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Willkommen in meinem Blog!

In meinem Blog finden Sie in regelmäßigen Intervallen interessante Erklärungen zu den Grundlagen der Astrologie, Horoskope von Promis & historischen Persönlichkeiten und vieles weiteres, das Sie interessieren könnte.

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Arik Brauer – zum 90. Geburtstag

Ein Überlebenskünstler war er immer schon. Am 4. Jänner 1929 als Sohn eines jüdischen Schusters in Wien geboren, musste er als Kind erleben, wie sein Vater von den Nazis in ein Konzentrationslager verschleppt und dort ermordet wurde. Der kleine Erich – so sein Geburtsname – überlebte das Terrorregime in einem Versteck in Wien.

Gleich nach dem Krieg begann Brauer an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Albert Paris Gütersloh Malerei zu studieren. In dieser Zeit gründete er mit seinen Studienkollegen Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Ab 1947 studierte er zusätzlich Gesang an der Musikschule der Stadt Wien. 1954/55 lebte Brauer als Sänger und Tänzer in Israel und trat 1956 als Tänzer im Raimund-Theater in Wien auf. 1957 heiratete er die aus Israel stammende Jemenitin Naomi Dahabani, mit der er nach Paris zog und dort gemeinsam mit ihr als Gesangsduo auftrat. Gleichzeitig hatte er in Paris seine erste erfolgreiche Einzelausstellung als Maler. 1964 verließ er Paris und kehrte mit seiner Frau nach Wien zurück, wo die Phantastischen Realisten bereits grosse Erfolge verzeichnen konnten.

Brauer, der seinen Vornamen später von Erich auf Arik änderte, war immer ein vielseitiger Künstler, der neben Gemälden auch Bühnenbilder (z.B. für die Wiener Staatsoper) schuf und in den 1970-er Jahren auch eine viel beachtete Sänger-Karriere mit Dialektliedern startete. Seit den 2000-er Jahren tritt er auch gemeinsam mit seinen Töchtern Timna und Ruth sowie dem Schwiegersohn Elias Meiri auf. 1986 bis 1997 war Arik Brauer ordentlicher Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

1991 begann er mit der künstlerischen Gestaltung des 1994 fertiggestellten Arik-Brauer-Hauses im 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf. 2002 erhielt er den Auftrag der Botschaft Österreichs in Berlin zur Gestaltung des österreichischen United Buddy Bears, den er in der Art des Phantastischen Realismus bemalte.

Arik Brauer wirkt mit 90 Jahren nach wie vor sehr vital und geistig rege, und obwohl er der Politik der derzeitigen österreichischen Regierung kritisch gegenübersteht, verurteilt er die Regierungsmitglieder der FPÖ nicht pauschal, sondern zeigt sich tolerant und humanistisch. Hat diese Einstellung etwas mit seinem Geburtshoroskop zu tun?

Das Geburtsdatum verrät, dass wir es hier mit einer Steinbock-Sonne zu tun haben, die sich in der positiven Verwirklichung durch grosses Verantwortungsgefühl, Treue, Disziplin, Konsequenz, Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Pflichtbewusstsein auszeichnet. Steinbock-Geborene verfügen in der Regel über Ehrgeiz und grosses Vertrauen in die eigene Kraft. Sie können sich in die schwierigsten Probleme so lange vertiefen, bis sie eine geeignete Lösung gefunden haben. Und sie sind fähig, sich für eine gewisse Zeit zu reduzieren und mit geringsten Mitteln auszukommen.

Allerdings kann die Sonnenstellung in Steinbock und im 2. Haus auch auf Selbstzweifel sowie ein geringes Selbstwertgefühl hinweisen. Gleichzeitig existiert jedoch auch die innere Überzeugung, es aus eigener Kraft, mit Fleiss und Ausdauer „schaffen“ und sich so seinen eigenen Wert verleihen zu können. Auch wenn Brauer aus ärmlichen Verhältnissen stammte und gelernt hatte, mit Kargheit und Armut umzugehen, so bestand dennoch das starke Bedürfnis, seine Talente und Fähigkeiten zu entwickeln, um (materielle) Werte zu erwerben und zu einem stabilen Selbstwertgefühl zu gelangen. Steinbock-Geborenen wird ja Langlebigkeit nachgesagt, viele spüren das auch und sind daher bestrebt, durch das Anhäufen von Werten einer möglichen Altersarmut vorzubeugen. Arik Brauer braucht sich davor sicher nicht zu fürchten.

Brauers Sonne weist keine Aspekte auf – ausser eine Opposition zu Pluto: Als Kind musste er Situationen erleben, in denen er sich total hilflos und ausgeliefert fühlte, um sein Leben kämpfte und Gewalt hautnah miterlebte. Diese frühen Erfahrungen mit Macht und Gewalt haben ihn so weit geprägt, dass er sich vermutlich nach dem Ende des Kriegs geschworen hat, sich nie wieder zum Opfer machen zu lassen. Die starke Verletzung der durch die Sonne verkörperten eigenen Persönlichkeit führte dazu, dass er stets Mühe hatte, Situationen zu akzeptieren, die er nicht kontrollieren konnte. Da die Sonne im Horoskop aber auch für den Vater steht, finden wir in der Pluto-Opposition wohl den Hinweis auf die Ermordung des Vaters.

Bei all diesen traumatischen Kindheitserfahrungen konnte Brauer seinen Schütze-Aszendenten nur als Rettung erleben, denn der stattete ihn trotz allem mit genügend Optimismus und Selbstvertrauen aus, um sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen und selbst schwierigste Situationen zu meistern. So hat er das Leben mit viel Schwung und Elan angepackt, wirkt lebhaft, spontan, begeisterungsfähig und überzeugend. Sein Leben wird in vielen Bereichen bestimmt von der Sinnsuche, und im Lauf seines Lebens hat er wohl erkannt, dass alles mit allem verwoben ist, Sinn hat und in einem grösseren Zusammenhang steht. Ein Mensch mit Schütze-Aszendent braucht aber auch Bewegung, geistige und körperliche. Arik Brauer war immer sehr sportlich. In seiner Jugend reiste er mit dem Fahrrad durch Europa und Afrika, später ging er leidenschaftlich gerne bergsteigen und schifahren.

Auch die Stellung des Geburtsherrn ist in diesem Zusammenhang wichtig. Jupiter, der über das Zeichen Schütze herrscht, steht auf 0° Stier im 5. Haus in Konjunktion mit Chiron und im Trigon zu Neptun. Die persönliche Selbstverwirklichung ist also an etwas Neues geknüpft (0°-Stellung des Aszendenten-Herrschers im 5. Haus), und Kreativität wird als lebensnotwendiger Selbstausdruck empfunden. Wie wir schon im Blog über Hundertwassser festgestellt haben, bedeutet die 0°-Stellung des Geburtsherrschers, dass der Betreffende sich aus der Masse heraushebt. Jupiter als Geburtsherr verkörpert den Hunger nach Wahrheit und sinnvoller Orientierung im Leben. Der Horoskopeigner glaubt an ein höheres Ideal und eine günstige Fügung im Leben und muss doch immer wieder schmerzhaft feststellen, dass seine Vorstellungen sich nicht mit der Realität decken. Er gibt sich jedoch nicht geschlagen, sondern möchte seinen Beitrag für eine bessere Welt erbringen und setzt sich mit leidenschaftlichem Engagement gegen die Übel in der Welt ein – so wie Brauer das beispielsweise mit seinen kritischen Liedern getan hat. So versteht er es, auch anderen Sinn und Begeisterung zu vermitteln. Trotz seiner entsetzlichen Erfahrungen als Kind und Jugendlicher schafft er es, sich seinen Glauben an das Gute im Menschen zu bewahren und eine versöhnliche Haltung einzunehmen (Jupiter Trigon Neptun).

Und wo sehen wir den Künstler?, werden Sie fragen. Nun, wie bei den meisten Künstlern, die sich in der Öffentlichkeit durchsetzen konnten, gibt es hierfür mehrere Hinweise. Zunächst finden wir das MC im künstlerischen Waage-Zeichen, die Herrscherin Venus in Wassermann im 3. Haus. Neben Freiheitsliebe, Toleranz, der Suche nach einer aufregenden, unkonventionellen Beziehung steht eine Wassermann-Venus auch für ein ungewöhnliches Kunstverständnis. Heutzutage ist uns der Phantastische Realismus vertraut, doch in den 1950-er Jahren galt er als höchst irritierend, da nach dem 2. Weltkrieg die Kunst sich eher abstrakt, gegenstandslos oder monochrom ausdrückte. Diese Wiener Schule aber verwendete phantastisch-unwirkliche Motive, manchmal mit schockierenden, apokalyptischen Inhalten, oft mit einer Orientierung am Manierismus sowie an der Maltechnik der Alten Meister. In diesem Sinn war diese Neuschöpfung, an der Brauer beteiligt war, schon sehr innovativ und ungewöhnlich. Dass sie auch erfolgreich wurde, liegt wieder am Geburtsherrscher Jupiter, der dem MC im Quincunx gradgenau verbunden ist.

Diese berufsbezogene Wassermann-Venus bezeichnet also einen Freigeist und Visionär, der nicht in kleinkarierten Schablonen denkt und seiner Zeit in vielen Dingen voraus ist, authentisch und immer sich selbst treu. Im 3. Haus besteht natürlich ein reges Interesse für Kunst und Selbstdarstellung, die Begabung für Design, Interesse an künstlerischen und kulturellen Unternehmungen und eine Vorliebe für Literatur und Dichtung. Darüberhinaus hat Brauer dank dieser Venus eine angenehme, melodische Stimme und die Fähigkeit, in seiner Umgebung eine fröhliche, harmonische Atmosphäre zu verbreiten. Er pflegt regen Gedankenaustausch mit Freunden und Bekannten, kann witzig, optimistisch und sehr charmant sein.

Das Trigon zwischen Venus und Mars steht für die Ausgewogenheit der männlichen und weiblichen Anteile eines Menschen. Meist findet er einen vernünftigen Kompromiss zwischen den Polen Lebensgenuss, Harmonie, Kreativität und Aktivität im Beruf, steht mit beiden Beinen im Leben und hat großen Spaß daran. Ebenso hat er eine faszinierende Ausstrahlung und dementsprechend wahrscheinlich viele interessante Bekanntschaften und Beziehungen. Er ist jedoch vernünftig genug, deswegen nicht stabile Beziehungen privater oder beruflicher Art leichtsinnig aufs Spiel zu setzen. Da sein Beruf es ihm ermöglicht, kreativ tätig zu sein und vielfältige Kontakte und Beziehungen zu anderen Menschen zu unterhalten (Mars steht in Zwillinge im 7. Haus), kommt er mit Sicherheit gut an bei anderen. Das grosse Trigon wird noch durch den Mond in Waage vervollständigt, was die Du-Bezogenheit, Friedfertigkeit und Charme unterstreicht. Diese drei Planeten (Mond-Venus-Mars) ergänzen einander auf wohltuende Weise. Wir können davon ausgehen, dass Arik Brauer ein durchaus willensstarker Mensch ist, der es jedoch versteht, dies nicht negativ ausarten zu lassen, sondern im richtigen Moment die Initiative zu ergreifen und aktiv zu werden, ohne andere vor den Kopf zu stoßen. Dabei muss er sich gar nicht verstellen. Er kann handeln, wie es seiner inneren Befindlichkeit entspricht, und drückt auch negative Gefühle und Emotionen ehrlich und überlegt aus, so dass sich in seinem Inneren kaum zerstörerische und gewalttätige Gefühle aufstauen.

Mars steht zwar in Opposition zu Saturn, was auf grossen Ehrgeiz und Konkurrenzdenken, auch auf zielgerichteten Energieeinsatz hinweist, doch bildet Saturn auch ein Sextil zum Mond – einerseits ein erneuter Hinweis auf eine leidvolle, belastete Kindheit, andererseits aber auch (da es ja ein harmonischer Aspekt ist) die Fähigkeit, Gefühle so weit unter Kontrolle zu haben, dass diese nicht die Zügel in die Hand nehmen und eine unkontrollierte Regie in seinem Leben führen. Das kann ihn zu einem Lebenskünstler machen, der zwar instinktiv das Angenehme und Schöne im Leben sucht, sich aber davon nicht blenden und fesseln lässt.

Mars-Saturn gibt es in Brauers Radix in doppelter Ausführung: als Opposition, wie oben besprochen, aber auch durch die Saturn-Stellung im 1. Haus. Dies könnte die Begründung für den leptosomen Körperbau Brauers sein, aber auch sein Faible für schwarze Outfits erklären. Saturn bekommt als Sonnen-Herrscher natürlich ein besonderes Gewicht, die Stellung im 1. Haus macht ihn nach aussen sichtbar. Im Schütze-Zeichen kann er schon gewisse Zweifel an jeglichen Religionen haben. Brauer bekennt sich natürlich zu seiner jüdischen Herkunft, ist aber kein religiöser Mensch und fordert daher Äquidistanz zu allen Religionen und deren Symbolen.

Zum Schluss noch ein paar Hinweise auf die Stellung der überpersönlichen Planeten in Brauers Horoskop: Uranus im 4. Haus nahe dem IC erzählt über ungewöhnliche häusliche Verhältnisse und Familienbeziehungen und ist auch ein Hinweis darauf, dass die Familie schon in früher Jugend auseinandergerissen wurde. Ein Mensch mit dieser Uranus-Stellung fühlt sich infolgedessen oft fremd in der Heimat oder wechselt häufig den Wohnsitz. Später könnte er ungewöhnliche Häuser bauen (wie das Arik Brauer- Haus in der Gumpendorfer Straße in Wien). Ein Merkmal für eine wenig ausgeprägte Ortsgebundenheit oder mehrere Wohnsitze ist auch die Stellung Merkurs im 2. Haus im Quadrat zum Mond.

Pluto in 8 steht für frühe Erfahrungen mit Macht, Tod und Gewalt, die Brauer aber auch Stärke verleihen und ihn sehr willensstark, ausdauernd, ehrgeizig und unnachgiebig im Verfolgen einmal gesteckter Ziele machen. Dank seiner Resilienz- und Regenerationsfähigkeit versteht er Umbrüche und Krisen als Chance zur Erneuerung.

Heute bezeichnet sich Arik Brauer als glücklichen und zufriedenen Menschen, der im Leben alles erreicht hat, was er sich nur wünschen konnte. Er ist seit über 60 Jahren mit seiner Frau Naomi verheiratet, hat drei Töchter (von denen 2 in Wien leben, und eine in Israel) und mehrere Enkelkinder, die er über alles liebt. Nach wie vor malt er täglich und erfreut sich guter Gesundheit. Dass dies noch lange so bleiben möge, eine ungebrochene Lebens- und Schaffenskraft und noch viele gute Jahre, das wünschen wir dem Universalkünstler Arik Brauer zum 90. Geburtstag.

Friedensreich Hundertwasser – zum 90. Geburtstag

Der international bekannte Maler, Architekt und Umweltschützer wurde als Friedrich (Fritz) Stowasser am 15. Dezember 1928 in Wien geboren. Nachdem sein Vater kurz nach seinem ersten Geburtstag an den Folgen einer Blinddarmoperation verstarb, zog ihn seine jüdische Mutter – im römisch-katholischen Glauben – allein gross. Obwohl sie von den Nazis in eine Wohnung im 2. Bezirk zwangsumgesiedelt wurde, blieb ihr und ihrem Sohn die Vernichtung durch das NS-Regime erspart.

Stowassers künstlerisches Talent wurde bereits in der Volksschule erkannt. Im Alter von 15 zeichnete er viel nach der Natur, gleichzeitig (1943) begann er für einige Jahre, ein Tagebuch zu führen. In diesem Jahr waren an die 70 Verwandte mütterlicherseits (darunter Grossmutter und Tante) deportiert und getötet worden. Mit 20 Jahren besuchte er für einige Monate die Akademie der bildenden Künste in Wien. Von diesem Zeitpunkt an ging er dazu über, seine Werke mit „Hundertwasser“ zu signieren – hundert ist die deutsche Übersetzung des slawischen Wortes sto. Seinen Vornamen änderte er 1968, nachdem er ihn in die japanischen Schriftzeichen für „Frieden“ und „reich“ übersetzt hatte, in Friedensreich.

Eigenen Angaben zufolge wurde er von den Arbeiten Egon Schieles und Walter Kampmanns, deren Werke er damals kennenlernte, stark beeinflusst. Hundertwasser verlässt jedoch die Akademie und begibt sich auf ausgedehnte Reisen: zunächst quer durch Italien, dann mit dem Freund und Kollegen René Brô nach Paris, wo er eine Zeitlang lebt, malt und Ausstellungen bestreitet. Zeitlebens war Hundertwasser unterwegs, wie es seiner Schütze-Betonung entspricht, bereiste die ganze Welt, lebte und arbeitete viele Jahre im Ausland, vor allem in Frankreich, Italien, Japan und Neuseeland, und sprach mehrere Sprachen. Er trat als Gegner der „geraden Linie“ und jeglicher baulichen Standardisierung auf (wie er es in seinem „Verschimmelungsmanifest“ von 1958 darlegt), was insbesondere bei seinen Arbeiten im Bereich der Baugestaltung bedeutsam ist, die sich durch phantasievolle Lebendigkeit und Individualität, vor allem aber durch die Einbeziehung der Natur in die Architektur auszeichnen.

Hundertwasser galt als unangepasster Einzelkämpfer, Reformer und Umweltschützer, dem ökologische Gesichtspunkte sowohl in seiner Arbeit wie in seinem Leben eine Herzensangelegenheit waren, und der auch durch Aktivismus auf sich aufmerksam machte. Der Baum, die Vegetation, die gesamte „beseelte“ Natur nahm in seinem Werk und in seinem Denken breiten Raum ein. 1953 verwendete er zum ersten Mal die Spirale, die zum bestimmenden Element seines malerischen Werkes wurde. Er malte in Aquarell oder Mischtechnik, bevorzugte intensive, leuchtende Farben und arbeitete in vielen graphischen Techniken: Lithographie, Siebdruck, Radierung, Farbholzschnitt etc. Seine Werke befinden sich heute in zahlreichen Museen auf der ganzen Welt. Das KunstHaus Wien jedoch bietet die weltweit einzige permanente Ausstellung der Werke von Friedensreich Hundertwasser.

Am 19. Februar 2000 starb Friedensreich Hundertwasser auf der Rückreise von Neuseeland nach Europa an Bord der Queen Elizabeth 2 an Herzversagen. Seinem letzten Wunsch entsprechend, wurde er auf seinem Grundstück in Neuseeland, ohne Sarg und nackt, eingehüllt in eine von ihm entworfene Koruflagge, die einen sich entrollenden Farnwedel darstellt, beerdigt. Auf seinem Grab wurde ein Tulpenbaum gepflanzt.

Was sagt uns das Horoskop dieses ungewöhnlichen Menschen, der als Querdenker und Eigenbrötler verschrien war, der mit seinen Ideen provozierte und seiner Zeit vielfach voraus war, dessen Architektur aber weltweit für Aufsehen sorgt und Tausende Touristen anzieht? Was fällt uns auf?

Gleich mehrere Faktoren fallen ins Auge: So stehen beide Achsen in kritischen Graden: die AC-DC-Achse auf 0.52 Krebs/Steinbock, die MC-IC-Achse auf 29.48 Wassermann/Löwe. Für mich würde das heissen, dass er mit seinem persönlichsten Punkt des Selbstausdrucks (Aszendent) Neuland betritt, hingegen im beruflichen und gesellschaftlichen Bereich einen zwar ungewöhnlichen Weg geht (Wassermann), den er noch vollendet, bevor er in eine transzendentale Sehnsuchtswelt hinüberschreitet.

Weiters stehen 6 Planeten (also die Mehrzahl) in den Anfangsgraden eines Zeichens, nämlich Mond, Venus, Mars, Jupiter, Uranus und Neptun: hier soll etwas ganz Neues begonnen werden, etwas Pionierhaftes, das für ihn und andere bedeutsam wird. Und nicht nur sind alle diese 6 Planeten untereinander durch Aspekte verbunden, sondern auch mit der AC-DC-Achse. Wie wir wissen, ist die Bedeutung eines Menschen umso grösser, je mehr Planeten „in Achsenbindung“ er hat.

Aber beginnen wir mit dem persönlichsten Punkt, dem Aszendenten in Krebs. Menschen mit einem Krebs-Aszendenten werden im allgemeinen als sehr emotional, feinfühlig, spontan, kreativ und charmant, aber auch etwas kindlich, launenhaft, schwankend, hilflos und ängstlich beschrieben. Die Familie sollte eine grosse Rolle spielen, dem stehen jedoch Neptun im Sextil zum Aszendenten und direkt am IC (chaotische, sich auflösende Familienverhältnisse, Fehlen eines Elternteils) und Uranus (Streben nach Freiheit und Individualität) im Quadrat entgegen. Tatsächlich starb Hundertwassers Vater, als dieser ein Jahr alt war, an einer Blinddarmentzündung. In der Direktion hatte damals das progressive IC den Neptun erreicht (Auslöschung eines Familienmitglieds), die Konjunktion des Aszendenten mit Mars ist in der Progression ganz exakt geworden, was auf eine Entzündung samt Operation und einen Konflikt im persönlichen Bereich hinweist. Der transitierende Mars stand in Konjunktion zur Radix-Sonne, Transit-Saturn in Opposition zum Radix-Mars – alles massive Hinweise auf den Verlust des Vaters.

Die spontane Kindlichkeit dürfte dem Jungen aber auch während der Nazi-Zeit mit seiner jüdischen Mutter vergangen sein. Neptun am IC zeigt auch das Untertauchen mit der Mutter, die Angst um sie, was Auswirkungen auf den individuellen Ausdruck seiner Persönlichkeit hat. Den Mond, der ja auch für die Mutter steht, finden wir im Zeichen Wassermann im 8. Haus, er bildet 2 Quinkunx-Aspekte mit Mars und Neptun, die zusammen im Sextil stehen: das ganze wird als Yod-Figur oder Finger Gottes (auch: Finger des Schicksals) bezeichnet. Menschen mit dieser Konstellation in der Radix werden oft schicksalshaft mit Ereignissen konfrontiert (Tod, Naturkatastrophen etc.). Es ist eine Aufgabe zu erfüllen, eine Bestimmung, der man sich nicht entziehen kann.

Der Mond ist aber auch Geburtsherr (Krebs-Aszendent) und steht auf 0 Grad Wassermann im 8. Haus: Noch ein Hinweis sowohl auf die Ungewöhnlichkeit und Andersartigkeit der Mutter (als Jüdin), aber auch auf die Besonderheit des Horoskopeigners. Der erste Grad im Wassermann hebt ihn aus der Masse heraus, er wird andererseits im 8. Haus aber immer in etwas hineingezogen, ohne sich abgrenzen zu können, muss sich auseinandersetzen, hat kein ruhiges Leben.

Mit dem Mars auf 1.48 Krebs am Aszendenten besteht jedoch auch ein Durchsetzungswille, selbst wenn Mars in Krebs in schlechter Qualität steht. Immerhin ist Krebs ja ein kardinales Zeichen. Hier geht es sowohl um künstlerische Aktivitäten wie um den Einsatz von Energie für die Natur, die Umwelt und den Wassersport. Hundertwasser ist ja bekannt für die neuartige ökologische Bauweise seiner Architekturprojekte (Dachbewaldung, Bäume, die aus Fenstern wachsen), die er mit grosser Beharrlichkeit und ohne sich von seinem Weg abbringen zu lassen, durchsetzte. Er war aber auch ein begeisterter Segler, der sein Boot „Regentag“ von einem alten Frachter zu seinem Wohnboot hatte umbauen lassen, in dem er frei und unabhängig leben konnte.

Der Geburtsherr in Wassermann in Konjunktion mit Venus ist natürlich auch ein starker Hinweis auf den genialen Künstler, dessen kreative Ideen (Venus ist Herrin von 5) nicht nur auf Zustimmung stießen, sondern vielfach provozierten (Venus in 8). Hundertwassers Kunst war sicherlich ungewöhnlich: er verabscheute die gerade Linie, veröffentlichte Pamphlete und Manifeste, um seine Ansichten einem breiten Publikum bekannt zu machen. Mit Mond Quadrat Jupiter konnte er seine Kunst aber auch hervorragend vermarkten und sich Wohlstand schaffen.

Der Mond als Geburtsherr spielt im Geburtshoroskop Hundertwassers natürlich eine ganz wesentliche Rolle. Trotzdem dürfen wir die Sonne nicht ausser Acht lassen, die ja immerhin den inneren Wesenskern jeder Persönlichkeit repräsentiert. Eine Schütze-Sonne bezeichnet einen Menschen mit einer optimistischen, toleranten, weltoffenen, begeisterungsfähigen, nach dem Sinn des Lebens suchenden Grundveranlagung. Viele dieser Charakterzüge finden wir ja auch bei Friedensreich Hundertwasser. Weltoffen, nach dem Sinn des Lebens suchend – ja, so haben ihn viele erlebt. Aber war er wirklich tolerant? Optimistisch? Hat er nicht eher mit missionarischem Eifer versucht, die Menschen zu einer ökologisch korrekten Lebensweise hin zu führen? Auch das ist Schütze: überzeugt von der Richtigkeit der eigenen Ansichten, überzeugt, auf der Seite der „Guten“ zu stehen, lässt er andere Meinungen nicht wirklich gelten, wirkt leicht anmaßend und überheblich.

Hundertwassers Sonne steht in Konjunktion mit Merkur und Saturn, das heisst, er stellt an sich selbst, aber auch an andere sehr hohe Ansprüche. Da kann die Leichtigkeit und Grosszügigkeit des Schützen schon mal abhanden kommen. Er hat hohe Werte im Rücken, denen er sich verpflichtet fühlt, eine ernsthafte und pflichtbewusste Grundveranlagung; es ist ihm wichtig, sich durch Leistung zu beweisen. Man könnte auch sagen: sich dem (verstorbenen) Vater zu beweisen. Mit der Sonne im stark besetzten 6. Haus bemüht er sich auch, auf seinem ureigensten Gebiet (Malerei, Graphik, Architektur) zu einer Autorität zu werden, er definiert sich in erster Linie über die Arbeit, und es ist ihm auch wichtig, einer weltanschaulich sinnvolle Tätigkeit nachzugehen. Auch Gesundheit und Ökologie spielen eine wichtige Rolle in seinem Leben.

Natürlich weist die Saturn-Sonne-Konjunktion im 6. Haus in Schütze auch auf einen kranken Vater sowie auf eigene gesundheitliche Probleme hin. Angeblich litt Hundertwasser unter einem angeborenen Herzfehler.

In vielen Biographien wird Hundertwasser als Einzelgänger oder Eigenbrötler bezeichnet, eigentlich untypisch für eine Schütze-Sonne. Es ist eher die Betonung des 2. Quadranten der Radix dafür verantwortlich, die auf viele innere Ressourcen verweist, aber im Grunde andere Menschen nicht braucht. Weitere Indizien dafür sind der Wassermann-Mond sowie die Sonne-Saturn-Konjunktion.

Uranus ist ein weiterer sehr wichtiger Planet in diesem Horoskop. Uranus beherrscht das 10. Haus, gibt also einen ungewöhnlichen Berufsweg vor, steht auf 3° Widder im 11. Haus im Sextil zum Geburtsherrscher Mond und im Quadrat zu Mars und der AC-DC-Achse. Er lässt sich sicher nicht in ein allzu konventionelles gesellschaftliches Korsett pressen.

Uranus in den ersten Widder-Graden steht auch für einen Pionier, der neuen Dingen zum Durchbruch verhilft, und da Uranus den Aszendent quadratiert, geht es um sehr persönliche Anliegen. Er spürt sicher, dass er ein einzigartiger Mensch ist, der sich mit nichts vergleichen lassen will – und andere spüren das auch. Zudem ist Uranus der elevierte Planet in dieser Radix: Hundertwasser muss seinen eigenen Weg gehen, auch wenn er sich damit gegen viele Autoritäten stellt. Es gibt auch viele Umbrüche und Veränderungen im Leben.

Und wie ist es um das Liebes- und Beziehungsleben dieses aussergewöhnlichen Künstlers bestellt? Wir wissen, dass er zweimal kurz verheiratet war (einmal 2 Jahre, dann 4 Jahre), dass er natürlich immer wieder Liebesbeziehungen, meist mit viel jüngeren Frauen, hatte, und dass aus einer dieser Beziehungen eine Tochter hervorging.

Aber Bindung? Will er das mit dem 8. Haus, Mond und Venus in Wassermann? Nein, er braucht Freiheit, ist auf Dauer nicht bindungsfähig. Beziehungen sind in seinem Leben nicht das wichtigste. Es kann nur funktionieren mit einer Partnerin, die ihn nicht einschränken oder unterdrücken will. Offenbar hat das auf Dauer keine geschafft. Mit der Wassermann-Venus im 8. Haus liebt er wohl die Vorstellung von der Liebe, die vor allem frei sein soll, er ist dadurch sehr fordernd, sucht aber eine aufregende, unkonventionelle Beziehung mit ungewöhnlicher Erotik, verträgt keine Einengung und Bevormundung. Diese Konstellation ist fast eine Garantie für eine Scheidung – Hundertwasser hatte zwei.

Mit Venus Quadrat Jupiter kann er aber auch unersättlich sein in der Liebe, er ist genussfreudig, aber oft ist es zuviel des Guten, dann neigt er zum Übertreiben. Das Verlangen nach Freundschaft (Jupiter in 11) und Liebe kann ziemlich intensiv werden und sich zu einem regelrechten Eroberungsdrang auswachsen. Dann konzentriert er sich aber doch wieder auf seine kreative Seite, die er besser im Griff zu haben scheint.

Uranus im Quadrat auf die Beziehungsachse trägt auch nicht gerade zu stabilen Beziehungen bei, ganz im Gegenteil: In der Verfolgung seines eigenen kreativen Weges muss er immer gegen Widerstände ankämpfen und wirkt daher ruhelos, unbeständig und launisch. Vielleicht wirkt das anfangs auf Frauen sogar anziehend. Doch dann konnte es geschehen, dass er die Nähe nicht ausgehalten und gewisse Dinge in Frage gestellt hat, dass er heftiger und impulsiver aufgetreten ist, als er seinem Krebs-Aszendenten zufolge eigentlich wollte, und dann war es vorbei mit der Harmonie oder dem Reiz der Beziehung. Mars am Aszendenten und im Quadrat zu Uranus hat wieder einmal die Oberhand behalten. Jähzorn und voreilige Reaktionen können einer Beziehung schon zusetzen und ihnen ein jähes Ende bereiten. Im Endeffekt hat er wohl gegen sich selbst gekämpft (Mars rückläufig im ersten Haus).

So hat er sich eben auf seine Arbeit und die Philosophie dahinter konzentriert. Mit dem Stellium von Sonne, Merkur und Saturn in Schütze ist das ja auch naheliegend. Seine stark ökologisch ausgerichtete Weltanschauung konnte er anderen gut vermitteln (Sonne als Herrin von 3 in Schütze Konjunktion Merkur), auch durch Lehraufträge (Merkur Konjunktion Saturn) und Manifeste. Sein eigenes Leben hat er nach seiner tiefsten Überzeugung gestaltet, im Einklang mit der Natur und vorwiegend am Wasser gelebt (Neptun am IC und im Sextil zum Aszendent) und wohl auch den Finger des Schicksals auf seine ganz eigene, unverwechselbare Weise verwirklicht. Was er uns hinterlassen hat, sind unzählige Baudenkmäler, Museen und Bücher, in denen seine Ideen und Werke der Nachwelt erleb- und begreifbar bleiben.

Charles, Prince of Wales: Der Leider-Nein-König wird 70

Am 14. November 2018 wird er 70, doch seinen runden Geburtstag hat er bereits im Sommer gefeiert, bald nachdem sein jüngerer Sohn Harry die amerikanische Schauspielerin Meghan Markle geheiratet hatte. Der Grund dafür dürfte in erster Linie dem britischen Wetter geschuldet sein, das sich im Juli wesentlich besser für ein pompöses Gartenfest eignet, als im nebeligen November. Oder hatte er gar daran gedacht, im November vielleicht bereits die Nachfolge seiner Mutter, der Queen, anzutreten?

Nun, wir wissen das nicht. Jedenfalls wartet der Prince of Wales in einem Alter, in dem andere Herrschaften sich schön langsam in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen, immer noch darauf, jene Aufgabe zu übernehmen, für die er erzogen wurde und auf die er sein Leben ausgerichtet hat: die Krone des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland zu übernehmen.

Doch Elizabeth II. ist langlebig und zäh, wie es ihrem Steinbock-Aszendenten entspricht, und sie denkt nicht daran, es ihrer Kollegin Beatrix der Niederlande gleichzutun oder dem belgischen König Albert II., die beide vor einigen Jahren ihren ältesten Söhnen den Thron freigemacht hatten. So muss Charles weiterhin warten, doch allem Anschein nach zieht er bereits jetzt die Fäden im Hintergrund, wie es seiner Skorpion-Sonne geziemt, um seine greise Mutter zu entlasten.

Was ist das für ein Mensch? Hat er den langen Atem, irgendwann selbst den britischen Thron zu besteigen, oder wird er gleich seinem älteren Sohn William den Vortritt lassen? Was sagt uns sein Horoskop dazu?

Zunächst fällt die Feuer-Betonung des Prinzen auf: Löwe-Aszendent, der Sonnenherrscher Pluto in Löwe, Mars und Jupiter in Schütze und Widder am MC: das weist auf einen Menschen hin, der begeisterungsfreudig, mutig, aktiv ist und mit dynamischem Selbstausdruck ins Leben geht, viel Lebensfreude und einen Sinn für Dramatik aufweist, der sich aber auch sehr vorstellungsbezogen und beinahe stur verhalten kann (die fixen Zeichen dominieren).

Der stark besetze 2. Quadrant ist ein Zeichen dafür, dass die seelische Befindlichkeit hier eine grosse Rolle spielt, dass es Seelentiefe und viele innere Ressourcen gibt, um das vorhandene Potenzial umzusetzen.

Der Löwe-Aszendent verleiht Charles eine durchaus königliche Attitüde, einen selbstverständlichen Stolz, lässt ihn selbstbewusst, grosszügig und würdevoll wirken. Dass seine Ausstrahlung dennoch nicht allzu überheblich oder großspurig ist, wie bei so manch anderem Löwe-Aszendenten, ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Aszendenten-Herrscherin Sonne in Skorpion und im 4. Haus steht, wo sie weniger nach Aufmerksamkeit und Anerkennung heischt, sondern mehr im Hintergrund wirkt. Im 4. Haus liegt der Fokus auf Seelentiefe, seelischem Wachstum und geistiger Entwicklung. Ausser der Sonne befinden sich dort noch Neptun, Venus und Merkur. Diese Betonung des 4. Hauses weist darauf hin, dass die Familie den Schwerpunkt im Leben dieses Menschen bildet, der stolz ist auf sein Familienerbe und gerne seine aristokratische Haltung zeigt.

Darin liegt auch eine gewisse Gefahr, nämlich dass er seine Identität zu stark aus seiner Herkunft ableiten und so seine Einzigartigkeit verleugnen könnte. Das mag in seiner Jugend durchaus der Fall gewesen sein, doch habe ich den Eindruck, dass er im Lauf seines Lebens gelernt hat, seinen Interessen gezielt und beharrlich nachzugehen und dadurch auch seine Besonderheit zum Ausdruck zu bringen.

Charles spielte lange Zeit die Rolle des braven, angepassten Thronfolgers, der eine standesgemäße, junge und naive Frau heiratete, statt sich zu seiner grossen Liebe, der bürgerlichen Camilla, zu bekennen, die fortan seine heimliche Geliebte war. Auf die Dauer war aber die Selbstverleugnung für einen leidenschaftlichen Mann wie Charles nicht durchzuhalten. Die Skorpion-Sonne steht in Rezeption zum Löwe-Pluto, was die intensive Natur noch unterstreicht, die keine faulen Kompromisse
eingehen will, aber dennoch fähig ist, lange Zeit geduldig und zäh zu warten, bis ihm die Gunst der Stunde zu Hilfe kommt. Nachdem er seine Thronfolger-Pflichten mit der Zeugung von zwei Söhnen erfüllt hatte, konnte Charles die Illusion seiner Ehe mit Diana nicht mehr länger aufrecht erhalten, auch wenn die Scheidung in gewisser Hinsicht einen Tabubruch im Königshaus bedeutete. Es war ihm bewusst, dass er sich mit diesem Schritt in der Öffentlichkeit nicht gerade beliebt machte, die ja eher Diana als armes Opfer sah. Pluto im 1. Haus hat ihn hier wohl auch mit einer enormen Willens- und Durchsetzungsstärke unterstützt.

Eine Schlüsselrolle in diesem Horoskop spielt sicher die Stellung des Mondes auf 0°26‘ Stier im 10. Haus, der somit Charles‘ höchststehender Planet ist. Dass er noch dazu in Konjunktion mit dem nördlichen Mondknoten steht, weist auf die schicksalshafte Abhängigkeit von Frauen hin, die den Prinzen überstrahlen – allen voran natürlich die eigene Mutter, die wie ein Leitstern das ganze Horoskop dominiert. Elizabeth II. hat selbst eine Stier-Sonne, die gradgenau mit Charles‘ Mond in Konjunktion steht, was die enge Verbundenheit zwischen Mutter und Sohn gut aufzeigt, in der es fraglos auch um Machtkämpfe geht (Elizabeths Mond in Konjunktion zum Pluto ihres ältesten Sohnes). Es liegt also im Naturell dieser Mutter, den Sohn nicht loslassen zu können, die Abhängigkeit dürfte jedoch gegenseitig sein. Mond Trigon Saturn zeigt ebenfalls die starke Verbindung zur Mutter an, die ihn allerdings auch zur Disziplin anhält.

Wir dürfen gespannt sein, was im Frühjahr 2019 passiert, wenn Uranus das letzte Mal über diesen Mond im 1. Grad Stier transitiert.

Dennoch hat Charles nach der Absolvierung diverser militärischer Ausbildungen und Studien, die seiner künftigen Herrscher-Rolle zugute kommen, auch seine eigenen Interessen zielgerichtet verfolgt. Das ist auch kein Wunder, steht doch Mars, der Herrscher des Widder-MC, in Schütze im 5. Haus. So zeigt Charles Entschlossenheit und Elan bei der Durchsetzung seiner Interessen und scheut sich nicht, in der Öffentlichkeit Konflikte auszustehen. Mars im Zeichen Schütze zeigt uns eine idealistische Handlungsweise, die die Welt ein wenig besser machen soll. Es ist bekannt, dass der Prince of Wales sich seit langem für Bio-Landwirtschaft stark macht und sehr eindringlich Maßnahmen gegen den Klimawandel fordert. Sein Einsatz für gesunde Ernährung und ökologisches Bauen und sein Wunsch nach einer ästhetischen Wohnumgebung ist aber auch dem betonten 4. Haus und den darin befindlichen Planeten geschuldet.

Mars in 5 drückt auch ein aktives Interesse für den Ballsport aus. Prinz Charles war jahrelang ein begeisterter Polo-Spieler; aus Altersgründen übt er diesen Sport jedoch nicht mehr aktiv aus. Den Reitsport (Schütze-Mars) betreibt er jedoch nach wie vor. Im 5. Haus zeigt sich auch seine kreative Ader: Charles gilt als guter und anerkannter Aquarell-Maler. Bekannt ist auch seine Liebe und sein Einsatz für die Architektur und die Erhaltung historischer Gebäude. Das können wir aus einer Kombination von Mond im 10. Haus, Saturn im 2. Haus und Venus im 4. Haus herleiten.

Doch wo sind die Schattenseiten in diesem Horoskop? Auffällig ist die Stellung Neptuns genau am IC, was auf Geheimnisse, Unklarheiten, Täuschungen oder Intrigen in der Familie hinweist. Dinge werden verschleiert, Probleme unter den Teppich gekehrt. Es heisst aber auch, dass Neptun am IC eine mediale Begabung verleiht oder zumindest eine esoterische Sicht der Natur. In den Medien wurde ja darauf verwiesen, dass Charles diese Neigung hat und auch mit seinen Pflanzen zu sprechen scheint.

Neptun bildet aber auch eine Konjunktion zur Venus, die das 4. Haus beherrscht und somit einerseits für die Mutter, andererseits auch für die Frauen steht, mit denen Charles Beziehungen eingeht. Die Queen hat sicher so manches Geheimnis oder Tabuthema verschwiegen, in das Mitglieder der königlichen Familie verwickelt waren, denken wir nur an die politische und private Affäre ihres Onkels, König Edward VIII., an die Liebesaffäre mit einem Bürgerlichen ihrer Schwester Margaret oder an die Trinkfreudigkeit ihrer eigenen Mutter. Aber natürlich war Elizabeth selbst als Mutter für ihren Ältesten auch emotional abwesend, denn mit Liebe und Geborgenheit dürfte sie ihre Kinder nicht überschüttet haben. Eher legte sie Wert auf Selbstdisziplin, Pflichterfüllung und Contenance, wie es ihrem Steinbock-AC und Saturn als eleviertem Planeten entspricht. Noch dazu hockt ihr Saturn auf Charles‘ Sonne, hat ihn sozusagen im eisernen Griff und schränkt seine Persönlichkeit ein. Unter dieser Lieblosigkeit hat Charles als Kind sicher gelitten. Ist daraus ein unstillbares Verlangen nach Zärtlichkeit und erotischen Phantasien entstanden (Venus Sextil Pluto)? Neigt Charles dazu, Frauen zu idealisieren (Venus Konjunktion Neptun)?

Nach der unglücklichen Ehe mit Diana und deren tragischem Tod hat sich Charles endlich dazu durchgerungen, seine eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen und hat seine Lebensliebe Camilla geheiratet, eine sicherlich ungewöhnliche Frau (DC Wassermann), die ihn wohl aber glücklich macht (Uranus Opposition Jupiter). Sie hat ihn wohl auch dazu gebracht, die Fesseln des konventionellen Lebens abzustreifen, seinem Drang nach individueller, unabhängiger Entfaltung nachzugeben und seinen eigenen Weg zu verfolgen.

Mit Uranus Opposition Jupiter könnte er sich aber auch von überkommenen Ideologien befreien, ein unkonventionelles, zeitgemäßes Weltbild entwickeln und durch seine Offenheit und Aufgeschlossenheit der Monarchie ein modernes Gesicht verleihen.

Seine Popularität und Beliebtheit beim Volk (Mond in 10) dürfte gestiegen sein, seit er nicht mehr in Dianas Schatten steht, er hat sich in den Bereichen Architektur und Stadtentwicklung sowie nachhaltige Landwirtschaft ebenso einen Namen gemacht, wie als Unterstützer zahlreicher karitativer Einrichtungen, hat mehrere Bücher geschrieben und bewährt sich seit Jahren als Vertreter des britischen Königshauses in der Öffentlichkeit. Wir werden sehen, ob Charles seine Lebensaufgabe eines Tages doch noch erfüllen und als König Großbritanniens Thron besteigen wird. Vorerst aber wünschen wir ihm zum 70. Geburtstag alles Gute.

Interview mit mir bei Prontopro

Aktuell gibt es im Blog von https://www.prontopro.at/blog/was-uns-die-sterne-erzaehlen ein Interview mit mir zu lesen, in dem ich ein wenig über meinen Lebensweg erzählen durfte, der mich vor einigen Jahren dahin geführt hat, mich hauptberuflich als Astrologin niederzulassen und mich somit einem wunderschönen Beruf zu widmen. Denn auf diese Weise kann ich Menschen dabei unterstützen, zu sich selbst, ihren Talenten und Stärken zu finden, eine private oder berufliche Entscheidung zu treffen oder ihre Partner und Kinder besser zu verstehen. Die Sterne weisen den Weg, gehen muss ihn jeder Mensch selbst, aber ihn ein Stück dabei zu begleiten und zur Seite zu stehen, erfüllt mich mit Freude.

Helmut Qualtinger zum 90. Geburtstag

Er war Journalist, Kabarettist, Schauspieler, Autor und Liedinterpret, trat auf Kleinbühnen, grossen Theatern und Filmen auf und wurde von Friedrich Torberg als „zersetzender Patriot“ bezeichnet. André Heller nannte ihn „einen der belesensten Menschen, die ich kenne“. Qualtinger selbst sagte über sich, er sein kein Schauspieler, sondern ein Menschen-Imitator. Seine wohl berühmteste Figur ist der „Herr Karl“, Magazineur eines Feinkostladens, der in einem Monolog einem fiktiven jungen Menschen über die politisch brisante Zeit seiner Vergangenheit erzählt, in der er jeweils versuchte, das für sich persönlich Beste herauszuholen. Dieser nach einem real existierenden Magazineur geschaffene und von Qualtinger kongenial verkörperte Opportunist, der sein Mitläufertum hinter einem vordergründig netten und gemütlichen Gehabe versteckt, hielt einer breiten Öffentlichkeit in den 1960-er Jahren den Spiegel vor. Das ließ sich diese nicht so ohne weiteres gefallen: Qualtinger erhielt wüste Beschimpfungen und sogar Morddrohungen, denn so offen hatte zuvor noch niemand den österreichischen Durchschnittsbürger als Mittäter entlarvt.

Es wäre aber zu wenig, Helmut Qualtinger nur auf den Herrn Karl zu reduzieren. Seine zumeist gemeinsam mit Carl Merz oder Gerhard Bronner verfassten Kabarett-Texte („Travnicek-Dialoge“, „An der lauen Donau“ und andere) sind legendär, und er entwickelte sich im Lauf seiner Karriere immer mehr zum Charakterdarsteller auf der Bühne und im Film. Legendär waren aber auch seine Schabernack-Ideen, seine Wienerlied-Interpretationen (mit André Heller), und nicht zuletzt seine Trinkfestigkeit – in Wien auch Sauforgien genannt.

Was war dieser Qualtinger für ein Mensch? Kann uns sein Horoskop Auskunft geben?

Helmut Qualtinger wurde am 8. Oktober 1928 in Wien geboren. Seine Sonne steht daher im luftigen, schöngeistigen Waage-Zeichen. Einen Menschen mit Waage-Sonne kann man als charmant, diplomatisch und taktvoll, versehen mit viel Kunstverständnis und Sinn für Schönheit bezeichnen. Er strebt nach Gerechtigkeit, Harmonie und Frieden, will nirgends anecken, sondern es jedem recht machen, und ist eher schwach und wankelmütig in seinen Entscheidungen. Passt das zum Charakter Qualtingers? Von den Eigenschaften, die dem Zeichen Waage zugeordnet werden, treffen auf Helmut Qualtinger wahrscheinlich am ehesten Kontaktfreudigkeit und Unternehmungslust zu, aber mit seinen diplomatischen oder taktvollen Fähigkeiten dürfte es nicht so weit her gewesen sein.

Das liegt einerseits sicherlich daran, dass ausser der Sonne kein weiterer Planet in Qualtingers Radix in einem Luftzeichen steht, andererseits aber auch daran, dass die Sonne ein Quadrat zu Pluto bildet. Durch Pluto wird die liebenswürdige Waage-Sonne immer wieder in Konflikte und Streitigkeiten, „gerne“ mit mächtigen Partnern, verwickelt. Daher hat dieser Mensch Mühe, Situationen zu akzeptieren, die er nicht kontrollieren oder geistig beherrschen kann. Und somit ist die nette, charmante, unverbindliche Waage sofort ausgehebelt, denn Pluto ist vieles, aber nicht unverbindlich. Der erste diesbezügliche Kontrahent dürfte Qualtingers Vater gewesen sein, ein Gymnasiallehrer und glühender Nationalsozialist, der seinem Sohn vermutlich keinerlei „Macken“ durchgehen ließ. Das 4. Haus – die Herkunftsfamilie – wird in Skorpion angeschnitten, mittendrin befindet sich Saturn in Schütze: der Vater hält sich sicher nicht nur für eine Autorität in Sachen höherer Bildung, sondern auch für die moralische Instanz der Familie. Er könnte seinem Sohn auch eine dogmatische Weltanschauung vermittelt haben, die von diesem jedoch kategorisch abgelehnt wurde. Und mehr: Qualtinger reagierte auf alles, was mit der Nazi-Zeit zusammenhing, geradezu allergisch und prangerte den verharmlosenden Umgang vieler Österreicher mit diesem Thema unermüdlich an.

Pluto ist Herr von 4 und steht im 11. Haus: gut vorstellbar, dass sich Qualtinger aus diesem Grund eine Wahlfamilie zulegte, eine Gruppe von Freunden und Kollegen, die mit ihm durch Dick und Dünn gingen und sich gegenseitig auch stark beeinflussten.

Mit der Sonnen-Stellung im 3. Haus liegt das zentrale Thema der Selbstentfaltung in der Sprache, der Kommunikation und Wissensvermittlung, kurz, in neugierigem Interesse an allem, was sich in der unmittelbaren Umgebung abspielt. Dazu gehört die Lust am Lesen und am Gedankenaustausch mit anderen, denen er mit seiner Intelligenz und Belesenheit äusserst scharfsinnig und schlagfertig begegnet. Da die Sonne aber auch Qualtingers Geburtsherrin ist (bei Aszendent Löwe) und im 3. Haus steht, überzeugt der Horoskopeigner andere Menschen auf künstlerische Weise mit seiner persönlichen Ideologie, indem er Tabu-Themen aufzeigt und in Kauf nimmt, damit zu polarisieren. Weder scheut er die Konfrontation mit Machthabern, noch lässt er sich von Autoritäten (oder Vater-Figuren) einschüchtern (Saturn Sextil Sonne).

Doch was wäre eine Waage-Sonne ohne Beziehungen? Qualtinger war zweimal verheiratet, und auch wenn er seinen Frauen einiges zugemutet hat, verhielten sie sich ihm gegenüber loyal. Stark und leidenschaftlich mussten sie wohl sein, um seinem Frauenbild (Mond in Löwe, Venus in Skorpion) zu entsprechen.

Qualtinger war bekannt für seine Vorliebe für kabarettistische Streiche, mit denen er andere oft hinters Licht führte (Mars ist Herr von 9 und steht im Quadrat zu Uranus in 8). 1951 erlangte er internationale Popularität, als er es schaffte, eine „Zeitungsente“ zu lancieren, in der der Wien-Besuch des „berühmten Eskimodichters Kobuk“ mit seinem Werk “Das brennende Iglu” angekündigt wurde. Zahlreiche Reporter hatten sich am 3. Juli 1951 am Wiener Westbahnhof versammelt, doch dem Zug entstieg statt des erwarteten Gastes Helmut Qualtinger mit Pelzmantel und -mütze.

Der scharfsinnige Denker, scharfzüngig im Ausdruck, verkörpert sich durch Merkur in Skorpion im 3. Haus in Konjunktion mit Venus, durch die die Gedanken treffsicher literarisch geformt werden. Ein Skorpion-Merkur kann mit seinen Worten aber auch sehr destruktiv sein. Die Opposition dieser beiden im Haus der Selbstdarstellung stehenden Planeten mit Jupiter und Chiron könnte ein Hinweis sein auf das breite Spektrum an künstlerischer Ausdrucksfähigkeit und auf die vielfältigen Begabungen (Merkur ist Herr von 2), mit denen Qualtinger gesegnet war.

Venus als Herrin des 10. Hauses (Berufshaus in Stier) ist für die künstlerische Ausrichtung zuständig, die noch vom Quadrat zum Löwe-Mond in 12 verstärkt wird. Die Opposition zu Jupiter, der im 9. Haus in Stier steht, macht ihn zwar erfolgreich, bewirkt aber auch eine gewisse Maßlosigkeit und Genuss-Sucht (Mond Quadrat Jupiter), die sich bei Qualtinger leider in übermäßigem Alkoholkonsum niederschlug.

Ja, der Mond. Ein Löwe-Mond hat ja ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung und Bewunderung, er ist lebenshungrig, will spielen und sich kreativ ausdrücken, braucht aber auch viel Liebe und Wärme. Was gibt es Schöneres für einen Schauspieler als die Bewunderung des Publikums? Einem möglichen Hineinkippen in den Größenwahn schiebt Qualtinger selbst einen Riegel vor: er ist eben nicht (nur) der grandiose Darsteller klassischer Figuren (wie Titus Feuerfuchs, Zauberkönig, Oskar, Dorfrichter Adam etc.), der sich vom Publikum applaudieren lässt. Er wählt brüchige Charaktere aus oder spielt „Helden“ so, dass sie nicht automatisch sympathisch sind und bejubelt werden.

Sein Mond hat ja selbst etwas Brüchiges an sich, das bewirkt die Stellung im 12. Haus, das T-Quadrat mit Merkur/Venus sowie Jupiter/Chiron und auch das Trigon sowohl mit Uranus als auch mit Saturn (letzteres ein weites Trigon). Die Mond-Stellung im 12. Haus offenbart eine angeborene Verletzlichkeit der Seele; die Grenzlinie zwischen den eigenen Empfindungen und den Gefühlen anderer ist sehr dünn, die Ich-Grenze nicht sehr stark, sodass Verwurzelung schwierig wird oder kaum spürbar ist. Möglicherweise musste Qualtinger als Kind (er ist ja während des 2. Weltkriegs herangewachsen) ein Defizit an Wärme und Geborgenheit erfahren, was erhebliche Verlassenheitsängste (Mond Quadrat Chiron) ausgelöst haben könnte. So werden die wahren Gefühle verdrängt oder bleiben oft verborgen, und es gibt Probleme, sich seelisch zu öffnen. Verborgene Ängste und Verwundungen liegen unter der Oberfläche und kommen vielleicht nur durch die Selbstdarstellung auf der Bühne ans Licht (Mond Quadrat Venus in 3). Diese Sensitivität kommt einem Schauspieler natürlich entgegen, macht aber auch Sucht-anfällig. Dabei zeigt sich aber auch eine grosse Hilfsbereitschaft und soziales Empfinden, wie Freunde und Weggefährten Qualtingers bestätigen.

Nicht vergessen sollten wir auch die Stellung des Neptun auf 0 Grad Jungfrau und ganz nahe an Qualtingers Löwe-Aszendent. Neptun steht zwar nicht im Zeichen des Aszendenten, doch in einem kritischen Grad, und verschleiert doch die Selbst-Wahrnehmung. Vielleicht hatte er auch Probleme mit seiner Verletzlichkeit, die es ihm unmöglich machte, sich gegen Einflüsse von aussen zu wappnen. Oder sie sind mit dem verschwommen, was aus seinen eigenen Tiefen heraufstieg. Wenn der Aszendent, der individuellste Punkt im Horoskop, von Neptun vernebelt wird, besteht die Gefahr, nicht nur andere, sondern auch sich selbst über die eigene Persönlichkeit zu täuschen. „Ich bin kein Schauspieler“, sagte er, „ich bin ein Menschen-Imitator.“

Hat er versucht, im Rausch der eigenen Persönlichkeit auf die Spur zu kommen? Dem Chaos zu entkommen? Wir wissen es nicht. Doch letztlich war es die Alkohol-Sucht, die diesen genialen Selbst-Darsteller frühzeitig am 29. September 1986, wenige Tage vor seinem 58. Geburtstag, aus unserer Mitte gerissen hat.

Wie sagte Helmut Qualtinger einst so schön: “In Wien mußt’ erst sterben, damit sie dich hochleben lassen. Aber dann lebst’ lang!”

Leonard Bernstein – zum 100. Geburtstag

Er war wohl einer der genialsten Musiker des 20. Jahrhunderts, erfolgreich als Komponist („West Side Story“), Pianist und Dirigent. Am 25. August würde Leonard Bernstein seinen 100. Geburtstag feiern – leider ist dieser großartige Künstler schon am 14. Oktober 1990 – mit nur 72 Jahren – an akutem Herzversagen infolge einer Krebserkrankung gestorben.

Was können wir aus seinem Horoskop ablesen? Wie zeigt sich die Musikalität, das kreative Schaffen? Wie die private Veranlagung?

Wenn wir die Elemente-Verteilung in dieser Radix betrachten, fällt uns auf, dass Wasser und Feuer überwiegen, wobei es auch einiges an Erde gibt. Das bedeutet also viel Leidenschaft, Emotionalität, Intuition und Mitgefühl, und gleichzeitig eine enorme Aktivität, Begeisterungsfreude und intensives Handeln, sowie eine starke Verbundenheit mit anderen Menschen (der 3. Quadrant ist mit 6 Planeten betont).

Mit dem Aszendent in Skorpion wirkt Bernstein auf seine Mitmenschen tiefgründig, engagiert und leidenschaftlich. Er strahlt Intensität und Zähigkeit aus sowie die Bereitschaft, sich voll und ganz auf etwas einzulassen und den Dingen auf den Grund zu gehen. Diese charismatische, beinahe magische Ausstrahlung wird jeder bestätigen, der den Dirigenten Bernstein erlebt hat, sei es als Freund, Musiker oder als Zuhörer. Sein Einsatz bei einem Konzert war immer zweihundertprozentig, er verausgabte sich in seiner musikalischen Einfühlsamkeit wie auch in der körperlichen Anstrengung des Dirigierens.

Der Geburtsherr Pluto steht in seinem eigenen, dem 8. Haus, im Zeichen Krebs, das für die gesamte damalige Generation galt, und in Konjunktion mit Jupiter. Dieses Brennen für alles, was er tat, diese geballte Kraft und Maßlosigkeit, die sich nicht mit Mittelmäßigkeit und Banalität begnügt, sondern das Leben voll ausschöpfen will und leidenschaftlich nach einem Sinn sucht, liegt wohl in dieser Konstellation begründet. Diese lässt ihn vielleicht nie ganz zur Ruhe kommen, verleiht ihm aber auch eine starke Überzeugungskraft, Charisma sowie Mut und Energie, um Aussergewöhnliches zu erreichen. Da Jupiter in Krebs erhöht steht, macht ihn dieser Aspekt auch sehr beliebt, er kommt trotz seiner Unbestechlichkeit und Kompromisslosigkeit bei anderen sehr gut an, die seine positive Seite sehen, ihn schätzen und mögen.

Doch wo bleibt das künstlerische Element? Wie äussert sich dieses im Horoskop?

Nun, schauen wir uns zunächst den Mond an, der in Widder im 5. Haus steht. Die Mond-Stellung in einem Feuer-Zeichen lässt sicherlich auf Kreativität schliessen, hier besteht ein tiefes Bedürfnis, etwas Besonderes zu sein und zu erleben, es gibt eine reiche Vorstellungskraft, der oft schöpferisch Ausdruck verliehen wird, sowie instinktive Versuche, die materielle Wirklichkeit mit Dramatik und Phantasie zu beleben. Im Zeichen Widder kommt die Mond-Energie heiss und leidenschaftlich zum Ausdruck, sie macht Bernstein temperamentvoll und in gewisser Weise naiv und begeisterungsfähig, doch wahrscheinlich auch leicht reizbar und sogar „aufreizend“. Er fühlt sich wohl, wenn er in seiner Umgebung anregend und aktivierend wirken kann, sucht aber auch Beachtung und ist sehr ungeduldig und neugierig, wie Orchestermusiker, die mit gearbeitet haben, wohl wissen.

Im 5. Haus kann sich die Kreativität auf höchstem Niveau entfalten, hier gibt es nicht nur das Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, sondern auch danach, die spielerische Seite des Lebens mit all ihren kreativen Ausdrucksmöglichkeiten auszukosten, um daraus Kraft und Energie zu schöpfen. Aber auch der Umgang mit Kindern und Jugendlichen, gepaart mit pädagogischem Talent und Einfühlsamkeit, hat, wie wir wissen, sein Leben wesentlich bereichert. Zwischen 1958 und 1972 leitete er zahlreiche „Konzerte für junge Leute“ in der gleichnamigen Fernsehreihe, in der er Grundbegriffe der klassischen Musik vermittelte und verschiedene Komponisten und deren Werke vorstellte. Mit seinem Charisma, seiner großen Sprachbegabung und seinem Humor konnte er gleichermaßen Kinder wie Erwachsene fesseln.

Zudem ist der Mond in ein grosses Trigon mit Saturn und dem aufsteigenden Mondknoten eingebunden, sodass die kreative Kraft leicht fliessen und erfolgreich integriert werden kann. Saturn verleiht der überschiessenden und vor Lebensenergie strotzenden Widder-Kraft eine gewisse Disziplin und Realitätsbezogenheit, sodass die emotionalen und kreativen Bedürfnisse in angemessener Weise und zum Wohle des eigenen Selbstausdrucks (Mondknoten in 1) verwirklicht werden können. Sein Interesse und seine Begeisterung für fremde Kulturen und die Erschliessung neuer Horizonte hat Bernstein immer wieder zum Ausdruck gebracht. Er brachte aber auch die Verbindung zwischen Traditionellem und Neuem zustande, wie sie durch die Opposition zwischen Saturn und Uranus angezeigt ist. Davon zeugen verschiedene Kompositionen, die seiner jüdischen Herkunft geschuldet sind, jedoch z.B. alte Psalmen auf moderne Weise wiedergeben. Nicht zuletzt brachte seine intensive Auseinandersetzung und aufregende Neu-Interpretation der Werke der damals beinahe vergessenen österreichischen Komponisten Anton Bruckner und Gustav Mahler diese der Öffentlichkeit wieder näher.

Uranus im Quadrat zum Aszendenten ist ein Hinweis auf Bernsteins Eigenwilligkeit und sein teilweise exzentrisches Verhalten. Er ging seinen Weg, ohne sich darum zu kümmern, ob er damit aneckte oder nicht. So deklarierte er sich – auch musikalisch – als Fan des US-Präsidenten John F. Kennedy ebenso wie als Kritiker von Richard Nixon und dessen Watergate-Affäre, wie er in dem Musical „1600 Pennsylvania Avenue“ aufzeigte. Das Werk wurde vom Publikum eher ablehnend aufgenommen, offenbar war die Zeit noch nicht reif, wie Bernsteins Tochter vermutete.

Der Spannungs-Aspekt zwischen Uranus und dem Aszendenten sagt auch viel über die Ruhelosigkeit des Künstlers aus, der sich zwischen einem enormen Freiheitsbedürfnis einerseits und Verantwortungsbewusstsein andererseits hin- und hergerissen fühlen musste (T-Quadrat Saturn-Aszendent-Uranus), viele ungewöhnliche Pläne hatte und rastlos in seiner Schaffenskraft war.

Wenden wir uns nun der Sonne zu, die in der Astrologie den zentralen Wesenskern eines Menschen symbolisiert. Die Sonne steht in Bernsteins Radix im Erd-Zeichen Jungfrau und gibt ihm zu all seiner Kreativität, Schaffenskraft und Einfühlsamkeit einen Sinn für das Machbare und auch für Details, was ihm nicht nur beim Komponieren zugute kam, sondern auch beim Studieren von Partituren. Es ist bekannt, dass Leonard Bernstein sich beispielsweise sehr gründlich in die Partitur (und auch das von Wagner verfasste deutsche Libretto) der Oper „Tristan und Isolde“ vertiefte, um dem Wesen dieses „zentralen Werkes der Musikgeschichte“ in seinem Dirigat gerecht werden zu können, wofür er vom ausgewiesenen Wagner-Experten Karl Böhm auch entsprechend gewürdigt wurde, der meinte, dass „dass dieses so gespielt worden sei, als ob es Wagner dirigiert hätte“ (Humphrey Burton: Leonard Bernstein, New York 1994, S. 462).

Sorgfalt, Gründlichkeit und Liebe für das Detail waren Bernstein vor allem in seinem Berufsleben sehr wichtig (MC Jungfrau), und er war bereit, auch einiges dafür zu leisten, um als Persönlichkeit und Autorität auf seinem Gebiet geachtet zu werden und seine ganze Strahlkraft entfalten zu können (Sonne Konjunktion MC). Mit seiner beruflichen Laufbahn und deren gesellschaftlichen Zielen und Normen konnte sich Bernstein ja komplett identifizieren, sodass ihm ein selbstbewusstes und sicheres Auftreten nicht schwer fiel. Gleichzeitig stand ihm für die Verwirklichung seiner beruflichen Vorhaben sehr viel Energie zur Verfügung (Mars Sextil MC). Die Konjunktion der Sonne im 9. Haus mit dem MC machte Bernstein aber auch eitel und gefallsüchtig; Auffallen und Beachtetwerden um jeden Preis, schien manchmal die Devise zu sein. Dass seine Tätigkeit mit einer intensiven Reisetätigkeit verbunden war und sich auf die ganze Welt ausdehnte (mit Schwerpunkten in den USA, in Deutschland und Österreich), ist wohl der Sonne im 9. Haus geschuldet.

Ausserdem steht der MC-Herrscher Merkur im eigenen Zeichen Jungfrau im 10. Haus, er ist Bernsteins bester Planet und drückt aus, dass der Beruf des Musikers in allen Facetten seine wahre Berufung war, der er alles andere unterordnete.

Dennoch war Leonard Bernstein kein Mensch, der in der Einsamkeit oder im „Elfenbeinturm“ wirkte, sondern einer, der sehr begegnungsorientiert und auch den vielfältigen Genüssen des Lebens durchaus aufgeschlossen war. Im Privatleben war er mit der aus Chile stammenden Schauspielerin Felicia Montealegre verheiratet und hatte mir ihr 3 Kinder. Es war aber – vor allem in der Musikwelt – ein offenes Geheimnis, dass Bernstein vielerlei Affären hatte, auch homosexuelle. Als dies auch seiner Frau bekannt wurde, trennte sich das Paar Mitte der 1970-er Jahre. Daraufhin lebte Bernstein mit seinem Assistenten Tom Cothran zusammen, kehrte jedoch zu seiner Frau zurück, als diese todkrank wurde, und blieb bis zu ihrem Tod 1978 bei ihr. Chiron im 4. Haus zeigt wohl den wunden Punkt hinsichtlich der Familie auf.

In der Liebe wie in der Kunst war Bernstein exaltiert und grenzenlos. Seine Löwe-Venus in Konjunktion mit Neptun im 9. Haus ist ein deutlicher Hinweis darauf. Im Zeichen Löwe zeigt sich die Venus leidenschaftlich, anspruchsvoll, grosszügig und dem Luxus nicht abgeneigt. Sie bildet ein Quadrat zu Mars, dem alten Skorpion-Herrscher, der selbst in Skorpion und im 12. Haus steht, was Beziehungen teilweise kompliziert und spannungsgeladen macht. Seine intensiven und leidenschaftlichen Affären hat Bernstein zunächst im Geheimen ausgelebt, wobei er seinen sexuellen Vorlieben und Begierden später immer offener nachgab. Seine Tochter Jamie beschrieb ihren Vater als einen Menschen, dessen Sexualität ihn wie eine Aura umgab und ständig spürbar war, obwohl sie ihn nie als schwul gesehen hatte und von seiner Homosexualität erst im Erwachsenenalter erfuhr. Der an sich stark stehende Mars könnte durch die Stellung im 12. Haus sowie durch das Quadrat zu Neptun geschwächt sein, was als Hinweis auf Homosexualität gedeutet werden könnte. Nicht alle Männer mit einer solchen Konstellation geben diesem Bedürfnis nach, sondern verhalten sich im Gegenteil besonders hart und männlich. Als Künstler konnte Bernstein selbstverständlich eher ein nonkonformistisches Leben führen, als er es in einem „bürgerlichen Beruf“ vermocht hätte.

Mars-Neptun als Spannungsaspekt verführt aber bekanntermaßen auch zur Sucht. Bernstein war Zeit seines Lebens ein starker Raucher, und im Lauf der Zeit kam auch ein beträchtlicher Alkoholkonsum dazu. Er war eben maßlos in vielerlei Hinsicht, im Leben, in der Liebe und in der Kunst. Wie eine Kerze, die an zwei Enden brennt, so lebte er sein Leben, intensiv, rastlos, sich verausgabend und alles voll auskostend. Dieser exzessive Lebensstil floss zwar in seinen Künstler-Beruf ein (Glücksdach zwischen Mars-MC-Jupiter/Pluto), doch er hatte seinen Preis: Lungenkrebs, der den genialen Musiker mit nur 72 Jahren hinwegraffte. Er hat uns grossartige Kompositionen hinterlassen, wie „West Side Story“, „Candide“, mehrere symphonische Werke und Kammermusik, und auch seine Interpretation bedeutsamer Komponisten wie Beethoven, Brahms, Bruckner, Mahler oder Wagner bleiben Meilensteine der klassischen Musik-Rezeption, die wir mit Dankbarkeit annehmen und somit Leonard Bernstein zu seinem 100. Geburtstag unsere Reverenz erweisen wollen.

Emily Brontë – stürmische Leidenschaft oder emotionale Reserviertheit? Einige Gedanken zum 200. Geburtstag

Sie wird von Zeitgenossen als äußerst reservierte, doch willensstarke, starrsinnige und schroffe Persönlichkeit beschrieben, die trotz ihres „schwierigen Charakters“ vor allem durch ihre bestechende Intelligenz dennoch anziehend wirken konnte. Für eine Frau des frühviktorianischen Bürgertums führte Emily Brontë sicherlich ein ungewöhnliches Leben: als Pfarrerstochter mit 2 Schwestern und einem Bruder in West-Yorkshire aufgewachsen, begann sie mit ihren Geschwistern schon früh Phantasiegeschichten zu entwickeln und diese auch aufzuschreiben. Ihr Vater begünstigte diese kreative Tätigkeit seiner Kinder, da er selbst mehrere Gedichtbände und Erzählungen veröffentlicht hatte.

Pfarrer Brontë unterrichtete seine Kinder zunächst selbst. Dazu benutzte er häufig Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, um seinen Kindern Geschichte, Literatur, Kunst, Geografie und Naturwissenschaften näher zu bringen. Als fortschrittlicher Vater förderte er seine Töchter ebenso wie seinen einzigen Sohn und legte sehr großen Wert auf eine umfassende Bildung seiner Kinder. Später besuchten die Töchter Privatschulen für Klerikertöchter, wo sich Emily allerdings derart eingeengt fühlte, dass sie bald wieder nach Hause zurückkehrte.

Mit ihrer älteren Schwester Charlotte, die ebenfalls als Schriftstellerin reüssierte („Jane Eyre“), ging sie für einige Zeit nach Brüssel, um dort an einem Privatinstitut zu studieren und sich als Lehrerin ausbilden zu lassen. Dort perfektionierten die Schwestern ihre Französisch- und Deutsch-Kenntnisse; Emily war auch eine gute Klavierlehrerin. Wegen des Todes ihrer Tante mussten sie allerdings früher als geplant, nach England zurückkehren. Das ursprüngliche Ziel der Schwestern war, eine eigene Schule zu eröffnen. Dieser Plan scheiterte jedoch daran, dass ihr Heimatort zu entlegen war, um interessierte SchülerInnen anzuziehen. Daher widmete Emily sich dem Familienhaushalt und den gemeinsamen Finanzen, betrieb aber auch Hobbies, die für eine Frau der damaligen Zeit ungewöhnlich waren, wie Wandern, Tier- und Naturbetrachtungen. Und sie schrieb.

1846 veröffentlichten die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë einen Gedichtband unter männlichen Pseudonymen, da weibliche Autorinnen damals unter Vorurteilen zu leiden hatten. Neben vielen Gedichten schrieb Emily Brontë einen einzigen Roman, ebenfalls unter dem Pseudonym Ellis Bell, der weltbekannt wurde: „Wuthering Heights“ („Sturmhöhe“). Darin wird die leidenschaftliche, obsessive Liebe zwischen der reichen Catherine und dem Findelkind Heathcliff beschrieben, die über den Tod hinaus anhält, aber auch der Rachefeldzug des unterdrückten und gedemütigten Heathcliff, der als unangepasster Aussenseiter offenbar einiges von Emilys Charakter widerspiegelt.

Aber schauen wir uns diesen ungewöhnlichen Charakter aus astrologischer Sicht an:

Emily Brontë wurde am 30. Juli 1818 mit einer Löwe-Sonne und einem Skorpion-Aszendent geboren. Bei der Betrachtung ihres Geburtshoroskops fällt uns zunächst auf, dass alle persönlichen Planeten in der oberen Hälfte stehen (im 8. und 9. Haus), unten dagegen nur die 5 überpersönlichen bzw. transsaturnischen Planeten. Was bedeutet das? Sie, die von ihren Mitmenschen als „menschenscheu und reserviert“ beschrieben wird, braucht die Umwelt, um sich verwirklichen zu können, wird aber auch gut von der Aussenwelt wahrgenommen. Nun könnten Sie einwenden, dass der Beruf einer Schriftstellerin eine einsame Arbeit ist, doch wir können davon ausgehen, dass eine Frau mit Löwe-Sonne sich nicht komplett verstecken wird, denn Löwe-Geborene erheben ganz allgemein den Anspruch auf Beachtung und Bewunderung. Größtmögliche Anerkennung dürfte sie zu Lebzeiten von den Institutsleitern in Brüssel für ihre intellektuelle und musikalische Brillanz erfahren haben (Sonne an der Spitze des 9. Hauses = Ausland).

Mit dem Skorpion-Aszendenten ist Emily sehr willensstark, vorstellungsbezogen und kontrollierend – aber auch zurückhaltend, was den eigenen Gefühlsausdruck angeht. Einen skorpionischen Touch hat auch die Sonne, die im 8. Haus steht, allerdings schon an der Spitze des 9. Hauses. Den Führungsanspruch, den sie – zumindest in der Familie – stellt, baut sie aber auf Wissen und Können auf, das sie sich durch ihre Schulbildung erworben hat (Sonne Spitze 9) und das ihren Dominanzanspruch rechtfertigt. Sie will Macht, ohne sich unterzuordnen, und die wird ihr in der Familie aufgrund ihrer Intelligenz und ihres Einfallsreichtums (Merkur Trigon Uranus) auch zugestanden.

Es heisst, dass Menschen, die mit einem Skorpion-Aszendenten geboren werden, schon früh im Leben mit Krankheit und Tod konfrontiert sind – umso mehr, wenn auch noch die beiden Lichter Sonne und Mond im 8. Haus, dem Skorpion-Haus, stehen, wie das bei Emily Brontë der Fall war. Bald nach der Geburt der jüngsten Tochter Anne – die später ebenfalls Schriftstellerin wurde – erkrankte die Mutter an Gebärmutterkrebs (einer Krankheit, die dem Skorpion zugeordnet wird) und starb, als Emily 3 Jahre alt war.

Charakteristisch für Skorpion-betonte Menschen sind tiefe, fast extreme Gefühle, ungezügelte Leidenschaften und Triebe, Macht, Ohnmacht, Rach- und Eifersucht, aber auch Mut, Willensstärke, Verlässlichkeit und Sicherheitsstreben. Es besteht ein Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen, nachzubohren und nicht locker zu lassen. In ihrer Obsession kann sie eine grosse Zähigkeit und Leidensfähigkeit zeigen und sich in ihrem Absolutheitsanspruch sogar selbstzerstörerisch verhalten. Nach allem, was wir von ihr wissen, hat Emily Brontë auf ihren unzähligen Streifzügen durch die Moorlandschaft von Yorkshire wohl viel über diese in ihr brodelnden Eigenschaften nachgedacht und sie dann in die Hauptfigur ihres Romans einfliessen lassen.

Noch eine Besonderheit gibt es in diesem Horoskop. Emily Brontë ist zweieinhalb Tage vor Neumond geboren, der Mond steht (noch) in Krebs, die Sonne bereits in Löwe. Die Dominanzstellung beider Lichter macht diese Frau stark, unabhängig und subjektiv. Durch die Position kurz vor Neumond lebt sie in einer ständigen Erwartungshaltung, ist nie ganz zufrieden, fühlt sich vom Schicksal abgehoben und etwas orientierungslos. Sie kann sich aber auch mehr erlauben als andere, gilt ein bisschen als „bunter Hund“, als Eigenbrötlerin, wird aber als solche durchaus akzeptiert.

Die Mond-Stellung im 8. Haus weist auf einen Verlust zu Beginn des Lebens hin – die Mutter im Kleinkindalter zu verlieren, ist wohl einer der schlimmsten Verluste, die jemand erleiden kann. Vielleicht spürt so ein Kind deshalb wenig Geborgenheit in sich, auch wenn der Vater bemüht war, seinen Kindern mit Hilfe seiner Schwägerin und einer Haushaltshilfe doch ein einigermaßen angenehmes Zuhause zu bieten.

Da schon die Eltern Schöngeister waren und sich dem Schreiben gewidmet hatten (IC in Fische – Hinweis auf Künstlerfamilie), blieb es nicht aus, dass die 4 Brontë-Geschwister diese kreative Ader übernahmen: die Schwestern Charlotte, Emily und Anne schrieben, der Bruder Patrick Branwell malte. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die beiden ältesten Schwestern Maria und Elizabeth nur wenige Jahre nach der Mutter im Kindesalter an Typhus verstarben – Pluto im 4. Haus ist oft ein Hinweis auf Todesfälle in der Familie.

Dass der Vater eine so herausragende Stelle im Zuhause einnimmt, sehen wir an der Position von Saturn nahe dem IC. Diese Saturn-Position zeigt einerseits die Verankerung in der Familie, aber auch familiäre Belastungen. Emily hat ja durch ihre spätere Tätigkeit als Finanzverwalterin der Familie auch Verantwortung (Saturn) in der Familie (IC) und für die Geschwister (Saturn im 3. Haus) übernommen.

Nun fragen wir uns aber, wie eine derartig leidenschaftliche Person mit Skorpion-Aszendent, Venus-Mars Konjunktion und Löwe-Sonne im 8. Haus ein Leben führen konnte, das zwar einigen Konventionen des frühen 19. Jahrhunderts widersprach, sich aber doch im Rahmen eines Pfarrhaushalts auf dem Lande bewegte. Ein Leben, das mit Tier- und Naturbeobachtungen in der Moorlandschaft dem Forschergeist des Skorpion-Aszendenten sowie seines Geburtsherren Pluto in 4 Rechnung trug, aber die sexuellen Begierden doch nur in der Phantasie auslebte. Es stimmt, eine Venus-Mars-Konjunktion ist meist ein Hinweis auf eine leidenschaftliche erotische Veranlagung, jedoch wird die Leidenschaft nicht nur durch das zur Vorsicht gemahnende Zeichen Jungfrau gedämpft, in dem die Liebesplaneten stehen, sondern auch durch Saturn in Opposition zu Venus. Mit dieser Konstellation kann sich Emily keinen Lebensgenuss aus vollem Herzen gönnen, die Gefühle sind blockiert, sodass sie meint, zu kurz zu kommen (was auch die Konstellation kurz vor Neumond anzeigt). Sie würde in einer Beziehung Sicherheit und Vertrauen brauchen, um sich öffnen zu können – doch wie soll sie so etwas in einer kleinen englischen Gemeinde finden? Da Venus der höchststehende Planet in dieser Radix ist, wirkt Emily nach aussen kühl und distanziert, vielleicht auch perfektionistisch. So zieht sie sich gern in ihre Arbeitspflichten oder intellektuell-kreative Tätigkeiten zurück, sucht Anerkennung und Wertschätzung dadurch, dass sie sich nützlich macht und funktioniert, oder wendet ihre ganze Liebe den Tieren zu.

Wenn Saturn in einem Wasser-Zeichen (Fische) steht, gibt es fast immer eine Reserviertheit in Gefühlsbereich, die Angst, sich den eigenen Emotionen zu stellen. Saturn in Fische Konjunktion IC könnte ein Hinweis darauf sein, dass an der Wurzel der Seele die Angst nagt. Um diese zu überwinden, ist eine Profilierung im künstlerischen Bereich ideal – auch das eine Entsprechung von Saturn in Fische, die noch dazu durch die Venus-Mars-Konjunktion – kreative Begabung – unterstützt wird.
Im wirklichen Leben bleibt Emily Brontë zurückhaltend und diszipliniert, Emotionen und Begierden werden literarisch ausgedrückt, und zwar auf eine derart kraftvolle und unverblümte Weise, dass die damaligen Leser die Texte keinesfalls einer Frau zugeschrieben hätten.

Eine rebellische Ader bewahrt sie sich aber doch: Uranus im 1. Haus weist auf ein eigenwilliges, unruhiges Wesen hin, das durch manchmal extremes Verhalten auffallen könnte. Ständig auf der Suche nach neuen Aktivitäten und Abenteuern, lebt Emily ihren einen grossen Freiheitsdrang in der wilden Natur und ist nur wenig bereit, sich dem Gesellschaftssystem unterzuordnen. Sie hat die Empfindung von extremer Individualität, tanzt deshalb gerne aus der Reihe und kann sich recht exzentrisch und rebellisch verhalten, wenn die Alltagsstrukturen allzu eng werden.

Uranus bildet den Brennpunkt-Planeten in einem T-Quadrat mit Saturn und dem MC. Damit kämpft sie gegen gesellschaftliche Widerstände an, um den eigenen Weg zu gehen, und lebt als scharfsinnige, gründliche Analytikerin in einer ständigen Herausforderung und Spannung, was sie aber zu grossartigen Leistungen führt. Dennoch sind ihre Entfaltungsmöglichkeiten begrenzt (Jupiter steht rückläufig in Steinbock im 2. Haus), ihr Selbstwertgefühl womöglich angeknackst. Chiron in Konjunktion mit dem Geburtsherrn Pluto weist auf den wunden Punkt hin, der aber auch zur Heilung beiträgt: der liegt in der Struktur einer künstlerisch-religiösen Familie, in der Krankheiten nach und nach alle viel zu früh hinwegraffen.

Ob es die vielen Todesfälle oder andere Tabuthemen sind (wie etwa die Alkoholsucht des Bruders Patrick Branwell, der den hohen Erwartungen des Vaters nicht gerecht werden konnte und früh verstarb), die Emilys Lebenskraft zerstört haben, oder die nicht gelebten Leidenschaften – wir wissen es nicht. Jedenfalls erkrankte Emily kurz nach dem Tod ihres Bruders an Lungenentzündung und starb 30-jährig nur wenige Monate nach ihm – und 9 Monate vor ihrer jüngeren Schwester Anne. Bis zu ihrem letzten Tag hatte sie sich geweigert, einen Arzt zu konsultieren oder Medikamente einzunehmen, skorpionische Sturheit und Alles-oder-Nichts-Haltung waren ihre treuen Begleiter. Den grossen Erfolg ihres einzigen Romans durfte sie nicht mehr erleben.

Nelson Mandela – Zum 100. Geburtstag eines Freiheitskämpfers

Im Februar 2014, etwas mehr als 2 Monate nach Nelson Mandelas Tod, besuchte ich im Rahmen einer Südafrika-Reise Robben Island, die karge Gefängnisinsel nahe Kapstadt, auf der Mandela fast 20 Jahre in einer winzigen Zelle inhaftiert war. Durch das Gefängnis führte uns ein ehemaliger Mithäftling Mandelas, der uns die unmenschlichen Haftbedingungen und Schikanen hautnah vor Augen führte, denen die politischen Gefangenen – vor allem die schwarzen – ausgesetzt waren. Dieses Erlebnis hat mich sehr berührt – aber ebenso die Omnipräsenz des charismatischen Politikers, wo immer wir in Südafrika auch hinkamen. Es waren nicht nur das überlebensgroße Denkmal in Pretoria oder die vielen Fotos in Hotels und Restaurants, es waren vor allem die Menschen in diesem Land, die Freude und Versöhnlichkeit ausstrahlten. Es war die Persönlichkeit dieses Mannes, der durch seinen unermüdlichen Kampf und unermessliche Opferbereitschaft dazu beigetragen hatte, das Apartheid-Regime zu beseitigen und eine Politik der Versöhnung einzuleiten. Nicht Hass und Rache waren sein Antrieb, sondern Einigung und Überwindung von Rassenschranken.

Freiheit, Optimismus und Überzeugungskraft

In der Radix von Nelson Mandela finden wir zahlreiche Themen seines wirklichen Lebens widergespiegelt: die Freiheitsbestrebungen, den zähen Kampf, den langen Atem, die Resilienzfähigkeit und Versöhnungsbereitschaft des Mannes, der von sich selbst sagte: „Schon als Junge lernte ich, meine Gegner zu bezwingen, ohne sie zu entehren.“ (Nelson Mandela, Der lange Weg zur Freiheit, Frankfurt am Main 1997, S. 20)

Oder: „Ich bin nicht mit dem Hunger nach Freiheit geboren worden. Ich bin frei geboren worden… Erst als ich zu begreifen begann, dass meine Freiheit eine Illusion war, dass meine Freiheit mir längst genommen war, begann ich nach ihr zu hungern.“ (a.a.O. S. 834)

Unbeschwerte Kindheit und früher Verlust des Vaters

Geboren am 18. Juli 1918 als Sohn eines Thembu-Häuptlings im damaligen südafrikanischen Homeland Transkei, wuchs Mandela mit seiner Mutter (der Drittfrau seines Vaters, der insgesamt 4 Frauen hatte) und 3 Schwestern im Dorf Qumu nahe Umtata, der Hauptstadt der Transkei, in großer Naturverbundenheit und Einfachheit heran. Sein Vater gab ihm den Namen Rolihlahla, was so viel bedeutet wie „Unruhestifter“ (a.a.O. S. 11). Den englischen Namen Nelson erhielt er, wie damals für einen Afrikaner üblich, an seinem ersten Schultag von der Lehrerin der Methodistenschule, die er besuchte.

Betrachten wir Mandelas Radix, fällt auf, dass Uranus in Wassermann im 3. Haus steht – als einziger Planet in der unteren Hemisphäre. Durch diese Stellung erhält der Planet, den wir mit Unabhängigkeitsbestrebungen und revolutionären Tendenzen assoziieren, eine besondere Bedeutung. Es geht hier um Freiheit und Unabhängigkeit im Denken, in der Sprache und der Kommunikation, und das kann durchaus Unruhe in seiner Umgebung verursachen. Dass dem Horoskopeigner diese Unabhängigkeit ein ganz besonderes Anliegen war, erkennen wir am Quincunx-Aspekt zwischen Uranus und Sonne.

Menschen mit einem Schütze-Aszendenten sind meist optimistische, wohlwollende Persönlichkeiten, die auf andere vertrauenerweckend wirken, aber auch mit genügend Selbstvertrauen ausgestattet sind, um sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen. Da Schütze ein bewegliches Zeichen ist, sind die unter ihm Geborenen gerne in Bewegung, haben oft sportliches Talent und vertragen keine Einengung. Wie wir wissen, war Mandela in seiner Jugend eine Zeitlang als Schwergewichtsboxer aktiv. Und ein weiterer Hinweis auf den Schütze-AC: „Mein Vater war ein hochgewachsener, dunkelhäutiger Mann mit einer aufrechten, würdevollen Körperhaltung“, schreibt Mandela, „die ich, wie ich mir gern einbilde, von ihm geerbt habe.“ (a.a.O. S. 13-14).

Wenn wir das Medium Coeli in Jungfrau dem Vater zuordnen, so könnte sein Herrscher Merkur in Löwe durchaus auf eine „königliche“ Abstammung verweisen, doch nicht auf die Hauptlinie (das wäre wohl eher MC in Löwe mit der Sonne als Herrscherin). Der Vater stand als Berater des Stammesregenten (Merkur Konjunktion Saturn in Löwe) in dessen Diensten (Jungfrau).

Nach dem frühen Tod des Vaters 1927 übernahm der Regent die Vormundschaft über den Buben und ließ ihm an seiner Residenz eine angemessene Erziehung und Bildung angedeihen. Wenn auch die Trennung von der Mutter, an die er eine starke Bindung hatte (Mond in Skorpion, Mond Rezeption Pluto), dem Jungen zusetzte und aus ihm ein einsames Kind mit mächtigen, verborgenen Gefühlen machte (Mond im 12. Haus), war doch die Aussicht auf Bildung und ein besseres Leben für den bildungsfreudigen Schütze-Aszendent ein willkommenes Angebot, das er bereitwillig annahm.

Ausbildung und erste politische Betätigungen

Mandela erhält also eine höhere Ausbildung in dem anerkannten Fort Hare College, in dem die schwarzafrikanische Elite herangebildet wird (Merkur Konjunktion Saturn im 9. Haus). Saturn ist Herr von 2 in 9: durch höhere Bildung wird der Selbstwert gestärkt, doch Erfolg stellt sich nur durch mühevolle Arbeit ein. Diese scheut Mandela nicht, doch er nimmt im Laufe seines Studiums durch den Einfluss von Kommilitonen, die später auch Weggefährten beim ANC werden sollten (wie z.B. Oliver Tambo), eine immer kritischere Haltung gegenüber der weißen Oberschicht ein.

In Fort Hare betätigte sich Mandela erstmals politisch und wurde 1940 in den Studentenrat, Students‘ Representative Council (SRC), gewählt. Doch als er mit anderen Kommilitonen gegen die schlechte Verpflegung auf dem Campus protestierte, reagierte die College-Leitung mit einem Ultimatum: Er konnte zwischen Einlenken und vorübergehender Suspendierung wählen. Eine schwierige Entscheidung, die sich Mandela nicht leicht machte. Doch schließlich verließ er das College, obwohl ihm das den Zorn seines Ziehvaters eintrug.

Eine Woche später wurden Mandela und sein Ziehbruder Justice mit dem Entschluss des Regenten konfrontiert, dass er für beide die Eheschließung mit zwei Thembu-Mädchen vorbereitet hätte, was den Lebensvorstellungen der beiden Jungen ziemlich zuwiderlief und sie dazu brachte, nach Johannesburg zu fliehen, um dort ein relativ selbstbestimmtes Leben zu führen – soweit das für Schwarze im damaligen Südafrika überhaupt möglich war.

In beiden Fällen blieb Mandela seinen Grundsätzen treu (Jupiter als Geburtsherr in Konjunktion zu Pluto) und zeigte erstmals auch eine Qualität, die ihn später noch oft charakterisieren sollte: seine persönlichen Gefühle und Ziele wurden dem Gemeinwohl bzw. seinen Grundsätzen untergeordnet. Das beweist uns der leere 2. Quadrant seiner Radix (persönliche Befindlichkeiten spielen keine so große Rolle). Lediglich Chiron im 4. Haus zeigt uns die seelische Verletzlichkeit, die im Zusammenhang mit der Familie steht. „Es war immer wieder das gleiche Dilemma“, schreibt Mandela später. „Hatte ich die richtige Wahl getroffen, als ich das Wohlergehen des Volkes noch höher einstufte als das meiner eigenen Familie?“ (a.a.O. S. 598 ff). Immer wieder gelangt er zu der Einsicht: Ja, es war richtig so. Es könnte der unbezwingbare Drang nach Wahrheit, Gerechtigkeit und sinnvoller Orientierung im Leben gewesen sein (Chiron Quadrat Jupiter), der ihn ganz persönlich (Jupiter ist Geburtsherr) für die Leiden seines Volkes sensibilisierte (das 4. Haus ist ja auch die Heimat).

Nicht unterschätzt werden soll jedoch auch der vollbesetzte 3. Quadrant in Mandelas Radix, wo sich 7 Planeten aufhalten. Mandela tut viel für die anderen, braucht diese jedoch auch für die eigene Selbstverwirklichung. Bei einem Schütze-Aszendenten geht es ja Hand in Hand: das Gerechtigkeitsempfinden, gepaart mit der Suche nach einem Sinn im Leben, moralischem Rechtsempfinden und großartigen Visionen. Dazu steht Jupiter prachtvoll: in Krebs erhöht und im 7. Haus in Konjunktion mit Pluto: der Glaube (an sich selbst) kann Berge versetzen, aber auch bei anderen Menschen Begeisterung wecken, denen er auf missionarische Weise seine Ideen nahebringt und sie dadurch ebenfalls motiviert.

Der eigentliche Wesenskern eines Menschen wird durch die Sonne repräsentiert. Diese steht in Krebs, was Mandela viel Phantasie und Empfindsamkeit verleiht, ihn gefühlvoll und instinktsicher macht, aber auch eine gewisse Angst, nicht geliebt zu werden, verbergen könnte. Die Stellung im 8. Haus bringt Mitgefühl, Empathie und tiefe Gefühle in seinem Wesen zum Ausdruck. Er beschäftigt sich mit den Werten anderer Menschen, definiert sich teilweise darüber und muss sich auf irgendeine Weise mit anderen Menschen vereinigen oder austauschen. Dabei erlebt er häufig Situationen, in denen es um Macht und Ohnmacht geht, und er muss immer wieder einen intensiven Lebenskampf mit der Außenwelt bewältigen, wobei er riesigen Umwälzungen und Transformationen ausgesetzt ist oder diese auch bewirkt. Ein ruhiges Leben wird er kaum führen, das Leben ist im Gegenteil eine ständige Herausforderung, der er sich stellen muss. Das drückt sich auch im Sextil zwischen Pluto und dem MC aus.

Dabei wirkt er nicht nur überzeugend und authentisch (Jupiter Konjunktion Pluto), sondern strahlt auch Sympathie und Volksnähe aus (Venus am Deszendenten). Mit Zwillinge-Venus Trigon Uranus hat er viele unkonventionelle Kontakte und liebt das Ungewöhnliche, kann mit viel Charme auf andere zugehen und sie für sich gewinnen.

Mutter-Beziehung und seelisches Empfinden

Die Mond-Stellung in Skorpion im 12. Haus ist einerseits der Hinweis auf leidenschaftliche Gefühle, aber zugleich auch darauf, dass seelische Bedürfnisse schon in der Kindheit unterdrückt wurden. Solange Mandela bei seiner Mutter aufwuchs, der er sich stark verbunden fühlte, konnte er ein unbeschwertes, freies Leben im Dorf führen (Mond Quadrat Uranus). Doch nach dem Tod des Vaters musste sich die Mutter dem Willen des Regenten beugen und ihren kleinen Sohn seiner Obhut überlassen – was sie auch bereitwillig tat, da sie ja durchaus Vorteile daraus erhoffen durfte.

Der Skorpion-Mond (verstärkt durch die Rezeption zwischen Mond und Pluto) impliziert nicht nur die Fähigkeit zu emotionaler Intensität und Leidenschaft, sondern steht auch für eine immense Leidensfähigkeit und Zähigkeit, seelische Belastungen zu ertragen. Wenn ihn etwas – im positiven wie negativen Sinn – berührt, lässt er nicht locker, will den Dingen auf den Grund gehen und gibt sich nicht mit oberflächlichen Erklärungen zufrieden. Eine fixe Idee oder Vorstellung (wie der Kampf gegen das Apartheid-System) kann lebensbestimmend werden, doch mit seinen suggestiven Gefühlen kann er auch ein Kraftfeld um sich bauen, von dem andere Menschen fasziniert sind.

Ein Mensch mit Mond im 12. Haus fühlt eine starke Verbundenheit mit anderen Menschen, nicht nur mit dem eigenen Volk, er ist mitfühlend und sozial eingestellt, kann sich selbst emotional aber nur schwer öffnen, das heisst, seine eigenen, tiefen Gefühle kennen die wenigsten. Dem Bedürfnis nach gelegentlichen Rückzugs-Phasen wurde in diesem unruhigen Leben eher weniger entsprochen – die insgesamt 27 Jahre im Gefängnis, meist in einer 4 Quadratmeter großen Einzelzelle auf Robben Island, waren wohl kaum dazu angetan, viele private Rückzugsmöglichkeiten für Mandela zuzulassen. Nicht zuletzt beinhaltet diese Mond-Stellung auch eine starke Macht-Thematik.

Mandela und die Frauen

Beziehungen zu Frauen zu knüpfen, ist Mandela vermutlich leichtgefallen (Venus Konjunktion DC), doch auch wenn sie zu Beginn angenehm und harmonisch verlaufen sein mögen, war ihnen meist keine Stabilität beschieden (Mond Quadrat Uranus). Wir dürfen nicht vergessen, dass Mandelas Beziehungen (vor allem die ersten beiden Ehen) von seinen häufigen Abwesenheiten geprägt sind (Venus Trigon Uranus), sodass zuviel Nähe und Intimität kaum aufkommen konnte. Venus beherrscht das 6. und das 11. Haus, steht genau am Deszendenten: Er war wohl stets mehr mit seiner Arbeit, seinen Gesinnungsgenossen verheiratet, wiewohl ihm intime Beziehungen zu Frauen schon besonders wichtig waren (ein Skorpion-Mond kann auf Leidenschaft kaum verzichten). In seinem Buch „Der lange Weg zur Freiheit“ bekennt Mandela durchaus auch eine romantische Ader ein – etwas anderes hätte uns bei einer Krebs-Sonne und einem Mond in 12 auch sehr verwundert. Das Trigon zwischen Sonne und Mond schenkt ihm ein natürliches Empfinden für Ausgewogenheit und Gleichwertigkeit, verleiht ihm Menschlichkeit, Wärme und eine spontane und herzliche Ausstrahlung.

Dennoch scheiterte seine erste Ehe an der Unvereinbarkeit der jeweiligen Zielvorstellungen der Eheleute. 1946 (die progressive Venus stand gradgenau auf Mandelas Radix-Sonne, Transit-Jupiter im Quadrat dazu) heiratete Nelson Mandela die Krankenschwester Evelyn Mase, mit der er insgesamt 4 Kinder hatte – 2 Söhne und 2 Töchter. Obwohl sie ihn anfänglich in seinen Ambitionen unterstützt hatte, brachte sie im Lauf der Zeit kaum noch Verständnis für sein politisches Engagement auf und fühlte sich vermutlich auch sehr alleingelassen. Zudem schloss sie sich den Zeugen Jehovas an, was die Eheleute einander noch mehr entfremdete, sodass es schließlich zur Trennung kam.

Am 14. Juni 1958 heiratete Mandela Winnie Madikizela, die erste schwarze Sozialarbeiterin Johannesburgs, die ihn sehr unterstützt hatte, als ihm der Prozess wegen Landesverrats gemacht wurde. Mit der Venus in Zwillinge ist Mandela natürlich von einer Frau hingerissen, mit der er sich intellektuell austauschen kann, die sich für seine Arbeit interessiert oder sogar mit ihm zusammenarbeitet, denn Venus beherrscht das 6. Haus und steht am Deszendent. Winnie Mandela schien dafür die ideale Ehefrau zu sein, sie war ebenfalls im Widerstand tätig und entwickelte sich während Mandelas langer Haftzeit zu einer verlässlichen Gefährtin und führenden Gegnerin des Apartheid-Regimes. Zudem agierte sie sehr aktiv und unabhängig, wozu sie ja aufgrund des langen Gefängnisaufenthalts ihres Mannes auch „gezwungen“ war (Mond Quadrat Uranus), sie kam mit dieser Rolle aber gut zurecht. Leider stellte sich später heraus, dass sie in ihren Aktionen nicht nur Gewalttätigkeit befürwortete, sondern auch verwickelt war in Korruption und Entführungsfälle, was sie politisch sehr belastete und als Ehefrau Mandelas unmöglich machte, sodass sich das Ehepaar im April 1992 trennte.

Sie sollte aber nicht die letzte Ehefrau bleiben. An seinem 80. Geburtstag, dem 18. Juli 1998, heiratete Mandela noch einmal, und zwar die Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Graça Machel, die Witwe des frühen Präsidenten von Moçambique, der den ANC zeitlebens unterstützt hatte.

Der African National Congress

Als junger Jurastudent engagierte sich Mandela in der politischen Opposition gegen das weiße Minderheitsregime mit dem Ziel, für die schwarze Mehrheit des Landes gleiche politische, soziale und wirtschaftliche Rechte zu erkämpfen. 1944 trat er dem African National Congress (ANC) bei und gründete im selben Jahr zusammen mit Walter Sisulu, Oliver Tambo und anderen die ANC Jugendliga.

Zur Geburt des zweiten Sohnes Makgatho Lewanika am 26. Juni 1950, dem Tag, für den der ANC einen nationalen Protest gegen die Ermordung von 18 Afrikanern und gegen die Verabschiedung des Kommunistenverbots geplant hatte, schreibt Mandela: „Der Kampf …. war allumfassend…. Ich war bei Evelyn im Krankenhaus, als mein Sohn zur Welt kam, aber das war nur eine kurze Unterbrechung meiner Aktivitäten.“ (a.a.O. S. 167).

Mandela, der eigentlich dem Vorbild Gandhis im Sinne von gewaltlosem Widerstand folgen wollte, musste erkennen, dass sich die Apartheid auf diese Weise nicht beseitigen ließ, daher rief er 3 Jahre später – als der laufende Mars in Konjunktion zu Pluto stand – erstmals auch zur Gewaltbereitschaft auf. Die mächtigen Feinde (also das südafrikanische Apartheid-Regime) lassen sich in der Radix erkennen durch die Stellung von Pluto im 7. Haus.

Es folgten Jahre der staatlichen Verfolgungen und wiederholten Verhaftungen und Verbannungen, denen Mandela sich zeitweise durch Flucht entzog und im Ausland im politischen Untergrund arbeitete. Nachdem er im Juli 1962 nach Südafrika zurückgekehrt war, wurde Mandela jedoch am 5. August 1962 verhaftet, ihm wurde der Prozess gemacht, wo er zunächst zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Verhaftung, Gefängnis und Befreiung

Am 12. Juni 1964 wurde Nelson Mandela zu lebenslanger Haft verurteilt, er verbüßte davon insgesamt 27 Jahre, die meiste Zeit (18 Jahre) auf der Gefängnisinsel Robben Island in einer winzigen, 4 Quadratmeter umfassenden Zelle. Wie alle schwarzen Häftlinge war auch Mandela zahllosen Schikanen sowie Schwerstarbeit im Steinbruch ausgesetzt – als Spätfolge dieser unmenschlichen Haftbedingungen erkrankte Mandela im Jahr 1988 an Lungentuberkulose.

Die Zusammenballung von Saturn, Uranus und Neptun in Steinbock im Jahr 1989 brachte so manches Staatsgefüge und politische System ins Wanken – auch in Südafrika, wo der Hardliner-Präsident Botha im Oktober zurücktrat und den Weg für seinen gemäßigteren Nachfolger de Klerk frei machte, der Wandel und Reformen in dem Land am Kap einleitete.

Nach weltweiten Interventionen und Petitionen wurde Mandela am 11. Februar 1990 aus dem Gefängnis entlassen und bald von zahlreichen Staatsrepräsentanten in die ganze Welt eingeladen. „Ich genoss meine Reisen außerordentlich“, trug er seinem Schütze-Aszendent voll Rechnung. „Ich wollte neue – und alte – Aussichten sehen, neue Speisen kosten und mit allen Arten von Menschen sprechen.“ (a.a.O. S. 764).

Unmittelbar nach seiner Freilassung leitete Mandela seine Politik der Versöhnung ein und strebte allgemeine, freie Wahlen an, welche am 27. April 1994 stattfanden und dem ANC die absolute Mehrheit brachten. Am 9. Mai 1994 wurde Nelson Mandela vom neuen Parlament zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt.

So unbeugsam Mandela im Kampf gegen die Apartheid war, so überzeugend und charismatisch vertrat er nach seiner Freilassung die Politik der gegenseitigen Versöhnung und Vergebung. Sein Vermächtnis ist das Streben nach einer Welt freier und gleicher Menschen, ohne Rassismus, demokratisch regiert und sozial organisiert. Im Gegensatz zu vielen anderen gelang es ihm, den Versuchungen von Macht und Geld zu widerstehen.

„Denn um frei zu sein genügt es nicht, einfach nur die Ketten abzuwerfen, sondern man muss so leben, dass man die Freiheit des anderen respektiert und fördert.“ (a.a.O. S. 836).

Nach längerer Krankheit starb Nelson Mandela am 5. Dezember 2013 im Kreise seiner Familie an den Folgen einer Lungenentzündung. Südafrika gedenkt des 100. Geburtstages ihres „Vaters der Nation“ übrigens u.a. mit dem weltweit größten Decken-Bild, das sein Porträt zeigt.

Sigrid Farber, Astromaster ®

Karl Marx – zum 200. Geburtstag

Am 5. Mai 1818 wurde Karl Marx in Trier als Sohn eines jüdischen Anwalts geboren, der, obwohl aus einer Rabbiner-Familie stammend, zum Protestantismus konvertierte, da er unter der preußischen Obrigkeit sein unter napoleonischer Regierung angetretenes Amt sonst nicht hätte weiterführen dürfen. Auch Karl und seine Geschwister wurden 1824 getauft. Nach dem Gymnasium studierte er auf Wunsch seines Vaters in Bonn Rechtswissenschaften, wechselte aber nach einem Jahr nach Berlin, wo er sich mehr der Philosophie und Geschichte zuwandte und vor allem an den Staatstheorien und der Dialektik von Georg W.F. Hegel Gefallen fand, jedoch im Fortgang historischer Prozesse weitere fundamentale Änderungen erwartete, nicht zuletzt eine Weiterentwicklung der preußischen Gesellschaft, die sich mit Problemen wie massenhafter Armut, staatlicher Zensur, fehlender politischer Partizipation der breiten Bevölkerungsmehrheit und Diskriminierung von Menschen, die sich nicht zum christlichen Glauben bekannten, auseinanderzusetzen hatte.

Wie im Horoskop eines Sozialreformers nicht anders zu erwarten, finden wir in der Radix von Karl Marx einen Wassermann-Aszendenten vor, der die Idee der französischen Revolution von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit auf seine Fahnen geheftet hat. Diese Idee ist seine Berufung, die er auch mit Begeisterung und einem starken Sendungsbewusstsein in die Welt hinaus tragen will, denn Uranus, der Geburtsherrscher, steht im 10. Haus in Schütze.

Es fällt auch auf, dass sich in Marx‘ Radix fast alle Planeten auf der linken, der östlichen Seite befinden. Das heisst, er vertritt vor allem seine eigenen Interessen und will alles selbst machen, lässt sich auch kaum etwas sagen. Seine jüngste Tochter Eleanor bezeichnet ihn als „egomanischen Sturkopf“ und später, kurz vor seinem Tod, als “verbitterten Sonnengott“. Obwohl er sich für die Gesellschaft, deren Rechte und Veränderung, einsetzt, lebt er doch sein eigenes Leben gemäß seiner Interessen, ohne auf die anderen wirklich zuzugehen oder sich tief auf sie einzulassen. Marx hat natürlich viele innere Ressourcen, auf denen er aufbaut, daher will er der Gestalter seines Schicksals (und das der gesamten Menschheit) sein.

Gleichermaßen interessant ist aber auch die Stier-Sonne, die das Materielle betont, in Konjunktion zum Mond und zum aufsteigenden Mondknoten: Karl Marx ist nicht nur unmittelbar vor einem Neumond geboren (der 5 Stunden später exakt war), sondern auch zu einer Sonnenfinsternis, die in seinem 2. Haus positioniert ist. Die Sonne – also das eigene Ich – wird ins Dunkel gehüllt, es strahlt nicht so, wie es strahlen sollte, und kann vielleicht nicht so gut zum Ausdruck gebracht werden, weil dieser Mensch sich nicht wirklich kennt. Dennoch macht ihn diese Neumond-Stellung einerseits sehr subjektiv und auf sich bezogen, andererseits – da die Geburt ja 5 Stunden vor Neumond stattgefunden hat – lebt er in einer ständigen Erwartungshaltung und fühlt sich vom Schicksal irgendwie abgehoben. Ausserdem treibt ihn eine ständige Unzufriedenheit zu immer neuen Aktivitäten im Zusammenhang mit Werten, Grenzen und Besitz an. Die Wertethematik ist also ein vorherrschendes Thema in seinem Leben, nicht nur, weil er ständig um die eigene finanzielle Existenz kämpfen muss, sondern natürlich auch, weil er kapitalistischen Besitz – also das Eigentum an Produktionsmitteln – als Grundübel der Gesellschaft anprangert.

Venus, die Zeichenherrscherin der Sonnenfinsternis, befindet sich ebenfalls im Zeichen Stier, doch bereits im 3. Haus: so war Marx befähigt, über diese Thematik zu informieren und zu schreiben. Mit Merkur, ebenfalls im 3. Haus und noch dazu in seinem eigenen Zeichen Zwillinge, war Marx ein begabter Journalist und Schriftsteller, der aber oftmals einsam auf verlorenem Posten stand und in seinen Anliegen nicht wirklich verstanden wurde (Merkur ist in dieser Radix unaspektiert).

Die Sonnenfinsternis bedeutet auch, dass ein Prinzip, das verfinstert ist, ans Licht gebracht werden soll. Der Horoskopeigner sollte sich bemühen, die Trägheit der Vergangenheit zu überwinden, er will etwas schaffen und bewirken, ist ehrgeizig, muss sich jedoch der realen Welt stellen.

Mit Wassermann und Stier treffen zwei völlig gegensätzliche Prinzipien aufeinander: während die Stier-Sonne auf eine konservative und solide Grundeinstellung verweist, der es um materielle Sicherheit im Leben geht, die ein starkes Beharrungsmoment kennt, jede Lebensveränderung als schwierig erlebt, nur langsam in Bewegung kommt, dann aber dann sehr stark und ausdauernd ist, stellt Wassermann das Konträre dar: ein Element, das rebelliert, ständig die Veränderung und das Neue sucht, fast exzentrisch sich gegen jede Norm stellt und sich nur im Geistigen fixiert. Ein Mensch mit Wassermann-Aszendent hat den – vielleicht unbewussten – Anspruch, etwas Besonderes zu sein, sich aus der Masse herauszuheben oder irgendwie aus dem Rahmen zu fallen. Das hat nichts damit zu tun, dass er sich für etwas Besseres hält, nein, nicht besser, sondern anders. Ein Stier-betonter Mensch hingegen fühlt sich in der Stallwärme eines Rudels wohl, er hält an seinen Werten – seien es Besitz oder Menschen – fest, will sich nicht trennen, wo der Wassermann immer wieder sich selbst und sein Leben verändert oder neu erfindet. Während sich der Stier konventionellen gesellschaftlichen Maßstäben beugt und vorwiegend materiell orientiert ist, ist der Wassermann ein Utopist, dem seine persönliche Freiheit über alles geht, und der über die Fähigkeit verfügt, Chancen und Möglichkeiten, die in der Zukunft liegen, zu erkennen.

Wie kommt ein Mensch mit diesen Widersprüchlichkeiten zurecht? Wie lebt er damit? Die Betonung des Stier-Zeichens und des 2. Hauses zeigt zwar die Wichtigkeit, die Materielles im Leben von Marx hatte, ist allerdings kein Hinweis auf eigenen Wohlstand – die meiste Zeit seines Lebens war Marx in finanziellen Schwierigkeiten. Da war es praktisch, dass er wohlhabende Freunde und Gönner (wie den Fabrikantensohn Friedrich Engels) hatte, die ihn unterstützten und förderten: kein Wunder bei Jupiter im 11. Haus. Mit dieser Jupiiter-Stellung vertrat er die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Unabhängigkeit und konnte auch seinerseits Freunde und Gruppen gut motivieren und aufbauen sowie selbst humanitäre Organisationen gründen.

Jupiter ist ausserdem der Herrscher des Schütze-MC. Wie bei vielen Menschen mit Schütze-MC war auch für Marx sein Beruf eine Berufung, die unter anderem den Sinn seines Lebens ausmachte. Marx strebte nicht nur nach Erweiterung des eigenen Horizontes, er wollte die Öffentlichkeit für sein Anliegen interessieren und begeistern. Sein Anspruch nach sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit und die Befreiung der Arbeiter aus „entfremdeten Arbeitssituationen“ resultierte aus der Verbindung von Nationalökonomie und Philosophie. Er schreibt: „Einerseits verwandelt der Produktionsprozeß fortwährend den stofflichen Reichtum in Kapital, in Verwertungs- und Genußmittel für den Kapitalisten. Andrerseits kommt der Arbeiter beständig aus dem Prozeß heraus, wie er in ihn eintrat – als persönliche Quelle des Reichtums, aber entblößt von allen Mitteln, diesen Reichtum für sich zu verwirklichen. Da vor seinem Eintritt in den Prozeß seine eigne Arbeit ihm selbst entfremdet, dem Kapitalisten angeeignet und dem Kapital einverleibt ist, vergegenständlicht sie sich während des Prozesses beständig in fremdem Produkt…“ (Karl Marx, Das Kapital, MEW 23: 595f.).

Sein Beruf und seine Berufung ermöglichten ihm immer auch viele Reisen und Kontakte mit anderen Ländern und Kulturen – nicht immer freiwillig, denn er verbrachte viele Jahre auf der Flucht vor der preussischen Obrigkeit im Exil. So lebte er längere Zeit in Paris und Brüssel, bevor er in sein Exil nach London ging, wo er 15 Jahre bleiben und als Europa-Korrespondent für die New York Daily Tribune arbeiten sollte. Nach der Reaktion auf die Revolutionen von 1848, wodurch 1849 die alte Ordnung wiederhergestellt wurde, war er in seiner Heimat Preussen nicht länger geduldet gewesen, auch die Staatsbürgerschaft war ihm aberkannt worden. 1861 versuchte er, diese wieder zu erlangen, doch ohne Erfolg. Aber auch die britische Staatsbürgerschaft, um die er angesucht hatte, wurde ihm mit der Begründung, er sei ein „berüchtiger Agitator und Anwalt kommunistischer Prinzipien“ verwehrt.

Auf dieses unstete Leben verweisen die Planeten Uranus und Neptun im 10. Haus seiner Radix; diese machen ihn zu einem Getriebenen und Vertriebenen, ständig auf der Flucht von Exil zu Exil, aber auch zu einer Leitfigur der Revolution und zu einem Idol, wenn auch erst nach seinem Tod. Zukunftsvisionen mit Weitblick, sogar eine revolutionierende Lebensphilosophie werden dem Schütze-MC zugeschrieben. Doch Marx verstand Philosophie nicht als Möglichkeit, die Welt zu interpretieren, sondern um sie zu verändern (Uranus in Schütze). Er sagte: „Wir sind nicht Eigentümer, sondern Nutzniesser der Erde, und haben sie unseren Nachkommen verbessert zu hinterlassen.“

Wie verhielt es sich mit Marx‘ Privatleben, wie war sein Verhältnis zu Frauen? Das könnten wir mit Hilfe der weiblichen Planeten Mond und Venus herausfinden, die in Marx‘ Horoskop in guten Würden stehen: der Mond ist in Stier erhöht, die Venus im selben Zeichen domiziliert.

Frauen dürften sich in seiner Gegenwart jedenfalls wohl gefühlt haben; vermutlich hat er ihnen vermittelt, sie zu lieben und zu achten. Davon ist natürlich besonders seine Ehefrau Jenny von Westphalen betroffen, mit der er 38 Jahre verheiratet war, die ihm eine treue Weggefährtin und Mitarbeiterin in der sozialistischen Bewegung war und ihm Halt und Verlässlichkeit gegeben hat. Er soll aber auch ein Verhältnis mit der Haushälterin Helena Demuth gehabt haben, aus dem angeblich ein Sohn hervorging – bewiesen ist das freilich nicht. Interessantes Detail: trotz der ständigen Geldnot war die bezahlte Haushälterin über Jahrzehnte fixer Bestandteil des Marxschen Haushalts, sie folgte der Familie in die Exilstationen und wurde als Familienmitglied betrachtet. Wir könnten spekulieren: der Mond als Herr von 6 (das auch für die Bediensteten steht) im 2. Haus in Konjunktion mit der Sonne: Marx könnte die Haushälterin als „persönlichen Besitz“ oder ihm sehr nahestehend empfunden haben.

Überhaupt hat Karl Marx mehrere Planeten in Würden: ausser Mond und Venus steht Merkur in Zwillinge im Domizil, aber auch „negative“ Würden, wie Jupiter in Steinbock und Mars in Krebs, zählen, um einen Menschen von sich selbst überzeugt wirken zu lassen.

Doch schauen wir uns nochmals den in Stier erhöht stehenden Mond an: man könnte Karl Marx als sinnlichen, körperbetonten Genussmenschen bezeichnen, der Werte schaffen, aber auch Kontrolle über seine Umgebung haben will und sich dabei ganz schön störrisch, gewinnsüchtig, ja sogar geizig verhalten kann. Vermutlich hat Marx ein Problem mit seinem Selbstwert. Da der Mond über das 6. Haus herrscht und im 2. Haus steht, wird er sich diesen wahrscheinlich über die Arbeit holen.

Dass Karl Marx zur überragenden Figur des Sozialismus bzw. Kommunismus wurde, auch wenn sein Ruhm sich zu Lebzeiten in Grenzen hielt, hat er zweifellos doch seiner besonderen Sonnen-Stellung (wie schon weiter oben beschrieben) zu verdanken. Das Sextil zu Saturn gab ihm die nötige Selbstverantwortung und Disziplin, um fleissig und hart zu arbeiten, das Trigon zu Jupiter bewirkte den Erfolg durch ausdauernde Arbeit, es weist ausserdem darauf hin, dass das Leben auf Wachstum und Sinnfindung ausgerichtet ist. Da Jupiter jedoch rückläufig ist, stellt sich der Erfolg mit Verzögerung ein.

Merkur steht sowohl vom Zeichen (Zwillinge) als auch vom Haus (3. Haus) in bester Qualität. Sein Problem ist nur die Unaspektiertheit. Denn prinzipiell macht ein solcher Merkur sehr redefreudig, sprachbegabt, kommunikativ, wissensfreudig und vielseitig interessiert – all das, was Marx ja war.

Mars steht als einziger Planet in der rechten Hemisphäre, in Krebs im 5. Haus. Lässt sich daraus die besondere Beziehung herleiten, die er zu seinen 3 überlebenden Töchtern (von insgesamt 7 Kindern) hatte? Marx war bekannt für seine grosse Kinderliebe, nach seinen eigenen liebte er auch den Enkel Johnny (den Sohn seiner Tochter Jenny) über alles.

Der passionierte Raucher, der in seinen letzten Lebensjahren kränkelte, verstarb am 14. März 1883 im Alter von knapp 65 Jahren in London. Als Todesursache wurde Laryngitis (Kehlkopfentzündung) festgestellt – eigentlich eine typische Stier-Erkrankung, zu der aber sicher auch das Rauchen beigetragen hat. Zuvor hatte er schon seine Frau Jenny von Westphalen sowie seine Lieblingstochter Jenny beerdigen müssen. Die Welt nahm kaum Notiz von seinem Tod, seinen Ruhm hat Marx nicht mehr miterlebt. Es hieß, dass er der bestgehasste und bestverleumdete Mann seiner Zeit gewesen ist, der er als Wassermann-Aszendent zwar weit voraus war, denn er hatte die Gier der Kapitalisten, die sich im 21. Jahrhundert noch steigern sollte, erkannt („Kapital ist das Futter für unersättliche Goldesel“), allerdings nicht das Bestreben der „Proletarier“, selbst der Bourgeoisie anzugehören. Auch ihr Nationalismus stand über ihren sozialistischen Idealen, wie der erste Weltkrieg deutlich zeigte.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass sich Marx‘ Klassenkampftheorie an den industrialisierten Gesellschaften Westeuropas orientierte. Der Sozialismus des 19. Jahrhunderts vertrat die Idee einer utopischen Gesellschaft, in der die Produktionsmittel denen gehören, die sie bedienen (den Arbeitern). Erst muss das Bürgertum die Monarchie stürzen – so die Idee -, erst dann kann das Proletariat an der Macht teilhaben. Im 20. Jahrhundert sind jedoch Systeme entstanden, die Marx nicht unterstützt hätte. Er war ein Philosoph der Freiheit (weil er die Pressefreiheit verteidigte, wurde er verfolgt und musste ins Exil fliehen), und er hätte nichts unterstützt, was diese Freiheit eingeschränkt hätte. Zudem dachte Marx in globalen Maßstäben, nicht für ein einzelnes Land. Ironischerweise wurde seine kommunistische Lehre jedoch in einem Land umgesetzt, das noch ein feudalistisches System mit Leibeigenen statt Arbeitern kannte, und wo es praktisch kein Bürgertum gab: in Russland. Dass die Utopie dort scheitern musste bzw. zu einer gleichgeschalteten Diktatur verzerrt wurde, liegt eigentlich auf der Hand.

Nichtsdestotrotz bleibt Karl Marx als Gesellschaftstheoretiker, Sozialutopist und Philosoph des Sozialismus und Kommunismus eine wichtige Persönlichkeit, dessen Ideen bis in die Gegenwart nachwirken.

Andrew Lloyd-Webber zum 70. Geburtstag

Am 22. März 2018 feierte der berühmte Musical-Komponist Andrew Lloyd-Webber seinen 70. Geburtstag. 1948 als älterer von 2 Söhnen in eine äussert musikalische Familie hineingeboren (sein Vater war Komponist und Organist, seine Mutter Pianistin und Geigerin), stellte sich sein herausragendes Talent bereits im Kindesalter heraus. Mit 3 Jahren begann er, Geige zu spielen, wenig später auch Klavier, und bereits mit 6 Jahren gab es erste Kompositionen von ihm. Im Alter von 9 Jahren komponierte der kleine Andrew eine sechsteilige Suite und gab, zusammen mit seinem jüngeren Bruder Julian, der später ein bekannter Cellist wurde, auf Anregung einer Tante Vorstellungen im selbst gebauten Puppentheater.

Das 1965 begonnene Geschichte-Studium in Oxford gab er bald wieder auf, um sich ins Royal College of Music in London einzuschreiben. Kurz darauf erhielt er einen Brief eines gewissen Tim Rice, der sich ihm als Texter für seine Lied-Kompositionen anbot. Lloyd-Webber zeigte sich interessiert, und so begann eine langjährige erfolgreiche Zusammenarbeit. Ihr erstes gemeinsames Musical „The Likes of Us“ schaffte es jedoch lange Jahre nicht auf die Bühne, es wurde erst viele Jahre später uraufgeführt. Aus einem religiösen Konzert, das die beiden als Auftragsarbeit verfassten, entwickelte sich das Musical „Joseph and the Amazing Technicolor Dreamcoat“, das am 1. März 1968 in London uraufgeführt wurde.

Da der Erfolg dieses auf biblischem Stoff basierenden Stücks überwältigend war, machten sich die beiden an ihr nächstes Bibel-Werk, „Jesus Christ Superstar“, das Pop-Musik in eine klassische Opernform brachte und noch erfolgreicher als „Joseph“ war. Bei „Jesus Christ Superstar“ probierte Lloyd-Webber erstmals, einzelne Songs vor der Bühnenfassung zu veröffentlichen, was sich als sehr effektive Methode herausstellte, den Erfolg eines Werks vorab abzuschätzen. Der nächste Versuch war „Don’t Cry for Me, Argentina“, das ein Hit wurde, lange bevor das Musical „Evita“ auf die Bühne kam.

In the 1980-er Jahren endete die Zusammenarbeit zwischen Andrew Lloyd-Webber und Tim Rice, der weniger besessen von der Bühne war als Lloyd-Webber, dafür begann jetzt eine Ära der Musical-Blockbuster, angefangen von „Cats“, über „Starlight Express“, bis zum „Phantom der Oper“. Diese Musicals liefen nicht nur jahrelang in London, sondern auf zahlreichen Bühnen in der ganzen Welt, darunter Wien, Hamburg und New York.

Während Andrew Lloyd-Webber in den 1990-er Jahren auch einige Misserfolge in Kauf nehmen musste, startete er zu Beginn des neuen Jahrtausends mit „Bombay Dreams“, „Woman in White“ und „Love Never Dies“, der Fortsetzung von „Phantom der Oper“, wieder voll durch.

Andrew Lloyd-Webber ist der erfolgreichste Musical-Komponist aller Zeiten, er erhielt für seine Kompositionen zahlreiche Preise (darunter 3 Grammy Awards, einen Golden Globe und einen Oscar) und wurde 1992 von der britischen Königin geadelt.

Sein Privatleben verlief nicht nur glücklich. Er war dreimal verheiratet und hat insgesamt 5 Kinder.

Schauen wir uns einmal an, was uns das Horoskop dieses bemerkenswerten Mannes über seine Persönlichkeit und sein Leben erzählen kann.

Es gibt in Andrew Lloyd-Webber’s Horoskop einige bemerkenswerte Punkte. Zunächst fällt auf, dass in seiner Radix das Feuer-Element dominiert. Die Sonne steht in Widder, der Aszendent in Löwe, und in diesem Zeichen, allerdings im 12. Haus, sind auch die Planeten Pluto, Saturn und Mars positioniert. Der Mond steht nur 1 Grad vom Aszendenten entfernt und hat somit eine sehr markante Stellung. Dazu kommt noch Jupiter in seinem eigenen Zeichen Schütze. Wir haben es hier also mit einem willensstarken, begeisterungsfreudigen, starken, mutigen und grosszügigen Menschen zu tun, der seine Lebensfreude zur gegebenen Zeit gut ausdrückt und Sinn für Dramatik hat.

Ein Mensch mit einem Löwe-Aszendenten verkörpert Vitalität, Lebenslust und Kreativität, er will im Mittelpunkt stehen und setzt sich gerne in Szene, hat einen natürlichen Stolz und wirkt selbstbewusst, grosszügig und würdevoll. Sein Geltungsdrang könnte ihn großspurig und angeberisch wirken lassen, da er viel Anerkennung, Aufmerksamkeit und Bewunderung braucht. Da aber Jupiter ein gradgenaues Trigon zum Aszendenten bildet, stehen hier wohl Optimismus und Weltoffenheit im Vordergrund. Ausserdem wird bei soviel Löwe-Betonung die Theaterpranke spürbar.

Der Mond in einem Feuer-Zeichen weist oft auf eine musische Begabung hin, nicht selten auch auf eine kreative Mutter, wie das bei Lloyd-Webber der Fall war. Noch dazu bildet der Mond ein genaues Trigon zu Jupiter in Schütze im 5. Haus: die Mutter fördert Andrews Kreativität, sodass er eine hervorragende Erfolgsbasis hat. Er braucht aber auch die Anerkennung der anderen, um das eigene Ego zu stärken, will Eindruck machen und herausragen, hat ein instinktives Bedürfnis nach Anerkennung und Bewunderung, nach Dominanz und Macht. Gleichzeitig macht dieser Mond am persönlichsten Punkt des Horoskops dessen Eigner stark beeindruckbar und sehr subjektiv, da er sich von allem betroffen fühlt und das auch gleich theatralisch zum Ausdruck bringt. Andererseits hat er keine Probleme, seine Bedürfnisse zu zeigen und sie auch zu leben, hat auch ein gutes Gespür für Stimmungen in seiner Umgebung.

Einen weiteren Indikator für die ungeheure Schaffenskraft dieses Mannes finden wir mit der Venus in ihrem eigenen Zeichen Stier direkt am MC und in Konjunktion mit dem aufsteigenden Mondknoten. Hier hat ein Mensch seinen Auftrag, sich musikalisch-künstlerisch auszudrücken und der Gesellschaft zur Verfügung zu stellen, voll erfüllt. Eine Stier-Venus am MC weist auch auf eine materielle Begabung hin, und dass es Lloyd-Webber gelungen ist, sich mit seinem musikalischen Talent ein kleines Vermögen zu erarbeiten, so dass der Künstler als einer der reichsten Männer Englands gilt, darf wohl als angenehmer Nebeneffekt angesehen werden.

So gut sich diese Venus am MC präsentiert und sich somit beruflich auf das Beste verwirklichen kann, so sehr müssen wir aber auch die problematischen Aspekte im Auge behalten: 2 Quadrate zu Pluto und Saturn, die ihn einerseits angetrieben haben, sich mit seinen Kompositionen der Öffentlichkeit zu stellen und nicht im stillen Kämmerlein zu bleiben. Andererseits haben sie sein Beziehungsleben sicher nicht leichter gemacht. Wenngleich ich keine Details weiss, so ist doch bekannt, dass Lloyd-Webber dreimal verheiratet war (mit der 3. Frau ist er es dem Vernehmen nach immer noch). Scheidungen sind bei Löwe-Aszendenten keine Seltenheit; das Zeichen Wassermann am Deszendenten fordert in Beziehungen viel Freiheit und Unabhängigkeit – damit kommt nicht jede Partnerin zurecht. Am besten wäre wohl eine Partnerin, mit der ihn auch beruflich einiges verbindet, wie Uranus im 10. Haus andeutet: die zweite Ehefrau war die bekannte Sängerin Sarah Brightman, der Lloyd-Webber die Rolle der Christine im „Phantom der Oper“ auf den Leib geschrieben hatte, die sie auch in der Erstaufführung des Musicals 1986 sang.

Dennoch dürfte die Ballung an Planeten (Pluto, Saturn, Mars) in Löwe im 12. Haus nicht gerade zu einer harmonischen Gestaltung des Privatlebens beitragen. Die verletzte Venus lässt darauf schliessen, das in Beziehungen Themen wie Leidenschaftlichkeit, Intensität, Macht und Ohnmacht eine Rolle spielen. Gleichzeitig dürfte ein starkes Kontrollbedürfnis und die Neigung zur Zurückhaltung in privaten Angelegenheiten bestehen. Weitere Indizien für ein nicht unbedingt friktionsfreies Privatleben sind etwa ein unaspektierter Uranus als Herr von 7 und ein ebenfalls unaspektierter Merkur im 7. Haus. Das wirkt fast so, als wäre alles, was mit Partnerschaft und Beziehung zu tun hat, von seinem sonstigen Leben abgeschnitten.

Meine Vermutung ist, dass er sein Privatleben seinem Schaffen komplett unterordnet. So sagte er zur Trennung von seinem langjährigen künstlerischen Partner Tim Rice: „… wenn ich etwas bedaure, dann dass ich nicht so einen Langzeitpartner hatte wie etwa Rodgers mit Hammerstein. Ich hätte gehofft, dass die Verbindung mit Tim Rice weiterginge, aber ich bin vom Theater besessen, und für Tim gab es auch noch anderes. Für ihn ist das Theater nicht das ganze Leben, so wie für mich.“ (http://www.imdb.com/name/nm0515908/bio?ref_=nm_ov_bio_sm)

Es ist aber natürlich möglich, dass Lloyd-Webber sein Venus-Pluto-Quadrat in einem Schaffensdrang und vielleicht sogar Schaffensrausch auslebt (Venus ist ja Herrin von 10), auf diese Weise könnte der Druck auf das Beziehungsthema geringer sein. Der Fische-Merkur im 7. Haus steht für einen Menschen mit künstlerischer Phantasie, der gut und einfühlsam mit anderen kommunizieren kann, und wohl auch eine kunstsinnige Partnerin sucht. Mit seinem stark betonten 4. Quadranten muss sich Andrew Lloyd-Webber aber mehr der Gesellschaft als einem einzelnen Menschen zur Verfügung stellen.

Die Sonne ist bei einem Löwe-Aszendenten Geburtsherrscherin, und die steht in Andrew Lloyd-Webber‘s Horoskop in Widder, wo sie erhöht ist, sodass es dem Künstler leicht fallen dürfte, sich mit gesundem Selbstbewusstsein durchzusetzen und seine dynamische, tatkräftige Persönlichkeit zu zeigen. Die Stellung im 8. Haus zeigt uns, dass dieser Mensch ein intensives Leben führen will, und dass Macht und Durchsetzung in der Aussenwelt eine zentrale Rolle spielen. Die Sonne verkörpert ja das schöpferische Prinzip in unserer Radix, und ein Mensch mit einer in Widder erhöht stehenden Sonne im 8. Haus muss sich dieser kreativen Kraft mit Haut und Haaren hingeben, wenn er ihr Prinzip verwirklichen will.

Der Mond steht im Zeichen der Sonne, in Löwe, die Bewusstheit strahlt somit auf das Unbewusste, Instinkthafte, und versieht es mit schöpferischer Gestaltungskraft. Der Mond am persönlichsten Punkt zeigt sich auch – wenn man so will – an der mondhaften Ausstrahlung (dem runden Gesicht) Lloyd-Webbers. Da der Mond jedoch technisch noch im 12. Haus steht (wenn auch in Konjunktion zum Aszendenten), ist er ein Indikator für eine grosse Feinfühligkeit und Sensitivität für alles, was “in der Luft liegt” – also Bühnenstoffe, die ein Publikum in ihren Bann ziehen können.

Jupiter im eigenen Zeichen Schütze und im 5. Haus sehr stark stehend, zeigt uns reichen Kindersegen (Lloyd-Webber hat deren 5) und Erfolg in der künstlerischen Selbstverwirklichung. Mit dem Trigon zum Aszendenten strahlt der Komponist nicht nur Optimismus, Vertrauen und Begeisterungsfähigkeit aus, sondern wird umgekehrt auch viel Wohlwollen, Ansehen und Erfolg durch seine Umwelt erleben.

Dass ihm Ansehen und Erfolg auch weiterhin treu bleiben, das wünschen wir Andrew Lloyd-Webber, dem wir viele wunderbare Musicals verdanken, zum 70. Geburtstag von ganzem Herzen.