Daniel Barenboim – Maestro de Maestros

Seinen 80. Geburtstag am 15. November 2022 wollte der weltberühmte Pianist und Dirigent Daniel Barenboim eigentlich in der Berliner Philharmonie feiern. Bei dem Konzert mit der Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Ehrendirigent Zubin Mehta sollte Barenboim als Solist am Klavier Werke von Beethoven und Chopin spielen. Sein angeschlagener Gesundheitszustand lässt dies jedoch leider nicht zu, das Konzert wurde abgesagt.

Schon seit einigen Monaten wurden einige Konzerte unter der Leitung des Generalmusikdirektors der Berliner Staatsoper Unter den Linden abgesagt, da sich eine „neurologische Erkrankung“ – so Barenboims eigene Worte – verschlechtert hätte und er sich in nächster Zeit in erster Linie auf sein körperliches Wohlbefinden konzentrieren müsse. Astrologie-Kundige wird das nicht besonders verwundern, hält sich doch Saturn seit geraumer Zeit in Barenboims 1. Haus auf, wo er auf gesundheitliche Belange einen störenden Einfluss hat.

Leider sieht es auch in den kommenden Monaten nicht nach Entspannung aus. Saturn wird im Februar 2023 Barenboims Mond – Herrscher des 6. Hauses (Alltag, Arbeitsplatz, Gesundheit) – überqueren und weitere Schwierigkeiten hervorrufen, die an den Kräften zehren. Eine bedeutende Zeit zeichnet sich für das Frühjahr 2024 ab, da könnte es einen Neubeginn in Barenboims Leben geben.

Aber schön der Reihe nach. Geboren wurde Daniel Barenboim am 15. November 1942 in Buenos Aires, wohin seine russisch-stämmigen jüdischen Eltern ausgewandert waren. Von seinem Vater erhielt das musikalische Kind ab dem 5. Lebensjahr Klavierunterricht und gab bereits im Alter von 7 Jahren sein erstes Konzert in Buenos Aires. 1952 verließ die Familie Argentinien, zunächst in Richtung Europa, wo Daniel mit dem Dirigenten Wilhelm Furtwängler zusammentraf, der ihn als „Phänomen“ bezeichnete. Später ließ sich Familie Barenboim in Israel nieder. Uranus im 4. Haus weist auf häufigen Wohnsitzwechsel und eine unstete Familiensituation hin, Saturn in 4 auf Belastungen in der Familie oder dem Zuhause.

Von der Familie hat Daniel Barenboim jedoch auch das Talent mitbekommen, mit dem er sich in der Öffentlichkeit bemerkbar machte und selbst verwirklichte. Venus als Herrscherin des Stier-IC steht in Skorpion im 10. Haus in enger Konjunktion mit der Sonne. Sie ist nicht „verbrannt“, sondern befindet sich „im Herzen der Sonne“, von dieser lediglich durch 13 Bogenminuten getrennt. Das verleiht dem Musiker nicht nur künstlerische Begabung, ein Gespür für Harmonie und diplomatische Fähigkeiten in Beruf und Öffentlichkeit, sondern lässt ihn auch sympathisch und freundlich wirken. Und natürlich macht es ihn auch feinfühlig für die Kunst.

Venus steht in Skorpion zwar im Exil, erhält aber von einem gut gestellten Krebs-Jupiter im 6. Haus ein erfolgversprechendes Trigon. Außerdem steht Mars, der alte Herrscher des Skorpion, in seinem früheren Domizil direkt am MC. Die Durchsetzung in der Öffentlichkeit war also nur eine Frage der Zeit.

Das künstlerische Talent zeigt sich auch darin, dass das 2. Haus im Zeichen Fische angeschnitten ist, dessen Herrscher Neptun in Waage ein Trigon zum Geburtsherrn Uranus bildet. Und Merkur, der Herrscher des kreativen 5. Hauses legt die Vorstellungs- und Gestaltungskraft (Skorpion) in die Hände, die Merkur repräsentiert. Die Hände, die Klavier spielen und dirigieren. Merkur im Quadrat zur AC-DC-Achse neigt aber auch dazu, andere Menschen durch manchmal zu unbedachte Äusserungen vor den Kopf zu stoßen, was zu Missverständnissen oder verbalen Attacken führen kann.

Barenboim reüssierte zunächst als gefeierter Konzertpianist. Bereits als Teenager unternahm er ab 1955, seit seinem umjubelten Debüt in London, regelmäßige Tourneen durch Europa, die USA, Südamerika, Australien und Fernost. Damals berührte der progressive AC seinen Geburtsmond in Wassermann, während der progressive Mond Pluto im 6. Haus überquerte und ihm den internationalen Durchbruch bescherte.

Das betonte Element in Daniel Barenboims Horoskop ist Wasser, was sich günstig auf die Sensibilität und Empfindungsfähigkeit auswirkt. Das Wasserzeichen Skorpion ist hervorgehoben, 4 Planeten (Mars, Merkur, Venus, Sonne) befinden sich in diesem Zeichen, das den Horoskopeigner zu intensiven Erlebnissen befähigt, ihn leidenschaftlich, leidensfähig, zäh und tiefgründig macht und mit einer grossen Vorstellungskraft und Regenerationsfähigkeit ausstattet. Diese 4 persönlichen Planeten stehen ausserdem im berufsbezüglichen 10. Haus und lenken den Lebensschwerpunkt auf den Beruf, der in diesem Fall eher Berufung heissen muss. Sein ganzes Leben hat Barenboim der Musik verschrieben, er hält sie für den Faktor, der Menschen zusammenführen und sie auch über egomanische Vorstellungen hinausheben kann.

Er war schon berühmt, als er am Silvesterabend1966 der jungen britischen Cellistin Jacqueline du Pré begegnete. Aus musikalischer Zusammenarbeit wurde rasch Liebe, die beiden heirateten am 15. Juni 1967 in Jerusalem – das progressive IC hatte den Radix-Uranus erreicht, ein neues Zuhause geschaffen. Jacqueline du Pré konvertierte zum jüdischen Glauben, was von der Öffentlichkeit nicht besonders goutiert wurde. Zusammen mit seiner Frau sowie den Violinisten Itzahk Perlman und Pinchas Zukerman feierte Barenboim als Pianist und Kammermusiker internationale Erfolge, perfektionierte jedoch zugleich seine Fähigkeiten als Dirigent. Trotz der erfolgreichen musikalischen Zusammenarbeit war der Ehe kein dauerhaftes Glück beschieden.

Anfang der 1970-er Jahre machte sich bei du Pré multiple Sklerose bemerkbar, was zu einem Nervenzusammenbruch und kontinuierlichem Abbau ihrer Fingerfertigkeiten führte. Eine angebliche Affäre mit dem Ehemann ihrer Schwester Hilary, die darüber in ihrem Buch „A Genius in the Family“ berichtete, liess Barenboim unkommentiert. Er blieb bis zu ihrem Tod am 19. Oktober1987 mit Jackie verheiratet, begann aber bereits in den frühen 1980-er Jahren, als seine Frau dauerhaft an den Rollstuhl gefesselt war, eine Affäre mit der russischen Pianistin Elena Bashkirova, die er 1988 ehelichte und mit der er 2 Söhne hat, die ebenfalls Musiker sind.

Da die Radix-Sonne Herrin des 7. Hauses ist, erstaunt es nicht, dass Barenboims Partnerinnen für seinen Beruf und seine Karriere eine ebenso grosse Rolle spielten wie für sein Familienleben. Diese Bereiche sind in seinem Horoskop sehr eng miteinander verknüpft.

Dass er in seiner Arbeit kompromisslos und extrem belastbar ist, zeigt die Stellung Plutos im 6. Haus. Allerdings wurde ihm auch vorgeworfen, als Dirigent und musikalischer Leiter der Berliner Staatsoper Unter den Linden ein unangemessenes Machtgebaren an den Tag gelegt zu haben. Barenboim bestritt alle Vorwürfe und wurde auch vom Orchestervorstand der Staatskapelle Berlin sowie vom Intendanten der Staatsoper verteidigt. Wenn wir uns das Horoskop ansehen, sind derartige Vorfälle aber sehr wohl denkbar: Pluto in 6, Mars am MC – und beide im Quadrat-Aspekt zueinander – sprechen eine deutliche Sprache. Sollte es aggressives oder despotisches Verhalten gegeben haben, ist das vermutlich auf seinen unbedingten Anspruch an Höchstleistungen in der musikalischen Interpretation zurückzuführen und weniger auf Herrschsucht an sich.

Die Liebe zur Musik hat dem nirgends wirklich Beheimateten, der die spanische, argentinische, israelische und palästinensische Staatsangehörigkeit besitzt (Geburtsherr Uranus im 4. Haus) ein Zuhause in der öffentlichen Wahrnehmung gegeben. Er setzt die Musik aber auch eigenen Worten zufolge „als Waffe“ ein (Mars Quadrat Pluto), nämlich im Kampf um Gerechtigkeit und Frieden (Sonne Konjunktion Venus im Trigon zu Jupiter). Da er sich seit langem für eine Annäherung der verfeindeten Volksgruppen im Nahostkonflikt engagiert, gründete er 1999 gemeinsam mit dem palästinensischen Schriftsteller Edward Said das West-Eastern Divan Orchestra, das sich aus jungen Musikern aus Israel sowie den palästinensischen Autonomiegebieten, Libanon, Ägypten, Syrien, Jordanien und Spanien zusammensetzt. Damit wollte Barenboim ein Zeichen setzen gegen die israelische Provokationspolitik gegenüber den Palästinensern, die er als imperialistisch empfindet. Das Orchester ist inzwischen weltweit geschätzt und anerkannt.

Daniel Barenboim hat selbst natürlich auch unzählige Preise und Ehrungen erhalten, darunter mehrere Grammys, Medaillen und Verdienstorden. Er dirigierte dreimal das Neujahrskonzert im Wiener Musikvereinssaal und machte die Berliner Staatsoper zu einem der führenden Musiktheater, dessen künstlerischer Leiter und Generalmusikdirektor er seit 1992 ist. Sein Vertrag wurde kürzlich bis 2027 verlängert. Zudem ist er auf Lebenszeit Chefdirigent der Staatskapelle Berlin.

Wir wünschen dem herausragenden Musiker Daniel Barenboim, der vom mexikanischen Tenor Rolando Villazón „Maestro de Maestros“ genannt wird, zu seinem 80. Geburtstag alles Gute, vor allem, dass seine Gesundheit es ihm recht bald erlauben wird, wiederum Musikwerke in einzigartiger interpretatorischer Einfühlsamkeit zur Aufführung zu bringen. Darüberhinaus möge er sein Leben und seine Kunst noch recht lange geniessen.

Paul McCartney zum 80. Geburtstag

Der 6. Juli 1957 war ein schicksalhafter Tag, nicht nur im Leben zweier junger musikbegeisterter Männer, sondern der gesamten Musikwelt: an diesem Tag begegneten einander der knapp 17-jährige John Lennon und der 15-jährige James Paul McCartney das erste Mal bei einem Gartenfest der St. Peter Church in Liverpool, wo John mit seiner damaligen Gruppe The Quarrymen aufspielte. In der Folge begann eine der kreativsten Kooperationen in der Musikgeschichte des 20. Jahrhunderts. Noch vor der offiziellen Gründung der Beatles beschlossen die beiden, künftig nur als Komponisten-Duo Lennon/McCartney aufzutreten, ganz gleich, wer von ihnen den Song tatsächlich geschrieben hatte. An diesem 6. Juli 1957 stand der laufende Jupiter gradgenau auf Pauls Aszendent, was eine glückbringende, bereichernde Lebensperspektive anzeigte.

Es gibt ganze Abhandlungen, die sich mit diesen beiden unterschiedlichen Charakteren befassten, mit dem „zornigen, unangepassten“ John und dem „sanften, liebenswürdigen“ Paul, und es gibt endlose Streitigkeiten darüber, wer von beiden wohl das grössere Genie wäre. Diese Frage beschäftigt uns heute nicht, denn ich möchte mich anlässlich seines 80. Geburtstags vor allem Paul McCartney widmen.

Geboren wurde James Paul McCartney (der seinen ersten Vornamen später wegliess und sich nur Paul nannte) als ältester Sohn eines musikbegeisterten Bühnenarbeiters und einer Krankenschwester und Hebamme am 18. Juni 1942 in Liverpool. Aufgrund des britischen Education Act 1944, der auch Kindern aus unterprivilegierten Schichten eine umfassendere Bildung ermöglichte, konnte James Paul von seinen Eltern, die der „gehobenen Arbeiterschaft“ zuzurechnen waren, auf eine höhere Schule geschickt werden, wo er auch George Harrison kennenlernte, den er später ebenfalls zur Band brachte, bei der zunächst auch noch Stuart Sutcliffe und Pete Best mitspielten. Doch Sutcliffe starb in Hamburg, und Best wurde kurz vor der Unterzeichnung des ersten Plattenvertrags 1962 durch Ringo Starr ersetzt. Es entstand die Formation der Beatles, wie sie weltweit bekannt wurden.

Paul McCartney fiel nicht nur als erstklassiger Bassgitarrist und Frontsänger auf, sondern auch als herausragender Komponist, dem wir viele Welthits verdanken, wie z.B. Yesterday, Penny Lane, Hey Jude und Let It Be in seiner Beatles-Zeit, aber auch spätere Hits wie Mull of Kintyre, Another Day, Hope of Deliverance oder With A Little Luck, um nur einige zu nennen. Nach der Auflösung der Beatles, die McCartney eigentlich nicht wollte, sie aber nach Differenzen dann doch aktiv betrieb, startete er eine ebenfalls sehr erfolgreiche Solokarriere. Zur selben Zeit (1970) heiratete Paul die Amerikanerin Linda Eastman und gründete mit ihr eine Familie und später auch die Band The Wings, die bis 1980 bestand. Paul nahm aber auch diverse Songs mit Sängern wie Stevie Wonder, Michael Jackson oder Eric Clapton auf.

Paul McCartney musste in seinem Leben etliche Schicksalsschläge und Krisen erleiden. Es begann damit, dass seine Mutter starb, als er 14 war, später erkrankte seine geliebte Ehefrau Linda an Brustkrebs und verstarb 1998. Der Trennung von seiner 2. Frau Heather Mills folgte eine unappetitliche Schlammschlacht. Doch auch der Mord an John Lennon im Dezember 1980 bedeutete für Paul wie auch für die anderen Ex-Beatles einen schweren Schock.

Bereits in den 1990-er Jahren hatte Paul seine Liebe zur Malerei entdeckt und sich zusammen mit seiner Frau Linda auch sozial und karitativ engagiert, für den Tierschutz, für Katastrophen-Opfer oder für in Not geratene KünstlerInnen.

Aber werfen wir einen Blick auf das Horoskop von Paul McCartney: zeichnet sich das Genie ab oder gibt es überhaupt keine Besonderheiten?

Auf den ersten Blick fällt auf, dass in diesem Horoskop alle Planeten, bis auf Neptun, in der oberen Hemisphäre und noch dazu innerhalb von 130° angeordnet sind. Dieses astrologische Schaubild wird Bündel genannt; der erste Planet im Uhrzeigersinn ist der Trigger-Planet, im Fall von Paul McCartney ist das Venus in Stier im 9. Haus. Durch diese Position erhält die Venus eine besondere Bedeutung im Horoskop, denn sie zeigt an, wie der Horoskopeigner an die Dinge herangeht, auf welchen Bereich seine Energien konzentriert sind, wo Höchstleistungen erreicht werden können. Mit der Stier-Venus ist es klar, dass der Fokus auf der Liebe zur Musik liegt, die für McCartney den Sinn des Lebens ausmacht (Venus im 9. Haus). Aber auch die Liebe zur Philosophie, zum Reisen, und nicht zuletzt die Liebe zu einer Ausländerin (oder mehreren) treibt ihn an.

Die Betonung des 4. Quadranten gibt ihm das Gefühl der Schicksalhaftigkeit des Lebens, bedeutet aber auch den Auftrag, seine Potenziale der Allgemeinheit und sich selbst der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, was er auch sicher gerne tut.

Interessant ist ferner, dass sich alle Planeten zwischen den Tierkreiszeichen Stier bis Jungfrau angesiedelt haben. Diese Zeichen beziehen sich auf das persönliche Erleben und sind gesellschaftlich noch nicht relevant. Andererseits stehen sie aber – bis auf Neptun – in überpersönlichen Häusern. Das bedeutet für mich, dass es Pauls Aufgabe ist, mit sehr viel persönlichem Einsatz für die Gesellschaft und die Öffentlichkeit tätig zu sein, was er auf eine eher instinkthafte, noch nicht voll bewusste Weise vollbringt.

Mit Neptun am Aszendenten besitzt Paul eine ungewöhnliche Sensibilität, aber eventuell auch einen Mangel an einer fest umrissenen Identität und einer klaren Lebensrichtung. Vielleicht hat er auch kein so klares Bild über sich selbst, kann sich auch selbst kaum spüren, da der Körperquadrant ansonsten unbesetzt ist. Am ehesten wird ihm dies über die Phantasie und den künstlerischen Ausdruck gelingen, denn durch diese Neptun-Stellung wird auch eine besondere künstlerische Begabung ausgedrückt, mit der er und die durch ihn sichtbar wird. Im Erdzeichen Jungfrau soll diese Begabung in eine praktische Umsetzung führen. Obwohl er sein ganzes Leben lang nicht richtig Noten lesen konnte, ist Paul dank seiner immensen Musikalität imstande, jede Art von Song zu schreiben, was ja auch seine Genialität ausmacht.

Der rätselhafte, verträumte Eindruck, den Paul als „sanftester Beatle“ auf seine Umwelt machte und immer noch macht, bewirkt sicher auch seine Faszination und seine magische Ausstrahlung. Er konnte nichts Besseres tun im Leben, als sich künstlerisch zu betätigen und auch sozial zu engagieren. Nichtsdestotrotz kann dieser Aspekt bewirken, dass die Grenze zwischen Ich und Nicht-Ich als fliessend erlebt wird, was wiederum dem künstlerischen Empfinden und der fast schlafwandlerischen Sicherheit zugute kommt, mit der er an die musikalische Umsetzung ging, ihn allerdings auch anfällig für Drogen (= Vernebelung) aller Art macht.

Eine diese Vernebelungen bezieht sich auf ein Gerücht über Pauls angeblichen Tod bei einem Autounfall 1966. Angeblich gab es auf Plattencovers oder in Songtexten versteckte Hinweise darauf so wie auf einen danach engagierten Doppelgänger. Paul selbst hat diese Gerüchte allerdings immer wieder zurückgewiesen und durch Fakten und einfache Erklärungen entkräftet. Es ist aber für Neptun am AC nicht untypisch, dass derartige Gerüchte überhaupt entstehen.

Mit dem Jungfrau-AC ist Paul ja prinzipiell ein ordentlicher, gewissenhafter und zuverlässiger Mensch, der sachlich, vernünftig und bescheiden wirkt und auch den Kleinigkeiten und Details viel Beachtung schenkt, dabei durchaus auch kleinlich und überkritisch wirken kann. Das alles wird durch Neptun nicht eliminiert, aber doch aufgeweicht, macht ihn besonders einfühlsam und anpassungsfähig. Die persönliche Verunsicherung kaschiert er dadurch, dass er eine Rolle spielt, ob bewusst oder unbewusst. Die Rolle des „künstlerischen Chefs“ der Beatles war ihm jedenfalls auf den Leib geschneidert.

Die nicht so ganz klar umrissene Identität könnte mit dem frühen Tod der Mutter zu tun haben. Der junge Paul war deshalb schon in jungen Jahren auf sich allein gestellt, passte sich aber – im Gegensatz zu John Lennon, der die Schule schmiss und sich als „Enfant terrible“ gebärdete – den Erwartungen seines Vaters bzw. der Schule an und fiel nur durch sein exzellentes Gitarrenspiel auf, das vom Vater unterstützt und gefördert wurde. Neptun in Jungfrau bedeutet auch eine besondere Geschicklichkeit mit den Händen, die sich weniger praktisch-technisch, sondern eher kreativ-künstlerisch ausdrückt.

Merkur als Geburtsherr und auch als Herrscher des 10. Hauses zeigt, dass die Entwicklung der eigenen Identität über den Beruf erfolgt, der als Berufung erlebt wird. Der Zwillinge-Merkur ist der wichtigste Planet in diesem Horoskop, da er nicht nur als Aszendentenherrscher im eigenen Zeichen und nahe dem MC steht, sondern auch die Wurzel einer der beiden Dispositorenketten bildet, an der fast alle anderen Planeten hängen. Nur die Stier-Venus fällt aus dem Rahmen, sie bildet die 2. Kette, hat allerdings „kein Gefolge“. Sie ist der zweitwichtigste Planet, verweist nicht nur auf die Musikbegeisterung McCartneys, sondern auch auf sein auf Beständigkeit und Sicherheit ausgerichtetes Beziehungsverhalten, das er immer wieder in verschiedenen Beziehungen (Jane Asher, Linda Eastman, Heather Mills, Nancy Shevell, um die wichtigsten zu nennen) mit einer starken Sinnlichkeit, aber wohl auch Beharrlichkeit und Ausdauer gezeigt hat.

Ausser der Musikalität und Geschäftstüchtigkeit (Venus in Stier) sind auch eine grosse Kommunikationsfähigkeit und sein Verhandlungsgeschick McCartneys Stärken, die er im Lauf seiner Karriere immer wieder einsetzen konnte. Kein Wunder, stehen doch vier Planeten im luftigen Zwillinge-Zeichen: Uranus, Saturn, Merkur und die Sonne, dazu noch das Medium Coeli. Wir haben es hier mit einem blitzgescheiten Menschen zu tun, der sprachlich gewandt und geistig wendig ist. Ein Zwillinge-betonter Mensch verhält sich wissbegierig und interessiert, schlau und flexibel, er hat eine rasche Auffassungsgabe, ist rastlos auf der Suche nach neuen Anregungen und kann sich gut vermarkten. Nicht zufällig war es McCartney, der seine Beatles-Kollegen davor warnte, eine Geschäftsverbindung mit dem Amerikaner Allen Klein einzugehen, der den Fab Four einen „Knebelvertrag“ angeboten hatte, was offenbar nur Paul durchschaute. Diese geschäftlichen Differenzen waren der eigentliche Grund für die Trennung der Beatles, und nicht, wie oft kolportiert, John Lennons 2. Ehefrau Yoko Ono.

Das Luft-Element ist das stärkste Element in diesem Horoskop und zeigt uns einen anpassungsfähigen, geselligen, geistig flexiblen und vermittelnden Menschen, der über Objektivität, Neutralität und die Fähigkeit zu distanzieren, verfügt, dessen Reaktionen jedoch eher gedanklich-intellektuell als emotional und daher auch weniger von Launen oder Stimmungen abhängig sind (das Wasser-Element ist nur schwach ausgeprägt). Andererseits lässt das Sextil zwischen Merkur und dem Löwe-Mond erkennen, dass da einer seine Emotionen verbal sehr gut zum Ausdruck bringen und vermitteln kann; er spürt instinktiv, was beim Publikum ankommt. Das Beschreiben von Alltagssituationen und Gefühlen beherrscht Paul sowohl musikalisch wie sprachlich, und erzielt daraus beruflichen Erfolg.

Der Löwe-Mond beschert ihm eine lebensbejahende Grundeinstellung sowie ein sonniges Gemüt, er hat sich aber gerade von Chiron gelöst und läuft auf Neptun zu: Schmerz vergeht durch Phantasie und Kreativität, es gibt aber immer wieder auch Auflösungstendenzen im Leben. Das zweifellos vorhandene Bedürfnis nach Aufmerksamkeit und Bewunderung lebt Paul McCartney gerne in der Gruppe aus (Mond im 11. Haus), wo er Wärme und Zugehörigkeit sucht. Dabei scheut er weder Theatralik noch die grosse Geste, zeigt sich im Umgang mit anderen locker und verspielt, verhält sich aber trotzdem vernünftig und diplomatisch. Eine Gruppe wie die Beatles diente ihm geradezu als Familienersatz, und die spätere Formation „The Wings“ war praktisch ein Familienunternehmen, das er zusammen mit seiner Frau Linda Eastman gegründet hatte. Ein Löwe-Mond geniesst den grossen Auftritt und liebt das Rampenlicht sowie die jubelnde Menge. Von allen Beatles ging Paul am liebsten auf Tournee, weil ihm das die Möglichkeit bot, seiner Reiselust zu frönen (Betonung des 9. Hauses) und immer wieder neue Publikumsschichten zu erreichen.

Im 11. Haus findet sich noch die Konjunktion zwischen Mars und Pluto, ebenfalls in Löwe. Sie steht für ein starkes Energiepotenzial, das Freundschaften und Gruppen zugutekommt. Freunde und Gleichgesinnte bilden mit Paul oft eine verschworene Gemeinschaft, die alle Höhen und Tiefen zusammen durchsteht. Mars/Pluto im 11. Haus zeigen aber auch Machtkämpfe in der Gruppe an, aus denen ein Löwe-Mars meist siegreich hervorgehen wird. Gleichzeitig investiert Paul McCartney auch viel Kraft und Energie im sozialen Bereich, der ihm immens wichtig ist. Die enorme Kraft und Leistungsfähigkeit zeigt sich auch daran, dass Paul McCartney auch mit 80 Jahren noch mehrmonatige Tourneen absolviert.

Kommen wir endlich zur Sonne, die in Paul McCartneys Horoskop kurz vor dem Kulminationspunkt (MC) im 10. Haus steht und damit die ganze Radix überstrahlt. Die Beweglichkeit und Umtriebigkeit, der intellektuelle Wissensdurst und das manuelle Geschick, das alles wird mit Ehrgeiz in die berufliche Verwirklichung investiert und lässt ihn in der Öffentlichkeit strahlen und glänzen. Dieser Mensch präsentiert sich und wird öffentlich wahrgenommen, was wiederum sein Selbstbewusstsein stärkt und zur Identitätsfindung beiträgt.

Und dann ist da noch Merkur, der das Sonnenzeichen regiert. Er ist in der Radix rückläufig, bleibt das aber in der Progression nur bis zu Pauls 6. Lebensjahr. Bis dahin war der Junge möglicherweise verhalten und eher in sich gekehrt. Mit dem Schuleintritt dürfte er jedoch aufgeblüht sein und Merkurs Leichtigkeit und Vielseitigkeit für sich genützt haben, auch in beruflicher Hinsicht. Kontakte mit Menschen, die ihm neue Horizonte erschliessen, sind ihm sehr wichtig. Er ist offen für Neues und hat ein reges Interesse an fremden Kulturen und Religionen, setzt sich mit Meinungen und Weltanschauungen auseinander und philosophiert mit anderen gerne über den Sinn des Lebens, den er sich trotz aller Tiefschläge nie hat nehmen lassen (Merkur in 9).

Unterstützung erhält Paul McCartney dabei vom äusserst gut gestellten Jupiter, der in Krebs erhöht ist, was nicht nur ein Hinweis auf einen liebevoll-fördernden Familienhintergrund ist, wodurch ihm schon früh ein Gefühl der Geborgenheit und des Vertrauens zu seiner Umwelt vermittelt wurde. Dies macht in der Folge auch ihn zu einem grosszügig eingestellten Familienvater mit 4 Kindern, schenkt ihm eine besondere Verbundenheit mit der Natur, mit Kindern und Tieren, für die er sich einsetzt und die er ebenso unterstützt wie in Not Geratene und Hilfsbedürftige. Im 10. Haus sorgt Jupiter natürlich für den beruflichen und finanziellen Erfolg, der Paul McCartney nicht nur zum vielfachen Millionär und einem der erfolgreichsten Songwriter überhaupt machte, sondern ihm auch besondere Ehrungen eintrug: neben etlichen Grammy Awards, der Aufnahme in die Rock‘n Roll Hall of Fame und mehreren Ehren-Doktortiteln ist wohl die Erhebung in den (nichterblichen) Adelsstand durch Queen Elizabeth II. 1997 eine der grössten Auszeichnungen, die britischen Künstlern zuteil wird. Die Musikzeitschrift „Rolling Stone“ reihte Paul McCartney als Nr. 11 der 100 weltbesten Sänger und Nr. 2 der weltbesten Songwriter (nach Bob Dylan und noch vor John Lennon) ein.

Zu seinem 80. Geburtstag wünschen wir Sir Paul McCartney jedenfalls weiterhin gute Gesundheit, viel Schaffenskraft und Lebensenergie, damit er sich selbst und uns auch in Zukunft mit seinen unsterblichen Melodien und Liedern erfreuen kann.

Judy Garland zum 100. Geburtstag

Sie war ein Kinderstar, wurde mit 17 Jahren berühmt in der Rolle der Dorothy in dem Film „Der Zauberer von Oz“ („Over the Rainbow“), spielte danach in zahlreichen Hollywood-Filmen und trat mehr und mehr auch als Sängerin auf. Sie war sehr erfolgreich und wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet: Judy Garland, die am 10. Juni 100 Jahre alt geworden wäre.

Geboren wurde die Künstlerin am 10. Juni 1922 in Grand Rapids, Minnesota, als Frances Ethel Gumm, wo ihre Eltern ein Kino betrieben und in den Pausen zusammen mit ihren 3 Töchtern mit Gesang- und Tanzdarbietungen auftraten. In der Hoffnung, vom Film entdeckt zu werden, übersiedelten sie 1924 nach Kalifornien (Lancaster und Los Angeles), wo die 3 Töchter bald als „Gumm Sisters“ in Vaudeville-Shows auftraten. Besonders Frances Ethel, die jüngste, zog die Aufmerksamkeit auf sich und durfte ab 1929 in Filmen mitspielen. 1934 änderte sie ihren Namen in Judy Garland. Kurz darauf erhielt sie einen Vertrag bei MGM, wo sie eine intensive Ausbildung erhielt und als „typisch amerikanisches Mädchen“ aufgebaut wurde. Oft spielte sie zusammen mit Mickey Rooney, mit dem sie sich anfreundete.

Allerdings galt sie bei Dreharbeiten als schwierig und soll schon in jungen Jahren abwechselnd Schlaf- und Aufputschmittel genommen haben, was dazu führte, dass sie 1950 aus ihrem Vertrag bei MGM entlassen wurde. Auch im Privatleben lief vieles schief, sodass Garland einen Selbstmordversuch unternahm. Auf Anraten Ihres 3. Ehemanns Sidney Luft tourte sie erfolgreich als Sängerin durch die Vereinigten Staaten. Im Lauf ihres Lebens gab sie mehr als 1500 Konzerte und galt über Jahre hinweg als bestbezahlte Bühnenkünstlerin der Welt. 1954 kehrte sie für mehrere Filme auf die Leinwand zurück und feierte auch beim Fernsehen Erfolge. Bei CBS erhielt sie sogar eine wöchentliche Fernsehshow.

Ihr Liebesleben verlief turbulent und nicht sehr glücklich. Sie war fünfmal verheiratet und hatte drei Kinder von zwei verschiedenen Männern. Ihre Tochter Liza Minelli aus der Ehe mit dem Regisseur Vincente Minelli ist ebenfalls weltberühmt. Beiden gemeinsam war wohl ein massives Suchtproblem (Alkohol, Tabletten), das Liza Minelli heute im Griff zu haben scheint, während es ihre Mutter letztendlich das Leben kostete. Judy Garland starb während einer Konzertreihe in London am 22. Juni 1969 mit nur 47 Jahren. In der LGBT-Szene gilt sie als Ikone, da ihr die sexuelle Ausrichtung eines Menschen immer reichlich egal war.

Was verrät uns das Horoskop über diese aussergewöhnliche Künstlerin?

Mit dem Aszendenten und drei weiteren Planeten (Merkur, Venus, Pluto) im Wasserzeichen Krebs liegt der Fokus auf dem Wasser-Element, was auf Gefühlsbetontheit und Kreativität, aber auch auf Empfindlichkeit und Launenhaftigkeit hinweist. Mit dieser Wasser-Betonung war Judy Garland sicherlich ein hypersensibler, leicht beeindruckbarer Mensch mit viel Phantasie und unstillbaren Sehnsüchten. Die Flucht in eine Traumwelt konnte sie in ihren Filmrollen wunderbar ausleben, ohne zu merken, dass sie sich dabei gleichzeitig immer mehr von der Realität entfernte. Dass sich kein einziger Planet und keine Achse in ihrem Horoskop im Erd-Element befindet, wirkt sich erschwerend aus, denn es fehlt ihr an Realitätsbewusstsein und Bodenhaftung. Beides wäre aber wichtig, um sich – gerade in der Traumfabrik Hollywoods – nicht total zu verlieren oder in eine Abhängigkeit von bewusstseinsverändernden Substanzen zu geraten, wie das ja leider bei Judy Garland der Fall war.

Für den Selbstausdruck und das Verhalten ziehen wir die Verteilung der Planeten in den Quadranten heran. Hier zeigt sich, dass der 2. und der 4. Quadrant betont sind. Das unterstreicht, dass die seelische Befindlichkeit eine grosse Rolle spielt; der Gefühlsbereich ist enorm wichtig, Judy Garland ist mit Seelentiefe und vielen inneren Ressourcen ausgestattet. In ihrem Leben geht es vor allem um die innerliche Substanz, das vorhandene Potenzial umzusetzen, doch gerade das dürfte ihr nicht so leicht gefallen sein.

Wenn der 3. Quadrant vollkommen leer ist, bedeutet das, dass sich die betreffende Person nicht wirklich auf andere Menschen einlassen kann. Es gibt Probleme mit der Kommunikation, mit dem Du im allgemeinen und Beziehungen im besonderen.

Im 4. Quadranten befinden sich hingegen 4 Planeten, darunter die Sonne und Merkur als persönliche Planeten, beide im 12. Haus. Dazu kommen noch die kollektiven Planeten Uranus und Pluto. Mit dieser Konstellation scheint das Leben vom Schicksal bestimmt zu sein. Judy wurde in eine überaus ehrgeizige Familie hineingeboren, die unbedingt in irgendeiner Weise Starruhm erlangen wollte. Durch die jüngste Tochter – Frances Ethel, die sich später Judy nannte – ist das auch gelungen; diese wurde allerdings nicht gefragt, es ist ihr zugefallen, ohne dass sie selbst die Initiative dazu ergreifen musste. Es genügte, ein hübsches und niedliches Kind zu sein und nette Liedchen zu trällern. Dass sie das offenbar besser machte als ihre beiden älteren Schwestern, liegt an ihrem künstlerisch-darstellerischen Talent, das sich durch den Löwe-Neptun im 2. Haus zeigt.

Dazu kommt die Betonung des 12. Hauses, was bei Künstlern keine Seltenheit ist, aber oft auch einen Hinweis auf eine Suchterkrankung liefert, die wiederum – so wie bei Judy Garland – mit der Hypersensibilität und der daraus resultierenden Realitätsflucht zusammenhängt. Merkur als Herr von 12 im 12. Haus positioniert, verstärkt den neptunischen Charakter dieses Horoskops. Neptun, der als Herrscher des 10. Hauses, des Berufshauses, im stolzen Löwe-Zeichen steht, verkörpert eine klassische Schauspieler-Konstellation. Im 2. Haus ist Neptun aber auch für Verunsicherung durch ein schwaches Selbstwertgefühl verantwortlich, für Selbstzweifel, Genuss-Sucht und eine mitunter chaotische Finanzlage und eventuell sogar betrügerische Machenschaften, er verleiht aber auch ein Gespür für gute Geschäfte.

Durch die Krebs-Betonung zeigt sich das Mondhafte in Judys Charakter. Es unterstreicht einerseits das Kindlich-Gefühlvolle, das Anhänglichkeit und Zugehörigkeit sucht, sich in der Kind-Rolle wohlfühlt, da ja die „Erwachsenen“ für das eigene Wohlergehen sorgen, andererseits muss das Mädchen aber auch die Vorstellungen der Familie erfüllen und diese zu ihren eigenen machen (Pluto Konjunktion Aszendent). Kennt sie denn ihre eigenen Wünsche und Bedürfnisse? Hat sie nicht immer nur das erfüllt, was die Familie vorgegeben hat? War sie nicht ein Kunstprodukt, das seine Selbstverwirklichung in der Traumfabrik Hollywoods zu finden meinte? All das erzählt uns die Sonne im 12. Haus, die aus dem 3. Haus der Selbstdarstellung kommt.

Ihre individuelle Persönlichkeit, die Leichtigkeit und Lebendigkeit der Zwillinge-Geborenen muss sie deshalb fast verstecken, kann diese nur in ihren Filmrollen ausleben, in denen sie anfangs das unbeschwerte, heitere amerikanische Mädel spielt, so, wie es von ihr erwartet wird. Mit ihrem hübschen Aussehen und ihrer eindringlichen Art fliegen ihr die Herzen des Publikums zu (Krebs-Venus im 1. Haus).

Dass ihr Leben ein unstetes war mit einem wechselhaften Schicksal und vielen beruflichen und privaten Umbrüchen und Neuanfängen, zeigt sich nicht nur in der Positionierung von Lilith und Uranus im 10. Haus, sondern besonders in der fast minutengenauen Konjunktion von Uranus und dem MC. Mit dieser Konstellation ist es kaum möglich, einen „normalen“ Berufs- und Karriereweg einzuschlagen. Der Bruch mit gesellschaftlichen Erwartungen und Normen ist daher vorprogrammiert. Obwohl der Anspruch, öffentlich wahrgenommen zu werden, gross ist, kann im Leben keine lineare Entwicklung stattfinden, da Pläne ständig über den Haufen geworfen werden. Mit dieser Konstellation dürfte es Judy Garland sichtlich schwer gefallen sein, sich beruflich unterzuordnen, da sie ihre Individualität und Eigenständigkeit über alles stellte. Das wird noch unterstrichen durch das Quadrat zwischen der Sonne und Lilith bzw. Uranus. Sie fühlt sich getrieben, hält es nicht aus, auf etwas festgelegt zu werden und verbittet sich Einmischung von aussen. Da kann sie schon mal für verrückt oder unberechenbar gehalten werden, als unzuverlässig auf jeden Fall. Aus dem Star-Dasein in Hollywood wurde Judy Garland in eine Quasi-Bedeutungslosigkeit hinauskatapultiert, konnte aber nach einigen Jahren als Sängerin reüssieren und wiederum Erfolge feiern.

Judy Garland muss eine faszinierende Persönlichkeit gewesen sein. Mit dem Pluto am Aszendent wirkte sie charismatisch und übte auf andere Menschen eine fast magische Ausstrahlung und Anziehungskraft aus.

Eine starke Rast- und Ruhelosigkeit zeichneten jedoch sowohl ihr Berufs- wie auch Privatleben aus. Liza Minnelli, ihre Tochter aus der Ehe mit dem Regisseur Vincente Minelli, sagte über sie: „Sie lebte acht Leben in einem.“ Judys auf Zärtlichkeit, Geborgenheit und Familie ausgerichteten Grundbedürfnisse liessen sie von einem Ehemann zum nächsten taumeln. Keiner konnte ihr geben, wonach sie sich sehnte, und vielleicht wusste sie ja selbst nicht, was sie wirklich brauchte. Die Zerrissenheit zwischen ihrem Bedürfnis nach Bindung und der Verpflichtung anderen Menschen gegenüber einerseits, und dem Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit andererseits zeigt sich unter anderem im Quadrat zwischen dem Mond (Herr von 1) und Saturn (Herr von 7). Da diese Spannung für ihr Krebs-Naturell fast unerträglich ist, greift sie zu Drogen und Alkohol, um mit all den Widersprüchen zurecht zu kommen.

Uranus als elevierter und achsennächster Planet streicht eine ungewöhnliche Persönlichkeit und einen verstärkten Freiheitsdrang heraus. Gleichzeitig hat sie die Tendenz (Sonne Quadrat Uranus), sich mit unzuverlässigen Luftikus-Partnern einzulassen, die früher oder später ausbrechen. Wenn sie sich allerdings allzu gesittet verhalten, könnten sie ihr selbst aber auch leicht langweilig werden. Die vier Scheidungen, die Judy Garland hinter sich gebracht hat, verwundern daher nicht.

Alles in allem war Judy Garland, die Ikone der LGBT-Szene, eine aussergewöhnliche Frau und Künstlerin, die sich in kein Schema pressen liess, sich auch sehr viel zumutete (dabei immer wieder ihre Kinder vernachlässigte, was ihr im Grund wehgetan haben muss). Sie lebte ihr Leben wie eine Kerze, die an beiden Enden brennt, elektrisiert durch Begegnungen, durch Erfolg, der sie zeitweilig auch überheblich machen konnte (Jupiter Quadrat Pluto). Ihr Leben war spannend, brachte so manche brüske Kehrtwendung mit sich, mit der sie sich selbst immer wieder neu erfunden, ihre Umgebung jedoch auch oft vor den Kopf gestossen hat. Sie war eine Getriebene, eine Frau, die nie zufrieden war, und deren grösster Wunsch es wohl war, als Künstlerin mit individueller Note wahrgenommen und akklamiert zu werden. Zu Lebzeiten ist ihr das nur teilweise gelungen, doch von der Nachhaltigkeit ihres Erfolgs zeugen nicht nur ein postum verliehener Grammy (Lifetime Achievement Award), sondern auch zahlreiche Biographien und Verfilmungen ihres Lebens.

Gedenken wir ihrer zu ihrem 100. Geburtstag am 10. Juni 2022 mit Respekt und all der Freude, die ihre Filme und Lieder uns nach wie vor bereiten.

Elton John – der Pinball Wizard und Rocketman wird 75

Einen einfachen Start ins Leben hatte Reginald Kenneth Dwight wohl nicht, als er am 25. März 1947 in England geboren wurde. Seinem Vater, einem Soldaten bei der Royal Air Force, war er gleichgültig. Dieser war weder physisch noch emotional für den Jungen da – was sich eindrucksvoll anhand der Widder-Sonne in Opposition zu Neptun zeigt. Gleichwohl suchte der kleine Reginald aber die Zuneigung des Vaters, der sich entweder entzog oder dem Sohn gegenüber sehr kritisch und strafend verhielt, was diesen einschüchterte. Als Reggie 12 Jahre alt war, liessen sich die Eltern scheiden.

Aus anderem Holz war die Mutter geschnitzt: sie verhätschelte und verzärtelte ihren Sohn, hatte aber auch nicht allzuviel Zeit für ihn, sodass Reginald meist von der Großmutter betreut wurde. Stier-Mond und Widder-Sonne zeigen den Gegensatz zwischen den Eltern ebenso wie Venus und Mars, die Herrscher der Elternachse, die in keinem Aspekt zueinander stehen, also nichts miteinander zu tun haben.

Schon früh machte sich Reginalds aussergewöhnliches musikalisches Talent bemerkbar. Mutter und Großmutter ermunterten ihn zum Klavierspielen, und er war imstande, jede Melodie, die er gehört hatte, sofort nachzuspielen. Nach einigen Jahren Klavierunterricht gewann er mit elf Jahren ein Nachwuchsstipendium an der Londoner Royal Academy of Music, wo er von 1958 bis 1964 Unterricht in klassischer Musik erhielt. Durch einen Nebenjob als Klavierspieler in einem Pub namens The Northwood Hills, wo er jeden Sonntagnachmittag auftreten durfte, lernte Reginald, der sich ein Repertoire an populären Liedern erarbeitet hatte, wie man ein Publikum unterhält.

Woran erkennen wir ein musikalisches Talent? Da ist zunächst der Stier-Mond, der das Bedürfnis zeigt, sich u.a. auch musikalisch auszudrücken. Aber vor allem auch Venus im 2. Haus als Herrscherin des 10. Hauses, des Berufshauses, die in Wassermann eine ungewöhnliche kreative Begabung anzeigt. Durch die Liebe zur Musik als Berufung kann er sich als etwas Besonderes fühlen, was sein Selbstwertgefühl hebt. Später wird er ein finanziell freies und unabhängiges Leben führen können. Aber auch der Fische-Merkur steht natürlich für künstlerisches Talent.

1965 gründete er mit Studienkollegen die Band Bluesology und nannte sich fortan Elton John – den Namen hatte er aus den Vornamen des Saxophonisten und des Sängers der Band kombiniert und amtlich eintragen lassen. Mit diesem Namen wurde er weltberühmt. Er legte eine beispiellose Karriere hin und zählt heute zu den 5 Interpreten mit den weltweit meistverkauften Tonträgern. Songs wie Your Song, Rocket Man, Crocodile Rock, Candle in the Wind, Blue Eyes, Yellow Brick Road, Sorry Seems to be the Hardest Word, Daniel, Don’t Go Breaking My Heart, um nur einige zu nennen, sind seit Jahrzehnten Klassiker der Rock-Musik.

Die Begegnung mit dem Songtexter Bernie Taupin im Jahr 1967 wurde für Elton John lebensbestimmend, denn seit 1969 textete Taupin fast alle Lieder, die Elton komponierte. Die Musik war immer zuerst da, erst dann folgte der Text. Der erste gemeinsame Song, mit dem ihnen der Durchbruch, zunächst in England und den USA, in der Folge weltweit, gelang, war „Your Song“. Die bis heute meistverkaufte Single der Welt ist der Hit „Candle in the Wind“, ebenfalls aus der Feder von John/Taupin. Bei dieser künstlerischen Übereinstimmung verwundert es nicht, dass Taupins Sonne ganz nahe an Johns aufsteigendem Mondknoten steht: das drückt eine besondere Verbindung zwischen 2 Menschen aus. Umgekehrt steht aber auch Elton Johns Sonne auf Taupins aufsteigendem Mondknoten – besser geht es kaum, um eine lebenslange Verbundenheit aufzuzeigen. Da von Taupin leider keine Geburtszeit bekannt ist, ist es schwierig, noch weitere Verbindungen festzustellen, etwa zwischen seinem Mond und Johns Sonne (das Trigon bleibt Spekulation). Elton John dürfte in der Anfangszeit sogar in Taupin verliebt gewesen sein, doch wurden seine Gefühle von Bernie nicht erwidert. Als dieser sich verlobte, unternahm Elton John einen Selbstmordversuch, der glücklicherweise nicht erfolgreich war. Hier zeigt sich die tiefe Verletzlichkeit im Charakter des Musikers, im Horoskop ausgedrückt durch die Opposition zwischen Sonne und Neptun (schwacher Selbstwert, Verunsicherung) und das Quadrat zwischen Mond und Saturn. Wenn – wie bei Elton John – in der Kindheit grundlegende emotionale und physische Bedürfnisse nicht erfüllt werden, entsteht auf der Gefühlsebene leicht eine tiefe Unsicherheit und Frustration. Das Gefühl, innerlich einsam und nicht liebenswert zu sein, führt zu Depressionen. Die stark gestellte Widder-Sonne zeigt aber trotz der Verletzung durch Neptun einen starken Lebenswillen. Und der erhöht stehende Stier-Mond dürfte es ihm auch erleichtert haben, Anstrengungen zu unternehmen, um den inneren Konflikt schliesslich zu bewältigen. Die Musik hat ihm dabei sicherlich auch geholfen.

Ab den frühen 1970-er Jahren ging es mit Elton Johns Karriere steil bergauf. Dazu trugen nicht zuletzt Auftritte in den USA sowie seine Mitwirkung im Film „Tommy“ bei. Sein extravagantes Outfit, vor allem Brillen, Schuhe und Bühnenkostüme, machten ihn so unverwechselbar und lösten einen ungeheuren Hype bei seinen Fans aus. Mit Uranus am Deszendenten will er auffallen, und es macht ihm nichts aus, gegen den Strom „bürgerlicher“ Moral zu schwimmen, daher war es auch kein Problem für ihn, sich schon sehr früh zu seiner Bisexualität zu bekennen.

Dennoch ist er mit dem Stier-Mond im 4. Haus ja auch ein Familienmensch – zumindest besteht ein starkes Bedürfnis nach einer funktionierenden Familie. Als er am 14. Februar 1984 die deutsche Tontechnikerin Renate Blauel heiratete, bildete der Transit-Pluto eine Opposition zum Radix-Mond, und Transit-Uranus schickte sich an, den Radix-Aszendenten zu überqueren. Die Leidenschaft zu dieser Frau sollte ein neues Leben ermöglichen. Transit-Neptun im Quadrat zur Radix-Sonne und im Trigon zum Radix-Mond dürfte ihm die Sache aber in einem zu wunderbaren Licht dargestellt haben. Jedenfalls wurde es nichts mit der erträumten Familiengründung, dem stand sein Drogen- und Alkoholmissbrauch im Wege. Vier Jahre später erfolgte die Scheidung, und ab da liess John wohl endgültig die Finger von Frauen. Die Krise dieser Zeit wird angezeigt durch die Quadrate der Langsamläufer Neptun und Pluto zu ihrer jeweiligen Geburtsstellung und auch als Midlife Crisis bezeichnet. Das ist die Zeit, wo es möglich ist, das Ruder herumzureissen und das Leben nochmals neu auszurichten.

Aufgrund des veränderten allgemeinen Musikgeschmacks der 1980-er Jahre hatte auch Elton Johns Karriere gelitten, was seine Paranoia und somit seinen Drogenkonsum noch steigerte, doch um seine Selbstachtung und Würde wiederzufinden, entschloss er sich Anfang der 1990-er zum Entzug in einer Klinik. Danach gelang ihm ein beachtliches Comeback mit Tribute-Auftritten für seinen an AIDS verstorbenen Freund Freddie Mercury sowie Auftritten mit Sängerkollegen wie George Michael. Bereits Mitte der 1980-er Jahre war Elton John bei einigen Konzerten zugunsten der AIDS-Hilfe aufgetreten und gründete in der Folge eine AIDS-Stiftung, um nach Heilungsmöglichkeit dieser heimtückischen Krankheit zu forschen, die so viele Musikerkollegen hinweggerafft hatte.

Jedenfalls nahm Johns Karriere in den 1990-er Jahren wieder Fahrt auf. Er absolvierte 1992 eine höchst erfolgreiche Welttournee und schrieb die Filmmusik zu dem Disney-Klassiker „König der Löwen“. Der Song „Can You Feel the Love Tonight“ wurde 1994 mit dem Oscar für den besten Filmsong ausgezeichnet.

Auch das Privatleben hatte sich stabilisiert. Seit 1993 lebt Elton John in einer Partnerschaft mit dem kanadischen Regisseur und Filmproduzenten David Furnish, mit dem er sich am 21. Dezember 2005, einen Tag, nachdem das in England möglich wurde, verpartnerte. In der Progression haben sich Mars und Venus mit dem Stier-Mond vereint – ein schönes Beispiel für eine innige Liebe. Inzwischen sind die beiden verheiratet und haben sogar 2 Söhne von einer Leihmutter. Die Familienidylle scheint perfekt.

Dass auch Freundschaften eine ganz wichtige Rolle im Leben von Elton John spielen, zeigt uns der Geburtsherrscher Jupiter im 11. Haus. Das Jahr 1997 war daher für ihn besonders tragisch, da er einige seiner besten Freunde verlor: Sein guter Freund, der italienische Modeschöpfer Gianni Versace, wurde am 15. Juli in Miami ermordet. Und nur wenige Wochen später fand Prinzessin Diana, ebenfalls eine gute Freundin, bei einem Autounfall in Paris den Tod. Bei ihrem Begräbnis wandelte er den ursprünglich für Marilyn Monroe geschriebenen Song „Candle in the Wind“ textmäßig ab und trug ihn vor. Die darauffolgenden exorbitanten Verkaufserlöse dieser Single gingen zum Grossteil an karitative Einrichtungen. Denn auch das ist ein Charakterzug von einem Jupiter im 11. Haus: Grosszügigkeit gegenüber Freunden und Organisationen. Die soziale Gesinnung zeigt sich auch durch den Fische-Merkur im 2. Haus, der das 7. und 9. Haus beherrscht.

Zwei sehr schwieriger Aspekte im Horoskop Elton Johns sind sogenannte „Gewaltpyramiden“, die aus einem Quadrat und 2 Anderthalbquadraten bestehen. Die eine geht hier vom Aszendenten aus, der je ein Anderthalb-Quadrat zu Mond und Saturn bildet, die wiederum durch ein Quadrat verbunden sind. Bei der zweiten Gewaltpyramide steht Saturn an der Spitze mit Anderthalbquadraten zu Mars und dem Aszendenten. In diesen Figuren wird die Spannung des Quadrats durch die Anderthalbquadrate noch verstärkt und zeigt massive innere Konflikte an, symbolisiert durch die Apex-Planeten Mars (Antriebsstärke, Durchsetzungskraft) und Saturn (Hemmung, Mangel, aber auch Leistungsdenken, Ehrgeiz). Die problematische Verbindung der Planeten Mond, Mars und Saturn untereinander sowie zum Aszendenten zeigen seelische Spannungen, unterdrückte Gefühle und Willensäusserungen, die sich auf die persönliche Gemütslage auswirken. Die Aufgabe besteht hier in der Überwindung der Hemmnisse und dem Erlangen von seelischer Stabilität, wodurch sich dann auch eine kraftvolle künstlerische, Selbstdarstellung entwickeln kann (Mars in Fische in 3). Offenbar ist es Elton John gelungen, sich die schicksalhaften Situationen und Krisen aus der Kindheit bewusst zu machen und mit Hilfe von Therapien zu überwinden.

Das war nicht immer leicht, denn schwierige Neptun-Konstellationen verleiten ja auch immer dazu, sich in Süchte zu stürzen, um den eigenen Problemen zu entgehen. Daher hat der Musiker nach den fulminanten Erfolgen seiner Anfangszeit Drogen und Alkohol exzessiv missbraucht, worauf auch der sensible Fische-Merkur als Herr von 6 (Haus der Gesundheit) im Quincunx zu Neptun hinweist. Auch wenn es ihm gelungen ist, diese Süchte zu überwinden, hat er sich doch gesundheitliche Langzeitschäden dadurch eingehandelt. So musste er sich 1987 einer Kehlkopfoperation unterziehen und erhielt 1999 einen Herzschrittmacher. Und in Kaufräusche kann er sich immer noch versetzen – der Stier-Mond im 4. Haus sammelt gerne Wertgegenstände für das Zuhause, das im Fall Elton Johns mit erlesenem Mobiliar ausgestattet ist.

Im Sommer 2019 kam eine Filmbiographie Elton Johns unter dem Titel „Rocketman“ weltweit in die Kinos, an deren Gestaltung Elton John und David Furnish als Berater und Geschäftspartner beteiligt waren. Für den Filmsong (I’m Gonna) Love Me Again gewann Elton John bei der Oscarverleihung 2020 seinen zweiten Oscar (erstmals zusammen mit Taupin) für den besten Song.

2018 hatte Elton John bekannt gegeben, dass er sich nach einer mehrjährigen Welttournee von der Bühne verabschieden werde. Ob die Pandemie diese Pläne durchkreuzt hat, ist mir nicht bekannt. Als Musik-Rentner müssen wir Elton John dennoch nicht sehen, denn der Rückzug von der Bühne bedeutet ja nicht die völlige Absenz vom Musik-Business. So sieht er sich beispielsweise als Freund und Mentor des jungen britischen Popstars Ed Sheeran.

1998 wurde Elton John von Queen Elizabeth II. in den britschen Adelsstand erhoben und darf sich seither „Sir Elton John“ nennen. 2019 wurde er von Präsident Macron zum Ritter der französischen Ehrenlegion ernannt. Der kleine Reggie hat sich also zum Superstar entwickelt. Ob sein Vater stolz auf ihn wäre? Seine zahlreiche Fangemeinde erfreut sich jedenfalls an seinen vielen wunderbaren Songs. In diesem Sinn wünschen wir Sir Elton John alles Gute zum 75. Geburtstag und weiterhin viel Schaffenskraft und ein erfülltes Leben.

Plácido Domingo – zum 80. Geburtstag

Der weltberühmte Tenor und Bariton, Dirigent und Operndirektor Plácido Domingo feiert am 21. Januar 2021 seinen 80. Geburtstag. Der Sohn zweier spanischer Zarzuela-Sänger wurde am 21. Januar 1941 in Madrid geboren, zog jedoch im Alter von 9 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern nach Mexico und wuchs in der Folge dort auf.

Bereits im Alter von 18 Jahren debütierte er in einer kleinen Rolle in „Rigoletto“ in Mexico City; in seiner ersten Hauptrolle (Alfredo in „La Traviata“) trat er am 19. Mai 1961 in Monterrey, Mexico, auf. Seine internationale Karriere begann 1966 mit einem Auftritt an der New York City Opera in Alberto Ginasteras „Don Rodrigo“. Seither hat er eine beispiellose Karriere an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt gemacht, zunächst als vielseitiger Tenor, der insgesamt bereits 134 verschiedene Rollen gesungen hat, in dessen Mittelpunkt vor allem das italienische (Verdi, Puccini, Leoncavallo, Giordano) und das französische (Bizet, Massenet) Fach standen. In späterer Zeit hat er sich auch einigen Wagner-Partien zugewandt und sich speziell als Lohengrin, Siegmund und Parsifal profiliert.

Anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien trat er erstmals mit seinen Kollegen Luciano Pavarotti und José Carreras in Rom auf. Der grosse Erfolg dieses Auftritts veranlasste das Trio, als „die drei Tenöre“ weltweit in verschiedenen Arenen aufzutreten.

Nach dem durch den Tod von Luciano Pavarotti verursachten Ende der „Drei Tenöre“ wandte sich Domingo immer öfter dem Dirigieren an verschiedenen Opernhäusern zu und übernahm auch die Leitung der Opernhäuser von Washington und Los Angeles. Ausserdem begann er, wie schon in seiner Anfangszeit, immer öfter Bariton-Rollen zu singen (z.B. Rigoletto, Graf Luna in „Trovatore“, Simone Boccanegra, etc.)

1996 gründete Domingo „Operalia“, einen Wettbewerb für junge OpernsängerInnen, der jährlich in verschiedenen Städten weltweit durchgeführt wird.

Plácido Domingo ist außerdem für seine vielfältigen Wohltätigkeitsveranstaltungen und -aktionen bekannt. So gründete er nach dem großen Erdbeben in Mexiko-Stadt, bei dem er auch eigene Familienangehörige verlor, ein Kinderdorf für die Waisen des Erdbebens. Ein Jahr lang sagte er beinahe alle Verpflichtungen an den großen Opernbühnen ab und gab nur noch Benefizkonzerte, deren Erlös den Waisen und anderen Hilfsprojekten in Mexiko zugutekam. Immer wieder unterstützt er Hilfsprojekte in aller Welt, speziell solche, die sich benachteiligter Gruppen annehmen (Kinder, Behinderte usw.). Er hat zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen für sein Wirken erhalten.

Was können wir im Horoskop von Plácido Domingo an Talent und Erfolg erkennen?

Mit einer Wassermann-Sonne in enger Verbindung mit Merkur braucht dieser Mensch viel Abwechslung und Spontaneität, Unabhängigkeit, Selbständigkeit und Freiheit. Auf das Haus, in dem die Sonne steht, wird der Fokus im Leben gerichtet. Im Fall von Plácido Domingo ist das das 6. Haus, er wird seine Energie also vor allem in der Arbeit einsetzen, die Arbeit bestimmt sein Leben, in diesem Bereich will er glänzen und strahlen. Zwar ist im 6. Haus kein selbständiges Arbeitsverhältnis zu finden, doch eine Wassermann-Sonne braucht Abwechslung und Freiheit bei der Arbeit. Beides findet ein Sänger, der nicht an ein Opernhaus gebunden ist, sondern von vielen verschiedenen Häusern pro Auftritt verpflichtet wird, im Lauf seiner Karriere. Obwohl er in einer Aufführung natürlich im Team arbeitet, sind freie Arbeitsbedingungen sehr wichtig, umso mehr, da die Sonne in enger Konjunktion mit Merkur steht. Interessanterweise bedeutet eine Verbindung von Sonne und Merkur im 6. Haus unter anderem auch die Arbeit an einem Theater.

Das Theater, die Bühne leitet uns weiter zum Aszendenten von Plácido Domingo: es ist der Löwe. Ein Mensch mit einem Löwe-Aszendenten braucht geradezu die Bühne, dort will er glänzen, dort will er Aufmerksamkeit und Bewunderung bekommen. Er strahlt Würde und einen natürlichen Stolz aus, steht wie selbstverständlich im Mittelpunkt, wirkt aber dank seiner Wassermann-Sonne, die ja auch Geburtsherrscherin ist, trotzdem nie überheblich. Nichtsdestotrotz ist das Dramatische seine Welt, dort strebt er auch eine Führungsposition an – als Leiter von 2 Opernhäusern und Dirigent, dem Dutzende Musiker unterstehen, hat er das perfekt umgesetzt.

Wo sehen wir den Sänger im Horoskop? Ich würde sagen, ein eindeutiges Indiz ist das Medium Coeli (MC) in Stier, das Musikalität ausdrückt, sowie seine Herrscherin Venus, die in Steinbock und im 5. Haus der Kreativität steht und ihrerseits wiederum ein Trigon zum MC bildet. Ohne Verbindung der Schlüsselplaneten zu den Achsen MC oder AC kann es kaum Berühmtheit geben. Diese sogenannten Achsen sind bei Domingo aber mehrfach betont. So verschafft Saturn am MC Domingo die nötige Disziplin, die ein Sänger von seinen Qualitäten auch braucht, um erfolgreich zu sein, denn Talent allein wäre hier zu wenig. Und andererseits bringt ein Skorpion-Mond im Quadrat zum Aszendent die Leidenschaft zum Ausdruck, die auf der Opernbühne gefordert wird. Mit einem Skorpion-Mond geht es immer um die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen, deren Tiefe ausgelotet werden soll, es ist eine starke emotionale Energie vorhanden, die mit einer gewissen Hartnäckigkeit die eigene Realität schafft. Als starke kreative Kraft kommt sie jedoch dem künstlerischen Ausdruck zugute und kann von einem charismatischen Sänger-Schauspieler wie Plácido Domingo wunderbar auf die Bühne gebracht werden.

Merkur in Wassermann unterstützt mit seiner raschen Auffassungsgabe breitgefächerte Interessen und treibt Domingo dazu, sich immer wieder mit neuen Rollen zu beschäftigen. Er gilt ja als einer der vielseitigsten Tenöre, der nicht nur 134 verschiedene Rollen im italienischen und französischen Fach gesungen, sondern sich auch schon an diverse Wagner-Partien gewagt hat, die er mit ähnlicher Intensität erfüllt hat wie seine berühmtesten Verdi-Figuren.

Ein weiterer Aspekt seiner Ruhelosigkeit (in einem Interview hat er gesagt: „Wenn ich raste, dann roste ich“) ist die Opposition zwischen Mond und Uranus, die Domingo zu ständig neuen Herausforderungen treibt und für emotionale Anspannung sorgt. Beide Planeten bilden ein Quadrat zum Aszendent, also zum persönlichsten Punkt im Horoskop. Ohne Abwechslung und neue Impulse kann er kaum leben. Ob an den Vorwürfen der sexuellen Belästigung, die in den letzten Jahren zu hören waren, etwas dran ist, lässt sich anhand des Horoskops nicht sagen. Dass mit einer Mond-Uranus-Opposition eine Vorliebe für aussergewöhnliche Frauen sowie ein Hang zur Provokation besteht, dagegen schon. Immerhin dürften die – kaum bewiesenen – Vorwürfe seinem Image und schon gar seinem Künstlertum nicht geschadet haben.

Wir wünschen Plácido Domingo zu seinem 80. Geburtstag alles Gute, ein noch langes Leben in guter Gesundheit und Agilität sowie weiteren künstlerischen Höhepunkten.

Joan Baez – zum 80. Geburtstag

Die Folk- und Protestsängerin Joan Baez feiert am 9. Jänner 2021 ihren 80. Geburtstag. Geboren wurde sie 1941 in New York als 2. Tochter einer schottischen Mutter und eines mexikanisch-stämmigen Vaters, der als Physiker tätig war. Mit 15 Jahren erhielt sie eine Gitarre geschenkt, doch schon zuvor hatte sie sich selbst das Ukulele-Spielen beigebracht. Für Joan war es immer klar, dass sie Musikerin werden wollte.

Nach Beendigung der Highschool trat sie in verschiedenen Folk-Clubs auf. Zur lokalen Berühmtheit wurde sie1959 nach einem Auftritt beim renommierten Newport Folk Festival. In den Anfangsjahren ihrer Karriere litt Joan Baez eigenen Angaben zufolge an schweren Lampenfieber-Attacken, zeitweise verstärkt durch Agoraphobie. Manchmal habe sie vor lauter Angst einen Konzertauftritt unterbrechen müssen, habe sich im Waschraum mit Wasser erfrischt, ein wenig geweint und sei dann wieder auf die Bühne gegangen. Niemand habe etwas bemerkt oder bemerken wollen. Manchmal sei die Angst vor einem Konzert so groß geworden, dass sie noch nicht einmal das elterliche Haus habe verlassen können. Nur ihre Schwester Mimi, die sie zu den Konzerten begleitete, habe davon gewusst und sie bei der Bewältigung dieses Problems, das sie lange begleitete, unterstützt.

1961 lernte sie bei einer USA-Tournee den damals noch weitgehend unbekannten Bob Dylan kennen, den sie ihrem Publikum vorstellte. Sie begann auch, seine Songs zu interpretieren. Wenig überraschend, wurde aus den beiden auch privat ein Paar. Ihre Virtuosität auf der Gitarre und ihre eindringlich-lyrische Stimme machten sie bekannt, sodass sie in den 1960-er Jahren an der Spitze der Folksong-Bewegung stand. Während einer Tournee 1962 durch die Südstaaten der USA entschloss sie sich, nur noch an Orten aufzutreten, an denen es keine Rassenschranken gab, das waren damals vor allem die schwarzen Universitäten. Daher wurde sie rückblickend als „Stimme und Gewissen ihrer Generation“ bezeichnet.

1966 ging die Beziehung zu Dylan in die Brüche, unter anderem, weil sie seinen Drogenkonsum nicht teilen wollte – die beiden blieben allerdings befreundet. 1968 heiratete sie den Kriegsdienstverweigerer David Harris, von dem sie 1969 den Sohn Gabriel Earl bekam. Harris beeinflusste sie in Richtung Country-Music, wurde allerdings als Vietnamkriegsgegner verhaftet und inhaftiert. Im August 1969 trat Joan Baez schwanger auf dem Woodstock-Festival auf und nutzte dieses große Forum, um die Missstände in der Welt anzuprangern, unter anderem zeigte sie auf, wie mit Pazifisten in den USA umgegangen wurde. Die Ehe wurde 1973 dennoch geschieden.

Anfang der 1970er Jahre wirkte Joan Baez an den Soundtracks von zwei international erfolgreichen Kinoproduktionen mit. So sang sie 1971 zur Musik Ennio Morricones die Lieder zum italienisch-französischen Justizdrama Sacco e Vanzetti von Regisseur Giuliano Montaldo, die als eine Art Hymne für die Opfer politischer Justiz weltbekannt wurden. 1972 sang sie die Songs im von Douglas Trumbull gedrehten ökologisch ambitionierten US-amerikanischen Science-Fiction-Film Silent Running (deutscher Titel: Lautlos im Weltraum). Beide Produktionen festigten ihren Ruf als Protestsängerin.

Seit 1991 spielt Joan Baez bei Musikaufnahmen – anders als bei Live-Tourneen – nur noch selten ein Instrument, sondern konzentriert sich vor allem auf ihren Gesang. Im selben Jahr unterzog sie sich einer Psychotherapie.

2018 und 2019 war sie auf ausgiebigen Farewell-Tourneen durch Europa und die USA unterwegs.

Neben ihrer Musik engagierte sich Joan Baez früh politisch und setzte sich für Minderheiten auf der ganzen Welt, für Pazifismus und gegen Rassentrennung in ihrer Heimat ein, was ihr den Ruf einbrachte, Kommunistin zu sein. Als Kind hatte sie ihrer dunkleren Hautfarbe wegen selbst unter Diskriminierungen gelitten. Durch den Friedensaktivisten Ira Sandperl fand sie zur Gewaltlosigkeit, die sie konsequent praktizierte, auch gegenüber politischen Gegnern und, zum Beispiel bei Demonstrationen, gegenüber der Polizei. Sie war eine deklarierte Gegnerin des Vietnam-Kriegs und nahm an zahlreichen Demonstrationen und Protestaktionen dagegen teil. Das brachte ihr sogar eine mehrwöchige Gefängnisstrafe ein. Nach Beendigung des Vietnam-Krieges engagierte sie sich weiterhin in Südostasien und brachte zum Beispiel Lebensmittel und Medikamente nach Kambodscha. Sie sang aber auch gegen Miliärdiktaturen in Spanien und Südamerika an und gründete 1979 die Menschenrechtsorganisation „Humanitas International Human Rights Committee“, die sie bis 1992 auch leitete. Außerdem ist sie bis heute Sponsorin des Zentralkomitees für Kriegsdienstverweigerer in den USA.

Nach der Scheidung von Harris hatte Joan Baez kurze und wechselnde Beziehungen mit verschiedenen Partnern, so auch mit dem 2011 verstorbenen Steve Jobs, lebt aber seither als Single, gemeinsam mit ihrem Sohn Gabriel nebst Schwiegertochter und Enkelin in Woodside, Kalifornien. Auch ihre Mutter lebte bis zu ihrem Tod im Jahre 2013, kurz nach ihrem 100. Geburtstag, bei Baez. Auf ihrem Grundstück hat Joan Baez ein Baumhaus, in dem sie einen großen Teil ihrer freien Zeit verbringt,
meditiert und schreibt.

Wie lässt sich diese Biographie mit dem Horoskop der Sängerin in Verbindung bringen?

Folgen wir der Dispositorenkette, finden wir als Wurzel eine Venus-Jupiter-Rezeption, mit einer Schütze-Venus im 9. und einem Stier-Jupiter im 1. Haus. Daraus erkennen wir schon eine idealistische Weltanschauung, die Weltoffenheit und Toleranz auf ihre Fahnen heftet, und dabei authentisch und vertrauenerweckend ist. Sie hat starke moralisch-ethische Überzeugungen, die sie zu ihren persönlichen Anliegen macht und nach aussen vertritt, da diese auch für den persönlichen Ausdruck und ihre Selbstverwirklichung sehr wichtig sind.

Joan Baez wurde mit einem Widder-Aszendent geboren, mit einem starken Willen und Durchsetzungsdrang, mit Entschlossenheit, Mut und Kampfgeist. Sie scheut keine Konfrontationen, schert sich wenig um Äusserlichkeiten, sondern stürmt mit Impulsivität, Ungestüm und einer gewissen Egozentrik vorwärts und legt dabei auch oft ein pionierhaftes Verhalten an den Tag. Der Geburtsherr Mars steht im Feuer-Zeichen Schütze im 8. Haus: Ihr Handeln ist von Begeisterung und idealistischen Zielen geprägt, so kann sie auch andere motivieren und mitreissen. Begeisterung ist für sie die stärkste Motivation zum Handeln, und sie bezieht ihre Lebensfreude oft aus der Eroberung neuer Horizonte – im konkreten oder im übertragenen Sinn. Mit Mars im 8. Haus wird sie aber auch immer in etwas hineingezogen, ohne sich abgrenzen zu können, sie muss sich konfrontieren und auseinandersetzen, hat insgesamt kein ruhiges Leben. Diese ständige Auseinandersetzung ist jedoch auch ihr ganz persönlicher Lebensmotor.

Ausserdem ist das Erd-Zeichen Stier zur Gänze im 1. Haus eingeschlossen und wirkt ebenfalls auf ihren Charakter ein. Es verleiht ihr die Fähigkeit zu Sinnlichkeit, Genuss und Gestaltungsfreude, macht sie ausgesprochen musikalisch und auch loyal. Über die Venus als Mitregentin des 1. Hauses habe ich weiter oben schon gesprochen – ihre Rolle verstärkt sich natürlich dadurch noch, macht ihr Engagement für Frieden und Toleranz zu einem ganz persönlichen. Dass sie bei ihrem Einsatz verantwortungsvoll umgeht, dafür sorgt Saturn im 1. Haus, in enger Konjunktion mit dem eventuell zu Übertreibungen neigenden Jupiter.

Auch die Sonnenstellung ist in diesem Horoskop wichtig. Sie befindet sich in Steinbock in enger Konjunktion mit Merkur im 10. Haus und beherrscht das 5. Haus, das für Kreativität und Selbstverwirklichung steht. Damit fällt es Joan Baez leicht, ihr Hobby zum Beruf zu machen, sie ist aber schüchtern und hat Lampenfieber, wenn sie ihre Kreativität öffentlich zum Ausdruck bringt und im Rampenlicht steht (die Steinbock-Sonne hat einen starken Perfektionsdrang, fühlt sich nie gut genug, daher das Lampenfieber). Mit einer derart elevierten Sonne nahe am MC wird sie jedoch als Sängerin in der Öffentlichkeit gut wahrgenommen, und sie selbst hat die Aufgabe, die eigene Identität und Ich-Wahrnehmung zu stärken und sich selbst beruflich zu verwirklichen – was sie ja auch gemacht hat. Mit einer Steinbock-Sonne ist die Sängerin auch enorm ehrgeizig, sie arbeitet sich durch Konsequenz und Ausdauer nach oben, will sich durch Leistung einen Status schaffen und ordnet alles diesem Ziel unter.

Nun kommt aber Uranus ins Spiel, der zu dieser Sonne ein Trigon bildet und die „strenge“ Steinbock-Sonne doch auflockert und sie dazu bringt, ihr Leben individualistisch und nach eigenen Ideen zu gestalten. Sie muss ihren ganz persönlichen und besonderen Weg gehen und braucht viel Freiraum. Als Frau wird sie sich von einem Mann kaum jemals vereinnahmen lassen oder sich unterordnen. Durch Uranus, den Planet der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, ist es ihr ein persönliches Anliegen, andere Menschen als gleichwertige und gleichberechtigte Wesen anzusehen. In beruflichen Belangen ist sie aufgeschlossen für Neuerungen und Verbesserungen, auch im Arbeitsalltag (Merkur als Herr von 6 im Trigon zu Uranus). Allerdings ist Uranus rückläufig, das macht sie in gewisser Weise zu einer rebellischen Unruhestifterin, die ungeduldig, unberechenbar und wenig bereit ist, sich in ein überkommenes System ein- oder gar unterzuordnen.

Der Mond befindet sich im Luft-Zeichen Zwillinge im 2. Haus, er kommt von Uranus, der ihn mit neuen Impulsen versieht, läuft aber auf Pluto zu. Auch das könnte ein Grund für ihr anfängliches Lampenfieber sein, denn sie steht permanent unter Druck und fühlt sich nie gut genug. Typisch ist hier eine starke Gefühlskraft sowie vorstellungsbezogene Emotionen. Unbewussste oder verdrängte Inhalte können das emotionale Wohlbefinden beeinträchtigen und dadurch eine starke Unruhe hervorrufen. Da aber Mond und Pluto ein Sextil zueinander bilden, konnte sie diese Anspannung im Rahmen einer Psychotherapie erfolgreich überwinden.

Der Zwillinge-Mond drückt Gefühle und Empfindungen gern mit Worten aus, der Steinbock-Merkur legt Wert auf Ernsthaftigkeit und Gewissenhaftigkeit, beides gute Voraussetzungen für ihre oft bewegenden und berührenden Liedertexte zu ernsten Themen.

Beziehungen zu Menschen, die ebenso offen und tolerant sind wie sie und die ihr neue Horizonte erschließen, sind und waren ihr stets sehr wichtig, wie die Venus in Schütze im 9. Haus andeutet. In punkto Beziehungen war Joan Baez jedoch keine Beständigkeit beschieden. Da waren vermutlich ihre Ansprüche an Freiheit und Ungebundenheit sowie ihr politisches Engagement wichtiger (Venus ist ja die 2. Geburtsherrin). Die Sehnsucht nach Liebe war zweifellos vorhanden, wie das Quadrat zwischen Venus und Neptun ausdrückt, aber vermutlich hat sie sich oft in Illusionen verloren, oder die Angst vor engen Bindungen war stärker. Dabei wirkt sie ja trotz des Widder-Aszendenten nach aussen hin liebenswürdig, heiter und stets um Fairness bemüht. Den Mars bringt sie wohl dann zum Einsatz, wenn sie mit Freundlichkeit allein nicht weiterkommt, da kann sie sich im Kampf für Frieden schon auch unerbittlich und kompromisslos zeigen (Mars Trigon Pluto).

Das soziale Engagement der Sängerin zeigt sich aber auch durch Neptun, den Herrscher des 12. Hauses, der im 6. Haus positioniert ist, und auf die Wichtigkeit von Kreativität, künstlerischen Ausdruck und Spiritualität in der Arbeit und im Alltag verweist.

Zum 80. Geburtstag wünschen wir der Sängerin alles Gute und hoffentlich noch viele Jahre in Gesundheit und Wohlbefinden.

Melina Mercouri – zum 100. Geburtstag

Die griechische Schauspielerin und Politikerin Melina Mercouri wurde am 18. Oktober 1920 in eine Politikerfamilie geboren; ihr Großvater war 30 Jahre lang Bürgermeister von Athen, der Vater Abgeordneter im griechischen Parlament und kurze Zeit Innenminister.

Schon früh verspürte sie den Wunsch, Schauspielerin zu werden, der allerdings von der Familie abgelehnt wurde. Nach anfänglichen Misserfolgen am Theater setzte sie sich schließlich im Film durch, besonders in der Zusammenarbeit mit ihrem späteren Ehemann Jules Dassin. Während der 7-jährigen Militärdiktatur in Griechenland 1967-1974 lebte Melina Mercouri mit ihrem Mann in Frankreich im Exil. Als die Künstlerin öffentlich gegen das Regime Stellung bezog, erkannten die Machthaber ihr die griechische Staatsbürgerschaft ab, ihr Pass wurde für ungültig erklärt, und Mercouri hatte große Schwierigkeiten, international zu reisen.

Nach dem Sturz der Militärjunta und der Wiedererrichtung der Demokratie in Griechenland am 24. Juli 1974 kehrte die Künstlerin in ihr Heimatland zurück. 1977 wurde sie erstmals als PASOK-Abgeordnete in das griechische Parlament gewählt und 1981 als Kulturministerin angelobt. Auf ihre Initiative geht die Einrichtung der jährlichen Kulturhauptstadt Europas zurück. Ihren letzten Film drehte sie 1978.

1989 wurde bei Melina Mercouri, die zeitlebens eine starke Raucherin war, Lungenkrebs diagnostiziert. Am 6. März 1994 starb sie nach einer Operation in New York.

Was sagt uns das Horoskop über ihre künstlerische und politische Karriere, über ihr Leben und Wirken?

Zunächst einmal fällt die starke Betonung des 4. Quadranten auf, in dem sich 5 Planeten befinden, darunter 4 persönliche. Damit muss sie sich in der Aussenwelt beweisen, das Leben ist vom Schicksal oder von scheinbaren “Zufällen” bestimmt, es gibt wenig Gestaltungsfreiheit. Viele Dinge in ihrem Leben fallen ihr zu, ohne dass sie selbst allzu viel dazu beigetragen hat. Das bedeutet aber auch den Auftrag, ihre Talente und Potenziale der Allgemeinheit und sich selbst der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, was sie auch gerne tut.

Bei einer Waage-Sonne gehören Beziehungen fast selbstverständlich zum Lebensweg, auch ein Skorpion-Aszendent braucht emotional fordernde und sexuelle Begegnungen. Melina Mercouri heiratete das erste Mal mit 19 Jahren einen um einiges älteren, wohlhabenden Geschäftsmann; die Ehe hielt nicht lange, ermöglichte ihr aber die Schauspielausbildung, die ihr von der Familie verwehrt wurde. Dass ihr diesbezüglicher Ehrgeiz groß war, sehen wir sowohl an der Opposition zwischen Jupiter im 3. Haus, dem Haus der Selbstdarstellung, wo sie sich auf keinen Fall einschränken lässt, und Pluto, andererseits an der Sonne als MC-Herrscherin, die im künstlerischen Waage-Zeichen im 12. Haus und im Sextil zu Neptun steht, was sie für die Filmlaufbahn geradezu prädestiniert. Die Sonne im 12. Haus erlebt ihre Selbstverwirklichung oft dadurch, dass sie hinter die Fassade schaut (wie für das Rollenstudium notwendig), aber auch dass sie eigene Bedürfnisse und Wünsche zum Wohle anderer Menschen oder eines grösseren Ganzen hintanstellt, so wie Mercouri das als Politikerin getan hat.

Neptun in der Nähe des MC tut ein übriges, drückt eine helfende oder künstlerische Tätigkeit aus, bietet anderen Menschen aber auch eine gute Projektionsfläche, die Hoffnungen auslöst. Problematisch bei diesem dreifachen Sonne/Neptun-Thema (Sonne in 12, Neptun in Löwe, Sonne Sextil Neptun) ist der Suchtcharakter, dem Melina Mercouri letzten Endes ihr Leben geopfert hat.

Der Aszendent der Schauspielerin steht im leidenschaftlichen und vorstellungsbezogenen Skorpion-Zeichen. Leidenschaftlichkeit ist etwas, was wir Melina Mercouri uneingeschränkt attestieren können; sie zeigte diese in zahllosen Filmrollen (etwa als Phaedra, als Prostituierte Ilya in „Sonntags nie“ oder als Geliebte eines Mörders in dem Film „Halbelf in einer Sommernacht“), wir erkennen diesen leidenschaftlichen Einsatz aber auch in ihrem politischen Engagement. Ein Mensch mit einem Skorpion-Aszendent will in der Tiefe seiner Seele berührt werden. Gefühlsintensität, Tiefgründigkeit, Auseinandersetzung mit Macht und Ohnmacht sind weitere Merkmale dieses Zeichens.

In Mercouris Radix steht jedoch nicht nur der Aszendent in Skorpion, sondern auch Mond und Merkur, allerdings noch im 12. Haus. Der erotischen Ausstrahlung und Faszination dieser Frau tut das keinen Abbruch, im Gegenteil: die faszinierende Ausstrahlung und Suggestivkraft, vielleicht auch die Leidensfähigkeit ist wohl zu spüren. Bei dieser starken Skorpion-Betonung geht um das totale Sich-Einlassen, und das geht nicht ohne Schmerzen ab. Als starke kreative Kraft kommt sie jedoch dem künstlerischen Ausdruck zugute.

Eine Frau mit dem Mond im 12. Haus spürt eine starke Verbundenheit mit anderen Menschen, von denen sie sich berühren und vereinnahmen lässt. Sie ist sehr hilfsbereit und sozial eingestellt, drückt ihre Gefühle aber auch künstlerisch aus und lebt oft in einer Traum- und Phantasiewelt (Film).

Die Konjunktion zwischen dem Mond und Merkur in Skorpion weist sowohl auf eine große Intelligenz wie auch auf eine sprachgewaltige Ausdrucksweise hin. Durch die Synthese zwischen Gefühl und Intellekt und ihre gefühlvolle Sprache kann sie sich gut und allgemein verständlich ausdrücken.

Wenn wir von einer Künstlerin sprechen, müssen wir uns auch die Venus anschauen, die ja auch noch die Sonnen-Herrscherin ist (Waage-Sonne). Venus steht in Schütze im 1. Haus, was ebenfalls ein Hinweis auf Kunstverständnis sowie auf eine heitere, warmherzige und gutaussehende Frau ist, die anderen Menschen ihre Zuneigung offen zu erkennen gibt. Sie geht direkt und spontan auf andere zu, kann sich schnell für jemanden begeistern und engagiert sich für ihre Mitmenschen, besonders wenn diese unterdrückt oder ungerecht behandelt werden. Die Venus als Herrscherin über das 7. Haus in Schütze steht auch für den Partner (Jules Dassin), der seine Frau unterstützte und förderte, wo er nur konnte. Die Beziehung mit Dassin dauerte beinahe 40 Jahre von 1955 bis zu ihrem Tod 1994.

Melina Mercouri selbst ist durch die griechische Militärjunta mehrfach unter Druck geraten, wie uns der Geburtsherr Pluto im 9. Haus verrät: aufgrund ihrer Weltanschauung und politischen Meinung wurde ihr die Staatsbürgerschaft aberkannt. Die Rezeption zwischen Mond und Pluto verleiht ihr jedoch eine immense Zähigkeit, um seelische Belastungen zu ertragen. Mit Saturn in Skorpion am Aszendenten übernimmt sie für ihr Wirken und die ihr übertragene politische Macht Verantwortung und bringt dank des dynamischen T-Quadrats zwischen Mars in Waage, der sich für künstlerische Belange und Gruppen einsetzt, sowie Pluto und Jupiter in ihrer Zeit als Politikerin einiges auf die Reihe, was nachhaltige Bedeutung erlangte. Doch auch ihre Filme zeigen vielfach starke Frauen, die selbstbewusst und kompromisslos ihren Weg gehen. „Ich bin als Griechin geboren“ – diesen Satz, den sie als Reaktion auf ihre Ausbürgerung in Richtung Militärdiktatur verlauten ließ, wählte sie als Titel ihrer Autobiographie.

Anlässlich ihres 100. Geburtstages wollen wir dieser tollen Schauspielerin und aussergewöhnlichen Frau gedenken.

Nikolaus Harnoncourt zum 90. Geburtstag

Der grossartige Musiker, Dirigent und langjähriger Leiter des von ihm gegründeten „Concentus Musicus“ wäre am 6. Dezember 2019 90 Jahre alt geworden.

Der Pionier der historischen Aufführungspraxis stammte väterlicherseits aus einem luxenburgisch-lothringischen Adelsgeschlecht, seine Mutter war eine Urenkelin von Erzherzog Johann. Da er an einem 6. Dezember, dem Nikolaustag, zur Welt kam, erhielt er den Vornamen Nikolaus. In Berlin wurde er geboren, weil sein Vater dort als Bauingenieur arbeitete, doch bereits 1931 übersiedelte die Familie nach Graz. Nach Nikolaus wurden noch 3 weitere Brüder geboren, die alle Musikunterricht erhielten und regelmäßig mit den Eltern zusammen Hausmusik praktizierten.

Nikolaus entschloss sich nach dem 2. Weltkrieg, Musiker zu werden, und zog 1948 zum Studium nach Wien, um professionellen Cello-Unterricht zu nehmen. Dort wurde er auf die „Alte Musik“ aufmerksam und lernte auch seine spätere Frau Alice kennen, die Geigerin war. 1952 wurde Harnoncourt als Cellist zu den Wiener Symphonikern verpflichtet, wo er bis 1969 im Orchester spielte.

1953, dem Jahr in dem Nikolaus und Alice heirateten, wurde ein Musikkreis gegründet, der zunächst nur aus Streichern bestand, sich in der Wohnung der Harnoncourts traf und sich zur Aufgabe setzte, Musik aus Barock und Vorbarock auf alten Instrumenten zu spielen, um „Musik als Klangrede“ umzusetzen. Dazu war es notwendig, die alten Spieltechniken zu erlernen, die im Stilwandel der Jahrhunderte verloren gegangen waren. Erst im Jahre 1957 traten die Musiker unter dem Namen „Concentus Musicus Wien“ erstmals öffentlich auf und erzielten wenig später mit den Brandenburgischen Konzerten von Johann Sebastian Bach auf Originalinstrumenten den internationalen Durchbruch.

Nachdem Harnoncourt lange Zeit die Orchesterwerke des Concentus immer vom Cello aus geleitet hatte, begann er in den 1970-er Jahren zu dirigieren und leitete auch andere, moderne Orchester – übrigens immer ohne Taktstock. Er erweiterte das Repertoire der Barockmusik und nahm mehr und mehr auch klassische, romantische und modernere Komponisten in sein Programm auf. Legendär wurde sein gemeinsam mit dem Regisseur Jean-Pierre Ponnelle im Opernhaus Zürich gestalteter Monteverdi-Zyklus, der ihn als Dirigent international bekannt machte, und dem in den 1980-er Jahren noch ein Mozart-Zyklus folgte.

Seit 1985 findet in Graz das Musikfestival „Styriarte“ statt, das bis heute eine wesentliche Aufführungsplattform des Concentus Musicus ist, der sich nach wie vor Harnoncourt verpflichtet fühlt.

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und sogar Anfeindungen seitens anderer renommierter Dirigenten erlangte Nikolaus Harnoncourt mit seinen Musikinterpretationen auf historischen Instrumenten Weltruhm und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Er dirigierte an verschiedenen Opernhäusern, bei den Salzburger Festspielen, den Berliner Philharmonikern und anderen Orchestern von Weltformat. Am 5. Dezember 2015, einen Tag vor seinem 86. Geburtstag, teilte er seinen Rückzug vom Dirigentenpult mit. Nikolaus Harnoncourt starb am 5. März 2016 in St. Georgen im Attergau.

Werfen wir nun einen Blick in das Horoskop dieses aussergewöhnlichen Musikers, der von seiner Arbeit nicht nur beseelt, sondern fast besessen war.

Als erstes fällt die übermäßige Betonung des Feuer-Elements auf: Löwe-Aszendent, Sonne, Merkur und Mars in Schütze sowie Uranus in Widder: Das ist ein Mensch, der für seine Berufung brennt, der mit begeisterungsfreudiger Initiative, mit Mut und Lebensfreude an seine Aufgabe herangeht und dabei auch einen Sinn für Dramatik
erkennen lässt.

Wir finden die meisten Planeten in der unteren Hemisphäre, vor allem im 2. Quadranten, dem Seelenquadranten, haben es also mit einem Menschen zu tun, der in sich selbst verankert ist und möchte, dass die anderen sich mit ihm auseinandersetzen.

Der Löwe-Aszendent verweist auf einen gewissen Geltungsdrang. Das Ich will großartig sein, strahlen, glänzen und im Mittelpunkt stehen, daher strebt es eine Chefposition an, setzt sich gerne in Szene und kann auch autoritär sein. Als Dirigent duldete Harnoncourt keine Schlampereien und liess so lange probieren, bis der von ihm gewünschte Klang und Rhythmus erzielt war.

Die Sonne, die über das Aszendenten-Zeichen herrscht, steht eingebunden in ein Stellium mit Mars und Merkur in Schütze im 4. Haus. Das zeigt, wie wichtig ihm die Familie und sein Zuhause war. Nicht nur arbeitete er ja mit seiner Frau Alice zusammen (Mond in 6: die Frau als Mitarbeiterin), und stellte seine Wohnung für Orchester-Proben zur Verfügung. Auch seine 4 Kinder wurden in die Arbeit eingebunden, die Eltern beschäftigten sich viel mit ihnen und widmeten ihnen tagebuchartige Aufzeichnungen über das gemeinsame Leben. Ein weltoffenes (Schütze) und zugleich harmonisches Zuhause gab dem Musiker Geborgenheit und Kraft (Sonne Konjunktion Mars), die vertraute Umgebung hatte einen hohen Stellenwert in seinem Leben.

Aber auch der Concentus Musicus war eine Art Familie für Harnoncourt. Manche Mitglieder begleiteten ihn jahrzehntelang auf seinem Weg und waren ihm bis zuletzt freundschaftlich verbunden.

Über das, was ihn seelisch und emotional bewegte (also vor allem die Musik) konnte sich Harnoncourt mit viel Begeisterung und Eloquenz äussern (Sonne als Herr von 1 in Schütze Konjunktion Merkur), er war aber auch zuweilen sehr direkt und impulsiv in seiner Ausdrucksweise (Sonne Konjunktion Mars), machte auch gerne spitze, treffende Bemerkungen.

Venus beherrscht das 10., das Berufshaus, und steht in Skorpion im 4. Haus. Wiederum haben wir hier eine Verbindung zwischen dem Beruf, der mit Musik zu tun hat (10. Haus Stier), und dem Privatleben. Einerseits prädestiniert ihn diese Venus-Stellung für eine anspruchsvolle berufliche Tätigkeit, die auch das Gefühl anspricht, andererseits weist sie auf eine leidenschaftliche Beziehung mit seiner Partnerin hin, die auch einen grossen Einfluss auf ihn hat. Soviel wir wissen, war die Beziehung zu seiner Frau Alice sehr glücklich, er schätze sie auch als Künstlerin und besprach sich in wichtigen beruflichen Fragen mit ihr. Da Venus auch über das 3. Haus herrscht, wird die Wichtigkeit der Kommunikation mit der Partnerin über Kunst noch einmal hervorgehoben. Beruf und Liebe bzw. Familie hängen für den Horoskopeigner zusammen, über die Beziehung kann ein wichtiger beruflicher Schritt gemacht werden und umgekehrt.

Auch der Mond steht für die Familie und zeigt uns durch seine Stellung in Wassermann und im 6. Haus, dass der Familienbegriff hier erweitert werden muss: für Harnoncourt waren all jene seine Familie, mit denen er intellektuelle, kulturelle und/oder humanistische Werte teilen konnte. Und mit denen er arbeitete (Mond in 6).

Diese Mondstellung verleiht ihm aber auch das Gefühl, etwas Besonderes zu sein und ein gewisses Sendungsbewusstsein zu haben. Harnoncourt hat sich in seiner künstlerischen Tätigkeit (Mond ist Herr von 12) auf etwas ganz Eigenes spezialisiert (die alte Musik), und darin wollte er auch nicht eingeschränkt werden (Mond in Wassermann), er brauchte emotionale Freiräume, um sich wohl zu fühlen, prüfte Gefühle durch vernunftbetontes Denken und konnte trotz aller Freundlichkeit innerlich distanziert bleiben. Dieser Gefühlszustand wirkte sich auch auf die Arbeit aus, daher brauchte er eine Arbeit, die dem eigenen Wesen entsprach, sowie eine familiäre Atmosphäre bei der Arbeit.

Dass diese Arbeit auch erfolgreich ist und in der Öffentlichkeit gut ankommt, zeigt uns wiederum das Trigon zwischen dem Mond und Jupiter im 10. Haus, der überdies in Opposition zur Sonne steht und zusätzlich Glück in der Selbstverwirklichung bedeutet. Harnoncourt hat bei seinen Mitarbeitern stets hohes Vertrauen genossen, sodass er seine Visionen im Beruf verwirklichen konnte (Jupiter in 10), allerdings mit Verzögerungen, da Jupiter rückläufig ist. Doch konnte er sich das Vertrauen und Ansehen der Öffentlichkeit erwerben. Jupiter herrscht über das 5. Haus (Kreativität): der Horoskopeigner kann seine Kreativität beruflich zum Ausdruck bringen, was gut ist für die Selbstbestätigung.

Interessanterweise steht Saturn im Haus der Kreativität – er bedeutet hier aber keineswegs Hemmung oder Einschränkung, sondern, dass Harnoncourt seinen kreativen Ideen eine Form verlieh, und dass er sich bemühte, perfekte Leistungen zu vollbringen. Dennoch dürfte er eine gewisse Scheu gehabt haben, sich zur Schau zu stellen, sondern fühlte sich erst dann bereit für den grossen Auftritt, wenn alles tadellos war. Auf Auftritte bereitete er sich seriös und strukturiert vor und wirkte entsprechend klar und fachkundig. Er war sehr gewissenhaft in Bezug auf das Leben, das nicht vertan werden durfte, fühlte sich in oberflächlicher Gesellschaft und mit Small Talk nicht wohl, legte aber durchaus Wert darauf, als künstlerische Autorität anerkannt zu werden.

Saturn steht auch für das Alte (alte Musik) und bedeutet im Quadrat zu Uranus das Aufbrechen alter Werte und das Neue und Ungewöhnliche, das das Spielen von alter Musik auf Originalinstrumenten mit sich brachte.

Bleiben noch die Mondknoten, die genau über die MC/IC-Achse verlaufen und eine besondere Begabung sowie Schicksalshaftigkeit der Verwirklichung anzeigen. Der nördliche Mondknoten in Stier und am MC bedeutet, dass Harnoncourt seiner ureigenen Bestimmung und Berufung zu folgen hat (Stier steht für Musik), und zeigt auch eine besondere Leistung an, die zur Berühmtheit führt.

Somit gedenken wir dieses aussergewöhnlichen Menschen und Musikers an seinem 90. Geburtstag mit Freude und Dankbarkeit für das, was er der Musikwelt geschenkt hat.

Meryl Streep zum 70. Geburtstag

Sie gilt als eine der weltweit besten Schauspielerinnen, unpretentiös, wahrhaftig und überzeugend in ihrem Spiel. Rekordverdächtige 21 Oscar-Nominierungen und drei Oscar-Gewinne sprechen eine deutliche Sprache: am 22. Juni 2019 feiert Meryl Streep ihren 70. Geburtstag.

Ich habe mir das Horoskop dieser grossartigen Künstlerin angesehen, kann es uns etwas über ihren Charakter, ihre Schauspielkunst, ihren Erfolg erzählen?

Meryl Streep wurde am 22. Juni 1949 um 8.05 EDT in Summit, New Jersey, geboren. Schon auf den ersten Blick finden wir mehrere ungewöhnliche Details in ihrem Horoskop. Da ist zunächst die Verteilung der Planeten: außer Jupiter finden sich alle Planeten in der linken, der östlichen, Hemisphäre. Das weist auf einen Menschen hin, dem seine eigenen Interessen überaus wichtig sind, und der seinen Weg unbeirrt verfolgt. Gleichzeitig sind alle persönlichen Planeten, also Sonne, Mond, Merkur, Venus und Mars, in der oberen, der südlichen, Hemisphäre, und sogar alle im 4. Quadranten. Diese Frau strebt mit aller Macht an die Öffentlichkeit, die sie braucht, um sich selbst erfahren und verwirklichen zu können. Sie kann gar nicht anders, als in die Welt hinauszugehen und – im übertragenen Sinn – zu sagen: „Seht her, hier bin ich!“

Dazu der Löwe-Aszendent, der sich gerne in den Mittelpunkt stellt, auf die Bühne drängt, um Aufmerksamkeit, Bewunderung und Anerkennung zu bekommen. Dieser Drang auf die Bühne oder ins Rampenlicht war bei Meryl Streep schon in jungen Jahren sichtbar: bei privaten Filmaufnahmen der Familie machte es ihr viel Spaß, vor der Kamera zu agieren. Zunächst versuchte sie sich allerdings als Sängerin – auf das Gesangstalent verweist der Mond als Herr von 12 im Zeichen Stier und im Sextil zur Venus: mit 12 Jahren nahm Meryl auf Drängen ihrer Mutter Gesangsstunden bei der bekannten amerikanischen Sängerin Beverly Sills, erkannte jedoch bald, dass sie sich mit den Opernfiguren nicht wirklich identifizieren konnte, und wechselte zum Theater. Im Vassar College, wo Meryl Streep ab 1967 studierte, wurde sie bald der Star der Dramaklasse. 1971 setzte sie ihre Schauspielausbildung in Yale fort, wo sie in mehr als 40 Rollen brillierte.

Ein weiteres interessantes Detail des Horoskops ist die Sonne, die Herrscherin des Löwe-Aszendenten. Diese steht auf 0° Krebs noch im 11. Haus, aber schon an der Spitze zum 12. Haus und in Konjunktion mit Uranus, der nur eine Bogenminute vor der Sonne steht. Planeten, die in enger Konjunktion mit der Sonne stehen, werden als „verbrannt“ bezeichnet, können sich nicht ihrem Wesen gemäß entfalten. Nicht jedoch, wenn die Konjunktion innerhalb weniger Bogenminuten stattfindet. Dann befindet sich der Planet „im Herzen der Sonne“, erhält eine besondere Strahlkraft.

Die Sonne, die ja für das Ich, die eigene Persönlichkeit, steht, und hier noch dazu Geburtsherrscherin ist, mit Uranus: da können wir tatsächlich von einer aussergewöhnlichen künstlerischen Begabung sprechen (die Stellung in Krebs Spitze 12) und von einer ungewöhnlichen Darstellerin. Meryl Streep hat ja nie den gängigen Schönheitsidealen entsprochen. Vom italienischen Produzenten Dino de Laurentiis wurde sie in jungen Jahren bei einem Vorsprechen rundweg abgelehnt, da sie ihm „zu hässlich“ war – man stelle sich das vor!

Diese enge Bindung an Uranus gibt der gefühlvollen, instinktsicheren, fürsorglichen Krebs-Sonne, die emotionale Nähe und Wärme braucht, eine sehr individualistische Note. Daher wird dieser Frau trotz aller familiären Bedürfnisse ihre Eigenständigkeit, persönliche Freiheit und Unabhängigkeit immer sehr wichtig sein. Die traditionelle Frauenrolle wird sie mit dieser Konstellation nie spielen, vielmehr ungewöhnliche kreative Fähigkeiten ausbilden und sich in der Filmwelt (Sonne an der Spitze des 12. Hauses) verwirklichen.

Meryl Streep hat noch eine eher seltene Konstellation aufzuweisen: eine Yod-Figur (auch Finger Gottes genannt). Jupiter in Wassermann im 6. Haus, aber nahe am Deszendenten bildet ein Quincunx (150°) zur Sonne-Uranus-Konjunktion einerseits und zu Saturn in Jungfrau andererseits. Das heisst zugleich, dass die Sonne im Sextil zu Saturn steht. Jupiter an der Spitze dieser Yod-Figur spielt eine zentrale Rolle, denn er verkörpert eine Aufgabe, der sich die Horoskopeignerin kaum entziehen kann. Jupiter in Wassermann steht für das Recht und die Freiheit, geistige Beziehungen und einen regen Austausch zu Menschen aller Kreise und Ethnien zu pflegen, und für die Überwindung aller Schranken und Klassenunterschiede zu kämpfen, selbst wenn das persönliche Nachteile mit sich bringt. Dabei ist mit der Sonne das ureigenste Wesen involviert, das mit Saturn seine ernste, verantwortliche und disziplinierte Seite einbringt.

Saturn als Herrscher des 6. Hauses zeigt, dass die Schauspielerin ihren Beruf sehr ernst nimmt und sich bei der Arbeit äusserst diszipliniert und pflichtbewusst verhält. Sie verwandelt sich aber nach Drehschluss sofort wieder in die freundliche, loyale und unterstützende Frau und Kollegin, die privat bei sich selbst bleibt und das Divenhafte anderen überlässt.

Nicht nur in ihren Filmen hat Meryl Streep immer wieder Rollen übernommen, die kämpferische, selbstbewusste, ungewöhnliche Charaktere (Sonne-Uranus) zeigen. Man denke nur an die Frauenrechtlerin Emmelline Pankhurst in „Suffragette“, die Schriftstellerin Karen Blixen in „Jenseits von Afrika“ oder die Chemietechnikerin Karen Silkwood, die im gleichnamigen Film gegen die laschen Sicherheitsbestimmungen in einer Plutonium-Aufbereitungsanlage kämpft. Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin hat sich Meryl Streep auch privat politisch engagiert und sich beispielsweise gegen Armut und Atomkraft, aber für Abrüstung sowie die Gleichberechtigung der Frauen in der Filmindustrie eingesetzt und so eine Möglichkeit gefunden, diese Yod-Figur zu leben.

Jupiter als Brennpunkt-Planet der Yod-Figur befindet sich im 6. Haus, dem „Arbeitshaus“ und zeigt den Erfolg an, der sich einstellt, wenn die Persönlichkeit mit viel Ausdauer und Verantwortungsbewusstsein (Sonne Sextil Saturn) ihre Aufgaben wahrnimmt. Ehrgeiz, Leistungsdrang sowie Disziplin und die Bereitschaft, wenn nötig, hart zu arbeiten, verhilft ihr im Beruf zur Verwirklichung ihrer Ziele und lässt sie zu einer Autorität und einem Vorbild auf ihrem Gebiet werden. Die geleistete Arbeit bringt Befriedigung, umso mehr, wenn der Erfolg sichtbar ist. Dennoch ruht sich Meryl Streep nie auf dem letzten Erfolg aus, sondern ist immer bemüht, alles zu geben. Sie hat die Fähigkeit, sich in eine Figur total einzuleben, deren Eigentümlichkeiten herauszustreichen, ohne zu desavouieren, sodass auch eine problematische Frauengestalt menschliche Züge erhält – siehe Margaret Thatcher in „Die eiserne Lady“. Wie sie selbst sagt, liebt sie es, in die Haut anderer Menschen zu schlüpfen und die Welt durch deren Augen wahrzunehmen, denn so kann sie ihrem Publikum auch an sich unverständliche Dinge erklären und nahebringen. Das zu erreichen, ist sicher ein Schlüssel ihrer Darstellungskunst, und dieser ist sowohl im Mond-Pluto-Quadrat als auch in der Sonne-Uranus-Konjunktion zu finden.

Mit diesen Konstellationen zeigt Meryl Streep sich weiblich und sensibel, mit starken Gefühlen und Leidenschaften, aber zugleich selbstbewusst und selbständig. Das zeigen u.a. ihre Rollen in „Kramer gegen Kramer“ und „Sophies Entscheidung“, für die sie Oscars erhielt.

Gefühle haben immer auch mit dem Mond zu tun. Dieser ist in Meryl Streeps Horoskop eleviert, also an höchster Position im 10. Haus stehend, und in Stier vom Zeichen her in Erhöhung. Zusätzlich befindet er sich im Sextil und in Rezeption mit Venus (Venus im Mondzeichen Krebs, der Mond im Venuszeichen Stier). Dadurch kann die Schauspielerin ihre Gefühle in einer künstlerischen Betätigung gut ausdrücken und wird von der Öffentlichkeit geschätzt und geliebt. Diese Mondstellung gibt uns auch den Hinweis, dass die Mutter im Leben von Meryl Streep eine wichtige, fördernde Rolle gespielt hat. Das wird von der Schauspielerin bestätigt, die ihre Mutter als sinnliche, warmherzige Frau erlebt hat (Stier-Mond), die Sicherheit und Natürlichkeit bot, sie aber auch zu Disziplin und Strebsamkeit anhielt (Mond in 10) und keine Nachlässigkeit duldete. Die starke Verbundenheit, fast eine gewisse Abhängigkeit, zur Mutter drückt sich auch in dem Quadrat aus, das der Mond zu Pluto bildet – einem an sich dunklen, leidenschaftlichen und verschlingenden Aspekt der Gefühlswelt.

Bei dieser Konstellation gibt es in zwischenmenschlichen Beziehungen sehr intensive Emotionen und Gefühle, nicht selten auch Erfahrungen mit Macht und Ohnmacht. Ein sehr schmerzhaftes Erlebnis hatte Meryl Streep als junge Schauspielerin, als ihr damaliger Lebenspartner John Cazale an Lungenkrebs starb. Sie hatte ihn in seinen letzten Wochen gepflegt, zog aber nach seinem Tod aus der gemeinsamen Wohnung aus und wohnte vorübergehend zur Untermiete bei einem Freund ihres Bruders, dem Bildhauer Don Gummer. Als dieser nach einem Motorradunfall unerwartet in seine Wohnung zurückkehrte, verliebten sich Meryl und er und heirateten ein halbes Jahr später. Aus dieser weithin skandalfreien Ehe gingen 4 Kinder hervor. Uranus, der Herr des 7. Hauses, steht ja für den Partner, und diesen trägt Meryls Sonne „im Herzen“, also ganz nahe in sich. Dennoch ist bei einem Wassermann-Deszendenten immer davon auszugehen, dass eine Beziehung beiden Partnern sehr viel Freiraum bieten muss, um zu bestehen.

Nicht vergessen dürfen wir auch Merkur, der in Zwillinge im 11. Haus und in Konjunktion mit Mars steht. Mars ist Herr von 10 und weist im Zeichen Zwillinge im Kontext mit Merkur auf Redegewandtheit und sprachliche Virtuosität hin. Tatsächlich ist Meryl Streep dafür bekannt, dass sie in ihren Rollen vielfältige Dialekte und Sprachen perfekt umsetzen kann, was den Figuren zusätzliche Glaubhaftigkeit verleiht. Unterstützend wirkt hierbei sicher auch das Trigon, das Neptun auf die Merkur-Mars-Konjunktion wirft und Feinfühligkeit sowie gestalterische Fähigkeiten schenkt. Neben ihrer instinktsicheren Gestaltungskunst ist Meryl Streep aber auch ein kritischer Geist und bringt Dinge auf den Punkt, wie sie es in öffentlichen Auftritten immer wieder unter Beweis stellt. Dass sie uns auch künftig noch in vielen Filmen erfreuen wird, ist dank der Merkur-Mars-Konjunktion fast sicher: denn ein ruhiges Leben ist wohl kein Ziel, das sie anstrebt.

In diesem Sinn wünschen wir Meryl Streep zum 70. Geburtstag alles Gute, Erfolg und Schaffenskraft und uns noch viele bereichernde Kino-Erlebnisse mit ihr.

Erika Pluhar – zum 80. Geburtstag

Sie ist eine der vielseitigsten Künstlerinnen unseres Landes. Die ehemalige renommierte Burgschauspielerin, die ihre kreative Ausdrucksmöglichkeit seit vielen Jahren auch auf die Musik und das Schreiben ausgedehnt hat, feiert am 28. Februar 2019 ihren 80. Geburtstag.

Erika Pluhar ist in Wien-Floridsdorf mit 2 Schwestern aufgewachsen, besuchte nach der Matura das Max Reinhardt-Seminar und wurde gleich nach der Abschlussprüfung an das Wiener Burgtheater engagiert, dessen Ensemblemitglied sie bis 1999 blieb. Während ihre Karriere als Schauspielerin in den 1960-er und 1970-er Jahren Fahrt aufnahm, und sie durch Fernseh- und Kinospielfilme auch einem internationalen Publikum bekannt wurde, verlief ihr Privatleben über weite Strecken problematisch und brachte ihr durch Verluste nahestehender Menschen auch tragische Momente und Verzweiflung. Zur Bewältigung dieser Tragödien trug das Schreiben bei, das sie zwar seit Kindertagen betrieben hatte, jedoch veröffentlichte sie erst ab 1981 eigene Werke – inzwischen Dutzende. In den 1970-er Jahren startete sie auch ihre gesangliche Karriere, ursprünglich vorangetrieben von ihrem 2. Ehemann André Heller, der für sie Texte schrieb und Lieder auswählte. Später trat sie nur noch mit eigenen Texten auf.

Theater, Musik, Literatur – diese Frau lebt in und mit der Kunst. Wie mag sich das in ihrem Horoskop ausdrücken?

Es ist ein durch und durch „künstlerisches“ Horoskop, mit einer Betonung des Elements Wasser, das ja für Gefühlsreichtum und Kreativität steht. Mit dem Aszendenten, mit Sonne, Jupiter und Merkur in Fische – nur der überpersönliche Pluto steht noch im Wasserzeichen Krebs – ist vor allem der künstlerische Bereich angesprochen, Phantasie, Hoffnungen, Illusionen, aber auch Verunsicherungen und Ängste, die oft verdrängt sind und ans Licht des Bewusstseins geholt werden sollten. Das Leben in einer Scheinwelt, im Theater oder Film, passt hier natürlich perfekt dazu, ebenso das Täuschen, Verstellen und Flüchten in Träume. Wie hätte Erika Pluhar das besser lösen können als im Beruf der Schauspielerin, wo sie die Rollenspiele perfektionieren konnte.

Der Fische-Aszendent macht besonders feinfühlig und sensibel, die Empfindungen sind stark ausgeprägt, ebenso die emotionale Verbundenheit mit anderen. Sie hat eine reiche Phantasie und agiert oft aus einem Bauchgefühl heraus. Persönliche Beziehungen und menschliche Werte bedeuten ihr sicherlich mehr als materieller Besitz oder theoretisches Wissen, sie kann sich aber auch in Gefühlen verlieren oder sich bis zur Selbstaufgabe anpassen.

Frauen mit einem Fische-Aszendent wirken oft auf andere Menschen faszinierend, weil sie geheimnisvoll, mysteriös, schillernd und schwer zu fassen sind, kaum ihr wahres Gesicht zeigen und dadurch die Phantasie anregen. Erika Pluhar war zwar schon als „jugendliche Liebhaberin“ (ihr Rollenfach am Burgtheater) eine in Wien bekannte und beliebte Darstellerin, richtig berühmt wurde sie jedoch durch ihre Verkörperung der Madame Forestier im Fernsehfilm „Bel Ami“ von Helmut Käutner (mit Helmut Griem in der Titelrolle, der während der Dreharbeiten ihr Liebhaber wurde). Diese Madame Forestier – eine sogenannte „Femme fatale“ wurde in den darauffolgenden Jahren zu Pluhars Synonym, auch wenn sie zahlreiche andere Film- und Theaterrollen spielte.

Wenn Sonne und Aszendent im selben Zeichen stehen und die Sonne ausserdem nahe am Aszendenten, legt sie aber doch auch einen gesunden Egoismus an den Tag, um zu überleben, das eigene Ego steht im Mittelpunkt des Interesses, auch wenn sie es immer wieder (im 12. Haus) versteckt und verdrängt.

Natürlich müssen wir uns auch den Geburtsherrscher ansehen, in diesem Fall also Neptun, den Herrscher des Fische-Zeichens. Dieser steht im Erd-Zeichen Jungfrau im 7. Haus in Rezeption und gleichzeitig Opposition zu Merkur in Fische am Aszendenten. Das ist eine sehr interessante Konstellation, denn beide Planeten stehen in ihrem Exil (Merkur herrscht über Jungfrau). Der Geburtsherrscher im 7. Haus drückt eine grosse Hingabefähigkeit und Opferbereitschaft für den Partner aus, er ist dazu mit den beiden „weiblichen“ Planeten Mond (im Quadrat) und Venus (im Trigon) verbunden. Erika Pluhar ist (oder war lange Zeit) bereit, alles für den jeweiligen Partner zu tun, sich ihm anzupassen und nützlich zu machen. Sie neigt dazu, schwache, kranke oder süchtige Partner anzuziehen (natürlich auch Künstler oder solche, die nicht wirklich für sie da sind), nimmt gerne die Helferrolle ein, ist also eine klassische Co-Abhängige – was sie aber inzwischen durchschaut haben dürfte. Ihr erster Ehemann Udo Proksch war ebenso Alkoholiker wie ihr späterer Lebensgefährte Peter Vogel, der zusätzlich an Depressionen litt und sich das Leben nahm. Von anderen Männern wurde sie betrogen oder verlassen. Ein an Enttäuschungen – aber auch ein an künstlerischen Höhenflügen und Rauscherlebnissen reiches Liebesleben also.

Als Fische-betonte Frau verfügt sie ohnehin nicht über eine übermäßige Abgrenzungsfähigkeit, und als junge Frau träumte sie – wie sie bekennt – vom „Märchenprinzen“ (Venus Trigon Neptun).

Was sich auf das Liebesleben problematisch auswirkt, hat aber einen positiven Effekt auf die Kreativität: die Rezeption zwischen Merkur und Neptun verleiht eine ungezügelte Phantasie, ausgeprägte Intuition, sowie die Fähigkeit, den geheimen Sinn von Worten zu erspüren und auch auszudrücken, was natürlich für Schriftsteller oder Musiker überaus günstig ist.

Überhaupt steht der Fische-Merkur im 1. Haus, in gradgenauer Konjunktion zum Aszendenten, für das Bedürfnis, sich mitzuteilen, oder, wir könnten auch sagen, für den künstlerischen Selbstausdruck über Worte. Ihre Fähigkeit, die Phantasie in Worte zu kleiden, in eine subtile oder tiefgründige Bildersprache zu verwandeln, ist eines der grossen Talente der Erika Pluhar und sicherlich diesem Merkur zu verdanken. Aber auch die Kontaktfreudigkeit, die Vielseitigkeit, das Führen eines Tagebuches seit den Jugendtagen geht auf diese Merkurstellung zurück, der noch dazu mit Mond (in Zwillinge) und Neptun ein T-Quadrat bildet. Es ist dieser Frau wirklich ein Anliegen, über ihre Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen und zu schreiben (Zwillinge-Mond im 3. Haus). Gleichzeitig verleiht ihr dieser Mond ein Gefühl der Leichtigkeit, die ihr sonst eher zu fehlen scheint, ebenso ein grosses Kommunikations- und Abwechslungsbedürfnis, intellektuellen Wissensdurst und Vielseitigkeit. Sie beschäftigt sich wohl intensiv mit der Psyche (der eigenen und auch fremden), hat daher Interesse für Psychologie und auch schon therapeutische Hilfe in Anspruch genommen, um über ihre Gefühle und deren Verletzlichkeit zu sprechen.

Der Mond ist durch das Quadrat zu Neptun auch verletzt – hier zeigen sich seelische Labilität, emotionale Verletzbarkeit und ein Chaos im Gefühlsleben ebenso wie ein Defizit an Zuwendung und Geborgenheit, das in ein Gefühl der Verlorenheit und Angst münden kann. Ebenso ist eine gewisse Unsicherheit über die eigene Weiblichkeit und Mütterlichkeit „vorprogrammiert“, vielleicht auch die Unfähigkeit, der eigenen Tochter genügend Nestwärme und Zärtlichkeit geben zu können. Auf der anderen Seite gibt es eine grosse Naturverbundenheit und Liebe zu Tieren. Wie Erika Pluhar schreibt, sind ihr Spaziergänge und Aufenthalte in der Natur ein Grundbedürfnis, und als Mädchen hatte sie sogar erwogen, Tierärztin zu werden.

Der Mond steht auch noch in einer separativen, also schwächer werdenden Opposition zu Mars, dem Mitherrscher des 1. Hauses (das Zeichen Widder ist vollständig im 1. Haus eingeschlossen). Dieser Mars steht als elevierter (höchststehender) Planet in Schütze und bildet ein Gegengewicht zur starken Fische-Betonung. Begeisterung und Idealismus sind für sie daher die stärkste Motivation zum Handeln, das bewies Erika Pluhar sowohl in ihren künstlerischen Aktivitäten als auch in ihrem privaten Engagement. Als musikalische Botschafterin der Friedensbewegung in den 1980-er Jahren war sie entschlossen, viel Energie einzusetzen, damit sich die Welt ihren Idealen entsprechend verbessern könne, dabei zeigte sie Zivilcourage und trat mutig für ihre Überzeugungen ein – beispielsweise in Portugal bei der Nelkenrevolution. Sie liebt fremde Länder und Kulturen und bezieht viel Lebensfreude aus der Eroberung neuer Horizonte, muss aber für eine Sache “Feuer und Flamme” sein, damit diese wert ist, umgesetzt zu werden.

Dieser Mars ist gewissermaßen ihre Rettung. Mit der Fische-Sonne kennt sie ja Verunsicherungen und Zweifel, bevor sie zur Tat schreitet, daher kommt ihr der Mitherrscher des 1. Hauses sehr gelegen. Ihn sollte sie ins Bewusstsein holen und leben, und das hat sie meiner Meinung nach auch getan.

Die Opposition zwischen Mond und Mars macht sie zu einer „starken Frau“, die aber vielleicht manchmal Angst vor der eigenen Courage hat. Als junge Frau dürfte ihr diese Stärke – die zeitweise mit übertriebenen emotionalen Reaktionen einhergehen kann – eher unangenehm gewesen sein, da sie fürchtete, weniger geliebt und geschätzt zu werden. Im Lauf der Zeit hat sie aber wohl gelernt, diese Spannung in sich zu überwinden, sich ihrer Stärke bewusst zu werden und diese auch gezielt einzusetzen, wo es ihr nötig erschien.

Mars steht aber nicht nur in Schütze, er erhält auch ein Quadrat von Jupiter in Fische, das führt zwar manchmal dazu, dass sie ihre Kräfte und Möglichkeiten überschätzen könnte, andererseits gelingt es ihr aber auch, Dinge zu realisieren, die andere nicht für möglich gehalten hätten, einfach, weil sie so stark an sich und ihre Kraft geglaubt hat. Ihre Handlungen sind mit grossem Optimismus und Begeisterungsfähigkeit gekoppelt, aber es ist für sie wichtig, dass ihre Aktivitäten Sinn machen und einem höheren Zweck dienen (Jupiter in Fische). Einmal in Fahrt gekommen, ist sie kaum mehr zu bremsen, denn wenn ihr etwas sinnvoll erscheint, tut sie auch meist das Richtige. Der gut stehende Jupiter in Fische und im 12. Haus drückt auch aus, dass sie in höchster Not aufgefangen und gehalten wird. Dadurch können negative Erfahrungen in positive und Hindernisse in hilfreiche Ereignisse verwandelt werden.

Mars steht im Quadrat zu Merkur, das könnte ein Hinweis auf eine sehr scharfsinnige Gesprächskultur sein, allerdings neigt Erika Pluhar dazu, sich leicht zu erregen und dann vielleicht aggressiver oder gereizter zu wirken, als sie eigentlich ist.

Kommen wir noch auf die Venus zu sprechen. Diese steht in Erika Pluhars Radix in Steinbock im 11. Haus, ein Hinweis auf eine klassische, eher herbe Schönheit, die Beziehungen und Freundschaften ernst nimmt und dazu neigt, dabei viel Verantwortung zu übernehmen. Das Halbquadrat zur Sonne steht für eine Frau, die sich im Grunde nicht liebenswert findet. Die Opposition zu Pluto tut ein übriges: Diese ernsthafte, zurückhaltende Venus hat ein unbändiges Bedürfnis nach intensiven, aufwühlenden Beziehungen, in denen es auch zu Tabubrüchen, zu Gewalt und Missbrauch kommen kann. Erika Pluhar schreibt ja offen darüber, dass ihr erster Ehemann sie geschlagen hat, subtile Machtspiele in anderen Beziehungen werden zumindest angedeutet. Das Loslassen dürfte ihr nicht leicht gefallen sein. Doch hat ihr letztlich ihr kreatives Potenzial geholfen, den Druck aus den Beziehungsproblemen herauszunehmen.

Das separative Trigon zwischen Venus und Neptun drückt dennoch ein starkes Bedürfnis nach Nähe und Hingabe aus und die Tendenz, den jeweiligen Partner zu idealisieren. Mit den Jahren ist es ihr aber immer besser gelungen, sich auch von einem geliebten Du klar abzugrenzen und generell die Menschen so zu nehmen, wie sie tatsächlich sind. Ausserdem ist ihr im Lauf des Lebens ihre Unabhängigkeit so lieb geworden, dass sie sich trotz ihrer Sehnsucht nach Liebe nicht vereinnahmen lässt. Dieser Aspekt lässt sich konstruktiv leben, wenn sie einerseits lernt, ihre zahlreichen Ideen auf kreative Art umzusetzen, und andererseits auch der Spiritualität im Leben einen Platz einzuräumen. Beides scheint ihr gelungen zu sein.

Was ich persönlich an dieser grossartigen Frau und Künstlerin bewundere, ist ihr unbändiger Lebenswille, der sie trotz mehrerer privater Katastrophen nie ganz verlassen hat (auch wenn sie nach dem Tod ihrer einzigen Tochter Anna nahe dran war, ihr nachzufolgen), sowie die permanente Auseinandersetzung mit den eigenen inneren Verletzungen und Abgründen, die sie zu einer abgerundeten, der Weisheit nahen und auf wohltuende Weise gereiften Persönlichkeit gemacht haben.

Dieser wunderbaren Frau wünschen wir zu ihrem 80. Geburtstag noch viele erfüllte Jahre voller Schaffenskraft und Lebensfreude, um ihren Weg der Kreativität und Weisheit fortzusetzen.