Marlen Haushofer zum 100. Geburtstag

Ihr bekanntestes Werk ist der Roman „Die Wand“: Es geht um eine (namenlose) Frau, die eines Morgens in einer Jagdhütte erwacht und bei der Suche nach ihren Freunden merkt, dass ein größeres Gebiet rund um die Hütte von einer unsichtbaren, undurchdringlichen Wand umgeben ist, und dass sie von nun an komplett auf sich selbst gestellt ist. Eine Metapher für ihr eigenes Empfinden des inneren Getrennt-Seins von anderen Menschen?

Marlen Haushofer wurde am 11. April 1920 um 4.00 in Frauenstein/Oberösterreich als Tochter des Forstmeisters Heinrich Frauendorfer und seiner Frau Maria geboren, sie wuchs im Forsthaus im Effertsbachtal auf und genoss ein relativ freies Leben in der Natur. Zu ihrem Vater, der ein grosszügiger, weltoffener Mann gewesen zu sein scheint, hatte sie ein innigeres Verhältnis als zu ihrer Mutter, einer strenggläubigen ehemaligen gräflichen Kammerzofe.

Im Geburtshoroskop werden die Eltern u.a. durch die MC-IC-Achse symbolisiert. Der Vater ist somit Herr des 10., die Mutter Herrin des 4. Hauses. Heinrich Frauendorfer wäre also durch Jupiter verkörpert, der in Löwe im 6. Haus steht und eine applikative Konjunktion zu Neptun und zum Deszendenten bildet. Er war als Förster ein angesehener und beliebter Mann (Jupiter in Löwe), der seine kleine Tochter gerne auf ausgedehnte Touren durch seinen Wald mitnahm und ihr viele Geschichten erzählte.

Merkur, der Herr des 4. Hauses (Zwillinge), steht im mystisch-religiösen Fische-Zeichen, das allerdings sein Exil ist und der Mutter einen im 1. Haus zwar wichtigen, von der Zeichenqualität jedoch geschwächten Platz zuweist. Auch Sonne und Mond repräsentieren Vater und Mutter, und auch hier hat die Mutter die schlechteren „Karten“: Der Mond steht in Steinbock ebenfalls im Exil und weist im 12. Haus auf eine Mutter hin, die für die Tochter emotional distanziert und nicht greifbar war. Die Sonne (Vater) hingegen ist in Widder erhöht und steht für einen starken, selbständigen, aktiven, dynamischen Mann, der allerdings auch cholerisch reagieren konnte, wenn ihm etwas gegen den Strich ging.

Marlens Mutter hatte den Ehrgeiz, eine perfekte Hausfrau zu sein, ein Talent, das sie ihrer Tochter nicht vererbt hatte. Marlen war ein hochintelligentes Mädchen, das neben der Natur, in der sie ihre Freiheit genoss, auch Bücher über alles liebte. Statt zur Hausarbeit herangezogen zu werden, durfte sie aus Vaters Bibliothek deutsche und österreichische Klassiker (Goethe, Schiller, Grillparzer, Stifter) lesen.

Mit 10 Jahren kam Marlen ins Internat zu den Ursulinen nach Linz, die dort ein renommiertes Mädchengymnasium betrieben. Die Umstellung vom freien Leben im Wald zu einem streng reglementierten Klosterdasein war für das Mädchen schwer zu verkraften. Welcher Mensch mit Wassermann-Aszendent unterwirft sich schon gerne strengen Regeln, die die persönliche Freiheit derart einschränken? Ein eigenwilliges, unabhängiges, kreatives Mädchen wie Marlen Frauendorfer sicher nicht. In mehreren Büchern hat sie ihre Kindheit und Jugend in leicht verfremdeter Form geschildert und lässt die Leserinnen und Leser wissen, wie heimatlos und fremd sie sich im Internat gefühlt hat. Es scheint, dass diese scheinbar objektive Perspektive, aus der sie ihr Leben betrachtet hat – ob sie ihr Alter Ego nun Marili genannt hat oder Meta oder Elisabeth -, ihr doch ein Gefühl für ihre eigene Identität gegeben hat.

Später hat sie gestanden: „Ich schreibe nie etwas anderes, als über eigene Erfahrungen. Alle Personen sind Teile von mir, sozusagen abgespaltene Persönlichkeiten…“ (Zitat Marlen Haushofer, Die Furche, 13.4.1968).

Im Horoskop können wir die eigene Befindlichkeit und die ständige Beschäftigung mit sich selbst an einem stark besetzten 1. Quadranten erkennen. In Marlens Radix befinden sich die persönlichen Planeten Merkur, Venus und Sonne im 1. Quadranten, dazu der Geburtsherrscher Uranus, der im 1. Haus auf einen eigenwilligen und unruhigen Charakterzug verweist. Allerdings steht er, so wie auch Merkur und Venus, im Fische-Zeichen, das zur Gänze auch noch im 1. Haus eingeschlossen ist und die rebellische Wassermann-Ader etwas dämpft. So ist es kein Wunder, dass Marlen Haushofer von Zeitgenossen als eine sehr widersprüchliche Persönlichkeit geschildert wird. Da war einerseits die freiheitsliebende, oft distanziert wirkende, sich nicht in den Mittelpunkt drängende Frau, die andererseits aber auch eine sensible, einfühlsame, kreative, phantasievolle Seite hatte. Das Bedürfnis nach Selbstbestimmung und Unabhängigkeit (Wassermann) war gross, aber auch die Neigung zur Bequemlichkeit, Trägheit und Chaos (Fische). Über den Mann hofft sie, Sicherheit zu erlangen (Sonne in 2), es besteht aber auch die Tendenz zur Selbstaufgabe, wenn sie sich ihm ausliefert.

Emotional ist sie schwer zugänglich (Mond in Steinbock im 12. Haus). Gefühle zu zeigen und sich auf andere einzulassen, fällt ihr schwer. Sie ist schüchtern, bescheiden und unsicher in der eigenen Wertschätzung. Mit 20 verliebt sie sich in einen deutschen Medizinstudenten, den sie bei ihrem Einsatz beim Reichsarbeitsdienst kennengelernt hat, und der ihretwegen zum Studium nach Wien übersiedelt. Mit ihrer Widder-Sonne gibt sie ja Männern das Gefühl, dass sie stark und männlich sind, was deren Eroberungsdrang aktiviert. Als der Verlobte ihr „Vertrauen missbraucht“ und sie schwängert, trennt sie sich von ihm. Der Familie gegenüber hält sie die als Schande empfundene Schwangerschaft geheim, was relativ leicht gelingt, da sie in Wien Germanistik studiert und räumlich von den Eltern getrennt ist. Nur einigen guten Freundinnen vertraut sie sich an, die ihr hilfreich zur Seite stehen. Zu ihrem Glück lernt sie im Winter 1940 einen anderen Medizinstudenten kennen: Manfred Haushofer stammt aus Graz, ist gutaussehend und vertrauenerweckend, sie verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Die schicksalhafte Begegnung sehen wir in der Direktion: der progressive Aszendent bildet ein Sextil zum Radix-Mond und ein Trigon zum aufsteigenden Mondknoten, die progressive Sonne steht im Quadrat zum Radix-Aszendenten. Man könnte sich natürlich fragen, inwieweit die (unbewusste) Absicht, einen Vater für das ungeborene Kind zu finden, die Liebe beeinflusst hat.

Dass machtvolle Energien im Spiel gewesen sein müssen, erkennen wir an den Transiten: Transit-Pluto bildet ein Trigon zum Radix-MC und verändert den weiteren Lebensweg grundlegend, Transit-Jupiter ein Sextil zum Geburtsherrn Uranus, was auf glückliche zukunftsbestimmende Veränderungen hinweist, die etwaige Lebensprobleme auf überraschende Weise lösen können, und Transit-Neptun steht in Opposition zur Radix-Venus, was ein schöner Verliebtheitsaspekt ist.

Ein knappes Jahr später – der Sohn Christian ist 1941 in Bayern geboren und wächst bei der Mutter einer Freundin heran – heiraten Marlen und Manfred Haushofer, der danach wieder als Feldwebel eingezogen wird. Im April 1943 bringt Marlen Haushofer einen 2.Sohn, Manfred, zur Welt, diesmal einen ehelichen. Christian wird erst nach Kriegsende nach Österreich geholt und zu seinen Grosseltern ins Forsthaus gebracht, wo er aufgrund seiner zweifelhaften Herkunft nicht gerade geliebt wird. Erst 1947 holen die Haushofers den inzwischen 6-jährigen Christian zu sich nach Steyr, wo sie nun leben, und geben ihm den Namen Haushofer, um die uneheliche Geburt zu vertuschen.

Marlen Haushofer hat sich als Mutter also nicht besonders hervorgetan: Der Steinbock-Mond in 12 im Zusammenhang mit dem Wassermann-Aszendent prädestiniert sie nicht gerade für die Mutterrolle. Aber auch als Ehefrau ging sie mit ihren Gefühlen zurückhaltend um. Anders als in den Anfangsjahren während des Krieges war Marlen in ihrer Ehe nicht glücklich, sondern empfand diese vielmehr als Verpflichtung (Saturn im 7. Haus). Sie hielt aber aus, da ihr materielle Sicherheit sehr wichtig war (Sonne in 2), und sie vor dem Hintergrund des Lebens einer angesehenen Arztgattin (ihr Mann hatte sich in Steyr als Zahnarzt etabliert und zählte dort zur besseren Gesellschaft) ihren schriftstellerischen Ambitionen nachgehen konnte. Mit der Sonne als Herr von 7 in 2 neigte sie ja besonders dazu, sich Selbstwertgefühl und persönliche Sicherheit über den Mann zu holen. Obwohl sie sich von ihrem Mann 1950 scheiden ließ, lebte sie weiter mit ihm zusammen und heiratete ihn 1958 neuerlich.

Und das Schreiben war ihr sehr wichtig. Mit dem Fische-Merkur im 1. Haus macht sie sich ja unaufhörlich Gedanken, die sie künstlerisch umsetzt. Wenn sie sich durch das Schreiben nicht kreativ ausdrücken könnte (Merkur in Fische), würde sie vermutlich in Depressionen fallen (Mond in Steinbock). Ihre eigenen Gefühle hält sie aus Angst vor dem Verletztwerden unter Kontrolle, aber in ihren Romanen und Erzählungen analysiert sie diese Gefühle mit einem kühlen, messerscharfen Durchblick. Ab 1946 publizierte Marlen Haushofer kleinere Erzählungen in Zeitungen und Zeitschriften wie Lynkeus oder Neue Wege. Mit dem zunehmenden Erfolg ihrer Werke nahm sie sich in Wien eine Wohnung und beginnt eine Affäre mit dem verheirateten deutschen Schriftsteller Reinhard Federmann. Doch auch mit ihm wird sie nicht glücklich. Ihre Freundinnen und Freunde meinten, dass Marlen Haushofer eine Beziehung nicht wirklich gebraucht hätte (starker 1. Quadrant) und dass sie auch nicht „zu leidenschaftlicher Liebe geeignet wäre“ (Oskar Jan Tauschinski). Der Hingabefähigkeit, Zärtlichkeit, Romantik und Sinnlichkeit einer Fische-Venus stand wohl der zurückhaltende, seelisch gehemmte Steinbock-Mond entgegen, der der emotionalen Ebene Begrenzungen auferlegt.

Seit ihrer Jugend war Marlen Haushofer gesundheitlich angeschlagen. Mit 12 Jahren bekam sie TBC und musste für ein Jahr aus der Schule genommen werden, und noch bevor sie 20 war, entwickelte sie eine (nicht nachgewiesene) Depression. Die Krankheitsanfälligkeit zog sich durch ihr ganzes Leben, und mit Ende 40 erkrankte sie an Knochenkrebs, an dem sie schliesslich am 21. März 1970, drei Wochen vor ihrem 50. Geburtstag, starb. Das progressive MC macht ein exaktes Quadrat zur Radix-Sonne und zeigt die Vollendung des Lebens an. Das Anderthalbquadrat des progressiven MC auf Saturn (Herr von 12) weist auf den Knochenkrebs hin. Transit-Uranus in exakter Opposition zum Radix-Chiron setzt dem Leiden ein plötzliches Ende. Überlebt haben ihre literarischen Werke, die es wert sind, einem breiteren Publikum bekannt zu werden.

Alfred Adler – zum 150. Geburtstag

Alfred Adler wurde am 7. Februar 1870 in Wien als 2. Sohn einer aus Ungarn stammenden jüdischen Kaufmannsfamilie geboren. Die Sonne in seinem Geburtshoroskop steht im Zeichen Wassermann in Konjunktion mit Mars, Krebs ist das Zeichen am Aszendent, an den sich der Sonnenherrscher Uranus schmiegt. Schon daran erkennen wir die Eckpunkte seines Charakters: ein sensibler, mitfühlender, fürsorglicher Mensch, der seine Empathie nicht nur nach aussen zeigte, sondern sich aktiv und mutig für andere einsetzte (Sonne Konjunktion Mars in Wassermann im 8. Haus) und dabei auch neue Wege beschritt (Uranus Konjunktion Aszendent).

Er litt an Rachitis und wäre mit 4 Jahren beinahe an einer Lungenentzündung gestorben, was uns der progressive Mond in Zwillinge (Lunge) in Opposition zu Saturn (Todesgefahr) anzeigt.

Nach der Matura studierte Adler an der Universität Wien Medizin und wurde zunächst Augenarzt, bevor er sich als Allgemeinmediziner niederließ, wo er mit der Armut vieler Patienten konfrontiert war, die oft unter unzumutbaren Bedingungen lebten. Diese Erfahrung machte ihm die Notwendigkeit sozialmedizinischer Betreuung bewusst, die er in Wien mit Hilfe reformfreudiger Politik vorantrieb. Da er in einer zunehmenden Mondphase geboren ist (Quadrat), ist es auch seine Aufgabe, etwas auf die Beine zu stellen.

In Adlers Radix stehen fast alle Planeten (bis auf Uranus und Saturn) in der oberen Hemisphäre, das heisst, er ist sehr kommunikativ und braucht andere Menschen, um sich seinen Anlagen entsprechend verwirklichen zu können. Er hat aber auch die Aufgabe, seine Potenziale der Allgemeinheit und sich selbst der Öffentlichkeit und Gesellschaft zur Verfügung zu stellen. Das MC, das Hinweise auf den Beruf und die eigene Lebensausrichtung gibt, steht in Fische, was uns den mitfühlenden Menschen aufzeigt, der seine Berufung in einer helfenden, heilenden oder sozialen Tätigkeit findet.

Adler begann sich mehr und mehr für Psychologie zu interessieren, was gut zum Krebs-Aszendenten passt und sich auch im Quadrat zwischen Mond und Merkur zeigt. Ab 1902 nahm er an den Diskussionsrunden der Mittwochabend-Gesellschaft von Sigmund Freud teil, entwickelte jedoch schon bald eine von Freuds Psychoanalyse abweichende, eigenständige Lehre. Kein Wunder, mit Merkur in Wassermann ist er in seinem Denken unkonventionell und eigenwillig, ein Widerspruchsgeist, der Regeln und vorgegebene Rahmenbedingungen nur schwer akzeptieren kann.

Adler sah den Menschen nicht von Trieben bestimmt, sondern als freies Wesen, das die kulturellen Aufgaben lösen muss, die ihm das Leben stellt (eine gute Analogie zur Wassermann-Sonne im 8. Haus). Diese Gegensätze der Anschauungen führten 1911 zum Bruch mit Freud. In seiner 1907 publizierten Studie über Minderwertigkeit von Organen legte Adler seinen Standpunkt und seine neuen Ideen dar. Seine Lehre bezeichnete er als Individualpsychologie (ein fast zwingender Name für einen individualistisch ausgerichteten Wassermann-Geborenen), weil er in seiner Arztpraxis zu dem Schluss kam, dass jeder Patient als Unwiederholbar-Einmaliges, als Individuum und als Ganzheit körperlich zu behandeln und psychisch zu verstehen sei. Er prägte die Begriffe „Minderwertigkeitsgefühl“ und „Minderwertigkeitskomplex“.

Beim Beobachten von Organunzulänglichkeiten konnte Adler feststellen, dass Körper und Psyche die Tendenz haben, diese auf irgendeine Art zu kompensieren. Diese Situation der Minderwertigkeit oder Unterlegenheit fand Adler im psychischen Bereich vor allem bei den drei Lebensaufgaben Arbeit – Liebe – Gemeinschaft. Die menschliche Psyche hat die Tendenz, einen Zustand der Unterlegenheit durch ein hervorgehobenes Geltungsstreben zu kompensieren, wobei nicht selten andere Menschen klein gemacht werden, um selbst besser dazustehen. Adler begründete ein derartiges Minderwertigkeitsgefühl mit einem Mangel an Geborgenheit, dem der Mensch in früher Kindheit ausgesetzt gewesen war, sodass er sich nicht wirklich „aufgehoben“ fühlen konnte – im Unterschied zu ihm selbst, der mit einem in Stier erhöht stehenden Mond in Konjunktion zu Jupiter ausgestattet war. Daraus können wir schließen, dass er von der Familie geliebt und gefördert wurde. Dass das Verhältnis zur Mutter trotzdem nicht so innig war, liegt wohl an der Position des Geburtsherrschers Mond im 11. Haus, was doch eine gewisse Distanz zur Mutter aufzeigt. Freundschaften und und Unternehmungen mit Gleichgesinnten spielen bei dieser Mond-Stellung eine beinahe wichtigere Rolle als die eigene Familie. Ausserdem läuft der Mond nach Jupiter noch auf Pluto zu, sodass die Liebe zur Mutter mit emotionalem Schmerz verbunden gewesen sein könnte.

Die Zeit zwischen den beiden Weltkriegen war eine Blütezeit der Individualpsychologie. Sein uranisch geprägtes Wesen machte es Adler leicht, sich an den Reformen des Roten Wien zu beteiligen. Die Erziehungsarbeit der Kinderfreunde und die städtische Kinder- und Jugendbetreuung wurden durch Adlers therapeutische Ansätze stark beeinflusst. Im Rahmen der von Otto Glöckel initiierten Wiener Schulreform konnten Adler und seine Mitarbeiter rund dreißig Erziehungsberatungsstellen in Wien eröffnen.

Die Sonnenstellung im 8. Haus bedeutet unter anderem, sich mit den Werten anderer Menschen auseinanderzusetzen – was Adler als Arzt und Psychologe natürlich ausgiebig tut. Er belässt es aber nicht beim Auseinandersetzen, sondern greift aktiv ein (Sonne Konjunktion Mars).

1897 heiratete Alfred Adler in Moskau die Russin Raissa Timofejewna Epstein (Venus im 9. Haus: Beziehung mit Ausländerin), mit der er 4 Kinder hatte – darunter die bekannte Neurologin und Psychiaterin Alexandra Adler (1901-2001). Die Ehe dürfte glücklich gewesen sein, denn erstens hatte Adler auf Frauen wohl eine charismatische Ausstrahlung mit Mond/Jupiter/Pluto, und ausserdem waren beide weiblichen Planeten (Mond und Venus) erhöht gestellt, sodass sich Frauen emotional angesprochen und verstanden fühlen konnten. Mit Venus Sextil Jupiter war Adler sicherlich ein angenehmer und grosszügiger Partner, der sich jedoch auch jene Freiräume nahm, die er aufgrund seines Berufes und seiner Studien benötigte.

Seit 1926 hatte Alfred Adler eine Gastprofessur an der Columbia University New York, und 1934, als die Lage in Europa immer bedrohlicher wurde, übersiedelte er ganz in die USA, kehrte jedoch für Vorträge immer wieder nach Europa zurück. Während einer solchen Vortragsreise starb Adler unerwartet am 28. Mai 1937 in Schottland an Herzversagen. Die Stadt Wien, die die Urne mit Adlers Asche 2011 von Edinburgh nach Wien überführen und in einem Ehrengrab am Zentralfriedhof beisetzen ließ, würdigte ihren grossen Sohn u.a. auch mit der Benennung einer Straße nach ihm.

Clara Schumann zum 200. Geburtstag

Sie galt im frühen 19. Jahrhundert bereits als Wunderkind am Klavier und entwickelte sich zur europaweit gefeierten Virtuosin: Clara Wieck, geboren am 13. September 1819 in Leipzig, wurde von ihrem musikbegeisterten Vater schon früh auf diese Rolle hin erzogen. Friedrich Wieck, studierter Theologe und ausgebildeter Pianist, der auch eine Klavierfabrik und eine Leihanstalt für Musikalien gegründet hatte, ließ seiner ältesten überlebenden Tochter bereits im Alter von 5 Jahren intensiven Klavierunterricht zuteil werden.

Clara hatte die Musik sozusagen in den Genen (die Mutter war Sängerin), was wir auch sehr schön in ihrem Geburtshoroskop sehen können: Sowohl der Krebs-Aszendent als auch das MC in Fische deutet auf eine künstlerische Veranlagung hin, die noch verstärkt wird durch den Mond in Konjunktion zum Aszendenten. Der Mond, der ja im Horoskop auch für die Weiblichkeit und die Mutter steht, ist hier hochsensibel und kreativ angelegt, hat aber auch das Bedürfnis, diese Liebe zur Musik nach aussen (Krebs-Aszendent) sichtbar zu machen.

Friedrich Wieck hatte das aussergewöhnliche Talent seiner Tochter erkannt, und damit sie sich ganz auf das Klavierspiel konzentrieren konnte, nahm er sie nach wenigen Jahren aus der öffentlichen Grundschule und ließ sie privat unterrichten. Dadurch blieb die Ausbildung Claras weitgehend auf die Musik beschränkt, umfasste aber auch das Erlernen von Fremdsprachen und als Ausgleich lange Spaziergänge zur körperlichen Ertüchtigung. In seiner Unterrichtsmethode war der Vater keineswegs zimperlich, man könnte ihn als streng und unerbittlich bezeichnen, und er betrachtete Clara als sein Eigentum und sein Produkt. In Claras Radix gibt uns die Stellung der Sonne (Vater) in Opposition zu Pluto und Saturn den Hinweis auf einen dominanten, bestimmenden Vater, der hohe Ansprüche an Disziplin und Pflichtgefühl stellt und auf seine Tochter einen hohen Erwartungsdruck ausübt. Diese versucht, dem zu entsprechen, wenn auch nicht ohne gelegentliche Widerstände.

Mit der Zeit dürfte Clara diese Ansprüche jedoch verinnerlicht haben, denn sie fand durch den präzisen künstlerischen Ausdruck ihre Selbstverwirklichung (Stellium Merkur, Venus und Sonne in Jungfrau), und entwickelte einen enormen Ehrgeiz (Sonne Opposition Saturn), wobei sie von sich selbst und von anderen viel verlangte. Immer wieder musste sie sich jedoch auch am Vater reiben und mit ihm kämpfen. Der angeborene und vielleicht anerzogene Mangel an Selbstbewusstsein (Jungfrau-Sonne Quadrat Neptun) liessen sie an sich selbst zweifeln, wenn sie nicht alles erfüllte, was der Vater von ihr verlangte. Und der Erfolg stellte sich bald ein. Clara Wieck fand schon bei ihren frühen, privaten Auftritten große Anerkennung. Für den Vater war sie das Aushängeschild seiner klavierpädagogischen Methode, die er auch Musikern wie Robert Schumann und Hans von Bülow angedeihen ließ.

Friedrich Wieck war aber weit mehr als nur Claras Lehrer: er organisierte ihre oft mit Strapazen verbundenen Konzertreisen und sorgte dafür, dass am Aufführungsort ein funktionierender Flügel für die Pianistin bereitstand, was damals nicht selbstverständlich war. Er suchte allerdings auch die Werke aus, die sie spielen sollte, das waren vor allem gefällige und zugleich technisch anspruchsvolle Kompositionen zeitgenössischer Komponisten, erlaubte ihr aber auch, eigene Kompositionen aufzuführen. Erst als sich der Einfluss des Vaters verringert hatte, spielte Clara Wieck in ihren Konzerten auch anspruchsvollere Werke von Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach, Frédéric Chopin und Robert Schumann. So wurde sie bereits in jungen Jahren als Virtuosin am Klavier im In- und Ausland bekannt und wurde in einem Atemzug mit Pianisten wie Adolf Henselt oder Franz Liszt genannt.

Nichtsdestotrotz haben wir es mit einem Horoskop zu tun, das eine massive Vater-Problematik aufweist, erkennbar daran, dass die Sonne vielfach verletzt ist und Spannungswinkel zu praktisch allen überpersönlichen Planeten aufweist: Quadrat zu Uranus und Neptun, Opposition zu Pluto, Chiron und Saturn. Mit dieser Prägung hat Clara im weiteren Leben eine Affinität zu schwierigen Männern: Es waren unberechenbare Exzentriker, aber natürlich auch mit aussergewöhnlichem Talent gesegnete Männer (Sonne Quadrat Uranus), Künstler, Spieler und Kranke (Sonne Quadrat Neptun), mit einem Hang zur Depression (Sonne Opposition Saturn) und zur Selbstzerstörung (Sonne Opposition Pluto). Saturn als Herrscher des partnerbezüglichen 7. Hauses steht in Konjunktion zu Chiron und Pluto im 10. Haus: es ist also klar, dass ihre beruflichen Ambitionen mit denen eines Partners eng, wenn auch nicht konfliktfrei, verwoben sind.

Einen Mann, der die meisten dieser Eigenschaften in sich verkörperte, fand Clara in Robert Schumann, einem Schüler ihres Vaters. Dieser geniale Komponist und hochbegabte Pianist, der sich in seinem Perfektionsdrang selbst so unter Druck setzte, dass die rechte Hand gelähmt wurde, was seine Pianistenkarriere frühzeitig beendete, weist in seinem eigenen Horoskop ein exaktes Sonne-Pluto-Quadrat sowie eine Sonne-Saturn-Opposition auf und war bei aller künstlerischer Begabung ein extrem schwieriger Mensch. Er wurde Claras grosse Liebe, bei ihm fand sie nicht nur eine tiefe Verbundenheit (seine Venus nahe ihrem Aszendenten) und Leidenschaft (sein Pluto in Opposition zu ihrer Sonne), sondern auch sehr viel Verständnis für ihr eigenes Künstlertum, das er entsprechend förderte (sein Jupiter im Trigon zu ihrer Sonne). Sie dankte es ihm, indem sie seine Werke aufführte und so seine Bekanntheit in der Öffentlichkeit vorantrieb (ihr Jupiter in Quadrat zu seinem MC).

Kennengelernt hatten sich die beiden, als Clara 8 Jahre alt war. Schumann war ja ein Schüler ihres Vaters und verkehrte häufig im Hause Wieck. Die Liebe erwachte, als Clara 16, der neun Jahre ältere Robert Schumann 25 war. Friedrich Wieck war jedoch keinesfalls bereit, die Liebe seiner Tochter zu Robert Schumann zu akzeptieren. Er überwachte sie fast rund um die Uhr, untersagte jeglichen Kontakt und verbot ihr selbst einen Briefwechsel mit Robert Schumann. Dennoch gelang es dem Liebespaar, sich heimlich zu treffen. Mit 20 Jahren verließ Clara Wieck den väterlichen Haushalt. Aufnahme fand sie ab September 1839 bei ihrer Mutter in Berlin (Claras Eltern hatten sich 1824 getrennt und waren jeweils neue Verbindungen eingegangen), wo sie die Weihnachtszeit 1839 mit Robert Schumann verbringen konnte und bis zur Hochzeit im September 1840 wohnte.

Clara war also bereit, für ihre Liebe zu kämpfen und sich gegen den Willen des Vaters durchzusetzen – damit hat sie eine wesentliche Aufgabe der Sonne-Pluto-Opposition erfüllt: Abnabelung vom Vater, Selbstverwirklichung, Durchsetzung und Lebensgestaltung nach eigener Vorstellung.

Unmittelbar nach der Eheschließung sah sie sich selbst primär als Ehefrau Robert Schumanns, die ganz für ihn und sein Wohlergehen präsent sein und ihm ein sorgenfreies Leben und ungestörtes Komponieren ermöglichen wollte. Mit Venus im 4. Haus im Sextil zum Mond ist es ihr ein Anliegen, für ein harmonisches Familienleben zu sorgen. Selbstverständlich oblagen ihr auch die Führung des Haushalts und die Aufsicht über die Bediensteten (Sonne im 4. Haus). Die Schumanns führten erst in Leipzig, dann in Dresden und schliesslich in Düsseldorf ein offenes Haus und empfingen viele Gäste, vor allem Musiker, die ihre eigenen Werke präsentieren oder mit Clara musizieren wollten (Venus Konjunktion IC steht für Kunst im eigenen Heim, in der Familie, und verkörpert auch eine charmante Gastgeberin). Dennoch wollte Clara im Lauf der Zeit ihre künstlerische Laufbahn weiterverfolgen, Konzerte geben und auf Konzertreisen gehen, da sie Angst hatte, ihre pianistischen Fähigkeiten zu verlieren, wenn ihr die tägliche Übung und die stete Begegnung mit dem Publikum fehlte. Robert Schumann sah es jedoch zunächst nicht gern, dass seine Frau weiterhin konzertieren wollte; er verlangte zumindest für das erste Ehejahr ihre Gegenwart ganz an seiner Seite und regte sie mehr zum Komponieren an. Dazu wurde Clara bald schwanger, sie brachte insgesamt 8 Kinder zur Welt, von denen 7 überlebten.

Doch Clara Schumann setzte ihren Wunsch, auch als Ehefrau und Mutter wieder aufzutreten und auf Konzertreisen zu gehen, recht rasch durch (auch das eine Komponente der Sonne-Pluto-Opposition und des Mondes am Aszendenten, der das Bedürfnis nach künstlerischem Ausdruck zeigt). Nicht zuletzt die finanzielle Situation der Familie ließ diesen Schritt als sehr angeraten erscheinen; denn Clara Schumann trug mit ihren Konzerteinnahmen in ganz erheblichem Maße dazu bei, dass der Lebensunterhalt für die Familie bestritten werden konnte. Die Sonne als Herrscherin des 2. Hauses steht im 4. Haus: sie sorgt dafür, dass das Einkommen der Familie zugute kommt.

Die glückliche und auch sexuell erfüllte Ehe fand ein jähes Ende, als Robert Schumann sich in einem Anfall von Depression und Halluzinationen von einer Brücke in den Rhein stürzte, um Selbstmord zu begehen. Er wurde gerettet und in eine Nervenheilanstalt eingeliefert. Clara, die damals mit dem jüngsten Sohn schwanger war, durfte ihn auf Anraten seiner Ärzte jedoch nicht besuchen. Dies wurde ihr erst zwei Jahre später, kurz vor Schumanns Tod, gewährt. So tief sie der Tod ihres Ehemanns getroffen haben musste, zeigt das Trigon zwischen dem Mond und Pluto, dass ihre Stabilität in Krisen und Umbruchsituationen doch sehr viel höher war, als es nach aussen hin den Anschein erwecken mochte.

Bereits 1853 hatte Clara den jungen Komponisten Johannes Brahms kennengelernt, der auf einer Reise durch Deutschland beim berühmten Kollegen Robert Schumann seine Aufwartung machte und höchst liebevoll im Hause Schumann aufgenommen wurde. Brahms‘ Verehrung für Schumann und die leidenschaftliche Liebe zu dessen Gattin, die durch zahlreiche Briefe belegt ist (auch wenn die meisten vernichtet wurden), gingen Hand in Hand. Auch Clara schätzte und liebte den 14 Jahre Jüngeren. Es ist jedoch zweifelhaft, ob die beiden wirklich ein intimes Liebespaar waren, selbst wenn beide das ersehnt haben mögen. Solange Schumann am Leben war, hielt Clara ihm unverbrüchlich die Treue, und auch Brahms hätte es nicht gewagt, dem verehrten Freund und Meister die Gattin auszuspannen. Dass die gegenseitige Anziehung und liebevolle Zuneigung gross und tief war, ist erwiesen. Ob es beiderseits mangelnder Mut war oder Brahms‘ offensichtliche Bindungsunfähigkeit, lässt sich nicht mit Bestimmtheit sagen. Jedenfalls hat sich im Lauf der Jahre eine tiefe und innige Seelenfreundschaft zwischen den beiden grossartigen Menschen und Musikern entwickelt (Mars in Krebs Sextil Venus), in der sie sich gegenseitig förderten. Bei fast jedem ihrer Konzerte spielte Clara zumindest eine Komposition ihres Freundes Brahms, und er stand ihr in schweren Zeiten sowohl als Seelentröster, wie als tatkräftiger Unterstützer in praktischen und finanziellen Angelegenheiten zur Seite.

In späteren Jahren ging Clara Schumann noch einmal eine Liebesbeziehung ein, und zwar zu dem Komponisten Theodor Kirchner. Diese Beziehung scheiterte jedoch an Kirchners Spielsucht und seiner Unverlässlichkeit (Sonne Quadrat Neptun und Uranus), sodass sie diese Verbindung beendete. Ihr Leben war weiterhin ausgefüllt von erfolgreichen Konzertreisen durch zahlreiche Städte Europas. Clara Schumann blieb eine überall gefeierte Pianistin. 1878 wurde sie als erste Klavierlehrerin an das Konservatorium Frankfurt am Main berufen und betätigte sich als Herausgeberin der Kompositionen Robert Schumanns. Auf diese Weise – und durch ihre Aufführungen seiner Werke – vermehrte sie zu einem grossen Teil seinen Ruhm als Komponist. Ihr letztes Konzert gab sie am 12. März 1891 im Alter von 71 Jahren. Am 26. März 1896 erlitt Clara Schumann einen Schlaganfall und starb wenige Monate später nach einem weiteren Schlaganfall am 20. Mai 1896 im Alter von 76 Jahren.

Dass Claras künstlerisches Potenzial sich nicht nur auf das Klavierspielen, sondern auch auf das Komponieren erstreckte, ist am Horoskop dieser hochsensiblen Künstlerin ablesbar. Die starke Wasserbetonung, die sie phantasievoll, intuitiv und kreativ machte, der Krebs-Aszendent mit dem Mond an seiner Seite kann sowohl die eigenen Gefühle als auch die anderer Menschen zum Ausdruck bringen. Das Fische-MC mit dem Herrscher Neptun im 6. Haus steht für die künstlerische Berufung, der auch im Alltag Ausdruck verliehen wird. Das Sextil zwischen Merkur und Mars verleiht ihr eine rasche Auffassungsgabe sowie Fingerfertigkeit, die Rezeption zwischen Jupiter und Uranus schenkt ihr Inspiration und bietet immer wieder Chancen, die sie zu nützen versteht. Bleibt noch der aufsteigende Mondknoten in Widder und im 10. Haus: ein eindeutiger Hinweis darauf, sich mit der von der Familie mitbekommenen künstlerischen Ader (Südknoten in Waage in 4) im Beruf mit Tatkraft, Mut und Initiative durchzusetzen und nicht in Ehe und Familie das alleinige Seligmachungsinstrument zu sehen. In diesem Sinne ist Clara Schumann ihrer Bestimmung gefolgt und hat ein erfülltes Leben gelebt.

Napoléon Bonaparte – zum 250. Geburtstag

Sein Name ist in der ganzen Welt bekannt, er wurde bewundert, war gefürchtet, verhasst und wird vor allem mit Kriegen und Schlachten in Verbindung gebracht. Lange Zeit galt er als unbesiegbar, und die Schlacht, die ihm zum Verhängnis wurde, steht symbolisch für Niederlagen aller Art: Waterloo. Vor 250 Jahren wurde Napoléon Bonaparte in Ajaccio, Korsika, geboren. Sein ursprünglicher Name war Napoleone Buonaparte.

Seine Eltern entstammten dem niederen korsischen Adel und kämpften gemeinsam mit Pasquale Paoli gegen die genuesische Herrschaft und für die Unabhängigkeit Korsikas. Letizia Buonaparte hatte noch hochschwanger ihren Ehemann Carlo zu den Guerillakämpfen begleitet, und als sie am 15. August 1769 einen Sohn zur Welt brachte, nannte sie ihn nach einem ihrer Onkel, der gegen die Franzosen gekämpft hatte, Napoleone – der Löwe ist darin enthalten.

Kurz nach seiner Geburt kam Korsika unter französische Herrschaft, und da der Gouverneur mit Carlo Buonaparte befreundet war, kamen die Söhne Joseph und Napoleone, später auch Lucien und Louis, in den Genuss einer Ausbildung in Frankreich. Während der ältere Joseph für das Priesteramt vorgesehen war, wurde der lebhaftere und kräftigere Napoleone in eine Militärschule geschickt, in der er durch Intelligenz, Disziplin und eine mathematische Begabung auffiel, sodass er später die Ecole militaire in Paris besuchen konnte und zum Artillerieleutnant ausgebildet wurde. Im Zuge der französischen Revolution stieg er rasch auf und war mit 24 Jahren bereits General.

Napoleons Lebenslauf dürfte in weiten Zügen bekannt sein. Viele Menschen verbinden mit seinem Namen einen unbeugsamen Eroberungswillen und Machthunger, schon in der Schule wurde uns beigebracht, dass dieser despotische Feldherr halb Europa unter seine Herrschaft brachte. Das ist natürlich der Standpunkt seiner „Feinde“, zu denen Österreich die meiste Zeit auch gehörte. Dabei wird aber vergessen, dass er ein „Kind der französischen Revolution“ von 1789 war, der von den Ideen der Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit begeistert und überzeugt war, und diese auch den anderen europäischen Völkern schenken wollte. Dass das der Aristokratie, vor allem der englischen, aber auch den Herrschern von Preussen, Österreich und Russland, nicht geschmeckt hat, ist nachvollziehbar.

Wer aber war der Mensch Napoléon Bonaparte – seinen Namen hatte er „französisiert“, nachdem er mit seiner Familie ins Exil nach Marseille gegangen war.

Schauen wir zunächst auf die Elemente-Verteilung in seinem Horoskop, so finden wir die Elemente Wasser, Erde und Feuer beinahe gleich stark: er war also ein mitfühlender, sozial denkender und hilfsbereiter Charakter (Wasser), der oft aus einem Gefühl heraus agiert, was ihn befähigt, auch in schwierigen Situationen richtig zu handeln, ohne lange zu überlegen. Gleichzeitig ist er auf das Praktische, Machbare fixiert, und er braucht Fakten und Beweise als Grundlage seiner Lebenssicherheit. Er ist imstande, methodisch zu denken und Informationen systematisch zu ordnen (Erde). Und obwohl das Feuer-Element das schwächste dieser drei Hauptelemente ist, trägt es doch wesentlich zu seinem Erfolg bei, denn es macht ihn begeisterungsfreudig, initiativ, aktiv, vital, energisch, stark, mutig und direkt, schenkt ihm Vertrauen und Lebensfreude. Das Feuer macht ihn dynamisch und ungeduldig, er kann spontane Entscheidungen treffen und lässt sich durch Hindernisse nicht so schnell entmutigen.

Bemerkenswert ist jedoch der totale Luft-Mangel: dieses fehlende Element ist ein Hinweis auf eine etwas starre, unflexible Haltung und mangelnde diplomatische Fähigkeiten. Es ist bekannt, dass Napoleon immer sehr direkt war und auch Wert darauf legte, dass seine Umgebung ihm offen und ohne Umschweife begegnete. Deshalb war er gefinkelten Diplomaten wie Metternich nicht gewachsen, an denen er letzten Endes scheiterte. Trotz seines Wunsches nach zwischenmenschlichen Beziehungen und Kommunikation fühlte er sich oft auch in seiner engeren Umgebung isoliert und unverstanden. Ein wenig kompensierte er den Luft-Mangel durch die Planetenbesetzung der Lufthäuser 3 und 7: seine 7 Geschwister waren für Napoleon die engsten Vertrauten, denen er Schlüsselpositionen zukommen ließ, aber auch die Partnerinnen (Josephine und Marie Louise) waren ihm immer sehr wichtig, er hörte auf sie.

Die Sonne, die das Wesen eines Menschen ausmacht, steht in ihrem eigenen Zeichen Löwe im 10. Haus erhöht und nahe dem MC, sodass ihm Selbstvertrauen, Würde und Stolz wesensimmanent sind. Wie viele Löwe-Menschen umgab auch Napoleon ein besonderes Charisma, das auf Großmut, Herzenswärme und Courage beruhte. Löwe-Menschen haben aber meist auch ein ausgeprägtes Geltungsbedürfnis, es genügt ihnen nicht, ein Teil der Menge (des Rudels) zu sein, nein, sie möchten im Mittelpunkt stehen, strahlen, glänzen und bewundert werden. Wie die Planeten um die Sonne, so sollte sich das Universum (sprich: die Umwelt) um die Löwe-Menschen drehen. Bei Napoleon kommt mit der Sonnen-Stellung im 10. Haus auch noch ein grosses Ego-Bewusstsein hinzu sowie ein enormer Ehrgeiz, um etwas zu gelten und anerkannt zu werden. Die Verwirklichung über den Beruf (in diesem Fall des Soldaten) ist für so einen Menschen fast lebensnotwendig. Für eine Führungspersönlichkeit ist die Fähigkeit, andere Menschen zu motivieren und zu begeistern, ihnen Selbstvertrauen und Mut vermitteln zu können, natürlich besonders wichtig. Genau das war Napoleons Talent: seinen Soldaten vor jeder Schlacht Selbstvertrauen und Mut zu vermitteln, sie von der Bedeutung ihrer Leistung zu überzeugen und sie für ihre Tapferkeit auszuzeichnen.

Die Gefahr bei der Löwe-Sonne ist der Hang zur Selbstüberschätzung und das übermäßige Streben nach Geltung, Macht und Bewunderung.

Stichwort Macht: Der Skorpion-Aszendent in Napoleons Radix schenkt ihm Willensstärke, Ausdauer und Entschlossenheit, zudem verleiht er ihm Leidenschaft, Intensität, Zähigkeit und die Bereitschaft, sich voll und ganz auf etwas einzulassen. Er verfügt über eine ausgezeichnete Beobachtungsgabe, ist zu tiefen Einsichten fähig und schont sich selbst nicht. Von Zeitgenossen wird auch seine bemerkenswerte Konzentrationsfähigkeit und Fokussierung auf das Wesentliche hervorgehoben, die es ihm ermöglichte, selbst bei äusserster innerer Erregung äusserlich ruhig und gefasst zu bleiben. Wenn auch oft gesagt wird, dass Skorpione eher im Hintergrund die Fäden ziehen, so ist das bei der starken Löwe-Sonne in 10 natürlich nicht möglich, denn diese will Macht, ohne sich unterzuordnen. Von anderen abhängig zu sein, war Napoleon ein Gräuel, er folgte seiner Berufung, die ihn bis an die Spitze des französischen Staates führte.

Was in Biographien über Napoleon immer wieder erwähnt wird, ist sein starker Gerechtigkeitssinn. Ausserdem war die Ehre eines der höchsten Güter für ihn, die er allerdings mit der Liebe zu seinem Vaterland verband. Dafür könnte der Steinbock-Mond in Rezeption und Opposition zu Saturn verantwortlich sein, der ihm einerseits in seiner militärischen Ausbildung und auch später als General und Befehlshaber sehr viel Verantwortungsbewusstsein, Ehrgefühl und Disziplin verlieh. Andererseits entwickelte Napoleon aber auch einen enormen Ehrgeiz und konnte sich mit seinem Perfektionsdrang vermutlich in einen Dauerstress versetzen. Da er früh den Ernst des Lebens kennengelernt hat (mit 9 Jahren begann seine militärische Ausbildung) und nur beschränkt ein ausgelassenes und fröhliches Kind sein durfte, war er spontanen Gefühlsausbrüchen gegenüber skeptisch und stellte seine persönlichen Bedürfnisse stets hinter das Wohl Frankreichs zurück.

Mit Ernsthaftigkeit und Begeisterung verfolgte er die Ideen der französischen Revolution und machte sie sich zu eigen. Deren Terror-Auswüchse standen jedoch seinem moralischen Empfinden total entgegen, er fand die sinnlosen Gemetzel, die sich gegen die eigene Bevölkerung richteten eines aufrechten Soldaten unwürdig und bekämpfte die Gegner der Revolution lieber im Ausland. Doch auch das fünfköpfige Direktorium, das während seines Ägypten-Feldzugs installiert worden war, aber keine staatlichen Führungsqualitäten zeigte und den Saat an den Rand des Bankrotts führte, erregte Napoleons Missfallen, der, im Bestreben seinem Land und der Republik zu dienen, einen Staatsstreich inszenierte und sich selbst an die Spitze eines Dreier-Konsulats setzte. In seiner Zeit als Erster Konsul gelang ihm Aussergewöhnliches: er sanierte die Staatsfinanzen, gründete die Banque de France, initiierte ein umfangreiches Gesetzbuch, den Code Civil, an dem er auch selbst maßgeblich mitarbeitete, baute das Straßennetz in Frankreich aus und gab die Schaffung einiger bedeutender Bauwerke in Auftrag. Das alles ist die Konsequenz seines Dranges, die Dinge in seiner Umgebung zu strukturieren und zu ordnen (Mond in Steinbock in 3 Opposition Saturn).

Ein Wort noch über Napoleon und die Frauen. Mit Stier am Deszendenten und einer Krebs-Venus hatte er eine Vorliebe für sinnliche, weibliche Frauen, eventuell Ausländerinnen (Venus Spitze 9. Haus), erwartete aber natürlich Treue, Beständigkeit und wohlfundierte Grundsätze in ihrem Verhalten. In der 6 Jahre älteren verwitweten Josephine de Beauharnais hatte er wohl seine grosse Liebe gefunden, auch wenn ihre Zuneigung anfangs weniger auf Liebe, sondern auf den Vorteilen eines angenehmen Lebens beruhte. Aus Staatsräson ließ sich Napoleon später als Kaiser der Franzosen von ihr scheiden, um mit einer anderen Frau eine Dynastie aufbauen zu können. Diese war Marie Louise, die Tochter des österreichischen Kaisers Franz, eine junge, sinnliche, wenn auch schüchterne Frau, die ihm wunschgemäß einen Sohn schenkte. Die Geburt war schwer, und Marie Louise vergaß es ihrem Mann nie, dass er befahl, im Zweifelsfall ihr Leben zu retten, nicht das des Kindes – eine Entscheidung, die zum Glück nicht getroffen werden musste. Auch Marie Louise liebte Napoleon aufrichtig, und seinen Sohn baute er zum Nachfolger auf, verlieh ihm den Titel „König von Rom“ – dass dieser mit Anfang 20 an Tuberkulose starb, erlebte Napoleon nicht mehr. Mit einer weiteren Ausländerin, der polnischen Gräfin Marie Walewska, hatte Napoleon eine sieben Jahre dauernde Affäre, der ebenfalls ein Sohn entsprang. Die ungewöhnlichen Partnerinnen sind durch Uranus im 7. Haus verkörpert, der aber natürlich auch einen Hinweis auf das revolutionäre Umfeld und die unberechenbaren Gegner gibt.

Wurde Napoleon seine Selbstüberschätzung (Löwe-Sonne) oder seine Ungeduld (Merkur Quadrat Uranus und Mars Trigon Uranus) zum Verhängnis beim Russland-Feldzug, der in einem Desaster endete? Hat ihn bei Leipzig sein strategisches Genie verlassen, das ihm zu unzähligen Siegen verholfen hatte (Mars in Jungfrau Trigon Pluto Trigon Uranus bezeichnet einen kämpferischen, willensbetonten, kompromisslosen Menschen, der sich durch originelle Ideen und Finten auszeichnet) hat er einfach die Klimabedingungen des russischen Spätherbstes falsch eingeschätzt? Jedenfalls hatte sein Aussenminister Talleyrand recht, der da meinte: „Das ist der Anfang vom Ende.“ Und so war es auch.

Nach der Niederlage des Russland-Feldzugs verlor Napoleon die Völkerschlacht bei Leipzig, wo seine Armee gegen eine Übermacht von 3 Reichen auf aussichtslosem Posten stand. Im folgenden Jahr ging er im Verlauf des Wiener Kongresses nach Elba ins Exil, kehrte für 100 Tage zurück und ging in Waterloo endgültig unter. Er starb in der Verbannung in St. Helena am 5. Mai 1821 mit nicht ganz 52 Jahren. Todesursache: Magenkrebs.

Das heutige Frankreich wäre ohne Napoleon undenkbar. Er hinterließ nicht nur ein Gesetzeswerk, den Code Civil, der in Frankreich und anderen Staaten bis heute die Grundlage einer modernen Gesetzgebung bildet, er schuf auch das heute noch mustergültige französische Schulsystem, zentralisierte die Verwaltung, gründete die staatliche Bank und ließ zahlreiche Bauwerke und Straßen errichten. Europa war Anfang des 19. Jahrhunderts für die Ideen der Demokratie und der Menschenrechte noch nicht reif, die Napoleon zu gerne in vielen europäischen Staaten begründet hätte. Im Grund führte er Kriege, weil er den Frieden sichern wollte – etwas, was ihm leider nicht gelungen ist. Dennoch fielen die Ideen der französischen Revolution auch im übrigen Europa auf fruchtbaren Boden, was sich spätestens 1848 zeigen sollte. Aber das ist eine andere Geschichte.

Victoria – geboren vor 200 Jahren

Sie wird die Grossmutter Europas genannt, denn ihre 9 Kinder verheirateten sich quer durch Europas Herrscherhäuser. Ihre älteste Tochter Vicky war die Frau des deutschen Kronprinzen Friedrich, der 1888 für wenige Monate Kaiser wurde, ehe er seinem Krebsleiden erlag. Der gemeinsame Sohn Wilhelm (später Kaiser Wilhelm II.) war somit Victorias Enkelsohn. Victorias ältester Sohn ehelichte Prinzessin Alexandra von Dänemark, Sohn Alfred die russische Großfürstin Marija Alexandrowna Romanowa, und die meisten anderen Kinder waren mit deutschen Fürstenhäusern verbunden. Was einen dauerhaften Frieden in Europa sichern sollte, zerbrach im 1. Weltkrieg, als sich nahe Verwandte als erbitterte Feinde gegenüber standen.

Alexandrina Victoria, so die ursprünglichen Taufnamen der späteren Königin, wurde am 24. Mai 1819 um 4.15 LMT im Kensington Palace in London geboren. Ihr Vater Herzog Edward von Kent war der 4. Sohn von König George III. aus dem Haus Hannover, der aufgrund seines geistigen Zustands regierungsunfähig war. An seiner Stelle führte sein ältester Sohn George als Prinzregent die Regierungsgeschäfte; dessen Tochter Charlotte war als Thronerbin vorgesehen, starb jedoch im Kindbett. Daher war die Thronfolge nach George IV. völlig ungeklärt, denn seine Brüder waren entweder gar nicht oder nicht standesgemäß verheiratet. Nach Charlottes Tod brach allerdings unter den Herzögen von Clarence, Cumberland und Kent die Heiratswut aus.

Edward von Kent verließ seine langjährige französische Geliebte und heiratete die verwitwete deutsche Fürstin Victoire von Leiningen (eine geborene Prinzessin von Sachsen-Coburg-Saalfeld), die Schwester des Ehemanns der verstorbenen Thronerbin Charlotte. Kurz nach der Hochzeit wurde Victoire schwanger, ebenso wie die frischgebackene Ehefrau des Herzogs William von Clarence (dem späteren König William IV.). Edward und Victoire wollten ihr gemeinsames Kind aus dynastischen Gründen unbedingt in England zur Welt bringen, daher unterzog sich Victoire hochschwanger der mühsamen Reise von Deutschland nach England. Alexandrina Victorias Geburt blieb allerdings von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt, obwohl ihr Taufpate der russische Zar Alexander I. war. Nach ihren 3 noch lebenden Onkeln und ihrem Vater war Victoria die Nr. 5 in der britischen Thronfolge. Hätten ihre Onkel männliche Nachkommen gehabt, wären diese noch vor Victoria gereiht gewesen. Doch dem war nicht so.

Spätestens ab 1830 war klar, dass Victoria die künftige Königin sein würde, und sie wurde von diesem Moment an wie ein rohes Ei behandelt. Sie lebte mit ihrer Mutter im Kensington Palace und wurde von dieser weitgehend vor der Öffentlichkeit – und auch vor König William und Königin Adelaide – abgeschirmt. Victorias Mutter hatte eine enge Beziehung zum Stallmeister ihres verstorbenen Mannes, Sir John Conroy, der Victoria für seine eigenen Machtinteressen benutzen wollte, was ihm jedoch nicht gelang. Victorias Onkel Leopold, der 1931 König der Belgier geworden war, entsandte seinen Vertrauten Christian von Stockmar nach Großbritannien, der Victoria in den folgenden Monaten beratend und unterstützend zur Seite stehen sollte. Mit Stockmars Unterstützung gelang es ihr, die letzten Versuche der Einflussnahme John Conroys abzuwehren.

Bis zum Tag ihrer eigenen Thronbesteigung musste Victoria im Schlafzimmer ihrer Mutter übernachten, Treffen mit anderen Personen durften nur unter Aufsicht stattfinden. Es war ihr nicht einmal gestattet, eine Treppe ohne Begleitperson hinunterzugehen. Insgesamt hatte Victoria kaum Kontakt zu Gleichaltrigen.
Zeitlebens war Victoria der Überzeugung eine traumatische und unglückliche Kindheit erlebt zu haben.

König William IV. verstarb am 19. Juni 1837, knapp einen Monat nach Victorias 18. Geburtstag. Nun fiel die Königswürde offiziell auf die bereits volljährige Prinzessin, ohne dass ihre Mutter als Regentin einspringen musste (was der König befürchtet und Conroy erhofft hatte). Die Krönung fand ein Jahr später, am 28. Juni 1838, in der Westminster Abbey statt. Dabei wurde die junge Monarchin mit Begeisterung begrüßt und galt beim Volk als energisch, humorvoll und lebenslustig, allerdings auch starrköpfig.

Bei ihrer Krönung war Victoria 19 Jahre alt und unverheiratet, und das durfte sie selbstverständlich nicht bleiben, sollte die Dynastie gesichert sein. Daher arrangierte König Leopold die Heirat seiner Nichte mit ihrem Cousin Albert von Sachsen-Coburg-Saalfeld und Gotha, der gleichzeitig sein Neffe war. Am 10. Oktober 1839 traf Victoria erneut mit ihrem Cousin zusammen, den sie schon einige Jahre zuvor kennengelernt hatte. Diesmal war sie von ihm mehr beeindruckt, als beim ersten Zusammentreffen, und schon am 15. Oktober 1839 hielt sie, wie es das Protokoll vorsah, um seine Hand an. Obwohl Victoria sich vor einer Schwangerschaft fürchtete und noch kurz davor erklärt hätte, nicht so bald heiraten zu wollen, sehnte sie sich doch nach einem Mann, der sie in ihrer Rolle als Regentin unterstützen und ihr zur Seite stehen konnte. In Albert schien sie diesen Mann gefunden zu haben. Es gab aber auch eine Reihe von Gemeinsamkeiten. Beide hatten eine unglückliche und lieblose Kindheit hinter sich, waren emotional verletzt, romantisch veranlagt und liebten die Musik. Die Hochzeit fand am 10. Februar 1840 statt.

Wie sieht das Horoskop dieser Frau aus, die eigentlich schon zu dem Zweck, womöglich einmal Königin zu werden, gezeugt wurde? Auffallend ist, dass sich in Victorias Radix sämtliche Planeten über dem Horizont befinden, 8 davon im 4. Quadranten und von diesen wiederum 5 im 12. Haus. Das ist schon recht ungewöhnlich. Eine Person mit 10 Planeten in der oberen, der südlichen Hemisphäre, wird prinzipiell gut wahrgenommen, wirkt aber nach aussen stärker, als sie sich wirklich innerlich fühlt. Sie braucht die Umwelt und andere Menschen, um sich selbst erfahren und verwirklichen zu können, aus sich selbst heraus kann sie wenig erreichen, denn es fehlt die Verankerung in sich selbst, es ist wenig Substanz vorhanden.

Vieles in ihrem Leben wird von scheinbaren “Zufällen” bestimmt sein, das heisst, ihr fallen viele Dinge zu, ohne dass sie selbst etwas dazu beigetragen hat – wie etwa die Regentschaft. Das gibt ihr das Gefühl der Schicksalshaftigkeit des Lebens. Das Leben ist vom Schicksal bestimmt, es gibt wenig Gestaltungsfreiheit. Es bedeutet aber auch den Auftrag, ihre Potenziale der Gesellschaft und sich selbst der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

Victoria hat eine starke Zwillinge-Betonung. Sie ist nur 3 Stunden nach einem exakten Neumond im Zeichen Zwillinge geboren, und diese Sonne-Mond-Konjunktion steht knapp am Aszendenten, aber noch im 12. Haus. Auch Merkur, der Herrscher über den Neumond und den Aszendenten, steht im 12. Haus, allerdings im Zeichen Stier – und er ist unaspektiert. Ein Anzeichen dafür, dass Victoria sich oft isoliert und nirgends zugehörig fühlte? Immer wieder entzieht sie sich gerne, versteckt sich gar vor der Öffentlichkeit, fühlt sich auch verloren. Wenn in der Radix das 12. Haus betont ist, fühlt sich die Betroffene gewissen Gesetzmäßigkeiten enthoben, kann sich vieles erlauben, ohne ihre Absicht klar kundzutun. Sie ist schwer zu durchschauen, kann gut tarnen und täuschen und sich entziehen, dabei sollte sie sich aber selbstlos zur Verfügung stellen.

Mit der Zwillinge-Betonung sollte Victoria eigentlich kommunikativ, beweglich, neugierig, lebendig, vielseitig interessiert, unruhig, kontaktfreudig, anpassungsfähig, redegewandt sein, eine rasche Auffassungsgabe und eine hoch entwickelte Lernfähigkeit haben. Soviel wir wissen, war Victoria aber nur mäßig gebildet und nicht überaus lernbereit. Ihre geschichtlichen Kenntnisse waren zeitlebens äußerst lückenhaft, sodass sie als Herrscherin auf ihre Berater angewiesen war. Im engsten Familienkreis galt sie jedoch als lebhaft, gesprächig und vergnügt. Sie hasste Nichtstun und füllte selbst ihre Freizeit mit vielerlei Tätigkeiten aus – typisch für einen Mensch mit Zwillinge-Aszendent. Interessant ist auch, dass Königin Victoria seit ihrer frühesten Jugend ein Tagebuch führte, das sie allerdings, bevor sie Königin wurde, vor ihrer Mutter verstecken musste, und das Briefeschreiben wurde später ihre wichtigste private Beschäftigung. Von den unzähligen Tagebüchern wurden jedoch die meisten nach ihrem Tod von ihrer jüngsten Tochter Beatrice vernichtet.

Victoria, in Familienkreisen anfänglich „Drina“ genannt, galt als willensstarkes, robustes Kind, das gelegentlich in Tobsuchtsanfälle ausbrach. Uranus in Schütze im Trigon zum starken Mars in Widder steht für eine Neigung zu Wutanfällen und Jähzorn, die vor allem dann zum Tragen kommt, wenn Mars seinen Durchsetzungsdrang und seine Aggressivität nicht auf gesunde Art zum Ausdruck bringen kann (etwa durch sportliche Aktivitäten oder künstlerische Tätigkeiten). Victorias Mars ist durch die Stellung im 12. Haus geschwächt, was ihrer Willensstärke keinen Abbruch tut, sich aber oft unangemessen äussert. Andererseits ist dieser starke Mars sicher für ihre zuweilen an Taktlosigkeit grenzende Aufrichtigkeit verantwortlich.

Die Rolle der Mutter ist eine doppelte: die Mutter wird dem Herrscher des 4. Hauses zugeordnet. Das ist die Sonne, die sich im 12. Haus in Konjunktion mit dem Mond befindet, der wiederum für die Mutter steht: nach dem frühen Tod von Victorias Vater übernahm ihre Mutter die Funktion von beiden Eltern, war aber trotz physischer Präsenz keine sehr gefühlvolle Bezugsperson für ihre Tochter, worunter Victoria litt.

Die Eheschliessung mit ihrem Cousin Albert war, obwohl arrangiert, eine Liebesheirat. Doch trotz aller Liebe trennte Victoria streng zwischen Privatleben und Herrscheramt und hielt ihren Ehemann im ersten Ehejahr von den Regierungsgeschäften fern, was diesem gar nicht behagte. Victoria befand sich in einem Zwiespalt: einerseits fühlte sie sich als Königin in der „vom Schicksal“ vorgesehenen Rolle, die sie nach anfänglichen Rückschlägen im Lauf der Jahre doch sehr erfolgreich ausübte (Sonne Konjunktion Mond im Trigon zum MC), andererseits empfand sie als Frau des 19. Jahrhunderts die Politik und das Regieren als „männliche Beschäftigung, was eine gute Frau nicht lieben konnte.“ (Jane Ridley: Victoria – Queen, Matriarch, Empress, Penguin Monarchs, London 2015). Gleichermaßen konservativ und verständnislos stand sie auch der Frauenbewegung gegenüber, die sich während ihrer Regentschaft formierte. Ihre eigene Stellung als Königin sah sie als „Anomalie“ (Herbert Tingsten: Königin Viktoria und ihre Zeit. Diederichs, München 1997).

Doch nach der Geburt der Tochter Victoria (genannt Vicky) am 21. November 1840, und noch mehr nach der Geburt des Kronprinzen Edward am 9. November 1841 wurde Albert mehr und mehr in die politischen Aktivitäten eingebunden und zum wichtigsten Berater der Königin.

Der erdbetonte Albert (Sonne, Merkur und Aszendent im Zeichen Jungfrau) schaffte es nach kurzer Zeit, seiner Frau praktische Dinge abzunehmen und sie in Regierungsangelegenheiten zu beraten. Er hatte Zugang zu allen Dokumenten, die der Königin vorgelegt wurden, formulierte zahlreiche ihrer offiziellen Briefe und beeinflusste ihre Entscheidungen. Mit der Zeit wurde er ihr engster Mitarbeiter und wertvollster Berater, der zwar offiziell keine Rolle innehatte, jedoch in Wahrheit Hand in Hand mit der Königin zusammenarbeitete. Jupiter als Herrscher des 7. Hauses, steht erhöht in Wassermann und im 10. Haus und zeigt die Bedeutung, die der Ehemann für Victoria hatte. Sie hob ihn empor, und er übernahm als graue Eminenz (Mars in 12 Sextil Jupiter) wesentliche Aktivitäten, wie beispielsweise die Planung und Organisation der ersten Weltausstellung in London.

Königin Victoria, die ihre ersten fünf Kinder in 6 Jahren zur Welt brachte und innerhalb von 17 Jahren 9-fache Mutter wurde, empfand jede ihrer Schwangerschaften als Qual und Zumutung. Mit Neugeborenen konnte sie nichts anfangen. In ihrer Radix finden wir keinen einzigen persönlichen Planeten (sondern lediglich Saturn und Pluto) in einem Wasserzeichen, und auch die weiblichen Planeten stehen nicht herausragend: Venus in Widder, Mond in Zwillinge. So ist es kein Wunder, dass sie die Fortpflanzung mehr aus dynastischen Gründen in Kauf nahm, als sich daran zu erfreuen. Prinz Albert dagegen war ein begeisterter Vater, der sich viel mit seinen Kindern beschäftigte, mit ihnen spielte und sie unterrichtete. Der Ehrgeiz beider Elternteile war es, ihre Kinder nicht nur zu moralisch gefestigten Persönlichkeiten heranwachsen zu lassen, sondern sie auch auf ihre zukünftigen Aufgaben tadellos vorzubereiten.

Insgesamt galt die beinahe einundzwanzigjährige Verbindung zwischen Victoria und Albert als sehr glücklich. Es scheint fast, dass die Zuneigung zu ihrem Mann Victorias gesamte Liebesfähigkeit beanspruchte, sodass für die 9 Kinder kaum noch etwas übrig blieb. Der frühe Tod ihres Mannes 1861 stürzte die Monarchin in eine tiefe Krise. Victoria trauerte lange und ausgiebig und verordnete der ganzen Nation Ernsthaftigkeit und Lustlosigkeit. Nur noch in schwarz gekleidet, vernachlässigte sie lange Zeit ihre königlichen Pflichten und drohte, als “Witwe von Windsor” in die Geschichtsbücher einzugehen. Das „viktorianische Zeitalter“ gilt als freudlose, prüde, einer strengen Etikette verpflichtete Epoche. Dann aber besann sich Victoria und wurde im Alter zur volksnahen Königin.

Am Ende ihrer fast 64 Regierungsjahre erreicht sie phantastische Beliebtheitswerte, die sich nur mit denen von Elisabeth II. messen lassen. Ihr Wunsch, das neue Jahrhundert noch zu erleben, wird ihr erfüllt: Sie stirbt Anfang 1901 in Osborne House auf der Isle of Wight. Ihr Name bleibt im kollektiven Gedächtnis als Synonym für das Viktorianische Zeitalter, die “Good Old Times” der britischen Weltgeltung im 19. Jahrhundert, haften.

Eva Perón – 100 Jahre einer argentinischen Legende

Sie ist eine Legende. In ihrer Heimat Argentinien wird oder wurde sie beinahe wie eine Heilige verehrt: Eva Perón, die zweite Frau des früheren argentinischen Präsidenten Juan Perón. Aber wer war diese Frau wirklich, die sich aus kleinsten Verhältnissen zur zeitweise mächtigsten Frau Argentiniens hochgearbeitet hat?

Geboren wurde sie als Eva Maria Duarte am 7. Mai 1919 in Los Toldos, einem Ort ca. 250 Kilometer westlich der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires. Sie war das fünfte Kind der Hausangestellten Juana Ibarguren und deren Geliebtem Juan Duarte, der in Los Toldos eine Estancia bewirtschaftete. Duarte war auch der Vater der anderen 4 Kinder Juanas. Er war aber mit einer anderen Frau verheiratet, die mit ihren Kindern wiederum 100 Kilometer östlich von Los Toldos lebte. Eva wuchs also in der „Zweitfamilie“ ihres Vaters auf, der ihr wie selbstverständlich seinen Namen Duarte gab. Allerdings verließ er diese Zweitfamilie nur wenig später und kam 1926 bei einem Autounfall ums Leben. Man kann also sagen, dass Eva ohne Vater aufgewachsen ist. Zum Zeitpunkt von Evitas Geburt dürften die Eltern jedoch noch glücklich gewesen sein, wie die enge Konjunktion zwischen Mond (= Mutter) und Saturn (=Vater) in Evas Horoskop zeigt.

Doch beginnen wir mit dem Wesentlichen: Eva Perón hat einen Widder-Aszendenten. Dieser bezeichnet einen Menschen, der ungeduldig, willensstark, direkt, mutig und impulsgebend ist, aber auch ungestüm, rücksichtslos und grob wirken kann. Dieser Aszendent verleiht eine Kämpfer-Natur, und auch die kleine Eva entwickelte sich von Anfang an zu einer Person, die wusste, was sie wollte, und das auch um jeden Preis zu erreichen trachtete. Während ihre Schwestern „bürgerliche“ Berufe ergriffen, wollte Eva schon von früher Jugend an Schauspielerin werden.

In der Schule war sie nicht besonders gut, konnte aber ansprechend Gedichte aufsagen und sich selbst in Szene setzen: Zwillinge-Venus im 3. Haus kann sich gewandt ausdrücken und selbst darstellen. Und so stieg sie Anfang 1935 mit 15 Jahren in einen Zug nach Buenos Aires, um sich als Schauspielerin zu versuchen. Ob sie ihre Mutter um Erlaubnis gefragt hat, sei dahingestellt. Mit Widder-Aszendent und dessen Herrscher Mars in Konjunktion zur Sonne im Zeichen Stier reicht der eigene Wille, um Taten zu setzen und dabei auch Risiken auf sich zu nehmen. Interessant ist, dass der progressive Mond zu diesem Zeitpunkt in genauer Konjunktion zu Uranus stand und somit eine plötzliche Lebensveränderung anzeigte. Dazu hat die progressive Sonne in das Zwillinge-Zeichen gewechselt: mit der Gemächlichkeit und dem Sicherheitsbedürfnis des Stiers war es vorbei, nun brechen turbulentere Zeiten an. Eva sucht Kontakte, sie will auf die Bühne und erreicht das auch: bereits im März 1935 hatte sie eine kleine Rolle ergattert und reiste mit wechselnden Ensembles 2 Jahre lang durch das Land.

1937, der progressive Mond hat den Widder-Aszendent erreicht, der progressive Aszendent Merkur und er bildet ein Trigon zum Radix-Mond, darf Eva sogar eine kleine Filmrolle übernehmen und in einem Hörspiel mitwirken.

Der Löwe-Mond in Evitas Radix hat ein starkes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Anerkennung. Eine Frau mit dieser Mond-Stellung will Eindruck machen und herausragen, sie möchte eine Königin sein und bewundert werden, am liebsten auf der Bühne (5. Haus). Sie will spielen und sich kreativ ausdrücken, will auch wichtig genommen werden. Im Zusammenspiel mit Saturn, auf den der Mond sich zubewegt, wird das Geltungsbedürfnis umso stärker, es kommt ein ungeheurer Ehrgeiz dazu. Doch obwohl die junge Schauspielerin wenig aß, um sich möglichst schlank zu halten (ein weiterer Ausdruck von Mond Konjunktion Saturn), blieb der erhoffte Erfolg aus. Aber Eva wollte nach oben, und dazu war ihr jedes Mittel recht (Mars als Aszendentenherrscher in Konjunktion zur Sonne im 2. Haus). Sie verkaufte sich an einflussreiche Männer, die ihr nützlich sein konnten und sie förderten (Sonne Sextil Jupiter).

Und es machte sich bezahlt: einer ihrer Liebhaber hatte Eva auf Umwegen eine Hauptrolle in einer Hörspielreihe verschafft, die sie bekannt machte und ihr erlaubte, sich aus eigenen Honoraren eine schöne Wohnung in Buenos Aires zu finanzieren. Die Stier-Sonne im 2. Haus ist ja materialistisch eingestellt und auf Sicherheit bedacht. Da das Selbstwertgefühl meist nur schwach ausgeprägt ist, ist eine materielle Basis für die Selbstverwirklichung enorm wichtig. Der Eigenwert wird also durch Geld, Besitz und Status angehoben, und das meist mit Hilfe eines Mannes, dem ja im Horoskop einer Frau die Sonne entspricht.

Eine entscheidende Begegnung hatte die 24-jährige Eva am 22. Januar 1944: da wurde ihr bei einer Benefizveranstaltung der doppelt so alte Juan Domingo Perón vorgestellt, der ein halbes Jahr zuvor am Putsch gegen den argentinischen Präsidenten Ramón Castillo Barrionuevo beteiligt gewesen war und nun als Minister für Arbeit und Wohlfahrt wirkte. Das muss wohl ein magischer Moment gewesen sein: Transit-Neptun befand sich genau an Evas Deszendent.

Der 48-jährige Witwer lebte zwar mit einer Frau zusammen, doch Eva gelang es rasch, diese zu verdrängen und ihren Platz einzunehmen. Und nicht nur das: gegen jede Gepflogenheit ließ sich der inzwischen mächtigste Mann der Militärjunta von seiner Geliebten auch zu politischen Beratungen begleiten und verschaffte ihr den Posten der Präsidentin der neu gegründeten Gewerkschaft der Rundfunkmitarbeiter. Transit-Pluto im Trigon zum Aszendent schenkt ihr eine ungeheure Machtfülle, Transit-Jupiter in Konjunktion zum Radix-Mond persönliches Glück als Frau und Künstlerin.

Schon damals begann sie, über ihre Herkunft und Ausbildung sowie über ihr Alter und ihre Vorlieben zu lügen: ihre uneheliche Geburt verschwieg sie ebenso wie ihr Geburtsdatum, dafür stellte sie sich als ernsthafte Schauspielstudentin mit Liebe zur klassischen Musik dar. Radix-Pluto genau am IC hüllt die Herkunft und die Familie gerne in Geheimnisse, und ebenso den Lebensweg (Opposition MC). Und der Löwe-Mond, der von Neptun herkommt , steht für eine Seele, die sich gerne mit Geheimnissen umgibt, sowie für instinktive Versuche, die materielle Wirklichkeit mit Dramatik und Phantasie zu beleben.

Am 22. Oktober 1945 heiratete der anti-demokratische Machthaber, dem vorgeworfen wurde, mit Faschisten zu sympathisieren und Nazis aus Deutschland in seinem Land aufgenommen zu haben, seine junge Geliebte, die an seiner Seite die Rolle ihres Lebens gefunden hatte. An jenem Tag stand die transitierende Waage- Venus an Evas Deszendenten in Konjunktion mit Neptun und im Quadrat zum Radix-Pluto. Eine Traumverbindung von Macht und Leidenschaft.

Obwohl Eva Perón niemals eine offizielle politische Rolle in Argentinien innehatte, unterstützte sie ihren Mann nach Kräften. Beim Präsidentschaftswahlkampf begleitete sie ihn auf Reisen durch das ganze Land und suchte – im Gegensatz zu ihm, dem der allzu enge Kontakt mit anderen Menschen zuwider war (Merkur Konjunktion Saturn im 12. Haus) – den direkten Kontakt zu den Menschen (ihr Radix-Merkur in Widder im 1. Haus sowie ihre Zwillinge-Venus im 3. Haus), die ihr bald begeistert zujubelten. Sie schreckte nicht einmal davor zurück, eindeutig Kranke zu küssen und betonte bei jeder Gelegenheit ihre Solidarität mit den Unterprivilegierten. So wurde sie zu deren Idol. Mit Sonne in Konjunktion zu Mars und im Sextil zu Jupiter konnte sie stimulierend und begeisternd wirken, anderen Mut machen und dadurch Beliebtheit erringen. Und Neptun im Trigon zum Aszendent verleiht ihr diese besondere Ausstrahlung.

Die Bemühungen der Peronisten (Juan Perón hatte kurz davor seine eigene Partei Partido Peronista gegründet) führte schliesslich zum Erfolg: am 24. Februar 1946 wurde Perón zum argentinischen Präsidenten gewählt und residierte mit seiner Frau im Unzué-Palast mit 283 Zimmern. Das kleine Mädchen aus einfachen Verhältnissen war am Ziel seiner Träume angelangt. Evita erhielt ein Büro im Präsidentenpalast, in dem sie Bittsteller und Delegationen diverser Gruppen empfangen und vielfach helfen konnte. Auch ihre Geschwister erhielten Aufgaben und Posten im Regime Perón. Während die argentinische Oberschicht die Frau des Präsidenten wegen ihrer Herkunft und ihres vorehelichen Lebenswandels kritisierte und verachtete, wurde sie vom Volk als eine der Ihren, die den Aufstieg geschafft hatte, verehrt und bewundert. Einmalig für die damalige Zeit und die Machismo-Gesellschaft in Südamerika stand sie im Zentrum eines aussergewöhnlichen Personenkults, der sich inzwischen bis nach Europa herumgesprochen hatte. Die einflussreichen argentinischen Militärs meinten jedoch, eine Frau wie sie spiele eine viel zu aktive Rolle in der Politik, und das zu einer Zeit, als die Frauen in Argentinien noch immer nicht wählen durften – sie erhielten das Wahlrecht erst 1947, möglicherweise war auch das dem Einfluss Evitas zu verdanken.

Im Jahre 1947 wurde Perón vom spanischen Diktator Franco nach Spanien eingeladen, doch anstatt selbst hinzureisen, schickte er Evita, der auch in Spanien die Herzen zuflogen – sehr zum Missfallen der Diktatorsgattin Carmen Polo, die wenig von Evitas Glanz aufzuweisen hatte. Von Spanien aus reiste Evita noch in andere Länder, um den Europäern den Peronismus näherzubringen, der von vielen Regierungen als faschistisch angesehen wurde. Selbst von Papst Pius XII. wurde Evita empfangen, doch dürfte sie diese Europareise auch dazu genutzt haben, in der Schweiz privates Geld anzulegen, denn die Stier-Sonne denkt immer auch praktisch.

Auch wenn Eva Perón viel für die Bedürftigen in ihrem Land tat, eine eigene Stiftung dafür ins Leben rief und als „Engel der Armen“ und sogar als „Santa Evita“ bezeichnet wurde, darf natürlich nicht vergessen werden, dass das Regime Perón diktatorische Züge aufwies, die öffentliche Meinung kontrollierte und politische Gegner gnadenlos verfolgen liess.

Im Januar 1950 wurde bei Eva Perón Gebärmutterhalskrebs diagnostiziert – dieselbe Krankheit, an der schon Juan Peróns erste Frau verstorben war. Pluto als Herrscher des 8. Hauses transitierte über den Radix-Mond. Trotz bester Behandlung durch deutsche Ärzte und einer Totaloperation am 3. November 1951 war Evita auf Dauer nicht zu helfen. Sie erlebte noch – stark abgemagert – die Wiederwahl ihres Mannes im Juni 1952 und verstarb am 26. Juli 1952 mit nur 33 Jahren: Transit-Uranus bildete ein Sextil zur Radix-Sonne, Transit-Pluto hatte sich nach einigem Hin und Her am Radix-Mond festgeklammert, und Jupiter transitierte den Geburtsherrscher Mars: der Tod als Erlösung.

Eva Perón ist bis heute eine Ikone geblieben. Am 21. Juni 1978 wurde in London das von Andrew Lloyd-Webber geschaffene Musical „Evita“ uraufgeführt, das 1996 von Alan Parker mit Madonna in der Titelrolle verfilmt wurde. Daneben gibt es noch andere Filme oder TV-Dramen (z.B. „Brief an Evita“ oder „Eva schläft nicht“).

Emily Brontë – stürmische Leidenschaft oder emotionale Reserviertheit? Einige Gedanken zum 200. Geburtstag

Sie wird von Zeitgenossen als äußerst reservierte, doch willensstarke, starrsinnige und schroffe Persönlichkeit beschrieben, die trotz ihres „schwierigen Charakters“ vor allem durch ihre bestechende Intelligenz dennoch anziehend wirken konnte. Für eine Frau des frühviktorianischen Bürgertums führte Emily Brontë sicherlich ein ungewöhnliches Leben: als Pfarrerstochter mit 2 Schwestern und einem Bruder in West-Yorkshire aufgewachsen, begann sie mit ihren Geschwistern schon früh Phantasiegeschichten zu entwickeln und diese auch aufzuschreiben. Ihr Vater begünstigte diese kreative Tätigkeit seiner Kinder, da er selbst mehrere Gedichtbände und Erzählungen veröffentlicht hatte.

Pfarrer Brontë unterrichtete seine Kinder zunächst selbst. Dazu benutzte er häufig Zeitungs- und Zeitschriftenartikel, um seinen Kindern Geschichte, Literatur, Kunst, Geografie und Naturwissenschaften näher zu bringen. Als fortschrittlicher Vater förderte er seine Töchter ebenso wie seinen einzigen Sohn und legte sehr großen Wert auf eine umfassende Bildung seiner Kinder. Später besuchten die Töchter Privatschulen für Klerikertöchter, wo sich Emily allerdings derart eingeengt fühlte, dass sie bald wieder nach Hause zurückkehrte.

Mit ihrer älteren Schwester Charlotte, die ebenfalls als Schriftstellerin reüssierte („Jane Eyre“), ging sie für einige Zeit nach Brüssel, um dort an einem Privatinstitut zu studieren und sich als Lehrerin ausbilden zu lassen. Dort perfektionierten die Schwestern ihre Französisch- und Deutsch-Kenntnisse; Emily war auch eine gute Klavierlehrerin. Wegen des Todes ihrer Tante mussten sie allerdings früher als geplant, nach England zurückkehren. Das ursprüngliche Ziel der Schwestern war, eine eigene Schule zu eröffnen. Dieser Plan scheiterte jedoch daran, dass ihr Heimatort zu entlegen war, um interessierte SchülerInnen anzuziehen. Daher widmete Emily sich dem Familienhaushalt und den gemeinsamen Finanzen, betrieb aber auch Hobbies, die für eine Frau der damaligen Zeit ungewöhnlich waren, wie Wandern, Tier- und Naturbetrachtungen. Und sie schrieb.

1846 veröffentlichten die Schwestern Charlotte, Emily und Anne Brontë einen Gedichtband unter männlichen Pseudonymen, da weibliche Autorinnen damals unter Vorurteilen zu leiden hatten. Neben vielen Gedichten schrieb Emily Brontë einen einzigen Roman, ebenfalls unter dem Pseudonym Ellis Bell, der weltbekannt wurde: „Wuthering Heights“ („Sturmhöhe“). Darin wird die leidenschaftliche, obsessive Liebe zwischen der reichen Catherine und dem Findelkind Heathcliff beschrieben, die über den Tod hinaus anhält, aber auch der Rachefeldzug des unterdrückten und gedemütigten Heathcliff, der als unangepasster Aussenseiter offenbar einiges von Emilys Charakter widerspiegelt.

Aber schauen wir uns diesen ungewöhnlichen Charakter aus astrologischer Sicht an:

Emily Brontë wurde am 30. Juli 1818 mit einer Löwe-Sonne und einem Skorpion-Aszendent geboren. Bei der Betrachtung ihres Geburtshoroskops fällt uns zunächst auf, dass alle persönlichen Planeten in der oberen Hälfte stehen (im 8. und 9. Haus), unten dagegen nur die 5 überpersönlichen bzw. transsaturnischen Planeten. Was bedeutet das? Sie, die von ihren Mitmenschen als „menschenscheu und reserviert“ beschrieben wird, braucht die Umwelt, um sich verwirklichen zu können, wird aber auch gut von der Aussenwelt wahrgenommen. Nun könnten Sie einwenden, dass der Beruf einer Schriftstellerin eine einsame Arbeit ist, doch wir können davon ausgehen, dass eine Frau mit Löwe-Sonne sich nicht komplett verstecken wird, denn Löwe-Geborene erheben ganz allgemein den Anspruch auf Beachtung und Bewunderung. Größtmögliche Anerkennung dürfte sie zu Lebzeiten von den Institutsleitern in Brüssel für ihre intellektuelle und musikalische Brillanz erfahren haben (Sonne an der Spitze des 9. Hauses = Ausland).

Mit dem Skorpion-Aszendenten ist Emily sehr willensstark, vorstellungsbezogen und kontrollierend – aber auch zurückhaltend, was den eigenen Gefühlsausdruck angeht. Einen skorpionischen Touch hat auch die Sonne, die im 8. Haus steht, allerdings schon an der Spitze des 9. Hauses. Den Führungsanspruch, den sie – zumindest in der Familie – stellt, baut sie aber auf Wissen und Können auf, das sie sich durch ihre Schulbildung erworben hat (Sonne Spitze 9) und das ihren Dominanzanspruch rechtfertigt. Sie will Macht, ohne sich unterzuordnen, und die wird ihr in der Familie aufgrund ihrer Intelligenz und ihres Einfallsreichtums (Merkur Trigon Uranus) auch zugestanden.

Es heisst, dass Menschen, die mit einem Skorpion-Aszendenten geboren werden, schon früh im Leben mit Krankheit und Tod konfrontiert sind – umso mehr, wenn auch noch die beiden Lichter Sonne und Mond im 8. Haus, dem Skorpion-Haus, stehen, wie das bei Emily Brontë der Fall war. Bald nach der Geburt der jüngsten Tochter Anne – die später ebenfalls Schriftstellerin wurde – erkrankte die Mutter an Gebärmutterkrebs (einer Krankheit, die dem Skorpion zugeordnet wird) und starb, als Emily 3 Jahre alt war.

Charakteristisch für Skorpion-betonte Menschen sind tiefe, fast extreme Gefühle, ungezügelte Leidenschaften und Triebe, Macht, Ohnmacht, Rach- und Eifersucht, aber auch Mut, Willensstärke, Verlässlichkeit und Sicherheitsstreben. Es besteht ein Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen, nachzubohren und nicht locker zu lassen. In ihrer Obsession kann sie eine grosse Zähigkeit und Leidensfähigkeit zeigen und sich in ihrem Absolutheitsanspruch sogar selbstzerstörerisch verhalten. Nach allem, was wir von ihr wissen, hat Emily Brontë auf ihren unzähligen Streifzügen durch die Moorlandschaft von Yorkshire wohl viel über diese in ihr brodelnden Eigenschaften nachgedacht und sie dann in die Hauptfigur ihres Romans einfliessen lassen.

Noch eine Besonderheit gibt es in diesem Horoskop. Emily Brontë ist zweieinhalb Tage vor Neumond geboren, der Mond steht (noch) in Krebs, die Sonne bereits in Löwe. Die Dominanzstellung beider Lichter macht diese Frau stark, unabhängig und subjektiv. Durch die Position kurz vor Neumond lebt sie in einer ständigen Erwartungshaltung, ist nie ganz zufrieden, fühlt sich vom Schicksal abgehoben und etwas orientierungslos. Sie kann sich aber auch mehr erlauben als andere, gilt ein bisschen als „bunter Hund“, als Eigenbrötlerin, wird aber als solche durchaus akzeptiert.

Die Mond-Stellung im 8. Haus weist auf einen Verlust zu Beginn des Lebens hin – die Mutter im Kleinkindalter zu verlieren, ist wohl einer der schlimmsten Verluste, die jemand erleiden kann. Vielleicht spürt so ein Kind deshalb wenig Geborgenheit in sich, auch wenn der Vater bemüht war, seinen Kindern mit Hilfe seiner Schwägerin und einer Haushaltshilfe doch ein einigermaßen angenehmes Zuhause zu bieten.

Da schon die Eltern Schöngeister waren und sich dem Schreiben gewidmet hatten (IC in Fische – Hinweis auf Künstlerfamilie), blieb es nicht aus, dass die 4 Brontë-Geschwister diese kreative Ader übernahmen: die Schwestern Charlotte, Emily und Anne schrieben, der Bruder Patrick Branwell malte. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass die beiden ältesten Schwestern Maria und Elizabeth nur wenige Jahre nach der Mutter im Kindesalter an Typhus verstarben – Pluto im 4. Haus ist oft ein Hinweis auf Todesfälle in der Familie.

Dass der Vater eine so herausragende Stelle im Zuhause einnimmt, sehen wir an der Position von Saturn nahe dem IC. Diese Saturn-Position zeigt einerseits die Verankerung in der Familie, aber auch familiäre Belastungen. Emily hat ja durch ihre spätere Tätigkeit als Finanzverwalterin der Familie auch Verantwortung (Saturn) in der Familie (IC) und für die Geschwister (Saturn im 3. Haus) übernommen.

Nun fragen wir uns aber, wie eine derartig leidenschaftliche Person mit Skorpion-Aszendent, Venus-Mars Konjunktion und Löwe-Sonne im 8. Haus ein Leben führen konnte, das zwar einigen Konventionen des frühen 19. Jahrhunderts widersprach, sich aber doch im Rahmen eines Pfarrhaushalts auf dem Lande bewegte. Ein Leben, das mit Tier- und Naturbeobachtungen in der Moorlandschaft dem Forschergeist des Skorpion-Aszendenten sowie seines Geburtsherren Pluto in 4 Rechnung trug, aber die sexuellen Begierden doch nur in der Phantasie auslebte. Es stimmt, eine Venus-Mars-Konjunktion ist meist ein Hinweis auf eine leidenschaftliche erotische Veranlagung, jedoch wird die Leidenschaft nicht nur durch das zur Vorsicht gemahnende Zeichen Jungfrau gedämpft, in dem die Liebesplaneten stehen, sondern auch durch Saturn in Opposition zu Venus. Mit dieser Konstellation kann sich Emily keinen Lebensgenuss aus vollem Herzen gönnen, die Gefühle sind blockiert, sodass sie meint, zu kurz zu kommen (was auch die Konstellation kurz vor Neumond anzeigt). Sie würde in einer Beziehung Sicherheit und Vertrauen brauchen, um sich öffnen zu können – doch wie soll sie so etwas in einer kleinen englischen Gemeinde finden? Da Venus der höchststehende Planet in dieser Radix ist, wirkt Emily nach aussen kühl und distanziert, vielleicht auch perfektionistisch. So zieht sie sich gern in ihre Arbeitspflichten oder intellektuell-kreative Tätigkeiten zurück, sucht Anerkennung und Wertschätzung dadurch, dass sie sich nützlich macht und funktioniert, oder wendet ihre ganze Liebe den Tieren zu.

Wenn Saturn in einem Wasser-Zeichen (Fische) steht, gibt es fast immer eine Reserviertheit in Gefühlsbereich, die Angst, sich den eigenen Emotionen zu stellen. Saturn in Fische Konjunktion IC könnte ein Hinweis darauf sein, dass an der Wurzel der Seele die Angst nagt. Um diese zu überwinden, ist eine Profilierung im künstlerischen Bereich ideal – auch das eine Entsprechung von Saturn in Fische, die noch dazu durch die Venus-Mars-Konjunktion – kreative Begabung – unterstützt wird.
Im wirklichen Leben bleibt Emily Brontë zurückhaltend und diszipliniert, Emotionen und Begierden werden literarisch ausgedrückt, und zwar auf eine derart kraftvolle und unverblümte Weise, dass die damaligen Leser die Texte keinesfalls einer Frau zugeschrieben hätten.

Eine rebellische Ader bewahrt sie sich aber doch: Uranus im 1. Haus weist auf ein eigenwilliges, unruhiges Wesen hin, das durch manchmal extremes Verhalten auffallen könnte. Ständig auf der Suche nach neuen Aktivitäten und Abenteuern, lebt Emily ihren einen grossen Freiheitsdrang in der wilden Natur und ist nur wenig bereit, sich dem Gesellschaftssystem unterzuordnen. Sie hat die Empfindung von extremer Individualität, tanzt deshalb gerne aus der Reihe und kann sich recht exzentrisch und rebellisch verhalten, wenn die Alltagsstrukturen allzu eng werden.

Uranus bildet den Brennpunkt-Planeten in einem T-Quadrat mit Saturn und dem MC. Damit kämpft sie gegen gesellschaftliche Widerstände an, um den eigenen Weg zu gehen, und lebt als scharfsinnige, gründliche Analytikerin in einer ständigen Herausforderung und Spannung, was sie aber zu grossartigen Leistungen führt. Dennoch sind ihre Entfaltungsmöglichkeiten begrenzt (Jupiter steht rückläufig in Steinbock im 2. Haus), ihr Selbstwertgefühl womöglich angeknackst. Chiron in Konjunktion mit dem Geburtsherrn Pluto weist auf den wunden Punkt hin, der aber auch zur Heilung beiträgt: der liegt in der Struktur einer künstlerisch-religiösen Familie, in der Krankheiten nach und nach alle viel zu früh hinwegraffen.

Ob es die vielen Todesfälle oder andere Tabuthemen sind (wie etwa die Alkoholsucht des Bruders Patrick Branwell, der den hohen Erwartungen des Vaters nicht gerecht werden konnte und früh verstarb), die Emilys Lebenskraft zerstört haben, oder die nicht gelebten Leidenschaften – wir wissen es nicht. Jedenfalls erkrankte Emily kurz nach dem Tod ihres Bruders an Lungenentzündung und starb 30-jährig nur wenige Monate nach ihm – und 9 Monate vor ihrer jüngeren Schwester Anne. Bis zu ihrem letzten Tag hatte sie sich geweigert, einen Arzt zu konsultieren oder Medikamente einzunehmen, skorpionische Sturheit und Alles-oder-Nichts-Haltung waren ihre treuen Begleiter. Den grossen Erfolg ihres einzigen Romans durfte sie nicht mehr erleben.

Nelson Mandela – Zum 100. Geburtstag eines Freiheitskämpfers

Im Februar 2014, etwas mehr als 2 Monate nach Nelson Mandelas Tod, besuchte ich im Rahmen einer Südafrika-Reise Robben Island, die karge Gefängnisinsel nahe Kapstadt, auf der Mandela fast 20 Jahre in einer winzigen Zelle inhaftiert war. Durch das Gefängnis führte uns ein ehemaliger Mithäftling Mandelas, der uns die unmenschlichen Haftbedingungen und Schikanen hautnah vor Augen führte, denen die politischen Gefangenen – vor allem die schwarzen – ausgesetzt waren. Dieses Erlebnis hat mich sehr berührt – aber ebenso die Omnipräsenz des charismatischen Politikers, wo immer wir in Südafrika auch hinkamen. Es waren nicht nur das überlebensgroße Denkmal in Pretoria oder die vielen Fotos in Hotels und Restaurants, es waren vor allem die Menschen in diesem Land, die Freude und Versöhnlichkeit ausstrahlten. Es war die Persönlichkeit dieses Mannes, der durch seinen unermüdlichen Kampf und unermessliche Opferbereitschaft dazu beigetragen hatte, das Apartheid-Regime zu beseitigen und eine Politik der Versöhnung einzuleiten. Nicht Hass und Rache waren sein Antrieb, sondern Einigung und Überwindung von Rassenschranken.

Freiheit, Optimismus und Überzeugungskraft

In der Radix von Nelson Mandela finden wir zahlreiche Themen seines wirklichen Lebens widergespiegelt: die Freiheitsbestrebungen, den zähen Kampf, den langen Atem, die Resilienzfähigkeit und Versöhnungsbereitschaft des Mannes, der von sich selbst sagte: „Schon als Junge lernte ich, meine Gegner zu bezwingen, ohne sie zu entehren.“ (Nelson Mandela, Der lange Weg zur Freiheit, Frankfurt am Main 1997, S. 20)

Oder: „Ich bin nicht mit dem Hunger nach Freiheit geboren worden. Ich bin frei geboren worden… Erst als ich zu begreifen begann, dass meine Freiheit eine Illusion war, dass meine Freiheit mir längst genommen war, begann ich nach ihr zu hungern.“ (a.a.O. S. 834)

Unbeschwerte Kindheit und früher Verlust des Vaters

Geboren am 18. Juli 1918 als Sohn eines Thembu-Häuptlings im damaligen südafrikanischen Homeland Transkei, wuchs Mandela mit seiner Mutter (der Drittfrau seines Vaters, der insgesamt 4 Frauen hatte) und 3 Schwestern im Dorf Qumu nahe Umtata, der Hauptstadt der Transkei, in großer Naturverbundenheit und Einfachheit heran. Sein Vater gab ihm den Namen Rolihlahla, was so viel bedeutet wie „Unruhestifter“ (a.a.O. S. 11). Den englischen Namen Nelson erhielt er, wie damals für einen Afrikaner üblich, an seinem ersten Schultag von der Lehrerin der Methodistenschule, die er besuchte.

Betrachten wir Mandelas Radix, fällt auf, dass Uranus in Wassermann im 3. Haus steht – als einziger Planet in der unteren Hemisphäre. Durch diese Stellung erhält der Planet, den wir mit Unabhängigkeitsbestrebungen und revolutionären Tendenzen assoziieren, eine besondere Bedeutung. Es geht hier um Freiheit und Unabhängigkeit im Denken, in der Sprache und der Kommunikation, und das kann durchaus Unruhe in seiner Umgebung verursachen. Dass dem Horoskopeigner diese Unabhängigkeit ein ganz besonderes Anliegen war, erkennen wir am Quincunx-Aspekt zwischen Uranus und Sonne.

Menschen mit einem Schütze-Aszendenten sind meist optimistische, wohlwollende Persönlichkeiten, die auf andere vertrauenerweckend wirken, aber auch mit genügend Selbstvertrauen ausgestattet sind, um sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen. Da Schütze ein bewegliches Zeichen ist, sind die unter ihm Geborenen gerne in Bewegung, haben oft sportliches Talent und vertragen keine Einengung. Wie wir wissen, war Mandela in seiner Jugend eine Zeitlang als Schwergewichtsboxer aktiv. Und ein weiterer Hinweis auf den Schütze-AC: „Mein Vater war ein hochgewachsener, dunkelhäutiger Mann mit einer aufrechten, würdevollen Körperhaltung“, schreibt Mandela, „die ich, wie ich mir gern einbilde, von ihm geerbt habe.“ (a.a.O. S. 13-14).

Wenn wir das Medium Coeli in Jungfrau dem Vater zuordnen, so könnte sein Herrscher Merkur in Löwe durchaus auf eine „königliche“ Abstammung verweisen, doch nicht auf die Hauptlinie (das wäre wohl eher MC in Löwe mit der Sonne als Herrscherin). Der Vater stand als Berater des Stammesregenten (Merkur Konjunktion Saturn in Löwe) in dessen Diensten (Jungfrau).

Nach dem frühen Tod des Vaters 1927 übernahm der Regent die Vormundschaft über den Buben und ließ ihm an seiner Residenz eine angemessene Erziehung und Bildung angedeihen. Wenn auch die Trennung von der Mutter, an die er eine starke Bindung hatte (Mond in Skorpion, Mond Rezeption Pluto), dem Jungen zusetzte und aus ihm ein einsames Kind mit mächtigen, verborgenen Gefühlen machte (Mond im 12. Haus), war doch die Aussicht auf Bildung und ein besseres Leben für den bildungsfreudigen Schütze-Aszendent ein willkommenes Angebot, das er bereitwillig annahm.

Ausbildung und erste politische Betätigungen

Mandela erhält also eine höhere Ausbildung in dem anerkannten Fort Hare College, in dem die schwarzafrikanische Elite herangebildet wird (Merkur Konjunktion Saturn im 9. Haus). Saturn ist Herr von 2 in 9: durch höhere Bildung wird der Selbstwert gestärkt, doch Erfolg stellt sich nur durch mühevolle Arbeit ein. Diese scheut Mandela nicht, doch er nimmt im Laufe seines Studiums durch den Einfluss von Kommilitonen, die später auch Weggefährten beim ANC werden sollten (wie z.B. Oliver Tambo), eine immer kritischere Haltung gegenüber der weißen Oberschicht ein.

In Fort Hare betätigte sich Mandela erstmals politisch und wurde 1940 in den Studentenrat, Students‘ Representative Council (SRC), gewählt. Doch als er mit anderen Kommilitonen gegen die schlechte Verpflegung auf dem Campus protestierte, reagierte die College-Leitung mit einem Ultimatum: Er konnte zwischen Einlenken und vorübergehender Suspendierung wählen. Eine schwierige Entscheidung, die sich Mandela nicht leicht machte. Doch schließlich verließ er das College, obwohl ihm das den Zorn seines Ziehvaters eintrug.

Eine Woche später wurden Mandela und sein Ziehbruder Justice mit dem Entschluss des Regenten konfrontiert, dass er für beide die Eheschließung mit zwei Thembu-Mädchen vorbereitet hätte, was den Lebensvorstellungen der beiden Jungen ziemlich zuwiderlief und sie dazu brachte, nach Johannesburg zu fliehen, um dort ein relativ selbstbestimmtes Leben zu führen – soweit das für Schwarze im damaligen Südafrika überhaupt möglich war.

In beiden Fällen blieb Mandela seinen Grundsätzen treu (Jupiter als Geburtsherr in Konjunktion zu Pluto) und zeigte erstmals auch eine Qualität, die ihn später noch oft charakterisieren sollte: seine persönlichen Gefühle und Ziele wurden dem Gemeinwohl bzw. seinen Grundsätzen untergeordnet. Das beweist uns der leere 2. Quadrant seiner Radix (persönliche Befindlichkeiten spielen keine so große Rolle). Lediglich Chiron im 4. Haus zeigt uns die seelische Verletzlichkeit, die im Zusammenhang mit der Familie steht. „Es war immer wieder das gleiche Dilemma“, schreibt Mandela später. „Hatte ich die richtige Wahl getroffen, als ich das Wohlergehen des Volkes noch höher einstufte als das meiner eigenen Familie?“ (a.a.O. S. 598 ff). Immer wieder gelangt er zu der Einsicht: Ja, es war richtig so. Es könnte der unbezwingbare Drang nach Wahrheit, Gerechtigkeit und sinnvoller Orientierung im Leben gewesen sein (Chiron Quadrat Jupiter), der ihn ganz persönlich (Jupiter ist Geburtsherr) für die Leiden seines Volkes sensibilisierte (das 4. Haus ist ja auch die Heimat).

Nicht unterschätzt werden soll jedoch auch der vollbesetzte 3. Quadrant in Mandelas Radix, wo sich 7 Planeten aufhalten. Mandela tut viel für die anderen, braucht diese jedoch auch für die eigene Selbstverwirklichung. Bei einem Schütze-Aszendenten geht es ja Hand in Hand: das Gerechtigkeitsempfinden, gepaart mit der Suche nach einem Sinn im Leben, moralischem Rechtsempfinden und großartigen Visionen. Dazu steht Jupiter prachtvoll: in Krebs erhöht und im 7. Haus in Konjunktion mit Pluto: der Glaube (an sich selbst) kann Berge versetzen, aber auch bei anderen Menschen Begeisterung wecken, denen er auf missionarische Weise seine Ideen nahebringt und sie dadurch ebenfalls motiviert.

Der eigentliche Wesenskern eines Menschen wird durch die Sonne repräsentiert. Diese steht in Krebs, was Mandela viel Phantasie und Empfindsamkeit verleiht, ihn gefühlvoll und instinktsicher macht, aber auch eine gewisse Angst, nicht geliebt zu werden, verbergen könnte. Die Stellung im 8. Haus bringt Mitgefühl, Empathie und tiefe Gefühle in seinem Wesen zum Ausdruck. Er beschäftigt sich mit den Werten anderer Menschen, definiert sich teilweise darüber und muss sich auf irgendeine Weise mit anderen Menschen vereinigen oder austauschen. Dabei erlebt er häufig Situationen, in denen es um Macht und Ohnmacht geht, und er muss immer wieder einen intensiven Lebenskampf mit der Außenwelt bewältigen, wobei er riesigen Umwälzungen und Transformationen ausgesetzt ist oder diese auch bewirkt. Ein ruhiges Leben wird er kaum führen, das Leben ist im Gegenteil eine ständige Herausforderung, der er sich stellen muss. Das drückt sich auch im Sextil zwischen Pluto und dem MC aus.

Dabei wirkt er nicht nur überzeugend und authentisch (Jupiter Konjunktion Pluto), sondern strahlt auch Sympathie und Volksnähe aus (Venus am Deszendenten). Mit Zwillinge-Venus Trigon Uranus hat er viele unkonventionelle Kontakte und liebt das Ungewöhnliche, kann mit viel Charme auf andere zugehen und sie für sich gewinnen.

Mutter-Beziehung und seelisches Empfinden

Die Mond-Stellung in Skorpion im 12. Haus ist einerseits der Hinweis auf leidenschaftliche Gefühle, aber zugleich auch darauf, dass seelische Bedürfnisse schon in der Kindheit unterdrückt wurden. Solange Mandela bei seiner Mutter aufwuchs, der er sich stark verbunden fühlte, konnte er ein unbeschwertes, freies Leben im Dorf führen (Mond Quadrat Uranus). Doch nach dem Tod des Vaters musste sich die Mutter dem Willen des Regenten beugen und ihren kleinen Sohn seiner Obhut überlassen – was sie auch bereitwillig tat, da sie ja durchaus Vorteile daraus erhoffen durfte.

Der Skorpion-Mond (verstärkt durch die Rezeption zwischen Mond und Pluto) impliziert nicht nur die Fähigkeit zu emotionaler Intensität und Leidenschaft, sondern steht auch für eine immense Leidensfähigkeit und Zähigkeit, seelische Belastungen zu ertragen. Wenn ihn etwas – im positiven wie negativen Sinn – berührt, lässt er nicht locker, will den Dingen auf den Grund gehen und gibt sich nicht mit oberflächlichen Erklärungen zufrieden. Eine fixe Idee oder Vorstellung (wie der Kampf gegen das Apartheid-System) kann lebensbestimmend werden, doch mit seinen suggestiven Gefühlen kann er auch ein Kraftfeld um sich bauen, von dem andere Menschen fasziniert sind.

Ein Mensch mit Mond im 12. Haus fühlt eine starke Verbundenheit mit anderen Menschen, nicht nur mit dem eigenen Volk, er ist mitfühlend und sozial eingestellt, kann sich selbst emotional aber nur schwer öffnen, das heisst, seine eigenen, tiefen Gefühle kennen die wenigsten. Dem Bedürfnis nach gelegentlichen Rückzugs-Phasen wurde in diesem unruhigen Leben eher weniger entsprochen – die insgesamt 27 Jahre im Gefängnis, meist in einer 4 Quadratmeter großen Einzelzelle auf Robben Island, waren wohl kaum dazu angetan, viele private Rückzugsmöglichkeiten für Mandela zuzulassen. Nicht zuletzt beinhaltet diese Mond-Stellung auch eine starke Macht-Thematik.

Mandela und die Frauen

Beziehungen zu Frauen zu knüpfen, ist Mandela vermutlich leichtgefallen (Venus Konjunktion DC), doch auch wenn sie zu Beginn angenehm und harmonisch verlaufen sein mögen, war ihnen meist keine Stabilität beschieden (Mond Quadrat Uranus). Wir dürfen nicht vergessen, dass Mandelas Beziehungen (vor allem die ersten beiden Ehen) von seinen häufigen Abwesenheiten geprägt sind (Venus Trigon Uranus), sodass zuviel Nähe und Intimität kaum aufkommen konnte. Venus beherrscht das 6. und das 11. Haus, steht genau am Deszendenten: Er war wohl stets mehr mit seiner Arbeit, seinen Gesinnungsgenossen verheiratet, wiewohl ihm intime Beziehungen zu Frauen schon besonders wichtig waren (ein Skorpion-Mond kann auf Leidenschaft kaum verzichten). In seinem Buch „Der lange Weg zur Freiheit“ bekennt Mandela durchaus auch eine romantische Ader ein – etwas anderes hätte uns bei einer Krebs-Sonne und einem Mond in 12 auch sehr verwundert. Das Trigon zwischen Sonne und Mond schenkt ihm ein natürliches Empfinden für Ausgewogenheit und Gleichwertigkeit, verleiht ihm Menschlichkeit, Wärme und eine spontane und herzliche Ausstrahlung.

Dennoch scheiterte seine erste Ehe an der Unvereinbarkeit der jeweiligen Zielvorstellungen der Eheleute. 1946 (die progressive Venus stand gradgenau auf Mandelas Radix-Sonne, Transit-Jupiter im Quadrat dazu) heiratete Nelson Mandela die Krankenschwester Evelyn Mase, mit der er insgesamt 4 Kinder hatte – 2 Söhne und 2 Töchter. Obwohl sie ihn anfänglich in seinen Ambitionen unterstützt hatte, brachte sie im Lauf der Zeit kaum noch Verständnis für sein politisches Engagement auf und fühlte sich vermutlich auch sehr alleingelassen. Zudem schloss sie sich den Zeugen Jehovas an, was die Eheleute einander noch mehr entfremdete, sodass es schließlich zur Trennung kam.

Am 14. Juni 1958 heiratete Mandela Winnie Madikizela, die erste schwarze Sozialarbeiterin Johannesburgs, die ihn sehr unterstützt hatte, als ihm der Prozess wegen Landesverrats gemacht wurde. Mit der Venus in Zwillinge ist Mandela natürlich von einer Frau hingerissen, mit der er sich intellektuell austauschen kann, die sich für seine Arbeit interessiert oder sogar mit ihm zusammenarbeitet, denn Venus beherrscht das 6. Haus und steht am Deszendent. Winnie Mandela schien dafür die ideale Ehefrau zu sein, sie war ebenfalls im Widerstand tätig und entwickelte sich während Mandelas langer Haftzeit zu einer verlässlichen Gefährtin und führenden Gegnerin des Apartheid-Regimes. Zudem agierte sie sehr aktiv und unabhängig, wozu sie ja aufgrund des langen Gefängnisaufenthalts ihres Mannes auch „gezwungen“ war (Mond Quadrat Uranus), sie kam mit dieser Rolle aber gut zurecht. Leider stellte sich später heraus, dass sie in ihren Aktionen nicht nur Gewalttätigkeit befürwortete, sondern auch verwickelt war in Korruption und Entführungsfälle, was sie politisch sehr belastete und als Ehefrau Mandelas unmöglich machte, sodass sich das Ehepaar im April 1992 trennte.

Sie sollte aber nicht die letzte Ehefrau bleiben. An seinem 80. Geburtstag, dem 18. Juli 1998, heiratete Mandela noch einmal, und zwar die Politikerin und Menschenrechtsaktivistin Graça Machel, die Witwe des frühen Präsidenten von Moçambique, der den ANC zeitlebens unterstützt hatte.

Der African National Congress

Als junger Jurastudent engagierte sich Mandela in der politischen Opposition gegen das weiße Minderheitsregime mit dem Ziel, für die schwarze Mehrheit des Landes gleiche politische, soziale und wirtschaftliche Rechte zu erkämpfen. 1944 trat er dem African National Congress (ANC) bei und gründete im selben Jahr zusammen mit Walter Sisulu, Oliver Tambo und anderen die ANC Jugendliga.

Zur Geburt des zweiten Sohnes Makgatho Lewanika am 26. Juni 1950, dem Tag, für den der ANC einen nationalen Protest gegen die Ermordung von 18 Afrikanern und gegen die Verabschiedung des Kommunistenverbots geplant hatte, schreibt Mandela: „Der Kampf …. war allumfassend…. Ich war bei Evelyn im Krankenhaus, als mein Sohn zur Welt kam, aber das war nur eine kurze Unterbrechung meiner Aktivitäten.“ (a.a.O. S. 167).

Mandela, der eigentlich dem Vorbild Gandhis im Sinne von gewaltlosem Widerstand folgen wollte, musste erkennen, dass sich die Apartheid auf diese Weise nicht beseitigen ließ, daher rief er 3 Jahre später – als der laufende Mars in Konjunktion zu Pluto stand – erstmals auch zur Gewaltbereitschaft auf. Die mächtigen Feinde (also das südafrikanische Apartheid-Regime) lassen sich in der Radix erkennen durch die Stellung von Pluto im 7. Haus.

Es folgten Jahre der staatlichen Verfolgungen und wiederholten Verhaftungen und Verbannungen, denen Mandela sich zeitweise durch Flucht entzog und im Ausland im politischen Untergrund arbeitete. Nachdem er im Juli 1962 nach Südafrika zurückgekehrt war, wurde Mandela jedoch am 5. August 1962 verhaftet, ihm wurde der Prozess gemacht, wo er zunächst zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

Verhaftung, Gefängnis und Befreiung

Am 12. Juni 1964 wurde Nelson Mandela zu lebenslanger Haft verurteilt, er verbüßte davon insgesamt 27 Jahre, die meiste Zeit (18 Jahre) auf der Gefängnisinsel Robben Island in einer winzigen, 4 Quadratmeter umfassenden Zelle. Wie alle schwarzen Häftlinge war auch Mandela zahllosen Schikanen sowie Schwerstarbeit im Steinbruch ausgesetzt – als Spätfolge dieser unmenschlichen Haftbedingungen erkrankte Mandela im Jahr 1988 an Lungentuberkulose.

Die Zusammenballung von Saturn, Uranus und Neptun in Steinbock im Jahr 1989 brachte so manches Staatsgefüge und politische System ins Wanken – auch in Südafrika, wo der Hardliner-Präsident Botha im Oktober zurücktrat und den Weg für seinen gemäßigteren Nachfolger de Klerk frei machte, der Wandel und Reformen in dem Land am Kap einleitete.

Nach weltweiten Interventionen und Petitionen wurde Mandela am 11. Februar 1990 aus dem Gefängnis entlassen und bald von zahlreichen Staatsrepräsentanten in die ganze Welt eingeladen. „Ich genoss meine Reisen außerordentlich“, trug er seinem Schütze-Aszendent voll Rechnung. „Ich wollte neue – und alte – Aussichten sehen, neue Speisen kosten und mit allen Arten von Menschen sprechen.“ (a.a.O. S. 764).

Unmittelbar nach seiner Freilassung leitete Mandela seine Politik der Versöhnung ein und strebte allgemeine, freie Wahlen an, welche am 27. April 1994 stattfanden und dem ANC die absolute Mehrheit brachten. Am 9. Mai 1994 wurde Nelson Mandela vom neuen Parlament zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt.

So unbeugsam Mandela im Kampf gegen die Apartheid war, so überzeugend und charismatisch vertrat er nach seiner Freilassung die Politik der gegenseitigen Versöhnung und Vergebung. Sein Vermächtnis ist das Streben nach einer Welt freier und gleicher Menschen, ohne Rassismus, demokratisch regiert und sozial organisiert. Im Gegensatz zu vielen anderen gelang es ihm, den Versuchungen von Macht und Geld zu widerstehen.

„Denn um frei zu sein genügt es nicht, einfach nur die Ketten abzuwerfen, sondern man muss so leben, dass man die Freiheit des anderen respektiert und fördert.“ (a.a.O. S. 836).

Nach längerer Krankheit starb Nelson Mandela am 5. Dezember 2013 im Kreise seiner Familie an den Folgen einer Lungenentzündung. Südafrika gedenkt des 100. Geburtstages ihres „Vaters der Nation“ übrigens u.a. mit dem weltweit größten Decken-Bild, das sein Porträt zeigt.

Sigrid Farber, Astromaster ®

Karl Marx – zum 200. Geburtstag

Am 5. Mai 1818 wurde Karl Marx in Trier als Sohn eines jüdischen Anwalts geboren, der, obwohl aus einer Rabbiner-Familie stammend, zum Protestantismus konvertierte, da er unter der preußischen Obrigkeit sein unter napoleonischer Regierung angetretenes Amt sonst nicht hätte weiterführen dürfen. Auch Karl und seine Geschwister wurden 1824 getauft. Nach dem Gymnasium studierte er auf Wunsch seines Vaters in Bonn Rechtswissenschaften, wechselte aber nach einem Jahr nach Berlin, wo er sich mehr der Philosophie und Geschichte zuwandte und vor allem an den Staatstheorien und der Dialektik von Georg W.F. Hegel Gefallen fand, jedoch im Fortgang historischer Prozesse weitere fundamentale Änderungen erwartete, nicht zuletzt eine Weiterentwicklung der preußischen Gesellschaft, die sich mit Problemen wie massenhafter Armut, staatlicher Zensur, fehlender politischer Partizipation der breiten Bevölkerungsmehrheit und Diskriminierung von Menschen, die sich nicht zum christlichen Glauben bekannten, auseinanderzusetzen hatte.

Wie im Horoskop eines Sozialreformers nicht anders zu erwarten, finden wir in der Radix von Karl Marx einen Wassermann-Aszendenten vor, der die Idee der französischen Revolution von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit auf seine Fahnen geheftet hat. Diese Idee ist seine Berufung, die er auch mit Begeisterung und einem starken Sendungsbewusstsein in die Welt hinaus tragen will, denn Uranus, der Geburtsherrscher, steht im 10. Haus in Schütze.

Es fällt auch auf, dass sich in Marx‘ Radix fast alle Planeten auf der linken, der östlichen Seite befinden. Das heisst, er vertritt vor allem seine eigenen Interessen und will alles selbst machen, lässt sich auch kaum etwas sagen. Seine jüngste Tochter Eleanor bezeichnet ihn als „egomanischen Sturkopf“ und später, kurz vor seinem Tod, als “verbitterten Sonnengott“. Obwohl er sich für die Gesellschaft, deren Rechte und Veränderung, einsetzt, lebt er doch sein eigenes Leben gemäß seiner Interessen, ohne auf die anderen wirklich zuzugehen oder sich tief auf sie einzulassen. Marx hat natürlich viele innere Ressourcen, auf denen er aufbaut, daher will er der Gestalter seines Schicksals (und das der gesamten Menschheit) sein.

Gleichermaßen interessant ist aber auch die Stier-Sonne, die das Materielle betont, in Konjunktion zum Mond und zum aufsteigenden Mondknoten: Karl Marx ist nicht nur unmittelbar vor einem Neumond geboren (der 5 Stunden später exakt war), sondern auch zu einer Sonnenfinsternis, die in seinem 2. Haus positioniert ist. Die Sonne – also das eigene Ich – wird ins Dunkel gehüllt, es strahlt nicht so, wie es strahlen sollte, und kann vielleicht nicht so gut zum Ausdruck gebracht werden, weil dieser Mensch sich nicht wirklich kennt. Dennoch macht ihn diese Neumond-Stellung einerseits sehr subjektiv und auf sich bezogen, andererseits – da die Geburt ja 5 Stunden vor Neumond stattgefunden hat – lebt er in einer ständigen Erwartungshaltung und fühlt sich vom Schicksal irgendwie abgehoben. Ausserdem treibt ihn eine ständige Unzufriedenheit zu immer neuen Aktivitäten im Zusammenhang mit Werten, Grenzen und Besitz an. Die Wertethematik ist also ein vorherrschendes Thema in seinem Leben, nicht nur, weil er ständig um die eigene finanzielle Existenz kämpfen muss, sondern natürlich auch, weil er kapitalistischen Besitz – also das Eigentum an Produktionsmitteln – als Grundübel der Gesellschaft anprangert.

Venus, die Zeichenherrscherin der Sonnenfinsternis, befindet sich ebenfalls im Zeichen Stier, doch bereits im 3. Haus: so war Marx befähigt, über diese Thematik zu informieren und zu schreiben. Mit Merkur, ebenfalls im 3. Haus und noch dazu in seinem eigenen Zeichen Zwillinge, war Marx ein begabter Journalist und Schriftsteller, der aber oftmals einsam auf verlorenem Posten stand und in seinen Anliegen nicht wirklich verstanden wurde (Merkur ist in dieser Radix unaspektiert).

Die Sonnenfinsternis bedeutet auch, dass ein Prinzip, das verfinstert ist, ans Licht gebracht werden soll. Der Horoskopeigner sollte sich bemühen, die Trägheit der Vergangenheit zu überwinden, er will etwas schaffen und bewirken, ist ehrgeizig, muss sich jedoch der realen Welt stellen.

Mit Wassermann und Stier treffen zwei völlig gegensätzliche Prinzipien aufeinander: während die Stier-Sonne auf eine konservative und solide Grundeinstellung verweist, der es um materielle Sicherheit im Leben geht, die ein starkes Beharrungsmoment kennt, jede Lebensveränderung als schwierig erlebt, nur langsam in Bewegung kommt, dann aber dann sehr stark und ausdauernd ist, stellt Wassermann das Konträre dar: ein Element, das rebelliert, ständig die Veränderung und das Neue sucht, fast exzentrisch sich gegen jede Norm stellt und sich nur im Geistigen fixiert. Ein Mensch mit Wassermann-Aszendent hat den – vielleicht unbewussten – Anspruch, etwas Besonderes zu sein, sich aus der Masse herauszuheben oder irgendwie aus dem Rahmen zu fallen. Das hat nichts damit zu tun, dass er sich für etwas Besseres hält, nein, nicht besser, sondern anders. Ein Stier-betonter Mensch hingegen fühlt sich in der Stallwärme eines Rudels wohl, er hält an seinen Werten – seien es Besitz oder Menschen – fest, will sich nicht trennen, wo der Wassermann immer wieder sich selbst und sein Leben verändert oder neu erfindet. Während sich der Stier konventionellen gesellschaftlichen Maßstäben beugt und vorwiegend materiell orientiert ist, ist der Wassermann ein Utopist, dem seine persönliche Freiheit über alles geht, und der über die Fähigkeit verfügt, Chancen und Möglichkeiten, die in der Zukunft liegen, zu erkennen.

Wie kommt ein Mensch mit diesen Widersprüchlichkeiten zurecht? Wie lebt er damit? Die Betonung des Stier-Zeichens und des 2. Hauses zeigt zwar die Wichtigkeit, die Materielles im Leben von Marx hatte, ist allerdings kein Hinweis auf eigenen Wohlstand – die meiste Zeit seines Lebens war Marx in finanziellen Schwierigkeiten. Da war es praktisch, dass er wohlhabende Freunde und Gönner (wie den Fabrikantensohn Friedrich Engels) hatte, die ihn unterstützten und förderten: kein Wunder bei Jupiter im 11. Haus. Mit dieser Jupiiter-Stellung vertrat er die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Unabhängigkeit und konnte auch seinerseits Freunde und Gruppen gut motivieren und aufbauen sowie selbst humanitäre Organisationen gründen.

Jupiter ist ausserdem der Herrscher des Schütze-MC. Wie bei vielen Menschen mit Schütze-MC war auch für Marx sein Beruf eine Berufung, die unter anderem den Sinn seines Lebens ausmachte. Marx strebte nicht nur nach Erweiterung des eigenen Horizontes, er wollte die Öffentlichkeit für sein Anliegen interessieren und begeistern. Sein Anspruch nach sozialer und wirtschaftlicher Gerechtigkeit und die Befreiung der Arbeiter aus „entfremdeten Arbeitssituationen“ resultierte aus der Verbindung von Nationalökonomie und Philosophie. Er schreibt: „Einerseits verwandelt der Produktionsprozeß fortwährend den stofflichen Reichtum in Kapital, in Verwertungs- und Genußmittel für den Kapitalisten. Andrerseits kommt der Arbeiter beständig aus dem Prozeß heraus, wie er in ihn eintrat – als persönliche Quelle des Reichtums, aber entblößt von allen Mitteln, diesen Reichtum für sich zu verwirklichen. Da vor seinem Eintritt in den Prozeß seine eigne Arbeit ihm selbst entfremdet, dem Kapitalisten angeeignet und dem Kapital einverleibt ist, vergegenständlicht sie sich während des Prozesses beständig in fremdem Produkt…“ (Karl Marx, Das Kapital, MEW 23: 595f.).

Sein Beruf und seine Berufung ermöglichten ihm immer auch viele Reisen und Kontakte mit anderen Ländern und Kulturen – nicht immer freiwillig, denn er verbrachte viele Jahre auf der Flucht vor der preussischen Obrigkeit im Exil. So lebte er längere Zeit in Paris und Brüssel, bevor er in sein Exil nach London ging, wo er 15 Jahre bleiben und als Europa-Korrespondent für die New York Daily Tribune arbeiten sollte. Nach der Reaktion auf die Revolutionen von 1848, wodurch 1849 die alte Ordnung wiederhergestellt wurde, war er in seiner Heimat Preussen nicht länger geduldet gewesen, auch die Staatsbürgerschaft war ihm aberkannt worden. 1861 versuchte er, diese wieder zu erlangen, doch ohne Erfolg. Aber auch die britische Staatsbürgerschaft, um die er angesucht hatte, wurde ihm mit der Begründung, er sei ein „berüchtiger Agitator und Anwalt kommunistischer Prinzipien“ verwehrt.

Auf dieses unstete Leben verweisen die Planeten Uranus und Neptun im 10. Haus seiner Radix; diese machen ihn zu einem Getriebenen und Vertriebenen, ständig auf der Flucht von Exil zu Exil, aber auch zu einer Leitfigur der Revolution und zu einem Idol, wenn auch erst nach seinem Tod. Zukunftsvisionen mit Weitblick, sogar eine revolutionierende Lebensphilosophie werden dem Schütze-MC zugeschrieben. Doch Marx verstand Philosophie nicht als Möglichkeit, die Welt zu interpretieren, sondern um sie zu verändern (Uranus in Schütze). Er sagte: „Wir sind nicht Eigentümer, sondern Nutzniesser der Erde, und haben sie unseren Nachkommen verbessert zu hinterlassen.“

Wie verhielt es sich mit Marx‘ Privatleben, wie war sein Verhältnis zu Frauen? Das könnten wir mit Hilfe der weiblichen Planeten Mond und Venus herausfinden, die in Marx‘ Horoskop in guten Würden stehen: der Mond ist in Stier erhöht, die Venus im selben Zeichen domiziliert.

Frauen dürften sich in seiner Gegenwart jedenfalls wohl gefühlt haben; vermutlich hat er ihnen vermittelt, sie zu lieben und zu achten. Davon ist natürlich besonders seine Ehefrau Jenny von Westphalen betroffen, mit der er 38 Jahre verheiratet war, die ihm eine treue Weggefährtin und Mitarbeiterin in der sozialistischen Bewegung war und ihm Halt und Verlässlichkeit gegeben hat. Er soll aber auch ein Verhältnis mit der Haushälterin Helena Demuth gehabt haben, aus dem angeblich ein Sohn hervorging – bewiesen ist das freilich nicht. Interessantes Detail: trotz der ständigen Geldnot war die bezahlte Haushälterin über Jahrzehnte fixer Bestandteil des Marxschen Haushalts, sie folgte der Familie in die Exilstationen und wurde als Familienmitglied betrachtet. Wir könnten spekulieren: der Mond als Herr von 6 (das auch für die Bediensteten steht) im 2. Haus in Konjunktion mit der Sonne: Marx könnte die Haushälterin als „persönlichen Besitz“ oder ihm sehr nahestehend empfunden haben.

Überhaupt hat Karl Marx mehrere Planeten in Würden: ausser Mond und Venus steht Merkur in Zwillinge im Domizil, aber auch „negative“ Würden, wie Jupiter in Steinbock und Mars in Krebs, zählen, um einen Menschen von sich selbst überzeugt wirken zu lassen.

Doch schauen wir uns nochmals den in Stier erhöht stehenden Mond an: man könnte Karl Marx als sinnlichen, körperbetonten Genussmenschen bezeichnen, der Werte schaffen, aber auch Kontrolle über seine Umgebung haben will und sich dabei ganz schön störrisch, gewinnsüchtig, ja sogar geizig verhalten kann. Vermutlich hat Marx ein Problem mit seinem Selbstwert. Da der Mond über das 6. Haus herrscht und im 2. Haus steht, wird er sich diesen wahrscheinlich über die Arbeit holen.

Dass Karl Marx zur überragenden Figur des Sozialismus bzw. Kommunismus wurde, auch wenn sein Ruhm sich zu Lebzeiten in Grenzen hielt, hat er zweifellos doch seiner besonderen Sonnen-Stellung (wie schon weiter oben beschrieben) zu verdanken. Das Sextil zu Saturn gab ihm die nötige Selbstverantwortung und Disziplin, um fleissig und hart zu arbeiten, das Trigon zu Jupiter bewirkte den Erfolg durch ausdauernde Arbeit, es weist ausserdem darauf hin, dass das Leben auf Wachstum und Sinnfindung ausgerichtet ist. Da Jupiter jedoch rückläufig ist, stellt sich der Erfolg mit Verzögerung ein.

Merkur steht sowohl vom Zeichen (Zwillinge) als auch vom Haus (3. Haus) in bester Qualität. Sein Problem ist nur die Unaspektiertheit. Denn prinzipiell macht ein solcher Merkur sehr redefreudig, sprachbegabt, kommunikativ, wissensfreudig und vielseitig interessiert – all das, was Marx ja war.

Mars steht als einziger Planet in der rechten Hemisphäre, in Krebs im 5. Haus. Lässt sich daraus die besondere Beziehung herleiten, die er zu seinen 3 überlebenden Töchtern (von insgesamt 7 Kindern) hatte? Marx war bekannt für seine grosse Kinderliebe, nach seinen eigenen liebte er auch den Enkel Johnny (den Sohn seiner Tochter Jenny) über alles.

Der passionierte Raucher, der in seinen letzten Lebensjahren kränkelte, verstarb am 14. März 1883 im Alter von knapp 65 Jahren in London. Als Todesursache wurde Laryngitis (Kehlkopfentzündung) festgestellt – eigentlich eine typische Stier-Erkrankung, zu der aber sicher auch das Rauchen beigetragen hat. Zuvor hatte er schon seine Frau Jenny von Westphalen sowie seine Lieblingstochter Jenny beerdigen müssen. Die Welt nahm kaum Notiz von seinem Tod, seinen Ruhm hat Marx nicht mehr miterlebt. Es hieß, dass er der bestgehasste und bestverleumdete Mann seiner Zeit gewesen ist, der er als Wassermann-Aszendent zwar weit voraus war, denn er hatte die Gier der Kapitalisten, die sich im 21. Jahrhundert noch steigern sollte, erkannt („Kapital ist das Futter für unersättliche Goldesel“), allerdings nicht das Bestreben der „Proletarier“, selbst der Bourgeoisie anzugehören. Auch ihr Nationalismus stand über ihren sozialistischen Idealen, wie der erste Weltkrieg deutlich zeigte.

Dabei dürfen wir nicht vergessen, dass sich Marx‘ Klassenkampftheorie an den industrialisierten Gesellschaften Westeuropas orientierte. Der Sozialismus des 19. Jahrhunderts vertrat die Idee einer utopischen Gesellschaft, in der die Produktionsmittel denen gehören, die sie bedienen (den Arbeitern). Erst muss das Bürgertum die Monarchie stürzen – so die Idee -, erst dann kann das Proletariat an der Macht teilhaben. Im 20. Jahrhundert sind jedoch Systeme entstanden, die Marx nicht unterstützt hätte. Er war ein Philosoph der Freiheit (weil er die Pressefreiheit verteidigte, wurde er verfolgt und musste ins Exil fliehen), und er hätte nichts unterstützt, was diese Freiheit eingeschränkt hätte. Zudem dachte Marx in globalen Maßstäben, nicht für ein einzelnes Land. Ironischerweise wurde seine kommunistische Lehre jedoch in einem Land umgesetzt, das noch ein feudalistisches System mit Leibeigenen statt Arbeitern kannte, und wo es praktisch kein Bürgertum gab: in Russland. Dass die Utopie dort scheitern musste bzw. zu einer gleichgeschalteten Diktatur verzerrt wurde, liegt eigentlich auf der Hand.

Nichtsdestotrotz bleibt Karl Marx als Gesellschaftstheoretiker, Sozialutopist und Philosoph des Sozialismus und Kommunismus eine wichtige Persönlichkeit, dessen Ideen bis in die Gegenwart nachwirken.

Marie Curie – zum 150. Geburtstag

Sie war eine der bedeutendsten Frauen im Bereich der Wissenschaft: die polnisch-französische zweifache Nobelpreisträgerin Marie Curie wäre am 7. November 2017 150 Jahre alt geworden. Geboren wurde Maria Sklodowska 1867 in Warschau als jüngste Tochter eines Lehrerehepaares, das grossen Wert auf eine gute Erziehung und Ausbildung der Kinder legte und diese nach Kräften förderte. Leider verstarb Marias Mutter schon 1878 an Tuberkulose, und auch Maria war ein kränkliches Kind, das nach dem Abitur zu Verwandten aufs Land geschickt wurde, um sich zu erholen.

Da zur damaligen Zeit Frauen in Polen ein Universitätsstudium nicht erlaubt war, bewarben sich Maria und ihre ältere Schwester Bronia an der Pariser Sorbonne und wurden angenommen. Allerdings erlaubte die finanzielle Situation des Vaters nicht, die Pläne seiner Töchter in materieller Weise zu unterstützen, sodass beschlossen wurde, dass zuerst Bronia ihr Studium in Paris absolvieren sollte, mit Marias finanzieller Unterstützung, die dafür als Hauslehrerin bei einer polnischen Anwaltsfamilie arbeitete. Im November 1891 konnte dann Maria ihr Physik-Studium an der Sorbonne beginnen. Sie war dort eine von 210 Frauen unter 9000 Studenten, dennoch schloss sie ihr Lizenziat in Physik im Sommer 1893 als Beste ab. Ein Stipendium ermöglichte ihr die Fortsetzung des Studiums, und 1894 machte sie ihr Lizenziat in Mathematik als Zweitbeste.

Nach Abschluss ihrer Studien wurde sie mit einer Untersuchung des Magnetismus verschiedener Stahlsorten beauftragt. Im Zuge dieser Forschungen und Experimente lernte sie den französischen Chemiker Pierre Curie kennen. Aus der beruflichen Zusammenarbeit mit Pierre Curie entwickelte sich gegenseitige Zuneigung. Am 26. Juli 1895 heirateten die beiden im Rathaus von Sceaux. Am 12. September 1897 kam die erste Tochter Irène zu Welt, die später selbst eine geachtete Wissenschaftlerin werden sollte.

Im Rahmen ihrer Doktorarbeit untersuchte Marie Curie zahlreiche uranhaltige Metalle, Salze, Oxide und Mineralien, wobei sie feststellte, dass Pechblende viermal so aktiv ist wie Uran. Marie und Pierre Curie gingen davon aus, dass die hohe Aktivität der Pechblende von einem unbekannten chemischen Element verursacht werde. In den folgenden Wochen versuchten sie, dieses Element mit chemischen Verfahren zu isolieren. Bald hatten sie Zwischenprodukte erzeugt, die viel aktiver als Pechblende waren, und folgerten daraus, dass es sich nicht um ein neues Element handelte, sondern um zwei verschiedene. Das erste dieser neuen Elemente nannten sie zu Ehren von Maries polnischer Heimat Polonium, das zweite, das sie einige Monate später nachweisen konnten, erhielt den Namen Radium, weil es 900-mal stärker strahlte als Uran. Infolge der dauernden Strahlenbelastung traten bei beiden Curies gesundheitliche Probleme auf, und Marie erlitt sogar im August 1903 eine Fehlgeburt. Im Dezember desselben Jahres wurde dem Ehepaar, gemeinsam mit dem Physiker Henri Becquerel, der Nobelpreis für Physik verliehen. Ein Jahr später, im Dezember 1904 wurde ihre zweite Tochter Ève geboren, die später Schriftstellerin wurde und über ihre Eltern eine Biographie verfasste.

Am 19. April 1906 geriet Pierre Curie unter die Räder eines Lastfuhrwerkes und starb noch am Unfallort. Marie Curie traf der Verlust schwer, hatte sie doch sowohl ihren geliebten Lebenspartner als auch ihren wissenschaftlichen Mitstreiter verloren. In den folgenden Jahren litt sie vorübergehend an Depressionen. Dennoch setzte sie ihre Arbeit fort, durfte als erste Frau Vorlesungen an der Sorbonne halten und erhielt 1908 sogar die ordentliche Professur in Physik.

4 oder 5 Jahre nach dem Tod ihres Ehemanns begann Marie Curie eine Affäre mit dem verheirateten Paul Langevin, einem früheren Studenten ihres Mannes. Diese Beziehung wurde in Paris ziemlich skandalisiert und in der Presse breitgetreten. Die Anfeindungen erreichten ihren Höhepunkt, als eine Zeitung behauptete, Marie Curie wäre jüdischer Abstammung. Auch wenn der Skandal langsam abebbte, begleiteten sie die erhobenen Vorwürfe bis an ihr Lebensende.

1911 entschied das schwedische Nobel-Komitee, den diesjährigen Preis für Chemie Marie Curie zuzuerkennen. Damit wurde erstmals einer Person zum zweiten Mal ein Nobelpreis zuerkannt. Bis heute ist Marie Curie eine von nur 4 Personen und überhaupt die einzige Frau geblieben, der diese Ehre zuteil wurde.

Im ersten Weltkrieg arbeitete Marie Curie als Radiologin in einer von ihr initiierten mobilen Röntgeneinrichtung, die es ermöglichte, dass verwundete Soldaten in unmittelbarer Nähe der Front untersucht werden konnten. In Begleitung ihrer Tochter Irène und eines Mechanikers fuhr sie am 1. November 1914 zum ersten Mal mit ihrem Röntgenwagen zu einem Lazarett, das sich 30 Kilometer hinter der Frontlinie befand. Während des Krieges rüstete Marie Curie insgesamt 20 radiologische Fahrzeuge aus. Im Juli 1916 machte sie den Führerschein, um die Fahrzeuge selbst steuern zu können.

Nach Kriegsende wurde ihre wissenschaftliche Arbeit mit zahlreichen Auszeichnungen und Wissenschaftspreisen in Europa und den Vereinigten Staaten gewürdigt. Marie Curie war für den Völkerbund tätig, gründete in Warschau und Paris je ein Radium-Institut und unternahm auch etliche Vortragsreisen. In ihren Instituten förderte Marie Curie bewusst Frauen und aus dem Ausland stammende Studierende. Zu Ehren von Marie und Pierre Curie sind die Bezeichnungen des chemischen Elements Curium und der Einheit Curie gewählt worden, das Curie ist eine Maßeinheit für die Aktivität eines radioaktiven Stoffes.

Die Auszeichnung ihrer Tochter Irène mit dem Nobelpreis für Chemie, den diese 1935 gemeinsam mit ihrem Ehemann Frédéric Joliot „in Anerkennung ihrer Synthese neuer radioaktiver Elemente“ erhielt, erlebte Marie Curie nicht mehr. Sie starb am 4. Juli 1934 im Sanatorium Sancellemoz bei Passy an einer „aplastischen perniziösen Anämie“, die vermutlich auf ihren langjährigen Umgang mit radioaktiven Elementen zurückzuführen ist.

Mich interessierte die Frage, ob sich im Horoskop dieser aussergewöhnlichen Frau Hinweise auf ihre einzigartige Karriere finden lassen, und ich wurde fündig.

Auf den ersten Blick sehen wir in dieser Radix eine Überbetonung des Zeichens Skorpion (4 Planeten + MC) und des 10. Hauses (4 Planeten + die Sonne, die zwar im 9. Haus, aber in Konjunktion zum MC steht). Skorpionbetonte Menschen zeichnen sich aus durch Leidenschaftlichkeit, Intensität, Tiefgründigkeit, hingebungsvolle Entschlossenheit und manchmal eine rücksichtslose Zielstrebigkeit. Typisch beim Skorpion ist der “Alles oder Nichts”-Charakter, hier gibt es keine Halbherzigkeiten oder Kompromisse. Es besteht ein Drang, den Dingen auf den Grund zu gehen, zu forschen, nachzubohren und nicht locker zu lassen. Auch selbstzerstörerische Tendenzen sind vorhanden, oder sagen wir besser, bei ihrem kompromisslosen Vorgehen nehmen sie in Kauf, sich selbst zu beschädigen. Dieses Verhalten können wir Marie Curie, bei allem, was wir über sie wissen, gut zuordnen. Sie hatte den Mut und die Kraft, ihre Pläne zielstrebig zu verfolgen, ohne Rücksicht auf Verluste bzw. ihre eigene Gesundheit.

Mit der Stellung der Sonne im 9. Haus richtet sich der Fokus auf höhere Bildung, Lebenssinn, Erweiterung, Weltanschauung, Philosophie und das Ausland. Was könnte dies besser belegen, als ein Studium im Ausland, so wie es Maria Sklodowska absolvierte und später selbst die akademische Laufbahn einschlug.

Der Aszendent Marie Curies steht im Zeichen Steinbock, welches in einem harmonischen Winkel zum Skorpion steht und diesen bei der kompromisslosen Zielstrebigkeit durch Ausdauer, Disziplin, Ehrgeiz und Streben nach Anerkennung unterstützt. Menschen mit einer Steinbock-Betonung – also auch mit einem Steinbock-Aszendenten – müssen alles planen und organisieren, sie überlassen nichts dem Zufall und haben ein starkes Pflichtbewusstsein. Innerlich sind sie ausgesprochen stark und fast jeder Krise gewachsen. Allerdings fehlt ihnen in ihrem Sein die gewisse Leichtigkeit, sie nehmen alles schwer und fühlen sich für vieles verantwortlich. Ein einmal gesetztes Ziel wird beharrlich verfolgt, und dabei kann ein Steinbock ziemlich karg leben und auf vieles verzichten, um dieses Ziel zu erreichen. Ich denke, dass Marie Curie durch diese Eigenschaften schon recht gut charakterisiert ist.

Aber auch die Position des Geburtsherrn – hier Saturn – ist wichtig. Dieser befindet sich in Skorpion im 10. Haus und ist ein Hinweis darauf, dass diese Frau ihren Lebenszweck vor allem in der beruflichen Verwirklichung sieht und dabei auch öffentlich wahrgenommen wird. Sie hat eine grosse Wirkung in der Gesellschaft, sowohl was den Beruf als auch was das Privatleben betrifft, sie wird einfach gesehen nichts bleibt geheim. Einerseits ist sie eine Autorität, ein Mensch, dem Achtung entgegengebracht und der vom Beruf durchs Leben getragen wird. Andererseits aber wird auch das Privatleben ans Licht der Öffentlichkeit gezerrt, oft mehr, als ihr lieb ist. Ausserdem ist sie eine Person, die sich selbst über Leistung und grossen Ehrgeiz definiert, auch ein hohes Maß an Perfektion von sich selbst erwartet und letzten Endes auch Maßstäbe setzt und Richtlinien vorgibt.

Es gibt im Horoskop von Marie Curie aber noch eine Besonderheit: das 1. Haus ist besonders gross und schliesst das gesamt Wassermann-Zeichen noch mit ein. Wassermann ist ein Zeichen, das in die Zukunft weist, es äussert sich in einer betonten Eigenwilligkeit und dem Anspruch, etwas Besonderes zu sein. Ideale und Überzeugungen spielen eine große Rolle. Das Verhalten ist individualistisch und unkonventionell, die Betroffenen sind freiheitsliebend, ungewöhnlich und exzentrisch, oft sind sie Aussenseiter, die sich nicht der Norm anpassen wollen. Es gibt eine permanente Suche nach neuen Erfahrungen, nach Anregungen und Spannung. Auch in diesem Bereich müssen wir das ungewöhnliche Forschungsgebiet berücksichtigen, das für Medizin und Physik wegweisende Neuerungen brachte.

Uranus, der Mitherrscher von 1, hat vor allem deshalb eine besondere Bedeutung, weil er in diesem Horoskop an prominenter Stelle steht: nämlich ganz genau am Deszendent. Das ist nicht nur ein Hinweis auf einen ungewöhnlichen, besonderen Partner, sondern auch auf einen Menschen, der oft bewusst rebelliert, provoziert oder gegen den Strom schwimmt und sich kaum um die öffentliche Meinung kümmert. Und ist es nicht interessant, dass Uranus derart hervorgehoben ist, wo sich die Physikerin doch so intensiv mit dem Element Uran beschäftigte?

Doch schauen wir weiter. Wo ist die private, die gefühlsbetonte Seite der Marie Curie? Gibt es die überhaupt, oder ist sie nur in ihrem Beruf aufgegangen? Wir haben hier einen Mond in Fische im 2. Haus. Diese Mondstellung gilt als einfühlsamster, hypersensibler Gefühlsausdruck, macht verträumt, phantasievoll, kreativ, intuitiv und anhänglich. Das Zeichen Fische steht aber auch für unbewusste Ängste, für Sehnsüchte, Süchte und für chemische Substanzen, mit denen die Forscherin zu tun hatte.

Das Haus, in dem der Mond steht, sagt uns etwas darüber, in welchem Bereich sich ein Mensch wohl, sicher und geborgen fühlt. Im 2. Haus finden wir die materielle Welt, die Werte, Talente und Ressourcen, das Bedürfnis nach einem sicheren Zuhause ist stark ausgeprägt. Da der Mond aber auch für das Veränderliche steht, haben wir den Hinweis, dass die finanzielle Lage der Marie Curie starken Schwankungen unterworfen war. Musste sie in ihrer ersten Lebenshälfte eher karg und bescheiden leben, so brachten ihr natürlich die Nobelpreise genügend finanzielle Mittel, um nicht nur ihre Forschung unabhängig betreiben zu können, sondern auch selbst als Förderin zu wirken.

In diesem Fall kommt aber noch etwas hinzu: hier ist der Mond auch der Herrscher des Deszendenten, also des 7. Hauses, des Partner-Hauses, er steht in diesem Fall auch für den Partner der Horoskopeignerin. Und es stellt sich heraus, dass Pierre Curie durchaus der sensible, fürsorgliche, auch sinnliche und leidenschaftliche Partner war (Stier mit Fische-Aszendent und Skorpion-Mond), den sich Marie wohl gewünscht hat.

Aber auch die Venus in Skorpion dürfen wir nicht unterschätzen, wenn es um Liebe und Beziehungen geht, denn hier haben wir es mit jemandem zu tun, der aufs Ganze geht und bis in die tiefsten Tiefen der Seele aufgewühlt werden will. Mit einer solchen Konstellation ist Sexualität besonders wichtig. Das leidenschaftliche Naturell dieser Frau wird noch verstärkt durch die Konjunktion der Venus mit Mars und die Rezeption mit Pluto in Stier. Kein Wunder, dass die Affäre mit Langevin alle konventionellen Bedenken hinwegfegte. Doch diese Frau braucht den körperlichen und sinnlichen Aspekt einer Partnerschaft genauso wie Nähe auf der Gefühlsebene und gegenseitiges Verständnis, was sie ja mit ihrem Mann gefunden hatte. Die Stellung im 10. Haus sagt uns aber auch, dass enorm viel Leidenschaft auch in den Beruf fliesst. Und auch ein Beruf, der gemeinsam mit dem Partner ausgeübt wird, ist bei dieser Venus-Stellung denkbar.

Das MC, die Himmelsmitte, gibt uns weitere Hinweise auf den Beruf oder die Berufung der Madame Curie. Mit dem MC in Skorpion hat ein Mensch beruflich oft mit Tabus zu tun, er möchte den Dingen auf den Grund gehen, Verborgenes ans Licht bringen, arbeitet gerne in der Forschung, hat oft ganz bestimmte Vorstellungen und kann ein bestimmtes Ziel mit ungeheurer Intensität und Leidenschaft verfolgen. Dabei zeigt er sich sehr engagiert, zäh und belastbar, lässt sich nicht so leicht von einem einmal verfolgten Ziel abbringen, schon gar nicht, wenn es darum geht, etwas zu ergründen, was unter der Oberfläche liegt. Im Fall von Marie Curie steht auch noch die Sonne, also das bewusste Ich und der Wille, sehr nahe am MC und somit im Bereich der beruflichen Zielvorstellungen. Sie identifiziert sich weitgehend mit dem Beruf, ist bereit und auch fähig, dafür einiges zu leisten und ihre Energie durch die Übernahme von Verantwortung zum Ausdruck zu bringen. Dabei kann es durchaus auch zu Machtkämpfen, Manipulationen und gegenseitigen Abhängigkeiten kommen, wie es ja zeitweise der Fall war. Doch durch Widerstände lässt sich diese Frau nicht brechen und ihre innere Stärke wird letztendlich anerkannt werden. Wenn das 10. Haus in einem Horoskop derart stark besetzt ist wie in diesem Fall, nämlich mit 4 Planeten plus die Sonne in Konjunktion zum MC, können wir fast mit Sicherheit davon ausgehen, dass diese Frau auf die Dauer nicht im stillen Kämmerlein gewirkt, sondern eine gewisse öffentliche Bekanntheit erreicht hat.

Wie wir aus dem Leben Marie Curies gesehen haben, ist es immer wieder zu Machtkämpfen oder Auseinandersetzungen mit Obrigkeiten gekommen, oftmals schon allein deshalb, weil sie eben eine Frau war, die in eine damalige Männerdomäne eingedrungen ist. Sie hat sich dadurch aber nie entmutigen lassen, sondern sich mutig und beharrlich allen möglichen Widerständen zum Trotz in ihrer Arbeit durchgesetzt und ihre fachliche Autorität erfolgreich zum Wohle von Benachteiligten eingebracht. Ohne sich äusserlichen Zwängen und Konventionen zu beugen, ging Marie Curie ihren Weg, der ihr richtig erschien, und brachte genügend Kraft auf, um alle möglichen Schwierigkeiten und Probleme zu überwinden. Dieser aussergewöhnlichen Skorpion-Frau wollen wir anlässlich ihres 150. Geburtstages gedenken.