oft seinen Lebenssinn durch Krisen). Nun wird sie fanatisch in ihrer Überzeugung als Widerstandskämpferin. Nichts, auch nicht der mögliche Tod, kann sie davon abhalten.

Im Fall von Sophie Scholl haben wir es ja gleich mit 2 Geburtsherrschern zu tun: mit Jupiter als Aszendentenherrscher, aber auch mit Saturn, der über das eingeschlossene Zeichen Steinbock herrscht und als Mitherr des 1. Hauses bezeichnet wird. Auch Saturn steht in Jungfrau und im 8. Haus, zwar nicht in Konjunktion zu Jupiter, doch treffen auf ihn ähnliche Kriterien zu. Steinbock ist das Zeichen der Ernsthaftigkeit, der Verantwortungsbereitschaft, der Ausdauer, mit der Ziele verfolgt werden. Wenn also beide Regenten im 8. Haus stehen, wird der Ehrgeiz oft darauf gerichtet, Recht und Prinzipien unbedingt durchsetzen zu wollen, und den Staat (die Machthaber) damit auch unter Druck zu setzen. Der Glaube, eine Mission im Leben zu haben, geht damit Hand in Hand, treibt die Person an und macht sie in Krisenzeiten stark und belastbar.

Die Stier-Sonne ist an und für sich prädestiniert für ein behagliches Leben in der Familie und mit der Natur, und beides war für Sophie ihre ganze Kindheit und Jugend hindurch auch von enormer Wichtigkeit, wovon Tagebuchaufzeichnungen zeugen. Immer wieder schreibt Sophie begeistert von Ausflügen und kleinen Reisen in herrliche Berglandschaften, sie liebt die schönen und guten Dinge des Lebens, an denen sie viel Vergnügen findet. In ihren Freundschaften ist sie treu und beständig (Herr von 11 im Sextil zum Geburtsherrn), der Zwillinge-Mond drückt ihr Bedürfnis nach vielfältigen Kontakten und neuen Eindrücken aus.

Die Sonne im exakten Trigon zu Saturn verleiht Sophie darüberhinaus eine besondere Stärke und Ausdauer, Ehrgeiz, Leistungsstreben, die Fähigkeit zu ernsthafter, harter Arbeit. Auch das Denken ist praxisorientiert (Sonne Konjunktion Merkur), Sophie schwebt geistig nicht in oder über den Wolken, sondern fragt sich, wie sie ihren gesunden Menschenverstand zweckmäßig einsetzen kann. Sie ist imstande, viel Geduld aufzubringen, um ein Ziel zu erreichen.

Mit dieser Konstellation kann sie allerdings auf die Dauer kaum unbeschwert in den Tag hinein leben, sondern braucht konkrete Pläne für die Gestaltung ihres Lebens. Natürlich hätte sie auch die Stier-Qualitäten leben und der Sinnlichkeit und dem Genuss den Vorrang in ihrem Leben geben können. Doch zeigt sich hier wieder einmal, dass Aspekte, vor allem, wenn sie exakt sind, eine stärkere Motivation für einen Menschen darstellen als die pure Zeichen- oder Hausstellung eines Planeten. Bei Sophie Scholl geht der Ehrgeiz, ihre Überzeugungen verantwortungsbewusst zu vertreten (Sonne Trigon Saturn) Hand in Hand mit einem stark ausgeprägten Pflichtgefühl (Mond Quadrat Saturn), das sie eigene Bedürfnisse vor allem im Zusammenhang mit anderen Menschen wahrnehmen lässt (der Mond ist Mitherr von 7).

Im 7. Horoskop-Haus befinden sich laut klassischer Astrologie die offenen Feinde, und dort finden wir im Horoskop von Sophie Scholl Pluto, also mächtige Gegner und Feinde, die offen Druck auf sie ausüben. Sie lässt sich aber weder einschüchtern noch unterkriegen (Jupiter steht im Sextil zu Pluto), kann aber auf Dauer der Gewalt nicht entkommen.

Nun kommt Uranus ins Spiel. Der Planet der Rebellion und der Befreiung befindet sich im Zeichen Fische im 2. Haus. Die Zeichenstellung ist ein Generationenaspekt, d.h. hier hätten sich viele junge Menschen mit ihrer Sehnsucht nach Freiheit in Gruppen mit humanitären Zielen und Zukunftsvisionen engagieren können. Viele dürften das damals falsch verstanden haben, sonst hätten sie sich nicht bedenkenlos der Nazi-Ideologie verschrieben. Anders die Geschwister Scholl: Die Uranus-Stellung in Sophies 2. Haus zeigt eine radikale Abkehr von herrschenden Wertvorstellungen, aber auch das Sprengen von Grenzen. Uranus in Verbindung mit der (Stier)-Venus (hier im genauen Halbquadrat) weist aber auch darauf hin, dass Sophie durch plötzliche Aktionen immer wieder die Grenzen der eigenen Sicherheit verlässt und dabei ein enormes Risiko auf sich nimmt, weil sie sich auf unbekanntes Terrain begibt.

Wieder kommt auch Jupiter ins Spiel, der in Opposition zu Uranus steht: dadurch fühlt Sophie sich ganz persönlich dazu aufgerufen, etwaige Grenzen zu übertreten und sich gegen jede Art von Einschränkung (vor allem, wenn sie gegen das eigene Wertesystem verstösst) zur Wehr zu setzen. Ihr Bedürfnis nach dem eigenen, für sie richtigen Weg ist derart stark, dass sie sich von nichts und niemandem davon abbringen lässt.

Sophie Scholl hätte unter anderen politischen Umständen ein Leben als aktive, unabhängige Frau mit einem wachen Herzen und einem kontaktfreudigen, vielseitig interessierten Geist, mit Sinnlichkeit und Leidenschaft geführt. Sie war den Freuden des Lebens keineswegs abgeneigt, hatte in ihrem kurzen Leben die Liebe kennengelernt, sich sogar verlobt und war als unternehmungslustig und enthusiastisch bekannt. Doch sie entschied sich, die Aufgabe, die ihr im Leben bestimmt war, ernst zu nehmen und ihren Überzeugungen treu zu bleiben. Einen gewaltsamen Tod nahm sie als mögliches Schicksal in Kauf.

Am 22. Februar 1943 wurde Sophie Scholl von Vertretern eines verbrecherischen Regimes ermordet. Sie war noch keine 22. Ich verneige mich angesichts ihres Mutes, ihres Engagements und ihrer Unerschrockenheit, mit der sie ihrem Lebensweg folgte, und fordere euch alle auf, Menschen wie Sophie Scholl und ihre Mitstreiter der „Weißen Rose“ in respektvoller Erinnerung zu behalten.

Lou Andreas-Salomé zum 160. Geburtstag

Die Schriftstellerin und spätere Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé wurde am 12. Februar 1861 in St. Petersburg, Russland, als 6. Kind und einzige Tochter des Generals Gustav von Salomé, der dem Zaren diente, und seiner Frau Louise, geb. Wilms, geboren. Die Sonne steht in diesem Horoskop im Zeichen Wassermann, der Aszendent in Widder. Wir können daher davon ausgehen, dass Lou Andreas-Salomé eine sehr freiheitsliebende, unkonventionelle Persönlichkeit war, die sich nichts vorschreiben ließ und schon in jungen Jahren ihren eigenen Weg verfolgte, selbst wenn sie dabei genau das Gegenteil von dem tun musste, was andere ihr vorschlugen oder von ihr erwarteten.

Ihre ganze Jugend hindurch und auch später im Erwachsenenalter zeigt sie das für Wassermann-Geborene typische rebellische Verhalten. Als Kind fällt sie durch ihre Eigenwilligkeit auf. Sie hält sich für etwas Besonderes, Einzigartiges, und verspürt ein deutliches Gefühl, „in ihrem Wesen und ihren Ansichten von der Regel abzuweichen“ (Lou Andreas-Salomé: „Lebensrückblick“ (LRB), 1951 posthum veröffentlicht, S. 318). Sie handelt aus ihrem freien Willen heraus und verträgt keinerlei Zwang oder Einengung, lässt sich von niemandem etwas sagen.

Die Formel „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ lässt sich fast exemplarisch auf das Leben von Lou Andreas-Salomé anwenden: Die Freiheit war für sie einer der höchsten Werte im Leben, sie setzte alles daran, ihre Freiheit zu erringen und sie auch für immer zu behalten. So setzte sie mit 20 Jahren durch, in Zürich studieren zu dürfen, was Frauen zur damaligen Zeit im Großteil Europas noch verwehrt war, und etwas später, im Herbst 1882, gründete sie mit ihrem (platonischen) Freund, dem Philosophen Paul Rée, eine Lebens- und Arbeitsgemeinschaft in Berlin – wir würden das heute WG nennen. Damals war es fast unvorstellbar und jedenfalls unerhört, dass eine Frau mit einem Mann zusammenlebte, ohne mit ihm verheiratet zu sein. Doch Lou hatte sowohl Rées Heiratsantrag als auch den seines Freundes Friedrich Nietzsche abgelehnt, denn sie wollte frei bleiben, sich nicht binden – für die damalige Zeit ein ungeheures Auflehnen einer jungen Frau gegen die gängigen Konventionen, die die Ehe als höchstes zu erreichendes Gut für ein Mädchen priesen.

Gleichheit: Obwohl Lou keine Feministin im Sinne der Vorkämpferinnen dieser Bewegung im 19. Jahrhundert war und sich auch nicht mit deren Ideen identifizieren wollte (dafür war sie zu sehr Individualistin), lebte und gestaltete sie ihr Leben wie ein Mann, verkehrte in Philosophen- und Schriftstellerkreisen in Berlin und beendete philosophische Gespräche mit ihren Freunden nicht selten in nächtlichen Cafés.

Und Brüderlichkeit: Für sie hieß es nicht „Alle Menschen werden Brüder…“, wie bei Schiller, sondern „Alle Männer sind mir Brüder“ – zumindest die an Jahren älteren, zu denen sie einen sehr vertrauensvollen, ungezwungenen Umgang pflegte, wie sie es von daheim mit ihren 3 älteren Brüdern gewohnt war – natürlich ohne sexuelle Implikationen (das geht bekanntlich bei Brüdern nicht).

Lou führte ein sehr freies Leben, sie suchte sich die Menschen, mit denen sie Umgang pflegte, selbst aus und hatte ein sicheres Gespür für außergewöhnliche Menschen, egal ob es sich dabei um Männer oder um Frauen handelte. Sie war u.a. befreundet mit Paul Rée, Friedrich Nietzsche, Frank Wedekind, Gerhart Hauptmann, Georg Ledebour, Frieda von Bülow, Jakob Wassermann, Rainer Maria Rilke, Sigmund Freud, Anna Freud, um nur einige zu nennen. An bürgerliche Vorgaben hält sie sich nicht. So lebt sie in späteren Jahren als Professorengattin in Göttingen ein Leben abseits aller in diesem Milieu erwarteten Konventionen.

Doch für eine astrologische Deutung ist nicht nur das Sonnenzeichen von Bedeutung, sondern auch andere Radix-Indikatoren, wie z.B. der Aszendent, der hier im Zeichen Widder und in enger Verbindung mit seinem Herrscher-Planeten Mars steht.

Die Widder-Energie hat etwas Pionierhaftes an sich und drückt sich am besten durch Taten und Impulse aus. Mit dem Aszendenten im Zeichen Widder drängt Lou nach vorne, lotet neue Grenzen aus und nimmt jedes Abenteuer freudig an. Sie ist eine spontane, dynamische und willensstarke Persönlichkeit, die viel Bewegung und persönlichen Freiraum braucht. Auch vertraut sie auf ihr Glück oder eine inneren Führung und ist sicher, dass sie für jedes Problem eine Lösung finden kann.

Für eine Frau ist die Konstellation mit Widder-Aszendent in Verbindung mit Mars sicherlich schwierig, da sie das männliche Element in einer Persönlichkeit hervorkehrt. Auf der anderen Seite trägt sie aber auch dazu bei, als intelligente Frau in einer männerorientierten Gesellschaft ernster genommen und nicht nur als „Weibchen“ gesehen zu werden. Lou zeigt Mut, Unerschrockenheit, Initiative und Pioniergeist bei der Gestaltung ihres Lebens, sie fühlt sich niemandem verpflichtet außer sich selbst und kann ihre Interessen sehr gut durchsetzen. Mit dem Widder-Aszendent ist auch ein ausgesprochener Bewegungsdrang verbunden: Lou liebte es besonders in Berlin, wo sie am Stadtrand wohnte, barfuß durch die Wälder zu laufen, was zur damaligen Zeit ein ziemlich ungewöhnliches Unterfangen war.

Gleichzeitig steht Mars am Aszendenten auch für eine selbstbezogene Unbekümmertheit und eine bisweilen an Skrupellosigkeit grenzende Naivität, mit der sie Menschen, die ihr wohlgesonnen waren, oft vor den Kopf stieß. Dass sie in ihrer entwaffnenden und ausschließlich an den eigenen Bedürfnissen orientierten Art ihre Mitmenschen verletzte, war ihr meist nicht bewusst und verursachte ihr daher auch kein schlechtes Gewissen.

Der Widder-Mars steht in einem harmonischen Winkel zur Wassermann-Sonne, das heißt, wenn Lou etwas tut, tut sie es ganz, wenn auch nur so lange, wie es ihr richtig erscheint (und nicht, wie es Konventionen oder Rücksichtnahme vielleicht verlangen könnten). So sind Ziele für sie nicht nur Luftschlösser, sondern sie setzt alles daran, diese auch zu verwirklichen und ihr Leben in Eigeninitiative zu gestalten. Diese Tatkraft und Direktheit wirken auf andere überzeugend. Das zeigte sich auch auf eindrucksvolle Weise, als sie im Alter von 50 Jahren begann, sich mit der Psychoanalyse zu beschäftigen, bei Sigmund Freud in Wien „in die Schule“ ging und bald ein anerkanntes (und das einzige weibliche) Mitglied seiner berühmten „Mittwochs-Gesprächsrunde“ war, was eindrucksvoll zeigt, dass sie sich auch – anfangs möglicherweise zweifelnden – Männern gegenüber durchsetzen konnte.

Doch es gibt im Horoskop von Lou Andreas-Salomé noch eine andere, sehr gewichtige Komponente, und zwar den Mond im Zeichen Fische, wo er verträumt, phantasievoll, kreativ, sensibel, intuitiv, anhänglich macht. Menschen mit dieser Mondstellung spüren angeblich genau, was in anderen vorgeht. Es ist sicherlich eine von Lous Stärken, dass sie andere Menschen genau durchschauen kann – aber ob das auch erspüren ist? Das grenzenlose Mitgefühl ist hier wohl eher in eine natürliche psychologische Begabung und in soziales Empfinden transformiert.

Mit dem Mond in Fische und dazu in Konjunktion zu Neptun sowie im 12. Haus sind die Gefühle oft verborgen oder werden verdrängt, und es gibt Probleme, sich seelisch zu öffnen. Das war wohl bei einer Frau wie Lou, die derartig vom Kopf her lebte und alles ihrem Willen und ihrer Durchsetzungskraft unterordnete, der Fall. Nähe zuzulassen, fiel ihr schwer, auch wenn die Sehnsucht nach Geborgenheit da gewesen sein mag. Dabei zeigte sie aber durchaus große Hilfsbereitschaft und soziales Empfinden, was andere Menschen auch spürten und sich ihr mit ihren seelischen Nöten anvertrauten. Wir finden bei Lou von Salomé von Kindheit an ein reiches Innenleben mit einer lebhaften Phantasie, und sie setzte sich auch mit Meditation, Religion und Mystik auseinander. Die Fische-Betonung begünstigt auch die dichterische Begabung: Lou Andreas-Salomé war Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts eine bekannte und anerkannte Schriftstellerin.

Außerdem war Lou von der richtungweisenden Bedeutung ihrer Träume als Ausdruck einer inneren Stimme überzeugt und ließ sich ihr Leben lang davon leiten (Freuds „Traumdeutung“ erschien erst im Jahr 1900). Sie hatte ihr Leben lang ein tiefes Vertrauen zu einer „inneren Führung“ und war überzeugt, intuitiv das richtige zu tun.

Pluto steht im Erdzeichen Stier im ersten Haus und bildet ein Trigon zum MC. Lou wird als charismatische Persönlichkeit beschrieben, die auf andere Menschen eine ungewöhnlich starke Ausstrahlung hatte, und das bis ins Alter. Auf manche Menschen wirkte sie geradezu hypnotisch. Außerdem hatte sie einen enorm starken Willen, war unnachgiebig und ließ sich kaum jemals von ihren Vorhaben abbringen, sondern verfolgte unbeirrbar ihren eigenen Weg.

Es ist bezeichnend, dass bis auf den Geburtsherren Mars nur überpersönliche Planeten im ersten Haus der Radix stehen (nämlich Pluto und Uranus): Lou hatte bis in ihr 4. Lebensjahrzehnt ein ziemlich distanziertes Verhältnis zu ihrem Körper und dessen Empfindungen und in ihren Beziehungen und Freundschaften zu Männern kein Interesse an körperlicher Intimität und Sexualität.

Doch wie sah das Beziehungsleben dieser Frau aus? Vielleicht kann uns Venus darauf eine Antwort geben. Venus steht in Wassermann im 11. Haus und bildet ein weites applikatives Quadrat zu Pluto und ein weites applikatives Trigon zu Uranus, der ihr Zeichenherrscher ist.

Hier ist die Assoziation „freie Liebe“ fast zwingend, aber auch der Aspekt, dass Freundschaft in einer Beziehung wichtiger ist als Leidenschaft, und dass sie immer und unter allen Umständen selbständig bleiben will. Lous Liebesleben, das keinerlei Sexualität mit ihrem Ehemann zuließ, dafür aber Phasen intensiver außerehelicher Beziehungen enthielt, kann durchaus als extrem bezeichnet werden (Venus Quadrat Pluto). Ungewöhnlich war es allemal (Venus Trigon Uranus). Beziehungen müssen ihr totale Freiheit gewährleisten, gegen Besitzansprüche ist sie allergisch.

Venus ist Mitherrscherin des 1. Hauses (ist also ein Persönlichkeitsanteil von Lou), bezeichnet als Herrin des 7. Hauses aber auch die Partner bzw. das, was von außen auf Lou zukommt. Das Venus-Pluto-Quadrat erklärt somit nicht nur die Faszination, die diese Frau auf viele Männer in ihrem Umkreis ausübte, sondern auch den Umstand, dass bei nicht wenigen, die in Liebe zu ihr entflammten, jedoch von Lou in ihren Leidenschaften in die Schranken gewiesen und/oder verlassen wurden, die anfängliche Liebe in Hass umschlug.

Für die spätere Psychoanalytikerin ist natürlich auch Merkur ein wichtiger Planet, er steht hier in Fische im 12. Haus. Diese Stellung drückt eine reiche Phantasie sowie dichterische Begabung aus, ebenso großes Einfühlungsvermögen, Intuition und ein Gespür für psychologische Zusammenhänge. So wird sie in ihrem letzten Lebensabschnitt die ideale Psychoanalytikerin und kann so einsamen, kranken, neurotischen oder süchtigen Menschen helfen. Von ihren Freunden wird sie als gute Zuhörerin beschrieben, die hautnah mitfühlt, was der andere erzählt.

Mit der Merkur-Opposition zu Saturn in Jungfrau schafft sie Strukturen im Denken und legt Wert auf präzises Arbeiten. In ihrem Lerneifer ist Lou sehr ehrgeizig, sie weiß um ihre intellektuellen Fähigkeiten, ist tiefgründig im Denken und will sich mit ihrem Wissen, das sie auch oft in Buchform bringt, profilieren. Daher ist sie als Schriftstellerin auch erfolgreich. Außerdem findet sie in der Stille des Alleinseins (12. Haus) oft Zeit und Ruhe, um ungestört nachdenken zu können.

Saturn, der MC-Herrscher, und Uranus, der Sonnen-Herrscher, bilden ein Quadrat zueinander, in dem sich vielleicht ganz gut ein gewisser Widerspruch zeigt zwischen der Notwendigkeit, gewissenhaft zu arbeiten, um Geld für den Lebensunterhalt zu verdienen, und andererseits einem unbändigen Freiheitsbestreben, das sich nichts und niemandem verpflichtet fühlen will, sowie einem grundlegenden Bedürfnis nach Entwicklung der eigenen Individualität. Man könnte hier auch sagen: Lou befreit sich von überkommenen Traditionen und macht das Außergewöhnliche zu ihrem Maßstab. Sie gesteht sich das Recht auf ihre Freiheit und Unabhängigkeit zu.

Erst in den Jahren kurz vor ihrem Tod konnte sie sich selbst eingestehen, dass sie zwar ihr Leben nach ihren Vorstellungen und ihrem Willen gelebt hatte, jedoch ihr Liebesglück mehr als nur einmal ihrer Selbständigkeit und dem Bedürfnis nach kompletter Unabhängigkeit geopfert hatte.

Plácido Domingo – zum 80. Geburtstag

Der weltberühmte Tenor und Bariton, Dirigent und Operndirektor Plácido Domingo feiert am 21. Januar 2021 seinen 80. Geburtstag. Der Sohn zweier spanischer Zarzuela-Sänger wurde am 21. Januar 1941 in Madrid geboren, zog jedoch im Alter von 9 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern nach Mexico und wuchs in der Folge dort auf.

Bereits im Alter von 18 Jahren debütierte er in einer kleinen Rolle in „Rigoletto“ in Mexico City; in seiner ersten Hauptrolle (Alfredo in „La Traviata“) trat er am 19. Mai 1961 in Monterrey, Mexico, auf. Seine internationale Karriere begann 1966 mit einem Auftritt an der New York City Opera in Alberto Ginasteras „Don Rodrigo“. Seither hat er eine beispiellose Karriere an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt gemacht, zunächst als vielseitiger Tenor, der insgesamt bereits 134 verschiedene Rollen gesungen hat, in dessen Mittelpunkt vor allem das italienische (Verdi, Puccini, Leoncavallo, Giordano) und das französische (Bizet, Massenet) Fach standen. In späterer Zeit hat er sich auch einigen Wagner-Partien zugewandt und sich speziell als Lohengrin, Siegmund und Parsifal profiliert.

Anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien trat er erstmals mit seinen Kollegen Luciano Pavarotti und José Carreras in Rom auf. Der grosse Erfolg dieses Auftritts veranlasste das Trio, als „die drei Tenöre“ weltweit in verschiedenen Arenen aufzutreten.

Nach dem durch den Tod von Luciano Pavarotti verursachten Ende der „Drei Tenöre“ wandte sich Domingo immer öfter dem Dirigieren an verschiedenen Opernhäusern zu und übernahm auch die Leitung der Opernhäuser von Washington und Los Angeles. Ausserdem begann er, wie schon in seiner Anfangszeit, immer öfter Bariton-Rollen zu singen (z.B. Rigoletto, Graf Luna in „Trovatore“, Simone Boccanegra, etc.)

1996 gründete Domingo „Operalia“, einen Wettbewerb für junge OpernsängerInnen, der jährlich in verschiedenen Städten weltweit durchgeführt wird.

Plácido Domingo ist außerdem für seine vielfältigen Wohltätigkeitsveranstaltungen und -aktionen bekannt. So gründete er nach dem großen Erdbeben in Mexiko-Stadt, bei dem er auch eigene Familienangehörige verlor, ein Kinderdorf für die Waisen des Erdbebens. Ein Jahr lang sagte er beinahe alle Verpflichtungen an den großen Opernbühnen ab und gab nur noch Benefizkonzerte, deren Erlös den Waisen und anderen Hilfsprojekten in Mexiko zugutekam. Immer wieder unterstützt er Hilfsprojekte in aller Welt, speziell solche, die sich benachteiligter Gruppen annehmen (Kinder, Behinderte usw.). Er hat zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen für sein Wirken erhalten.

Was können wir im Horoskop von Plácido Domingo an Talent und Erfolg erkennen?

Mit einer Wassermann-Sonne in enger Verbindung mit Merkur braucht dieser Mensch viel Abwechslung und Spontaneität, Unabhängigkeit, Selbständigkeit und Freiheit. Auf das Haus, in dem die Sonne steht, wird der Fokus im Leben gerichtet. Im Fall von Plácido Domingo ist das das 6. Haus, er wird seine Energie also vor allem in der Arbeit einsetzen, die Arbeit bestimmt sein Leben, in diesem Bereich will er glänzen und strahlen. Zwar ist im 6. Haus kein selbständiges Arbeitsverhältnis zu finden, doch eine Wassermann-Sonne braucht Abwechslung und Freiheit bei der Arbeit. Beides findet ein Sänger, der nicht an ein Opernhaus gebunden ist, sondern von vielen verschiedenen Häusern pro Auftritt verpflichtet wird, im Lauf seiner Karriere. Obwohl er in einer Aufführung natürlich im Team arbeitet, sind freie Arbeitsbedingungen sehr wichtig, umso mehr, da die Sonne in enger Konjunktion mit Merkur steht. Interessanterweise bedeutet eine Verbindung von Sonne und Merkur im 6. Haus unter anderem auch die Arbeit an einem Theater.

Das Theater, die Bühne leitet uns weiter zum Aszendenten von Plácido Domingo: es ist der Löwe. Ein Mensch mit einem Löwe-Aszendenten braucht geradezu die Bühne, dort will er glänzen, dort will er Aufmerksamkeit und Bewunderung bekommen. Er strahlt Würde und einen natürlichen Stolz aus, steht wie selbstverständlich im Mittelpunkt, wirkt aber dank seiner Wassermann-Sonne, die ja auch Geburtsherrscherin ist, trotzdem nie überheblich. Nichtsdestotrotz ist das Dramatische seine Welt, dort strebt er auch eine Führungsposition an – als Leiter von 2 Opernhäusern und Dirigent, dem Dutzende Musiker unterstehen, hat er das perfekt umgesetzt.

Wo sehen wir den Sänger im Horoskop? Ich würde sagen, ein eindeutiges Indiz ist das Medium Coeli (MC) in Stier, das Musikalität ausdrückt, sowie seine Herrscherin Venus, die in Steinbock und im 5. Haus der Kreativität steht und ihrerseits wiederum ein Trigon zum MC bildet. Ohne Verbindung der Schlüsselplaneten zu den Achsen MC oder AC kann es kaum Berühmtheit geben. Diese sogenannten Achsen sind bei Domingo aber mehrfach betont. So verschafft Saturn am MC Domingo die nötige Disziplin, die ein Sänger von seinen Qualitäten auch braucht, um erfolgreich zu sein, denn Talent allein wäre hier zu wenig. Und andererseits bringt ein Skorpion-Mond im Quadrat zum Aszendent die Leidenschaft zum Ausdruck, die auf der Opernbühne gefordert wird. Mit einem Skorpion-Mond geht es immer um die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen, deren Tiefe ausgelotet werden soll, es ist eine starke emotionale Energie vorhanden, die mit einer gewissen Hartnäckigkeit die eigene Realität schafft. Als starke kreative Kraft kommt sie jedoch dem künstlerischen Ausdruck zugute und kann von einem charismatischen Sänger-Schauspieler wie Plácido Domingo wunderbar auf die Bühne gebracht werden.

Merkur in Wassermann unterstützt mit seiner raschen Auffassungsgabe breitgefächerte Interessen und treibt Domingo dazu, sich immer wieder mit neuen Rollen zu beschäftigen. Er gilt ja als einer der vielseitigsten Tenöre, der nicht nur 134 verschiedene Rollen im italienischen und französischen Fach gesungen, sondern sich auch schon an diverse Wagner-Partien gewagt hat, die er mit ähnlicher Intensität erfüllt hat wie seine berühmtesten Verdi-Figuren.

Ein weiterer Aspekt seiner Ruhelosigkeit (in einem Interview hat er gesagt: „Wenn ich raste, dann roste ich“) ist die Opposition zwischen Mond und Uranus, die Domingo zu ständig neuen Herausforderungen treibt und für emotionale Anspannung sorgt. Beide Planeten bilden ein Quadrat zum Aszendent, also zum persönlichsten Punkt im Horoskop. Ohne Abwechslung und neue Impulse kann er kaum leben. Ob an den Vorwürfen der sexuellen Belästigung, die in den letzten Jahren zu hören waren, etwas dran ist, lässt sich anhand des Horoskops nicht sagen. Dass mit einer Mond-Uranus-Opposition eine Vorliebe für aussergewöhnliche Frauen sowie ein Hang zur Provokation besteht, dagegen schon. Immerhin dürften die – kaum bewiesenen – Vorwürfe seinem Image und schon gar seinem Künstlertum nicht geschadet haben.

Wir wünschen Plácido Domingo zu seinem 80. Geburtstag alles Gute, ein noch langes Leben in guter Gesundheit und Agilität sowie weiteren künstlerischen Höhepunkten.

Joan Baez – zum 80. Geburtstag

Die Folk- und Protestsängerin Joan Baez feiert am 9. Jänner 2021 ihren 80. Geburtstag. Geboren wurde sie 1941 in New York als 2. Tochter einer schottischen Mutter und eines mexikanisch-stämmigen Vaters, der als Physiker tätig war. Mit 15 Jahren erhielt sie eine Gitarre geschenkt, doch schon zuvor hatte sie sich selbst das Ukulele-Spielen beigebracht. Für Joan war es immer klar, dass sie Musikerin werden wollte.

Nach Beendigung der Highschool trat sie in verschiedenen Folk-Clubs auf. Zur lokalen Berühmtheit wurde sie1959 nach einem Auftritt beim renommierten Newport Folk Festival. In den Anfangsjahren ihrer Karriere litt Joan Baez eigenen Angaben zufolge an schweren Lampenfieber-Attacken, zeitweise verstärkt durch Agoraphobie. Manchmal habe sie vor lauter Angst einen Konzertauftritt unterbrechen müssen, habe sich im Waschraum mit Wasser erfrischt, ein wenig geweint und sei dann wieder auf die Bühne gegangen. Niemand habe etwas bemerkt oder bemerken wollen. Manchmal sei die Angst vor einem Konzert so groß geworden, dass sie noch nicht einmal das elterliche Haus habe verlassen können. Nur ihre Schwester Mimi, die sie zu den Konzerten begleitete, habe davon gewusst und sie bei der Bewältigung dieses Problems, das sie lange begleitete, unterstützt.

1961 lernte sie bei einer USA-Tournee den damals noch weitgehend unbekannten Bob Dylan kennen, den sie ihrem Publikum vorstellte. Sie begann auch, seine Songs zu interpretieren. Wenig überraschend, wurde aus den beiden auch privat ein Paar. Ihre Virtuosität auf der Gitarre und ihre eindringlich-lyrische Stimme machten sie bekannt, sodass sie in den 1960-er Jahren an der Spitze der Folksong-Bewegung stand. Während einer Tournee 1962 durch die Südstaaten der USA entschloss sie sich, nur noch an Orten aufzutreten, an denen es keine Rassenschranken gab, das waren damals vor allem die schwarzen Universitäten. Daher wurde sie rückblickend als „Stimme und Gewissen ihrer Generation“ bezeichnet.

1966 ging die Beziehung zu Dylan in die Brüche, unter anderem, weil sie seinen Drogenkonsum nicht teilen wollte – die beiden blieben allerdings befreundet. 1968 heiratete sie den Kriegsdienstverweigerer David Harris, von dem sie 1969 den Sohn Gabriel Earl bekam. Harris beeinflusste sie in Richtung Country-Music, wurde allerdings als Vietnamkriegsgegner verhaftet und inhaftiert. Im August 1969 trat Joan Baez schwanger auf dem Woodstock-Festival auf und nutzte dieses große Forum, um die Missstände in der Welt anzuprangern, unter anderem zeigte sie auf, wie mit Pazifisten in den USA umgegangen wurde. Die Ehe wurde 1973 dennoch geschieden.

Anfang der 1970er Jahre wirkte Joan Baez an den Soundtracks von zwei international erfolgreichen Kinoproduktionen mit. So sang sie 1971 zur Musik Ennio Morricones die Lieder zum italienisch-französischen Justizdrama Sacco e Vanzetti von Regisseur Giuliano Montaldo, die als eine Art Hymne für die Opfer politischer Justiz weltbekannt wurden. 1972 sang sie die Songs im von Douglas Trumbull gedrehten ökologisch ambitionierten US-amerikanischen Science-Fiction-Film Silent Running (deutscher Titel: Lautlos im Weltraum). Beide Produktionen festigten ihren Ruf als Protestsängerin.

Seit 1991 spielt Joan Baez bei Musikaufnahmen – anders als bei Live-Tourneen – nur noch selten ein Instrument, sondern konzentriert sich vor allem auf ihren Gesang. Im selben Jahr unterzog sie sich einer Psychotherapie.

2018 und 2019 war sie auf ausgiebigen Farewell-Tourneen durch Europa und die USA unterwegs.

Neben ihrer Musik engagierte sich Joan Baez früh politisch und setzte sich für Minderheiten auf der ganzen Welt, für Pazifismus und gegen Rassentrennung in ihrer Heimat ein, was ihr den Ruf einbrachte, Kommunistin zu sein. Als Kind hatte sie ihrer dunkleren Hautfarbe wegen selbst unter Diskriminierungen gelitten. Durch den Friedensaktivisten Ira Sandperl fand sie zur Gewaltlosigkeit, die sie konsequent praktizierte, auch gegenüber politischen Gegnern und, zum Beispiel bei Demonstrationen, gegenüber der Polizei. Sie war eine deklarierte Gegnerin des Vietnam-Kriegs und nahm an zahlreichen Demonstrationen und Protestaktionen dagegen teil. Das brachte ihr sogar eine mehrwöchige Gefängnisstrafe ein. Nach Beendigung des Vietnam-Krieges engagierte sie sich weiterhin in Südostasien und brachte zum Beispiel Lebensmittel und Medikamente nach Kambodscha. Sie sang aber auch gegen Miliärdiktaturen in Spanien und Südamerika an und gründete 1979 die Menschenrechtsorganisation „Humanitas International Human Rights Committee“, die sie bis 1992 auch leitete. Außerdem ist sie bis heute Sponsorin des Zentralkomitees für Kriegsdienstverweigerer in den USA.

Nach der Scheidung von Harris hatte Joan Baez kurze und wechselnde Beziehungen mit verschiedenen Partnern, so auch mit dem 2011 verstorbenen Steve Jobs, lebt aber seither als Single, gemeinsam mit ihrem Sohn Gabriel nebst Schwiegertochter und Enkelin in Woodside, Kalifornien. Auch ihre Mutter lebte bis zu ihrem Tod im Jahre 2013, kurz nach ihrem 100. Geburtstag, bei Baez. Auf ihrem Grundstück hat Joan Baez ein Baumhaus, in dem sie einen großen Teil ihrer freien Zeit verbringt,
meditiert und schreibt.

Wie lässt sich diese Biographie mit dem Horoskop der Sängerin in Verbindung bringen?

Folgen wir der Dispositorenkette, finden wir als Wurzel eine Venus-Jupiter-Rezeption, mit einer Schütze-Venus im 9. und einem Stier-Jupiter im 1. Haus. Daraus erkennen wir schon eine idealistische Weltanschauung, die Weltoffenheit und Toleranz auf ihre Fahnen heftet, und dabei authentisch und vertrauenerweckend ist. Sie hat starke moralisch-ethische Überzeugungen, die sie zu ihren persönlichen Anliegen macht und nach aussen vertritt, da diese auch für den persönlichen Ausdruck und ihre Selbstverwirklichung sehr wichtig sind.

Joan Baez wurde mit einem Widder-Aszendent geboren, mit einem starken Willen und Durchsetzungsdrang, mit Entschlossenheit, Mut und Kampfgeist. Sie scheut keine Konfrontationen, schert sich wenig um Äusserlichkeiten, sondern stürmt mit Impulsivität, Ungestüm und einer gewissen Egozentrik vorwärts und legt dabei auch oft ein pionierhaftes Verhalten an den Tag. Der Geburtsherr Mars steht im Feuer-Zeichen Schütze im 8. Haus: Ihr Handeln ist von Begeisterung und idealistischen Zielen geprägt, so kann sie auch andere motivieren und mitreissen. Begeisterung ist für sie die stärkste Motivation zum Handeln, und sie bezieht ihre Lebensfreude oft aus der Eroberung neuer Horizonte – im konkreten oder im übertragenen Sinn. Mit Mars im 8. Haus wird sie aber auch immer in etwas hineingezogen, ohne sich abgrenzen zu können, sie muss sich konfrontieren und auseinandersetzen, hat insgesamt kein ruhiges Leben. Diese ständige Auseinandersetzung ist jedoch auch ihr ganz persönlicher Lebensmotor.

Ausserdem ist das Erd-Zeichen Stier zur Gänze im 1. Haus eingeschlossen und wirkt ebenfalls auf ihren Charakter ein. Es verleiht ihr die Fähigkeit zu Sinnlichkeit, Genuss und Gestaltungsfreude, macht sie ausgesprochen musikalisch und auch loyal. Über die Venus als Mitregentin des 1. Hauses habe ich weiter oben schon gesprochen – ihre Rolle verstärkt sich natürlich dadurch noch, macht ihr Engagement für Frieden und Toleranz zu einem ganz persönlichen. Dass sie bei ihrem Einsatz verantwortungsvoll umgeht, dafür sorgt Saturn im 1. Haus, in enger Konjunktion mit dem eventuell zu Übertreibungen neigenden Jupiter.

Auch die Sonnenstellung ist in diesem Horoskop wichtig. Sie befindet sich in Steinbock in enger Konjunktion mit Merkur im 10. Haus und beherrscht das 5. Haus, das für Kreativität und Selbstverwirklichung steht. Damit fällt es Joan Baez leicht, ihr Hobby zum Beruf zu machen, sie ist aber schüchtern und hat Lampenfieber, wenn sie ihre Kreativität öffentlich zum Ausdruck bringt und im Rampenlicht steht (die Steinbock-Sonne hat einen starken Perfektionsdrang, fühlt sich nie gut genug, daher das Lampenfieber). Mit einer derart elevierten Sonne nahe am MC wird sie jedoch als Sängerin in der Öffentlichkeit gut wahrgenommen, und sie selbst hat die Aufgabe, die eigene Identität und Ich-Wahrnehmung zu stärken und sich selbst beruflich zu verwirklichen – was sie ja auch gemacht hat. Mit einer Steinbock-Sonne ist die Sängerin auch enorm ehrgeizig, sie arbeitet sich durch Konsequenz und Ausdauer nach oben, will sich durch Leistung einen Status schaffen und ordnet alles diesem Ziel unter.

Nun kommt aber Uranus ins Spiel, der zu dieser Sonne ein Trigon bildet und die „strenge“ Steinbock-Sonne doch auflockert und sie dazu bringt, ihr Leben individualistisch und nach eigenen Ideen zu gestalten. Sie muss ihren ganz persönlichen und besonderen Weg gehen und braucht viel Freiraum. Als Frau wird sie sich von einem Mann kaum jemals vereinnahmen lassen oder sich unterordnen. Durch Uranus, den Planet der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, ist es ihr ein persönliches Anliegen, andere Menschen als gleichwertige und gleichberechtigte Wesen anzusehen. In beruflichen Belangen ist sie aufgeschlossen für Neuerungen und Verbesserungen, auch im Arbeitsalltag (Merkur als Herr von 6 im Trigon zu Uranus). Allerdings ist Uranus rückläufig, das macht sie in gewisser Weise zu einer rebellischen Unruhestifterin, die ungeduldig, unberechenbar und wenig bereit ist, sich in ein überkommenes System ein- oder gar unterzuordnen.

Der Mond befindet sich im Luft-Zeichen Zwillinge im 2. Haus, er kommt von Uranus, der ihn mit neuen Impulsen versieht, läuft aber auf Pluto zu. Auch das könnte ein Grund für ihr anfängliches Lampenfieber sein, denn sie steht permanent unter Druck und fühlt sich nie gut genug. Typisch ist hier eine starke Gefühlskraft sowie vorstellungsbezogene Emotionen. Unbewussste oder verdrängte Inhalte können das emotionale Wohlbefinden beeinträchtigen und dadurch eine starke Unruhe hervorrufen. Da aber Mond und Pluto ein Sextil zueinander bilden, konnte sie diese Anspannung im Rahmen einer Psychotherapie erfolgreich überwinden.

Der Zwillinge-Mond drückt Gefühle und Empfindungen gern mit Worten aus, der Steinbock-Merkur legt Wert auf Ernsthaftigkeit und Gewissenhaftigkeit, beides gute Voraussetzungen für ihre oft bewegenden und berührenden Liedertexte zu ernsten Themen.

Beziehungen zu Menschen, die ebenso offen und tolerant sind wie sie und die ihr neue Horizonte erschließen, sind und waren ihr stets sehr wichtig, wie die Venus in Schütze im 9. Haus andeutet. In punkto Beziehungen war Joan Baez jedoch keine Beständigkeit beschieden. Da waren vermutlich ihre Ansprüche an Freiheit und Ungebundenheit sowie ihr politisches Engagement wichtiger (Venus ist ja die 2. Geburtsherrin). Die Sehnsucht nach Liebe war zweifellos vorhanden, wie das Quadrat zwischen Venus und Neptun ausdrückt, aber vermutlich hat sie sich oft in Illusionen verloren, oder die Angst vor engen Bindungen war stärker. Dabei wirkt sie ja trotz des Widder-Aszendenten nach aussen hin liebenswürdig, heiter und stets um Fairness bemüht. Den Mars bringt sie wohl dann zum Einsatz, wenn sie mit Freundlichkeit allein nicht weiterkommt, da kann sie sich im Kampf für Frieden schon auch unerbittlich und kompromisslos zeigen (Mars Trigon Pluto).

Das soziale Engagement der Sängerin zeigt sich aber auch durch Neptun, den Herrscher des 12. Hauses, der im 6. Haus positioniert ist, und auf die Wichtigkeit von Kreativität, künstlerischen Ausdruck und Spiritualität in der Arbeit und im Alltag verweist.

Zum 80. Geburtstag wünschen wir der Sängerin alles Gute und hoffentlich noch viele Jahre in Gesundheit und Wohlbefinden.

Melina Mercouri – zum 100. Geburtstag

Die griechische Schauspielerin und Politikerin Melina Mercouri wurde am 18. Oktober 1920 in eine Politikerfamilie geboren; ihr Großvater war 30 Jahre lang Bürgermeister von Athen, der Vater Abgeordneter im griechischen Parlament und kurze Zeit Innenminister.

Schon früh verspürte sie den Wunsch, Schauspielerin zu werden, der allerdings von der Familie abgelehnt wurde. Nach anfänglichen Misserfolgen am Theater setzte sie sich schließlich im Film durch, besonders in der Zusammenarbeit mit ihrem späteren Ehemann Jules Dassin. Während der 7-jährigen Militärdiktatur in Griechenland 1967-1974 lebte Melina Mercouri mit ihrem Mann in Frankreich im Exil. Als die Künstlerin öffentlich gegen das Regime Stellung bezog, erkannten die Machthaber ihr die griechische Staatsbürgerschaft ab, ihr Pass wurde für ungültig erklärt, und Mercouri hatte große Schwierigkeiten, international zu reisen.

Nach dem Sturz der Militärjunta und der Wiedererrichtung der Demokratie in Griechenland am 24. Juli 1974 kehrte die Künstlerin in ihr Heimatland zurück. 1977 wurde sie erstmals als PASOK-Abgeordnete in das griechische Parlament gewählt und 1981 als Kulturministerin angelobt. Auf ihre Initiative geht die Einrichtung der jährlichen Kulturhauptstadt Europas zurück. Ihren letzten Film drehte sie 1978.

1989 wurde bei Melina Mercouri, die zeitlebens eine starke Raucherin war, Lungenkrebs diagnostiziert. Am 6. März 1994 starb sie nach einer Operation in New York.

Was sagt uns das Horoskop über ihre künstlerische und politische Karriere, über ihr Leben und Wirken?

Zunächst einmal fällt die starke Betonung des 4. Quadranten auf, in dem sich 5 Planeten befinden, darunter 4 persönliche. Damit muss sie sich in der Aussenwelt beweisen, das Leben ist vom Schicksal oder von scheinbaren “Zufällen” bestimmt, es gibt wenig Gestaltungsfreiheit. Viele Dinge in ihrem Leben fallen ihr zu, ohne dass sie selbst allzu viel dazu beigetragen hat. Das bedeutet aber auch den Auftrag, ihre Talente und Potenziale der Allgemeinheit und sich selbst der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, was sie auch gerne tut.

Bei einer Waage-Sonne gehören Beziehungen fast selbstverständlich zum Lebensweg, auch ein Skorpion-Aszendent braucht emotional fordernde und sexuelle Begegnungen. Melina Mercouri heiratete das erste Mal mit 19 Jahren einen um einiges älteren, wohlhabenden Geschäftsmann; die Ehe hielt nicht lange, ermöglichte ihr aber die Schauspielausbildung, die ihr von der Familie verwehrt wurde. Dass ihr diesbezüglicher Ehrgeiz groß war, sehen wir sowohl an der Opposition zwischen Jupiter im 3. Haus, dem Haus der Selbstdarstellung, wo sie sich auf keinen Fall einschränken lässt, und Pluto, andererseits an der Sonne als MC-Herrscherin, die im künstlerischen Waage-Zeichen im 12. Haus und im Sextil zu Neptun steht, was sie für die Filmlaufbahn geradezu prädestiniert. Die Sonne im 12. Haus erlebt ihre Selbstverwirklichung oft dadurch, dass sie hinter die Fassade schaut (wie für das Rollenstudium notwendig), aber auch dass sie eigene Bedürfnisse und Wünsche zum Wohle anderer Menschen oder eines grösseren Ganzen hintanstellt, so wie Mercouri das als Politikerin getan hat.

Neptun in der Nähe des MC tut ein übriges, drückt eine helfende oder künstlerische Tätigkeit aus, bietet anderen Menschen aber auch eine gute Projektionsfläche, die Hoffnungen auslöst. Problematisch bei diesem dreifachen Sonne/Neptun-Thema (Sonne in 12, Neptun in Löwe, Sonne Sextil Neptun) ist der Suchtcharakter, dem Melina Mercouri letzten Endes ihr Leben geopfert hat.

Der Aszendent der Schauspielerin steht im leidenschaftlichen und vorstellungsbezogenen Skorpion-Zeichen. Leidenschaftlichkeit ist etwas, was wir Melina Mercouri uneingeschränkt attestieren können; sie zeigte diese in zahllosen Filmrollen (etwa als Phaedra, als Prostituierte Ilya in „Sonntags nie“ oder als Geliebte eines Mörders in dem Film „Halbelf in einer Sommernacht“), wir erkennen diesen leidenschaftlichen Einsatz aber auch in ihrem politischen Engagement. Ein Mensch mit einem Skorpion-Aszendent will in der Tiefe seiner Seele berührt werden. Gefühlsintensität, Tiefgründigkeit, Auseinandersetzung mit Macht und Ohnmacht sind weitere Merkmale dieses Zeichens.

In Mercouris Radix steht jedoch nicht nur der Aszendent in Skorpion, sondern auch Mond und Merkur, allerdings noch im 12. Haus. Der erotischen Ausstrahlung und Faszination dieser Frau tut das keinen Abbruch, im Gegenteil: die faszinierende Ausstrahlung und Suggestivkraft, vielleicht auch die Leidensfähigkeit ist wohl zu spüren. Bei dieser starken Skorpion-Betonung geht um das totale Sich-Einlassen, und das geht nicht ohne Schmerzen ab. Als starke kreative Kraft kommt sie jedoch dem künstlerischen Ausdruck zugute.

Eine Frau mit dem Mond im 12. Haus spürt eine starke Verbundenheit mit anderen Menschen, von denen sie sich berühren und vereinnahmen lässt. Sie ist sehr hilfsbereit und sozial eingestellt, drückt ihre Gefühle aber auch künstlerisch aus und lebt oft in einer Traum- und Phantasiewelt (Film).

Die Konjunktion zwischen dem Mond und Merkur in Skorpion weist sowohl auf eine große Intelligenz wie auch auf eine sprachgewaltige Ausdrucksweise hin. Durch die Synthese zwischen Gefühl und Intellekt und ihre gefühlvolle Sprache kann sie sich gut und allgemein verständlich ausdrücken.

Wenn wir von einer Künstlerin sprechen, müssen wir uns auch die Venus anschauen, die ja auch noch die Sonnen-Herrscherin ist (Waage-Sonne). Venus steht in Schütze im 1. Haus, was ebenfalls ein Hinweis auf Kunstverständnis sowie auf eine heitere, warmherzige und gutaussehende Frau ist, die anderen Menschen ihre Zuneigung offen zu erkennen gibt. Sie geht direkt und spontan auf andere zu, kann sich schnell für jemanden begeistern und engagiert sich für ihre Mitmenschen, besonders wenn diese unterdrückt oder ungerecht behandelt werden. Die Venus als Herrscherin über das 7. Haus in Schütze steht auch für den Partner (Jules Dassin), der seine Frau unterstützte und förderte, wo er nur konnte. Die Beziehung mit Dassin dauerte beinahe 40 Jahre von 1955 bis zu ihrem Tod 1994.

Melina Mercouri selbst ist durch die griechische Militärjunta mehrfach unter Druck geraten, wie uns der Geburtsherr Pluto im 9. Haus verrät: aufgrund ihrer Weltanschauung und politischen Meinung wurde ihr die Staatsbürgerschaft aberkannt. Die Rezeption zwischen Mond und Pluto verleiht ihr jedoch eine immense Zähigkeit, um seelische Belastungen zu ertragen. Mit Saturn in Skorpion am Aszendenten übernimmt sie für ihr Wirken und die ihr übertragene politische Macht Verantwortung und bringt dank des dynamischen T-Quadrats zwischen Mars in Waage, der sich für künstlerische Belange und Gruppen einsetzt, sowie Pluto und Jupiter in ihrer Zeit als Politikerin einiges auf die Reihe, was nachhaltige Bedeutung erlangte. Doch auch ihre Filme zeigen vielfach starke Frauen, die selbstbewusst und kompromisslos ihren Weg gehen. „Ich bin als Griechin geboren“ – diesen Satz, den sie als Reaktion auf ihre Ausbürgerung in Richtung Militärdiktatur verlauten ließ, wählte sie als Titel ihrer Autobiographie.

Anlässlich ihres 100. Geburtstages wollen wir dieser tollen Schauspielerin und aussergewöhnlichen Frau gedenken.

Ninon Hesse – zum 125. Geburtstag

Ninon ist die älteste Tochter des jüdischen Anwalts Jakob Ausländer und seiner Frau Gisela. Sie wurde am 18. September 1895 in Czernowitz in der Bukowina geboren (heute Ukraine), der östlichsten Stadt der österreichisch-ungarischen Monarchie, in der durch das Toleranzpatent Kaiser Josephs II. Angehörige verschiedener Religionen (so auch Juden) siedeln durften, in der andererseits aber auch das Deutschtum gefördert wurde.

Von Kindheit an war Ninon sehr belesen, und als sie mit 14 Jahren ein Buch von Hermann Hesse geschenkt bekam, war es um sie geschehen. „Peter Camenzind“ verschlingt sie mit Begeisterung, jedoch keineswegs unkritisch, denn sie setzt sich mit der Frage des Künstlertums auseinander und entschließt sich, an Hesse einen Brief zu schreiben, den dieser auch beantwortet. In den folgenden Jahren hält sie brieflichen Kontakt zu Hesse und berichtet ihm in losen Abständen aus ihrem Leben.

Nach Abschluss der Schule übersiedelt Ninon im Oktober 1913 nach Wien, um hier ein Medizinstudium zu beginnen. Sie ist beseelt von dem Wunsch, anderen zu helfen, fühlt sich jedoch auch der Kunst verbunden, daher studiert sie nebenbei auch noch Kunstgeschichte, malt und schreibt. Der Zwiespalt zwischen Gefühl und Verstand, zwischen Kunst und Wissenschaft, bestimmt ihr Leben.

Als 1914 der erste Weltkrieg ausbricht, befindet sich Ninon mit ihrer Mutter gerade in Deutschland; die beiden können nicht mehr nach Czernowitz zurückkehren. Ab nun beginnt das Flüchtlingsleben der Familie, die sich mit Hilfe von Verwandten in Wien ansiedelt.

Im März 1918 lernt Ninon den Ingenieur, Zeichner, Sänger und Essayisten Fred Dolbin kennen, den sie ein halbes Jahr später heiratet. Die Ehe erweist sich aber als schwierig, und 1924 trennt sich das Paar. Der Kontakt bleibt jedoch bestehen, auch wenn Dolbin inzwischen nach Berlin gegangen ist und dort als politischer Karikaturist Karriere macht. Anfang 1926 begleitet sie Dolbin auf eine Versöhnungsreise nach Genf, reist allerdings danach nicht gleich nach Wien zurück, sondern besucht Hesse in Zürich und wird seine Geliebte. Hesse befindet sich nach der Trennung von seiner 2. Frau gerade in einer selbstverneinenden Lebenskrise, Ninon beschliesst spontan, ihm beizustehen und bei ihm zu bleiben – gegen jede Ermunterung seinerseits. Sie durchbricht die Abkapselung des „Steppenwolfs“, gibt ihr früheres Leben auf und zieht im Juni 1927 endgültig nach Montagnola. Am 14.11.1931 wird sie Hesses dritte Ehefrau.

Auch die Beziehung zu Hesse ist alles andere als einfach, denn dieser ist ein schwieriger Charakter, der am liebsten für sich ist und seine Kunst über alles stellt. Die beiden wohnen in verschiedenen Teilen des Hauses, und Ninon muss Besuche bei ihm im voraus ankündigen, oder er teilt ihr durch Zettelchen mit, was er von ihr wünscht. Sie nimmt es auf sich, denn sie sieht sie sich als „Dienerin“ seiner Kunst. Ihr “Dienst an der Dichtung” besteht darin, „Hesses stille Unerreichbarkeit nicht zu stören und seine Lebensqualen, die sie als notwendige Voraussetzung für sein Schaffen sah, nicht zu mildern, sondern stillschweigend mitzutragen. Ihre Aufgabe war das „lautlose Da-Sein und wieder Verschwinden“, das „Immer bereit sein“ und „Nicht-da-sein“, je nachdem, wie es Hesse brauchte.“ (zitiert nach Gisela Kleine, „Zwischen Welt und Zaubergarten“, Sigmaringen 1982). Erst spät findet Ninon eine eigene Berufung in der Erforschung der griechischen Mythologie und Antike, sie lernt mit 60 Jahren neugriechisch und unternimmt mehrere Reisen nach Griechenland.

Was ist das für eine Frau, die ihr Leben scheinbar bereitwillig einem anderen opfert?

In Ninons Geburtshoroskop überwiegen die Elemente Erde und Wasser, in erster Linie repräsentiert durch die Zeichen Jungfrau, Krebs und Fische. Sie ist also sowohl sensibel, fürsorglich und idealistisch wie auch treu, beständig, zuverlässig, praktisch, und beschäftigt sich bis ins Detail mit dem Konkreten und Greifbaren, das heisst, sie ist fähig, ihre idealistischen Pläne in die Realität umzusetzen. Sie verfügt auch über ein reiches Gefühlsleben und seelische Ressourcen, das zeigen die 7 Planeten – 5 davon sind persönliche – in ihrem 2. Quadranten.

Betont ist das 4. Haus; es zeigt wie der Krebs-Aszendent, dass die Familie, dass Gefühle, Fürsorglichkeit, Umsorgen eine zentrale Rolle in ihrem Leben spielen. Auch das Bedürfnis nach Zugehörigkeit ist ein wesentlicher Bestandteil ihres Lebens. Der Krebs-Aszendent verleiht ihr auch etwas „Mondhaftes“: sie ist sensibel, ruhig, zurückhaltend und reserviert, aber auch launenhaft und kapriziös, hat einen leichten Hang zur Schwermut sowie eine gewisse Scheu und Kontakthemmung. Die Phantasie ist sehr ausgeprägt, aber es gibt auch kindliche Gefühlsäußerungen und Vorstellungen. Das Wunschdenken bestimmt vielfach ihr Leben, sonst hätte sie Hesse niemals angeboten, sein Leben in ihre Hände zu nehmen, wo sie es sicher aufgehoben glaubte.

Hesse nennt Ninon übrigens „eine Tochter der Mondgöttin Selene: ihr Wesen spiegelt sich im Wandel zwischen traurig-stillen, und dann wieder lichten und heiteren Phasen“, für ihn war sie die erste Frau, die ihm wirklich die Mutter ersetzte, nach der er in allen Werken unüberhörbar gerufen hatte.

Der Mond steht als AC-Herrscher in Jungfrau im 4. Haus: Mit den Gefühlen anderer Menschen geht Ninon sorgfältig um, will niemandem weh tun, auch wenn sie selbst leicht verletzbar ist. Diese Empfindlichkeit, eine Mischung aus Krebs- und Jungfrau-Betonung, macht es ihr schwer, Kritik oder harte Worte zu akzeptieren, besonders von Menschen, die sie liebt. Wenn so etwas passiert, ist sie leicht gekränkt und neigt dazu, sich in ihr Schneckenhaus zurückzuziehen. Ihre Verletztheit über Hesses zeitweilige Wutausbrüche verbirgt sie unter einer Hülle von Selbstbeherrschung.

Auch ein oftmaliger Wohnsitzwechsel ist mit dem Geburtsherrn im 4. Haus angesprochen, da sich der Mond in einem beweglichen Zeichen befindet. Ninon ist von Czernowitz nach Wien übersiedelt, hat mit ihrem ersten Mann eine Weile in Berlin und Paris gelebt, bis sie zu Hesse ins schweizerische Montagnola zog.

Das Bedeutsamste in diesem Horoskop ist sicherlich die Neumond-Geburt bei einer Sonnenfinsternis: Sonne und Mond stehen sehr eng beisammen, in einer fast minutengenauen Konjunktion im 4. Haus. Jeder Mensch, der unter einem Neumond geboren wird, hat die Aufgabe, etwas Neues in die Welt hinauszutragen. Gleichzeitig wird bei der Finsternis das eigene Ich (die Sonne) verdunkelt, es strahlt nicht so, wie es strahlen sollte, die eigene Persönlichkeit kann vielleicht nicht so gut zum Ausdruck, die angeborenen Talente nicht voll zur Verwirklichung gebracht werden, da die Sonne ja vom Mond verfinstert wird.

Der Mond in einem Erd-Zeichen zeigt, dass körperliche und materielle Bedürfnisse für Ninon von grösster Wichtigkeit sind, jede Art von – realer oder scheinbarer – Entwurzelung ruft Belastungen und Angst hervor. Am liebsten ist ihr eine vertraute Umgebung, vertraute Menschen und die Sicherheit, zu wissen, was als nächstes geschieht. Mit dem Mond in Jungfrau will Ninon nicht im Mittelpunkt stehen, sondern angepasst sein, ruhig und besonnen, vernünftig, bescheiden, unauffällig; es besteht die Angst, nicht im Sinne der Ordnung zu funktionieren, daher ist sie sehr fleissig und ordentlich, fast penibel, will es auch stets sauber haben. Gefühle drückt sie weniger direkt aus, sondern lebt diese mehr über die Arbeit – nämlich indem sie Hesses Haushalt führt.

Auf materielle Sicherheit und gesellschaftliche Akzeptanz richtet Ninon viel Aufmerksamkeit, manchmal kann sie dabei fast zwanghaft und besessen wirken (Pluto im Quadrat zur Mondknotenachse). Sie ist sinnlich (Mond Konjunktion Venus), aber wählerisch bei der Suche nach Vergnügungen (Saturn in 5).

Da wir es hier aber mit einem Jungfrau-Neumond zu tun haben, ist Ninon natürlich auch sehr lernwillig und wissbegierig, sie wird rasch unsicher, wenn sie etwas nicht weiss. Auch hat sie eine soziale Einstellung, will im Leben etwas Nützliches tun und sich zur Verfügung stellen. Durch die enge Verbundenheit der beiden Lichter ist Ninon aber auch extrem subjektiv und auf sich bezogen. Sie empfindet sich als Hesses „Retterin“, braucht aber bei aller Opferbereitschaft auch seine Abhängigkeit von ihr.

Ihre Sicherheit bezieht sie aus Ruhe und Ordnung sowie einem geregelten Tagesablauf. Sie muss etwas leisten und dienen, darf sich nicht gehen lassen, braucht das Gefühl, nützlich zu sein und gebraucht zu werden, und sie möchte auch keine Zeit für überflüssige Dinge vergeuden. Für ihr Wohlbefinden ist die Anerkennung der geleisteten Arbeit sehr wichtig. Diese Anerkennung kann ihr Hesse nicht oft geben, erst im Lauf der gemeinsamen Jahre erkennt er, wie wertvoll sie für ihn und seine Schaffenskraft ist.

Saturn ist der Herrscher des 7. Hauses, des Partner-Hauses, und steht im 5. Haus. Ninon sucht also Partner, die nicht nur Disziplin und Struktur in die Beziehung einbringen, sondern auch Kreativität. Sie braucht Partner, die verlässlich, aber eventuell auch besserwisserisch sind, die sie beschützen und nach aussen abschirmen, die möglicherweise älter sind und ihr „die Welt erklären“ (diesem Typ entsprachen – wenn auch auf unterschiedliche Weise – beide Ehemänner, Fred Dolbin und Hermann Hesse).

Saturn, der ein Trigon sowohl zum Aszendenten wie auch zum MC bildet, gibt ihr darüber hinaus sehr viel Kraft und Ausdauer bei der Erfüllung ihrer Pflichten und lässt sie allen Widerständen trotzen. Dieses Trigon ist auch für die Beharrlichkeit verantwortlich, mit der Ninon ihre Ziele verfolgt, und macht sie verantwortungsbewusst, zäh und extrem genau bei der Erfüllung der Anforderungen.

Auch durch die Jungfrau-Sonne erkennen wir Ninons Wesen, das analysieren, dienen, ins Detail gehen will, aber es ist auch ein gewisser Mangel an Selbstvertrauen vorhanden, sowie die Neigung zur Unauffälligkeit und die Bereitschaft, sich nützlich zu machen. Trotz einer durchaus kritischen Fassade gibt es eine merkbare Anpassungsfähigkeit, sie stellt selten ihre eigenen Standpunkte und persönlichen Wünsche explizit in den Vordergrund, sondern setzt einfach die ihr notwendig scheinenden Aufgaben und Arbeiten um – aus ihrer subjektiven Perspektive wohlgemerkt. So hat sie einfach beschlossen, Hesse zu retten, weil ihr das aus ihrer Sicht als einzige Möglichkeit erschien.

Zu der engen Konjunktion der beiden Lichter in Jungfrau im 4. Haus kommt noch die Venus hinzu: Ninon stammt aus einem liebevollen Elternhaus, Vater und Mutter werden als Symbiose erlebt (Sonne Konjunktion Mond), das Elternhaus wird als Enklave der Geborgenheit empfunden und erweckt in Ninon die Sehnsucht nach einer ebensolchen Symbiose in ihren eigenen Beziehungen. Eine Sehnsucht, die nicht erfüllt wird. Letzten Endes ist sie, mit Hesse im Dialog stehend, wesentlich hilfreicher für ihn, als in einer möglichen Symbiose, die er ihr verweigert.

Venus steht als Herrin von 5 in Jungfrau im Fall: Ninon möchte sich als Künstlerin sehen, es fehlt ihr jedoch der Mut zur Gestaltung. So will sie wenigstens der Kunst und den Künstlern nahe sein, nicht als Muse, sondern als Dienerin an der Kunst an sich. Die Rückläufigkeit der Venus zeigt uns, dass Ninon gewisse Kunstfertigkeiten mitbringt, aber vergangenheitsorientiert ist und sich schwer tut, etwas Neues zuzulassen. Ninon erkennt allerdings, dass schöpferische Begabung nicht nur in künstlerische Produktivität münden muss, sondern dass sogar zur Gestaltung des eigenen Lebens Kreativität notwendig ist, daher bemüht sie sich, aus ihrem Leben eine Schöpfung zu machen.

Merkur als Sonnen- und Mondherrscher steht in Rezeption zu Venus sowie im Trigon zu Neptun und Pluto: Ninon hat ein fast fanatisches Pflichtgefühl, den Drang, Opfer auf sich zu nehmen, sowie einen Hang zur Perfektion und Genauigkeit, sie braucht aber auch das unaufhörliche Selbstgespräch in Reisetagebüchern, um sich der Kontinuität ihres Lebens bewusst zu bleiben. In der Detailliertheit ihrer Aufzeichnungen zeigt sich ihre Furcht vor Versäumnissen, sie hat einen pedantischen Drang zur Lückenlosigkeit. Dadurch erhalten aber alle Erlebnisse, ob wichtig oder nicht, das gleiche Gewicht.

Während Hermann Hesse als Schriftsteller und Literaturnobelpreisträger weltberühmt wurde, ist der Name seiner 3. Frau weitgehend vergessen, obwohl sein Spätwerk ohne sie undenkbar wäre. Zu ihrem 125. Geburtstag wollen wir ihrer respektvoll gedenken.

Marlen Haushofer zum 100. Geburtstag

Ihr bekanntestes Werk ist der Roman „Die Wand“: Es geht um eine (namenlose) Frau, die eines Morgens in einer Jagdhütte erwacht und bei der Suche nach ihren Freunden merkt, dass ein größeres Gebiet rund um die Hütte von einer unsichtbaren, undurchdringlichen Wand umgeben ist, und dass sie von nun an komplett auf sich selbst gestellt ist. Eine Metapher für ihr eigenes Empfinden des inneren Getrennt-Seins von anderen Menschen?

Marlen Haushofer wurde am 11. April 1920 um 4.00 in Frauenstein/Oberösterreich als Tochter des Forstmeisters Heinrich Frauendorfer und seiner Frau Maria geboren, sie wuchs im Forsthaus im Effertsbachtal auf und genoss ein relativ freies Leben in der Natur. Zu ihrem Vater, der ein grosszügiger, weltoffener Mann gewesen zu sein scheint, hatte sie ein innigeres Verhältnis als zu ihrer Mutter, einer strenggläubigen ehemaligen gräflichen Kammerzofe.

Im Geburtshoroskop werden die Eltern u.a. durch die MC-IC-Achse symbolisiert. Der Vater ist somit Herr des 10., die Mutter Herrin des 4. Hauses. Heinrich Frauendorfer wäre also durch Jupiter verkörpert, der in Löwe im 6. Haus steht und eine applikative Konjunktion zu Neptun und zum Deszendenten bildet. Er war als Förster ein angesehener und beliebter Mann (Jupiter in Löwe), der seine kleine Tochter gerne auf ausgedehnte Touren durch seinen Wald mitnahm und ihr viele Geschichten erzählte.

Merkur, der Herr des 4. Hauses (Zwillinge), steht im mystisch-religiösen Fische-Zeichen, das allerdings sein Exil ist und der Mutter einen im 1. Haus zwar wichtigen, von der Zeichenqualität jedoch geschwächten Platz zuweist. Auch Sonne und Mond repräsentieren Vater und Mutter, und auch hier hat die Mutter die schlechteren „Karten“: Der Mond steht in Steinbock ebenfalls im Exil und weist im 12. Haus auf eine Mutter hin, die für die Tochter emotional distanziert und nicht greifbar war. Die Sonne (Vater) hingegen ist in Widder erhöht und steht für einen starken, selbständigen, aktiven, dynamischen Mann, der allerdings auch cholerisch reagieren konnte, wenn ihm etwas gegen den Strich ging.

Marlens Mutter hatte den Ehrgeiz, eine perfekte Hausfrau zu sein, ein Talent, das sie ihrer Tochter nicht vererbt hatte. Marlen war ein hochintelligentes Mädchen, das neben der Natur, in der sie ihre Freiheit genoss, auch Bücher über alles liebte. Statt zur Hausarbeit herangezogen zu werden, durfte sie aus Vaters Bibliothek deutsche und österreichische Klassiker (Goethe, Schiller, Grillparzer, Stifter) lesen.

Mit 10 Jahren kam Marlen ins Internat zu den Ursulinen nach Linz, die dort ein renommiertes Mädchengymnasium betrieben. Die Umstellung vom freien Leben im Wald zu einem streng reglementierten Klosterdasein war für das Mädchen schwer zu verkraften. Welcher Mensch mit Wassermann-Aszendent unterwirft sich schon gerne strengen Regeln, die die persönliche Freiheit derart einschränken? Ein eigenwilliges, unabhängiges, kreatives Mädchen wie Marlen Frauendorfer sicher nicht. In mehreren Büchern hat sie ihre Kindheit und Jugend in leicht verfremdeter Form geschildert und lässt die Leserinnen und Leser wissen, wie heimatlos und fremd sie sich im Internat gefühlt hat. Es scheint, dass diese scheinbar objektive Perspektive, aus der sie ihr Leben betrachtet hat – ob sie ihr Alter Ego nun Marili genannt hat oder Meta oder Elisabeth -, ihr doch ein Gefühl für ihre eigene Identität gegeben hat.

Später hat sie gestanden: „Ich schreibe nie etwas anderes, als über eigene Erfahrungen. Alle Personen sind Teile von mir, sozusagen abgespaltene Persönlichkeiten…“ (Zitat Marlen Haushofer, Die Furche, 13.4.1968).

Im Horoskop können wir die eigene Befindlichkeit und die ständige Beschäftigung mit sich selbst an einem stark besetzten 1. Quadranten erkennen. In Marlens Radix befinden sich die persönlichen Planeten Merkur, Venus und Sonne im 1. Quadranten, dazu der Geburtsherrscher Uranus, der im 1. Haus auf einen eigenwilligen und unruhigen Charakterzug verweist. Allerdings steht er, so wie auch Merkur und Venus, im Fische-Zeichen, das zur Gänze auch noch im 1. Haus eingeschlossen ist und die rebellische Wassermann-Ader etwas dämpft. So ist es kein Wunder, dass Marlen Haushofer von Zeitgenossen als eine sehr widersprüchliche Persönlichkeit geschildert wird. Da war einerseits die freiheitsliebende, oft distanziert wirkende, sich nicht in den Mittelpunkt drängende Frau, die andererseits aber auch eine sensible, einfühlsame, kreative, phantasievolle Seite hatte. Das Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit (Wassermann) war gross, aber auch die Neigung zur Bequemlichkeit, Trägheit und Chaos (Fische). Über den Mann hofft sie, Sicherheit zu erlangen (Sonne in 2), es besteht aber auch die Tendenz zur Selbstaufgabe, wenn sie sich ihm ausliefert.

Emotional ist sie schwer zugänglich (Mond in Steinbock im 12. Haus). Gefühle zu zeigen und sich auf andere einzulassen, fällt ihr schwer. Sie ist schüchtern, bescheiden und unsicher in der eigenen Wertschätzung. Mit 20 verliebt sie sich in einen deutschen Medizinstudenten, den sie bei ihrem Einsatz beim Reichsarbeitsdienst kennengelernt hat, und der ihretwegen zum Studium nach Wien übersiedelt. Mit ihrer Widder-Sonne gibt sie ja Männern das Gefühl, dass sie stark und männlich sind, was deren Eroberungsdrang aktiviert. Als der Verlobte ihr „Vertrauen missbraucht“ und sie schwängert, trennt sie sich von ihm. Der Familie gegenüber hält sie die als Schande empfundene Schwangerschaft geheim, was relativ leicht gelingt, da sie in Wien Germanistik studiert und räumlich von den Eltern getrennt ist. Nur einigen guten Freundinnen vertraut sie sich an, die ihr hilfreich zur Seite stehen. Zu ihrem Glück lernt sie im Winter 1940 einen anderen Medizinstudenten kennen: Manfred Haushofer stammt aus Graz, ist gutaussehend und vertrauenerweckend, sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Die schicksalhafte Begegnung sehen wir in der Direktion: der progressive Aszendent bildet ein Sextil zum Radix-Mond und ein Trigon zum aufsteigenden Mondknoten, die progressive Sonne steht im Quadrat zum Radix-Aszendenten. Man könnte sich natürlich fragen, inwieweit die (unbewusste) Absicht, einen Vater für das ungeborene Kind zu finden, die Liebe beeinflusst hat.

Dass machtvolle Energien im Spiel gewesen sein müssen, erkennen wir an den Transiten: Transit-Pluto bildet ein Trigon zum Radix-MC und verändert den weiteren Lebensweg grundlegend, Transit-Jupiter ein Sextil zum Geburtsherrn Uranus, was auf glückliche zukunftsbestimmende Veränderungen hinweist, die etwaige Lebensprobleme auf überraschende Weise lösen können, und Transit-Neptun steht in Opposition zur Radix-Venus, was ein schöner Verliebtheitsaspekt ist.

Ein knappes Jahr später – der Sohn Christian ist 1941 in Bayern geboren und wächst bei der Mutter einer Freundin heran – heiraten Marlen und Manfred Haushofer, der danach wieder als Feldwebel eingezogen wird. Im April 1943 bringt Marlen Haushofer einen 2.Sohn, Manfred, zur Welt, diesmal einen ehelichen. Christian wird erst nach Kriegsende nach Österreich geholt und zu seinen Grosseltern ins Forsthaus gebracht, wo er aufgrund seiner zweifelhaften Herkunft nicht gerade geliebt wird. Erst 1947 holen die Haushofers den inzwischen 6-jährigen Christian zu sich nach Steyr, wo sie nun leben, und geben ihm den Namen Haushofer, um die uneheliche Geburt zu vertuschen.

Marlen Haushofer hat sich als Mutter also nicht besonders hervorgetan: Der Steinbock-Mond in 12 im Zusammenhang mit dem Wassermann-Aszendent prädestiniert sie nicht gerade für die Mutterrolle. Aber auch als Ehefrau ging sie mit ihren Gefühlen zurückhaltend um. Anders als in den Anfangsjahren während des Krieges war Marlen in ihrer Ehe nicht glücklich, sondern empfand diese vielmehr als Verpflichtung (Saturn im 7. Haus). Sie hielt aber aus, da ihr materielle Sicherheit sehr wichtig war (Sonne in 2), und sie vor dem Hintergrund des Lebens einer angesehenen Arztgattin (ihr Mann hatte sich in Steyr als Zahnarzt etabliert und zählte dort zur besseren Gesellschaft) ihren schriftstellerischen Ambitionen nachgehen konnte. Mit der Sonne als Herr von 7 in 2 neigte sie ja besonders dazu, sich Selbstwertgefühl und persönliche Sicherheit über den Mann zu holen. Obwohl sie sich von ihrem Mann 1950 scheiden ließ, lebte sie weiter mit ihm zusammen und heiratete ihn 1958 neuerlich.

Und das Schreiben war ihr sehr wichtig. Mit dem Fische-Merkur im 1. Haus macht sie sich ja unaufhörlich Gedanken, die sie künstlerisch umsetzt. Wenn sie sich durch das Schreiben nicht kreativ ausdrücken könnte (Merkur in Fische), würde sie vermutlich in Depressionen fallen (Mond in Steinbock). Ihre eigenen Gefühle hält sie aus Angst vor dem Verletztwerden unter Kontrolle, aber in ihren Romanen und Erzählungen analysiert sie diese Gefühle mit einem kühlen, messerscharfen Durchblick. Ab 1946 publizierte Marlen Haushofer kleinere Erzählungen in Zeitungen und Zeitschriften wie Lynkeus oder Neue Wege. Mit dem zunehmenden Erfolg ihrer Werke nahm sie sich in Wien eine Wohnung und beginnt eine Affäre mit dem verheirateten deutschen Schriftsteller Reinhard Federmann. Doch auch mit ihm wird sie nicht glücklich. Ihre Freundinnen und Freunde meinten, dass Marlen Haushofer eine Beziehung nicht wirklich gebraucht hätte (starker 1. Quadrant) und dass sie auch nicht „zu leidenschaftlicher Liebe geeignet wäre“ (Oskar Jan Tauschinski). Der Hingabefähigkeit, Zärtlichkeit, Romantik und Sinnlichkeit einer Fische-Venus stand wohl der zurückhaltende, seelisch gehemmte Steinbock-Mond entgegen, der der emotionalen Ebene Begrenzungen auferlegt.

Seit ihrer Jugend war Marlen Haushofer gesundheitlich angeschlagen. Mit 12 Jahren bekam sie TBC und musste für ein Jahr aus der Schule genommen werden, und noch bevor sie 20 war, entwickelte sie eine (nicht nachgewiesene) Depression. Die Krankheitsanfälligkeit zog sich durch ihr ganzes Leben, und mit Ende 40 erkrankte sie an Knochenkrebs, an dem sie schliesslich am 21. März 1970, drei Wochen vor ihrem 50. Geburtstag, starb. Das progressive MC macht ein exaktes Quadrat zur Radix-Sonne und zeigt die Vollendung des Lebens an. Das Anderthalbquadrat des progressiven MC auf Saturn (Herr von 12) weist auf den Knochenkrebs hin. Transit-Uranus in exakter Opposition zum Radix-Chiron setzt dem Leiden ein plötzliches Ende. Überlebt haben ihre literarischen Werke, die es wert sind, einem breiteren Publikum bekannt zu werden.

Alfred Adler – zum 150. Geburtstag

Alfred Adler wurde am 7. Februar 1870 in Wien als 2. Sohn einer aus Ungarn stammenden jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Die Sonne in seinem Geburtshoroskop steht im Zeichen Wassermann in Konjunktion mit Mars, Krebs ist das Zeichen am Aszendent, an den sich der Sonnenherrscher Uranus schmiegt. Schon daran erkennen wir die Eckpunkte seines Charakters: ein sensibler, mitfühlender, fürsorglicher Mensch, der seine Empathie nicht nur nach aussen zeigte, sondern sich aktiv und mutig für andere einsetzte (Sonne Konjunktion Mars in Wassermann im 8. Haus) und dabei auch neue Wege beschritt (Uranus Konjunktion Aszendent).

Er litt an Rachitis und wäre mit 4 Jahren beinahe an einer Lungenentzündung gestorben, was uns der progressive Mond in Zwillinge (Lunge) in Opposition zu Saturn (Todesgefahr) anzeigt.

Nach der Matura studierte Adler an der Universität Wien Medizin und wurde zunächst Augenarzt, bevor er sich als Allgemeinmediziner niederließ, wo er mit der Armut vieler Patienten konfrontiert war, die oft unter unzumutbaren Bedingungen lebten. Diese Erfahrung machte ihm die Notwendigkeit sozialmedizinischer Betreuung bewusst, die er in Wien mit Hilfe reformfreudiger Politik vorantrieb. Da er in einer zunehmenden Mondphase geboren ist (Quadrat), ist es auch seine Aufgabe, etwas auf die Beine zu stellen.

In Adlers Radix stehen fast alle Planeten (bis auf Uranus und Saturn) in der oberen Hemisphäre, das heisst, er ist sehr kommunikativ und braucht andere Menschen, um sich seinen Anlagen entsprechend verwirklichen zu können. Er hat aber auch die Aufgabe, seine Potenziale der Allgemeinheit und sich selbst der Öffentlichkeit und Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Das MC, das Hinweise auf den Beruf und die eigene Lebensausrichtung gibt, steht in Fische, was uns den mitfühlenden Menschen aufzeigt, der seine Berufung in einer helfenden, heilenden oder sozialen Tätigkeit findet.

Adler begann sich mehr und mehr für Psychologie zu interessieren, was gut zum Krebs-Aszendenten passt und sich auch im Quadrat zwischen Mond und Merkur zeigt. Ab 1902 nahm er an den Diskussionsrunden der Mittwochabend-Gesellschaft von Sigmund Freud teil, entwickelte jedoch schon bald eine von Freuds Psychoanalyse abweichende, eigenständige Lehre. Kein Wunder, mit Merkur in Wassermann ist er in seinem Denken unkonventionell und eigenwillig, ein Widerspruchsgeist, der Regeln und vorgegebene Rahmenbedingungen nur schwer akzeptieren kann.

Adler sah den Menschen nicht von Trieben bestimmt, sondern als freies Wesen, das die kulturellen Aufgaben lösen muss, die ihm das Leben stellt (eine gute Analogie zur Wassermann-Sonne im 8. Haus). Diese Gegensätze der Anschauungen führten 1911 zum Bruch mit Freud. In seiner 1907 publizierten Studie über Minderwertigkeit von Organen legte Adler seinen Standpunkt und seine neuen Ideen dar. Seine Lehre bezeichnete er als Individualpsychologie (ein fast zwingender Name für einen individualistisch ausgerichteten Wassermann-Geborenen), weil er in seiner Arztpraxis zu dem Schluss kam, dass jeder Patient als Unwiederholbar-Einmaliges, als Individuum und als Ganzheit körperlich zu behandeln und psychisch zu verstehen sei. Er prägte die Begriffe „Minderwertigkeitsgefühl“ und „Minderwertigkeitskomplex“.

Beim Beobachten von Organunzulänglichkeiten konnte Adler feststellen, dass Körper und Psyche die Tendenz haben, diese auf irgendeine Art zu kompensieren. Diese Situation der Minderwertigkeit oder Unterlegenheit fand Adler im psychischen Bereich vor allem bei den drei Lebensaufgaben Arbeit – Liebe – Gemeinschaft. Die menschliche Psyche hat die Tendenz, einen Zustand der Unterlegenheit durch ein hervorgehobenes Geltungsstreben zu kompensieren, wobei nicht selten andere Menschen klein gemacht werden, um selbst besser dazustehen. Adler begründete ein derartiges Minderwertigkeitsgefühl mit einem Mangel an Geborgenheit, dem der Mensch in früher Kindheit ausgesetzt gewesen war, sodass er sich nicht wirklich „aufgehoben“ fühlen konnte – im Unterschied zu ihm selbst, der mit einem in Stier erhöht stehenden Mond in Konjunktion zu Jupiter ausgestattet war. Daraus können wir schließen, dass er von der Familie geliebt und gefördert wurde. Dass das Verhältnis zur Mutter trotzdem nicht so innig war, liegt wohl an der Position des Geburtsherrschers Mond im 11. Haus, was doch eine gewisse Distanz zur Mutter aufzeigt. Freundschaften und und Unternehmungen mit Gleichgesinnten spielen bei dieser Mond-Stellung eine beinahe wichtigere Rolle als die eigene Familie. Ausserdem läuft der Mond nach Jupiter noch auf Pluto zu, sodass die Liebe zur Mutter mit emotionalem Schmerz verbunden gewesen sein könnte.

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war eine Blütezeit der Individualpsychologie. Sein uranisch geprägtes Wesen machte es Adler leicht, sich an den Reformen des Roten Wien zu beteiligen. Die Erziehungsarbeit der Kinderfreunde und die städtische Kinder- und Jugendbetreuung wurden durch Adlers therapeutische Ansätze stark beeinflusst. Im Rahmen der von Otto Glöckel initiierten Wiener Schulreform konnten Adler und seine Mitarbeiter rund dreißig Erziehungsberatungsstellen in Wien eröffnen.

Die Sonnenstellung im 8. Haus bedeutet unter anderem, sich mit den Werten anderer Menschen auseinanderzusetzen – was Adler als Arzt und Psychologe natürlich ausgiebig tut. Er belässt es aber nicht beim Auseinandersetzen, sondern greift aktiv ein (Sonne Konjunktion Mars).

1897 heiratete Alfred Adler in Moskau die Russin Raissa Timofejewna Epstein (Venus im 9. Haus: Beziehung mit Ausländerin), mit der er 4 Kinder hatte – darunter die bekannte Neurologin und Psychiaterin Alexandra Adler (1901-2001). Die Ehe dürfte glücklich gewesen sein, denn erstens hatte Adler auf Frauen wohl eine charismatische Ausstrahlung mit Mond/Jupiter/Pluto, und ausserdem waren beide weiblichen Planeten (Mond und Venus) erhöht gestellt, sodass sich Frauen emotional angesprochen und verstanden fühlen konnten. Mit Venus Sextil Jupiter war Adler sicherlich ein angenehmer und grosszügiger Partner, der sich jedoch auch jene Freiräume nahm, die er aufgrund seines Berufes und seiner Studien benötigte.

Seit 1926 hatte Alfred Adler eine Gastprofessur an der Columbia University New York, und 1934, als die Lage in Europa immer bedrohlicher wurde, übersiedelte er ganz in die USA, kehrte jedoch für Vorträge immer wieder nach Europa zurück. Während einer solchen Vortragsreise starb Adler unerwartet am 28. Mai 1937 in Schottland an Herzversagen. Die Stadt Wien, die die Urne mit Adlers Asche 2011 von Edinburgh nach Wien überführen und in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof beisetzen ließ, würdigte ihren grossen Sohn u.a. auch mit der Benennung einer Straße nach ihm.

Nikolaus Harnoncourt zum 90. Geburtstag

Der grossartige Musiker, Dirigent und langjähriger Leiter des von ihm gegründeten „Concentus Musicus“ wäre am 6. Dezember 2019 90 Jahre alt geworden.

Der Pionier der historischen Aufführungspraxis stammte väterlicherseits aus einem luxenburgisch-lothringischen Adelsgeschlecht, seine Mutter war eine Urenkelin von Erzherzog Johann. Da er an einem 6. Dezember, dem Nikolaustag, zur Welt kam, erhielt er den Vornamen Nikolaus. In Berlin wurde er geboren, weil sein Vater dort als Bauingenieur arbeitete, doch bereits 1931 übersiedelte die Familie nach Graz. Nach Nikolaus wurden noch 3 weitere Brüder geboren, die alle Musikunterricht erhielten und regelmäßig mit den Eltern zusammen Hausmusik praktizierten.

Nikolaus entschloss sich nach dem 2. Weltkrieg, Musiker zu werden, und zog 1948 zum Studium nach Wien, um professionellen Cello-Unterricht zu nehmen. Dort wurde er auf die „Alte Musik“ aufmerksam und lernte auch seine spätere Frau Alice kennen, die Geigerin war. 1952 wurde Harnoncourt als Cellist zu den Wiener Symphonikern verpflichtet, wo er bis 1969 im Orchester spielte.

1953, dem Jahr in dem Nikolaus und Alice heirateten, wurde ein Musikkreis gegründet, der zunächst nur aus Streichern bestand, sich in der Wohnung der Harnoncourts traf und sich zur Aufgabe setzte, Musik aus Barock und Vorbarock auf alten Instrumenten zu spielen, um „Musik als Klangrede“ umzusetzen. Dazu war es notwendig, die alten Spieltechniken zu erlernen, die im Stilwandel der Jahrhunderte verloren gegangen waren. Erst im Jahre 1957 traten die Musiker unter dem Namen „Concentus Musicus Wien“ erstmals öffentlich auf und erzielten wenig später mit den Brandenburgischen Konzerten von Johann Sebastian Bach auf Originalinstrumenten den internationalen Durchbruch.

Nachdem Harnoncourt lange Zeit die Orchesterwerke des Concentus immer vom Cello aus geleitet hatte, begann er in den 1970-er Jahren zu dirigieren und leitete auch andere, moderne Orchester – übrigens immer ohne Taktstock. Er erweiterte das Repertoire der Barockmusik und nahm mehr und mehr auch klassische, romantische und modernere Komponisten in sein Programm auf. Legendär wurde sein gemeinsam mit dem Regisseur Jean-Pierre Ponnelle im Opernhaus Zürich gestalteter Monteverdi-Zyklus, der ihn als Dirigent international bekannt machte, und dem in den 1980-er Jahren noch ein Mozart-Zyklus folgte.

Seit 1985 findet in Graz das Musikfestival „Styriarte“ statt, das bis heute eine wesentliche Aufführungsplattform des Concentus Musicus ist, der sich nach wie vor Harnoncourt verpflichtet fühlt.

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und sogar Anfeindungen seitens anderer renommierter Dirigenten erlangte Nikolaus Harnoncourt mit seinen Musikinterpretationen auf historischen Instrumenten Weltruhm und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Er dirigierte an verschiedenen Opernhäusern, bei den Salzburger Festspielen, den Berliner Philharmonikern und anderen Orchestern von Weltformat. Am 5. Dezember 2015, einen Tag vor seinem 86. Geburtstag, teilte er seinen Rückzug vom Dirigentenpult mit. Nikolaus Harnoncourt starb am 5. März 2016 in St. Georgen im Attergau.

Werfen wir nun einen Blick in das Horoskop dieses aussergewöhnlichen Musikers, der von seiner Arbeit nicht nur beseelt, sondern fast besessen war.

Als erstes fällt die übermäßige Betonung des Feuer-Elements auf: Löwe-Aszendent, Sonne, Merkur und Mars in Schütze sowie Uranus in Widder: Das ist ein Mensch, der für seine Berufung brennt, der mit begeisterungsfreudiger Initiative, mit Mut und Lebensfreude an seine Aufgabe herangeht und dabei auch einen Sinn für Dramatik
erkennen lässt.

Wir finden die meisten Planeten in der unteren Hemisphäre, vor allem im 2. Quadranten, dem Seelenquadranten, haben es also mit einem Menschen zu tun, der in sich selbst verankert ist und möchte, dass die anderen sich mit ihm auseinandersetzen.

Der Löwe-Aszendent verweist auf einen gewissen Geltungsdrang. Das Ich will großartig sein, strahlen, glänzen und im Mittelpunkt stehen, daher strebt es eine Chefposition an, setzt sich gerne in Szene und kann auch autoritär sein. Als Dirigent duldete Harnoncourt keine Schlampereien und liess so lange probieren, bis der von ihm gewünschte Klang und Rhythmus erzielt war.

Die Sonne, die über das Aszendenten-Zeichen herrscht, steht eingebunden in ein Stellium mit Mars und Merkur in Schütze im 4. Haus. Das zeigt, wie wichtig ihm die Familie und sein Zuhause war. Nicht nur arbeitete er ja mit seiner Frau Alice zusammen (Mond in 6: die Frau als Mitarbeiterin), und stellte seine Wohnung für Orchester-Proben zur Verfügung. Auch seine 4 Kinder wurden in die Arbeit eingebunden, die Eltern beschäftigten sich viel mit ihnen und widmeten ihnen tagebuchartige Aufzeichnungen über das gemeinsame Leben. Ein weltoffenes (Schütze) und zugleich harmonisches Zuhause gab dem Musiker Geborgenheit und Kraft (Sonne Konjunktion Mars), die vertraute Umgebung hatte einen hohen Stellenwert in seinem Leben.

Aber auch der Concentus Musicus war eine Art Familie für Harnoncourt. Manche Mitglieder begleiteten ihn jahrzehntelang auf seinem Weg und waren ihm bis zuletzt freundschaftlich verbunden.

Über das, was ihn seelisch und emotional bewegte (also vor allem die Musik) konnte sich Harnoncourt mit viel Begeisterung und Eloquenz äussern (Sonne als Herr von 1 in Schütze Konjunktion Merkur), er war aber auch zuweilen sehr direkt und impulsiv in seiner Ausdrucksweise (Sonne Konjunktion Mars), machte auch gerne spitze, treffende Bemerkungen.

Venus beherrscht das 10., das Berufshaus, und steht in Skorpion im 4. Haus. Wiederum haben wir hier eine Verbindung zwischen dem Beruf, der mit Musik zu tun hat (10. Haus Stier), und dem Privatleben. Einerseits prädestiniert ihn diese Venus-Stellung für eine anspruchsvolle berufliche Tätigkeit, die auch das Gefühl anspricht, andererseits weist sie auf eine leidenschaftliche Beziehung mit seiner Partnerin hin, die auch einen grossen Einfluss auf ihn hat. Soviel wir wissen, war die Beziehung zu seiner Frau Alice sehr glücklich, er schätze sie auch als Künstlerin und besprach sich in wichtigen beruflichen Fragen mit ihr. Da Venus auch über das 3. Haus herrscht, wird die Wichtigkeit der Kommunikation mit der Partnerin über Kunst noch einmal hervorgehoben. Beruf und Liebe bzw. Familie hängen für den Horoskopeigner zusammen, über die Beziehung kann ein wichtiger beruflicher Schritt gemacht werden und umgekehrt.

Auch der Mond steht für die Familie und zeigt uns durch seine Stellung in Wassermann und im 6. Haus, dass der Familienbegriff hier erweitert werden muss: für Harnoncourt waren all jene seine Familie, mit denen er intellektuelle, kulturelle und/oder humanistische Werte teilen konnte. Und mit denen er arbeitete (Mond in 6).

Diese Mondstellung verleiht ihm aber auch das Gefühl, etwas Besonderes zu sein und ein gewisses Sendungsbewusstsein zu haben. Harnoncourt hat sich in seiner künstlerischen Tätigkeit (Mond ist Herr von 12) auf etwas ganz Eigenes spezialisiert (die alte Musik), und darin wollte er auch nicht eingeschränkt werden (Mond in Wassermann), er brauchte emotionale Freiräume, um sich wohl zu fühlen, prüfte Gefühle durch vernunftbetontes Denken und konnte trotz aller Freundlichkeit innerlich distanziert bleiben. Dieser Gefühlszustand wirkte sich auch auf die Arbeit aus, daher brauchte er eine Arbeit, die dem eigenen Wesen entsprach, sowie eine familiäre Atmosphäre bei der Arbeit.

Dass diese Arbeit auch erfolgreich ist und in der Öffentlichkeit gut ankommt, zeigt uns wiederum das Trigon zwischen dem Mond und Jupiter im 10. Haus, der überdies in Opposition zur Sonne steht und zusätzlich Glück in der Selbstverwirklichung bedeutet. Harnoncourt hat bei seinen Mitarbeitern stets hohes Vertrauen genossen, sodass er seine Visionen im Beruf verwirklichen konnte (Jupiter in 10), allerdings mit Verzögerungen, da Jupiter rückläufig ist. Doch konnte er sich das Vertrauen und Ansehen der Öffentlichkeit erwerben. Jupiter herrscht über das 5. Haus (Kreativität): der Horoskopeigner kann seine Kreativität beruflich zum Ausdruck bringen, was gut ist für die Selbstbestätigung.

Interessanterweise steht Saturn im Haus der Kreativität – er bedeutet hier aber keineswegs Hemmung oder Einschränkung, sondern, dass Harnoncourt seinen kreativen Ideen eine Form verlieh, und dass er sich bemühte, perfekte Leistungen zu vollbringen. Dennoch dürfte er eine gewisse Scheu gehabt haben, sich zur Schau zu stellen, sondern fühlte sich erst dann bereit für den grossen Auftritt, wenn alles tadellos war. Auf Auftritte bereitete er sich seriös und strukturiert vor und wirkte entsprechend klar und fachkundig. Er war sehr gewissenhaft in Bezug auf das Leben, das nicht vertan werden durfte, fühlte sich in oberflächlicher Gesellschaft und mit Small Talk nicht wohl, legte aber durchaus Wert darauf, als künstlerische Autorität anerkannt zu werden.

Saturn steht auch für das Alte (alte Musik) und bedeutet im Quadrat zu Uranus das Aufbrechen alter Werte und das Neue und Ungewöhnliche, das das Spielen von alter Musik auf Originalinstrumenten mit sich brachte.

Bleiben noch die Mondknoten, die genau über die MC/IC-Achse verlaufen und eine besondere Begabung sowie Schicksalshaftigkeit der Verwirklichung anzeigen. Der nördliche Mondknoten in Stier und am MC bedeutet, dass Harnoncourt seiner ureigenen Bestimmung und Berufung zu folgen hat (Stier steht für Musik), und zeigt auch eine besondere Leistung an, die zur Berühmtheit führt.

Somit gedenken wir dieses aussergewöhnlichen Menschen und Musikers an seinem 90. Geburtstag mit Freude und Dankbarkeit für das, was er der Musikwelt geschenkt hat.

Clara Schumann zum 200. Geburtstag

Sie galt im frühen 19. Jahrhundert bereits als Wunderkind am Klavier und entwickelte sich zur europaweit gefeierten Virtuosin: Clara Wieck, geboren am 13. September 1819 in Leipzig, wurde von ihrem musikbegeisterten Vater schon früh auf diese Rolle hin erzogen. Friedrich Wieck, studierter Theologe und ausgebildeter Pianist, der auch eine Klavierfabrik und eine Leihanstalt für Musikalien gegründet hatte, ließ seiner ältesten überlebenden Tochter bereits im Alter von 5 Jahren intensiven Klavierunterricht zuteil werden.

Clara hatte die Musik sozusagen in den Genen (die Mutter war Sängerin), was wir auch sehr schön in ihrem Geburtshoroskop sehen können: Sowohl der Krebs-Aszendent als auch das MC in Fische deutet auf eine künstlerische Veranlagung hin, die noch verstärkt wird durch den Mond in Konjunktion zum Aszendenten. Der Mond, der ja im Horoskop auch für die Weiblichkeit und die Mutter steht, ist hier hochsensibel und kreativ angelegt, hat aber auch das Bedürfnis, diese Liebe zur Musik nach aussen (Krebs-Aszendent) sichtbar zu machen.

Friedrich Wieck hatte das aussergewöhnliche Talent seiner Tochter erkannt, und damit sie sich ganz auf das Klavierspiel konzentrieren konnte, nahm er sie nach wenigen Jahren aus der öffentlichen Grundschule und ließ sie privat unterrichten. Dadurch blieb die Ausbildung Claras weitgehend auf die Musik beschränkt, umfasste aber auch das Erlernen von Fremdsprachen und als Ausgleich lange Spaziergänge zur körperlichen Ertüchtigung. In seiner Unterrichtsmethode war der Vater keineswegs zimperlich, man könnte ihn als streng und unerbittlich bezeichnen, und er betrachtete Clara als sein Eigentum und sein Produkt. In Claras Radix gibt uns die Stellung der Sonne (Vater) in Opposition zu Pluto und Saturn den Hinweis auf einen dominanten, bestimmenden Vater, der hohe Ansprüche an Disziplin und Pflichtgefühl stellt und auf seine Tochter einen hohen Erwartungsdruck ausübt. Diese versucht, dem zu entsprechen, wenn auch nicht ohne gelegentliche Widerstände.

Mit der Zeit dürfte Clara diese Ansprüche jedoch verinnerlicht haben, denn sie fand durch den präzisen künstlerischen Ausdruck ihre Selbstverwirklichung (Stellium Merkur, Venus und Sonne in Jungfrau), und entwickelte einen enormen Ehrgeiz (Sonne Opposition Saturn), wobei sie von sich selbst und von anderen viel verlangte. Immer wieder musste sie sich jedoch auch am Vater reiben und mit ihm kämpfen. Der angeborene und vielleicht anerzogene Mangel an Selbstbewusstsein (Jungfrau-Sonne Quadrat Neptun) liessen sie an sich selbst zweifeln, wenn sie nicht alles erfüllte, was der Vater von ihr verlangte. Und der Erfolg stellte sich bald ein. Clara Wieck fand schon bei ihren frühen, privaten Auftritten große Anerkennung. Für den Vater war sie das Aushängeschild seiner klavierpädagogischen Methode, die er auch Musikern wie Robert Schumann und Hans von Bülow angedeihen ließ.

Friedrich Wieck war aber weit mehr als nur Claras Lehrer: er organisierte ihre oft mit Strapazen verbundenen Konzertreisen und sorgte dafür, dass am Aufführungsort ein funktionierender Flügel für die Pianistin bereitstand, was damals nicht selbstverständlich war. Er suchte allerdings auch die Werke aus, die sie spielen sollte, das waren vor allem gefällige und zugleich technisch anspruchsvolle Kompositionen zeitgenössischer Komponisten, erlaubte ihr aber auch, eigene Kompositionen aufzuführen. Erst als sich der Einfluss des Vaters verringert hatte, spielte Clara Wieck in ihren Konzerten auch anspruchsvollere Werke von Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach, Frédéric Chopin und Robert Schumann. So wurde sie bereits in jungen Jahren als Virtuosin am Klavier im In- und Ausland bekannt und wurde in einem Atemzug mit Pianisten wie Adolf Henselt oder Franz Liszt genannt.

Nichtsdestotrotz haben wir es mit einem Horoskop zu tun, das eine massive Vater-Problematik aufweist, erkennbar daran, dass die Sonne vielfach verletzt ist und Spannungswinkel zu praktisch allen überpersönlichen Planeten aufweist: Quadrat zu Uranus und Neptun, Opposition zu Pluto, Chiron und Saturn. Mit dieser Prägung hat Clara im weiteren Leben eine Affinität zu schwierigen Männern: Es waren unberechenbare Exzentriker, aber natürlich auch mit aussergewöhnlichem Talent gesegnete Männer (Sonne Quadrat Uranus), Künstler, Spieler und Kranke (Sonne Quadrat Neptun), mit einem Hang zur Depression (Sonne Opposition Saturn) und zur Selbstzerstörung (Sonne Opposition Pluto). Saturn als Herrscher des partnerbezüglichen 7. Hauses steht in Konjunktion zu Chiron und Pluto im 10. Haus: es ist also klar, dass ihre beruflichen Ambitionen mit denen eines Partners eng, wenn auch nicht konfliktfrei, verwoben sind.

Einen Mann, der die meisten dieser Eigenschaften in sich verkörperte, fand Clara in Robert Schumann, einem Schüler ihres Vaters. Dieser geniale Komponist und hochbegabte Pianist, der sich in seinem Perfektionsdrang selbst so unter Druck setzte, dass die rechte Hand gelähmt wurde, was seine Pianistenkarriere frühzeitig beendete, weist in seinem eigenen Horoskop ein exaktes Sonne-Pluto-Quadrat sowie eine Sonne-Saturn-Opposition auf und war bei aller künstlerischer Begabung ein extrem schwieriger Mensch. Er wurde Claras grosse Liebe, bei ihm fand sie nicht nur eine tiefe Verbundenheit (seine Venus nahe ihrem Aszendenten) und Leidenschaft (sein Pluto in Opposition zu ihrer Sonne), sondern auch sehr viel Verständnis für ihr eigenes Künstlertum, das er entsprechend förderte (sein Jupiter im Trigon zu ihrer Sonne). Sie dankte es ihm, indem sie seine Werke aufführte und so seine Bekanntheit in der Öffentlichkeit vorantrieb (ihr Jupiter in Quadrat zu seinem MC).

Kennengelernt hatten sich die beiden, als Clara 8 Jahre alt war. Schumann war ja ein Schüler ihres Vaters und verkehrte häufig im Hause Wieck. Die Liebe erwachte, als Clara 16, der neun Jahre ältere Robert Schumann 25 war. Friedrich Wieck war jedoch keinesfalls bereit, die Liebe seiner Tochter zu Robert Schumann zu akzeptieren. Er überwachte sie fast rund um die Uhr, untersagte jeglichen Kontakt und verbot ihr selbst einen Briefwechsel mit Robert Schumann. Dennoch gelang es dem Liebespaar, sich heimlich zu treffen. Mit 20 Jahren verließ Clara Wieck den väterlichen Haushalt. Aufnahme fand sie ab September 1839 bei ihrer Mutter in Berlin (Claras Eltern hatten sich 1824 getrennt und waren jeweils neue Verbindungen eingegangen), wo sie die Weihnachtszeit 1839 mit Robert Schumann verbringen konnte und bis zur Hochzeit im September 1840 wohnte.

Clara war also bereit, für ihre Liebe zu kämpfen und sich gegen den Willen des Vaters durchzusetzen – damit hat sie eine wesentliche Aufgabe der Sonne-Pluto-Opposition erfüllt: Abnabelung vom Vater, Selbstverwirklichung, Durchsetzung und Lebensgestaltung nach eigener Vorstellung.

Unmittelbar nach der Eheschließung sah sie sich selbst primär als Ehefrau Robert Schumanns, die ganz für ihn und sein Wohlergehen präsent sein und ihm ein sorgenfreies Leben und ungestörtes Komponieren ermöglichen wollte. Mit Venus im 4. Haus im Sextil zum Mond ist es ihr ein Anliegen, für ein harmonisches Familienleben zu sorgen. Selbstverständlich oblagen ihr auch die Führung des Haushalts und die Aufsicht über die Bediensteten (Sonne im 4. Haus). Die Schumanns führten erst in Leipzig, dann in Dresden und schliesslich in Düsseldorf ein offenes Haus und empfingen viele Gäste, vor allem Musiker, die ihre eigenen Werke präsentieren oder mit Clara musizieren wollten (Venus Konjunktion IC steht für Kunst im eigenen Heim, in der Familie, und verkörpert auch eine charmante Gastgeberin). Dennoch wollte Clara im Lauf der Zeit ihre künstlerische Laufbahn weiterverfolgen, Konzerte geben und auf Konzertreisen gehen, da sie Angst hatte, ihre pianistischen Fähigkeiten zu verlieren, wenn ihr die tägliche Übung und die stete Begegnung mit dem Publikum fehlte. Robert Schumann sah es jedoch zunächst nicht gern, dass seine Frau weiterhin konzertieren wollte; er verlangte zumindest für das erste Ehejahr ihre Gegenwart ganz an seiner Seite und regte sie mehr zum Komponieren an. Dazu wurde Clara bald schwanger, sie brachte insgesamt 8 Kinder zur Welt, von denen 7 überlebten.

Doch Clara Schumann setzte ihren Wunsch, auch als Ehefrau und Mutter wieder aufzutreten und auf Konzertreisen zu gehen, recht rasch durch (auch das eine Komponente der Sonne-Pluto-Opposition und des Mondes am Aszendenten, der das Bedürfnis nach künstlerischem Ausdruck zeigt). Nicht zuletzt die finanzielle Situation der Familie ließ diesen Schritt als sehr angeraten erscheinen; denn Clara Schumann trug mit ihren Konzerteinnahmen in ganz erheblichem Maße dazu bei, dass der Lebensunterhalt für die Familie bestritten werden konnte. Die Sonne als Herrscherin des 2. Hauses steht im 4. Haus: sie sorgt dafür, dass das Einkommen der Familie zugute kommt.

Die glückliche und auch sexuell erfüllte Ehe fand ein jähes Ende, als Robert Schumann sich in einem Anfall von Depression und Halluzinationen von einer Brücke in den Rhein stürzte, um Selbstmord zu begehen. Er wurde gerettet und in eine Nervenheilanstalt eingeliefert. Clara, die damals mit dem jüngsten Sohn schwanger war, durfte ihn auf Anraten seiner Ärzte jedoch nicht besuchen. Dies wurde ihr erst zwei Jahre später, kurz vor Schumanns Tod, gewährt. So tief sie der Tod ihres Ehemanns getroffen haben musste, zeigt das Trigon zwischen dem Mond und Pluto, dass ihre Stabilität in Krisen und Umbruchsituationen doch sehr viel höher war, als es nach aussen hin den Anschein erwecken mochte.

Bereits 1853 hatte Clara den jungen Komponisten Johannes Brahms kennengelernt, der auf einer Reise durch Deutschland beim berühmten Kollegen Robert Schumann seine Aufwartung machte und höchst liebevoll im Hause Schumann aufgenommen wurde. Brahms‘ Verehrung für Schumann und die leidenschaftliche Liebe zu dessen Gattin, die durch zahlreiche Briefe belegt ist (auch wenn die meisten vernichtet wurden), gingen Hand in Hand. Auch Clara schätzte und liebte den 14 Jahre Jüngeren. Es ist jedoch zweifelhaft, ob die beiden wirklich ein intimes Liebespaar waren, selbst wenn beide das ersehnt haben mögen. Solange Schumann am Leben war, hielt Clara ihm unverbrüchlich die Treue, und auch Brahms hätte es nicht gewagt, dem verehrten Freund und Meister die Gattin auszuspannen. Dass die gegenseitige Anziehung und liebevolle Zuneigung gross und tief war, ist erwiesen. Ob es beiderseits mangelnder Mut war oder Brahms‘ offensichtliche Bindungsunfähigkeit, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls hat sich im Lauf der Jahre eine tiefe und innige Seelenfreundschaft zwischen den beiden grossartigen Menschen und Musikern entwickelt (Mars in Krebs Sextil Venus), in der sie sich gegenseitig förderten. Bei fast jedem ihrer Konzerte spielte Clara zumindest eine Komposition ihres Freundes Brahms, und er stand ihr in schweren Zeiten sowohl als Seelentröster, wie als tatkräftiger Unterstützer in praktischen und finanziellen Angelegenheiten zur Seite.

In späteren Jahren ging Clara Schumann noch einmal eine Liebesbeziehung ein, und zwar zu dem Komponisten Theodor Kirchner. Diese Beziehung scheiterte jedoch an Kirchners Spielsucht und seiner Unverlässlichkeit (Sonne Quadrat Neptun und Uranus), sodass sie diese Verbindung beendete. Ihr Leben war weiterhin ausgefüllt von erfolgreichen Konzertreisen durch zahlreiche Städte Europas. Clara Schumann blieb eine überall gefeierte Pianistin. 1878 wurde sie als erste Klavierlehrerin an das Konservatorium Frankfurt am Main berufen und betätigte sich als Herausgeberin der Kompositionen Robert Schumanns. Auf diese Weise – und durch ihre Aufführungen seiner Werke – vermehrte sie zu einem grossen Teil seinen Ruhm als Komponist. Ihr letztes Konzert gab sie am 12. März 1891 im Alter von 71 Jahren. Am 26. März 1896 erlitt Clara Schumann einen Schlaganfall und starb wenige Monate später nach einem weiteren Schlaganfall am 20. Mai 1896 im Alter von 76 Jahren.

Dass Claras künstlerisches Potenzial sich nicht nur auf das Klavierspielen, sondern auch auf das Komponieren erstreckte, ist am Horoskop dieser hochsensiblen Künstlerin ablesbar. Die starke Wasserbetonung, die sie phantasievoll, intuitiv und kreativ machte, der Krebs-Aszendent mit dem Mond an seiner Seite kann sowohl die eigenen Gefühle als auch die anderer Menschen zum Ausdruck bringen. Das Fische-MC mit dem Herrscher Neptun im 6. Haus steht für die künstlerische Berufung, der auch im Alltag Ausdruck verliehen wird. Das Sextil zwischen Merkur und Mars verleiht ihr eine rasche Auffassungsgabe sowie Fingerfertigkeit, die Rezeption zwischen Jupiter und Uranus schenkt ihr Inspiration und bietet immer wieder Chancen, die sie zu nützen versteht. Bleibt noch der aufsteigende Mondknoten in Widder und im 10. Haus: ein eindeutiger Hinweis darauf, sich mit der von der Familie mitbekommenen künstlerischen Ader (Südknoten in Waage in 4) im Beruf mit Tatkraft, Mut und Initiative durchzusetzen und nicht in Ehe und Familie das alleinige Seligmachungsinstrument zu sehen. In diesem Sinne ist Clara Schumann ihrer Bestimmung gefolgt und hat ein erfülltes Leben gelebt.