Plácido Domingo – zum 80. Geburtstag

Der weltberühmte Tenor und Bariton, Dirigent und Operndirektor Plácido Domingo feiert am 21. Januar 2021 seinen 80. Geburtstag. Der Sohn zweier spanischer Zarzuela-Sänger wurde am 21. Januar 1941 in Madrid geboren, zog jedoch im Alter von 9 Jahren gemeinsam mit seinen Eltern nach Mexico und wuchs in der Folge dort auf.

Bereits im Alter von 18 Jahren debütierte er in einer kleinen Rolle in „Rigoletto“ in Mexico City; in seiner ersten Hauptrolle (Alfredo in „La Traviata“) trat er am 19. Mai 1961 in Monterrey, Mexico, auf. Seine internationale Karriere begann 1966 mit einem Auftritt an der New York City Opera in Alberto Ginasteras „Don Rodrigo“. Seither hat er eine beispiellose Karriere an allen bedeutenden Opernhäusern der Welt gemacht, zunächst als vielseitiger Tenor, der insgesamt bereits 134 verschiedene Rollen gesungen hat, in dessen Mittelpunkt vor allem das italienische (Verdi, Puccini, Leoncavallo, Giordano) und das französische (Bizet, Massenet) Fach standen. In späterer Zeit hat er sich auch einigen Wagner-Partien zugewandt und sich speziell als Lohengrin, Siegmund und Parsifal profiliert.

Anlässlich der Fussball-Weltmeisterschaft 1990 in Italien trat er erstmals mit seinen Kollegen Luciano Pavarotti und José Carreras in Rom auf. Der grosse Erfolg dieses Auftritts veranlasste das Trio, als „die drei Tenöre“ weltweit in verschiedenen Arenen aufzutreten.

Nach dem durch den Tod von Luciano Pavarotti verursachten Ende der „Drei Tenöre“ wandte sich Domingo immer öfter dem Dirigieren an verschiedenen Opernhäusern zu und übernahm auch die Leitung der Opernhäuser von Washington und Los Angeles. Ausserdem begann er, wie schon in seiner Anfangszeit, immer öfter Bariton-Rollen zu singen (z.B. Rigoletto, Graf Luna in „Trovatore“, Simone Boccanegra, etc.)

1996 gründete Domingo „Operalia“, einen Wettbewerb für junge OpernsängerInnen, der jährlich in verschiedenen Städten weltweit durchgeführt wird.

Plácido Domingo ist außerdem für seine vielfältigen Wohltätigkeitsveranstaltungen und -aktionen bekannt. So gründete er nach dem großen Erdbeben in Mexiko-Stadt, bei dem er auch eigene Familienangehörige verlor, ein Kinderdorf für die Waisen des Erdbebens. Ein Jahr lang sagte er beinahe alle Verpflichtungen an den großen Opernbühnen ab und gab nur noch Benefizkonzerte, deren Erlös den Waisen und anderen Hilfsprojekten in Mexiko zugutekam. Immer wieder unterstützt er Hilfsprojekte in aller Welt, speziell solche, die sich benachteiligter Gruppen annehmen (Kinder, Behinderte usw.). Er hat zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen für sein Wirken erhalten.

Was können wir im Horoskop von Plácido Domingo an Talent und Erfolg erkennen?

Mit einer Wassermann-Sonne in enger Verbindung mit Merkur braucht dieser Mensch viel Abwechslung und Spontaneität, Unabhängigkeit, Selbständigkeit und Freiheit. Auf das Haus, in dem die Sonne steht, wird der Fokus im Leben gerichtet. Im Fall von Plácido Domingo ist das das 6. Haus, er wird seine Energie also vor allem in der Arbeit einsetzen, die Arbeit bestimmt sein Leben, in diesem Bereich will er glänzen und strahlen. Zwar ist im 6. Haus kein selbständiges Arbeitsverhältnis zu finden, doch eine Wassermann-Sonne braucht Abwechslung und Freiheit bei der Arbeit. Beides findet ein Sänger, der nicht an ein Opernhaus gebunden ist, sondern von vielen verschiedenen Häusern pro Auftritt verpflichtet wird, im Lauf seiner Karriere. Obwohl er in einer Aufführung natürlich im Team arbeitet, sind freie Arbeitsbedingungen sehr wichtig, umso mehr, da die Sonne in enger Konjunktion mit Merkur steht. Interessanterweise bedeutet eine Verbindung von Sonne und Merkur im 6. Haus unter anderem auch die Arbeit an einem Theater.

Das Theater, die Bühne leitet uns weiter zum Aszendenten von Plácido Domingo: es ist der Löwe. Ein Mensch mit einem Löwe-Aszendenten braucht geradezu die Bühne, dort will er glänzen, dort will er Aufmerksamkeit und Bewunderung bekommen. Er strahlt Würde und einen natürlichen Stolz aus, steht wie selbstverständlich im Mittelpunkt, wirkt aber dank seiner Wassermann-Sonne, die ja auch Geburtsherrscherin ist, trotzdem nie überheblich. Nichtsdestotrotz ist das Dramatische seine Welt, dort strebt er auch eine Führungsposition an – als Leiter von 2 Opernhäusern und Dirigent, dem Dutzende Musiker unterstehen, hat er das perfekt umgesetzt.

Wo sehen wir den Sänger im Horoskop? Ich würde sagen, ein eindeutiges Indiz ist das Medium Coeli (MC) in Stier, das Musikalität ausdrückt, sowie seine Herrscherin Venus, die in Steinbock und im 5. Haus der Kreativität steht und ihrerseits wiederum ein Trigon zum MC bildet. Ohne Verbindung der Schlüsselplaneten zu den Achsen MC oder AC kann es kaum Berühmtheit geben. Diese sogenannten Achsen sind bei Domingo aber mehrfach betont. So verschafft Saturn am MC Domingo die nötige Disziplin, die ein Sänger von seinen Qualitäten auch braucht, um erfolgreich zu sein, denn Talent allein wäre hier zu wenig. Und andererseits bringt ein Skorpion-Mond im Quadrat zum Aszendent die Leidenschaft zum Ausdruck, die auf der Opernbühne gefordert wird. Mit einem Skorpion-Mond geht es immer um die Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen, deren Tiefe ausgelotet werden soll, es ist eine starke emotionale Energie vorhanden, die mit einer gewissen Hartnäckigkeit die eigene Realität schafft. Als starke kreative Kraft kommt sie jedoch dem künstlerischen Ausdruck zugute und kann von einem charismatischen Sänger-Schauspieler wie Plácido Domingo wunderbar auf die Bühne gebracht werden.

Merkur in Wassermann unterstützt mit seiner raschen Auffassungsgabe breitgefächerte Interessen und treibt Domingo dazu, sich immer wieder mit neuen Rollen zu beschäftigen. Er gilt ja als einer der vielseitigsten Tenöre, der nicht nur 134 verschiedene Rollen im italienischen und französischen Fach gesungen, sondern sich auch schon an diverse Wagner-Partien gewagt hat, die er mit ähnlicher Intensität erfüllt hat wie seine berühmtesten Verdi-Figuren.

Ein weiterer Aspekt seiner Ruhelosigkeit (in einem Interview hat er gesagt: „Wenn ich raste, dann roste ich“) ist die Opposition zwischen Mond und Uranus, die Domingo zu ständig neuen Herausforderungen treibt und für emotionale Anspannung sorgt. Beide Planeten bilden ein Quadrat zum Aszendent, also zum persönlichsten Punkt im Horoskop. Ohne Abwechslung und neue Impulse kann er kaum leben. Ob an den Vorwürfen der sexuellen Belästigung, die in den letzten Jahren zu hören waren, etwas dran ist, lässt sich anhand des Horoskops nicht sagen. Dass mit einer Mond-Uranus-Opposition eine Vorliebe für aussergewöhnliche Frauen sowie ein Hang zur Provokation besteht, dagegen schon. Immerhin dürften die – kaum bewiesenen – Vorwürfe seinem Image und schon gar seinem Künstlertum nicht geschadet haben.

Wir wünschen Plácido Domingo zu seinem 80. Geburtstag alles Gute, ein noch langes Leben in guter Gesundheit und Agilität sowie weiteren künstlerischen Höhepunkten.

Joan Baez – zum 80. Geburtstag

Die Folk- und Protestsängerin Joan Baez feiert am 9. Jänner 2021 ihren 80. Geburtstag. Geboren wurde sie 1941 in New York als 2. Tochter einer schottischen Mutter und eines mexikanisch-stämmigen Vaters, der als Physiker tätig war. Mit 15 Jahren erhielt sie eine Gitarre geschenkt, doch schon zuvor hatte sie sich selbst das Ukulele-Spielen beigebracht. Für Joan war es immer klar, dass sie Musikerin werden wollte.

Nach Beendigung der Highschool trat sie in verschiedenen Folk-Clubs auf. Zur lokalen Berühmtheit wurde sie1959 nach einem Auftritt beim renommierten Newport Folk Festival. In den Anfangsjahren ihrer Karriere litt Joan Baez eigenen Angaben zufolge an schweren Lampenfieber-Attacken, zeitweise verstärkt durch Agoraphobie. Manchmal habe sie vor lauter Angst einen Konzertauftritt unterbrechen müssen, habe sich im Waschraum mit Wasser erfrischt, ein wenig geweint und sei dann wieder auf die Bühne gegangen. Niemand habe etwas bemerkt oder bemerken wollen. Manchmal sei die Angst vor einem Konzert so groß geworden, dass sie noch nicht einmal das elterliche Haus habe verlassen können. Nur ihre Schwester Mimi, die sie zu den Konzerten begleitete, habe davon gewusst und sie bei der Bewältigung dieses Problems, das sie lange begleitete, unterstützt.

1961 lernte sie bei einer USA-Tournee den damals noch weitgehend unbekannten Bob Dylan kennen, den sie ihrem Publikum vorstellte. Sie begann auch, seine Songs zu interpretieren. Wenig überraschend, wurde aus den beiden auch privat ein Paar. Ihre Virtuosität auf der Gitarre und ihre eindringlich-lyrische Stimme machten sie bekannt, sodass sie in den 1960-er Jahren an der Spitze der Folksong-Bewegung stand. Während einer Tournee 1962 durch die Südstaaten der USA entschloss sie sich, nur noch an Orten aufzutreten, an denen es keine Rassenschranken gab, das waren damals vor allem die schwarzen Universitäten. Daher wurde sie rückblickend als „Stimme und Gewissen ihrer Generation“ bezeichnet.

1966 ging die Beziehung zu Dylan in die Brüche, unter anderem, weil sie seinen Drogenkonsum nicht teilen wollte – die beiden blieben allerdings befreundet. 1968 heiratete sie den Kriegsdienstverweigerer David Harris, von dem sie 1969 den Sohn Gabriel Earl bekam. Harris beeinflusste sie in Richtung Country-Music, wurde allerdings als Vietnamkriegsgegner verhaftet und inhaftiert. Im August 1969 trat Joan Baez schwanger auf dem Woodstock-Festival auf und nutzte dieses große Forum, um die Missstände in der Welt anzuprangern, unter anderem zeigte sie auf, wie mit Pazifisten in den USA umgegangen wurde. Die Ehe wurde 1973 dennoch geschieden.

Anfang der 1970er Jahre wirkte Joan Baez an den Soundtracks von zwei international erfolgreichen Kinoproduktionen mit. So sang sie 1971 zur Musik Ennio Morricones die Lieder zum italienisch-französischen Justizdrama Sacco e Vanzetti von Regisseur Giuliano Montaldo, die als eine Art Hymne für die Opfer politischer Justiz weltbekannt wurden. 1972 sang sie die Songs im von Douglas Trumbull gedrehten ökologisch ambitionierten US-amerikanischen Science-Fiction-Film Silent Running (deutscher Titel: Lautlos im Weltraum). Beide Produktionen festigten ihren Ruf als Protestsängerin.

Seit 1991 spielt Joan Baez bei Musikaufnahmen – anders als bei Live-Tourneen – nur noch selten ein Instrument, sondern konzentriert sich vor allem auf ihren Gesang. Im selben Jahr unterzog sie sich einer Psychotherapie.

2018 und 2019 war sie auf ausgiebigen Farewell-Tourneen durch Europa und die USA unterwegs.

Neben ihrer Musik engagierte sich Joan Baez früh politisch und setzte sich für Minderheiten auf der ganzen Welt, für Pazifismus und gegen Rassentrennung in ihrer Heimat ein, was ihr den Ruf einbrachte, Kommunistin zu sein. Als Kind hatte sie ihrer dunkleren Hautfarbe wegen selbst unter Diskriminierungen gelitten. Durch den Friedensaktivisten Ira Sandperl fand sie zur Gewaltlosigkeit, die sie konsequent praktizierte, auch gegenüber politischen Gegnern und, zum Beispiel bei Demonstrationen, gegenüber der Polizei. Sie war eine deklarierte Gegnerin des Vietnam-Kriegs und nahm an zahlreichen Demonstrationen und Protestaktionen dagegen teil. Das brachte ihr sogar eine mehrwöchige Gefängnisstrafe ein. Nach Beendigung des Vietnam-Krieges engagierte sie sich weiterhin in Südostasien und brachte zum Beispiel Lebensmittel und Medikamente nach Kambodscha. Sie sang aber auch gegen Miliärdiktaturen in Spanien und Südamerika an und gründete 1979 die Menschenrechtsorganisation „Humanitas International Human Rights Committee“, die sie bis 1992 auch leitete. Außerdem ist sie bis heute Sponsorin des Zentralkomitees für Kriegsdienstverweigerer in den USA.

Nach der Scheidung von Harris hatte Joan Baez kurze und wechselnde Beziehungen mit verschiedenen Partnern, so auch mit dem 2011 verstorbenen Steve Jobs, lebt aber seither als Single, gemeinsam mit ihrem Sohn Gabriel nebst Schwiegertochter und Enkelin in Woodside, Kalifornien. Auch ihre Mutter lebte bis zu ihrem Tod im Jahre 2013, kurz nach ihrem 100. Geburtstag, bei Baez. Auf ihrem Grundstück hat Joan Baez ein Baumhaus, in dem sie einen großen Teil ihrer freien Zeit verbringt,
meditiert und schreibt.

Wie lässt sich diese Biographie mit dem Horoskop der Sängerin in Verbindung bringen?

Folgen wir der Dispositorenkette, finden wir als Wurzel eine Venus-Jupiter-Rezeption, mit einer Schütze-Venus im 9. und einem Stier-Jupiter im 1. Haus. Daraus erkennen wir schon eine idealistische Weltanschauung, die Weltoffenheit und Toleranz auf ihre Fahnen heftet, und dabei authentisch und vertrauenerweckend ist. Sie hat starke moralisch-ethische Überzeugungen, die sie zu ihren persönlichen Anliegen macht und nach aussen vertritt, da diese auch für den persönlichen Ausdruck und ihre Selbstverwirklichung sehr wichtig sind.

Joan Baez wurde mit einem Widder-Aszendent geboren, mit einem starken Willen und Durchsetzungsdrang, mit Entschlossenheit, Mut und Kampfgeist. Sie scheut keine Konfrontationen, schert sich wenig um Äusserlichkeiten, sondern stürmt mit Impulsivität, Ungestüm und einer gewissen Egozentrik vorwärts und legt dabei auch oft ein pionierhaftes Verhalten an den Tag. Der Geburtsherr Mars steht im Feuer-Zeichen Schütze im 8. Haus: Ihr Handeln ist von Begeisterung und idealistischen Zielen geprägt, so kann sie auch andere motivieren und mitreissen. Begeisterung ist für sie die stärkste Motivation zum Handeln, und sie bezieht ihre Lebensfreude oft aus der Eroberung neuer Horizonte – im konkreten oder im übertragenen Sinn. Mit Mars im 8. Haus wird sie aber auch immer in etwas hineingezogen, ohne sich abgrenzen zu können, sie muss sich konfrontieren und auseinandersetzen, hat insgesamt kein ruhiges Leben. Diese ständige Auseinandersetzung ist jedoch auch ihr ganz persönlicher Lebensmotor.

Ausserdem ist das Erd-Zeichen Stier zur Gänze im 1. Haus eingeschlossen und wirkt ebenfalls auf ihren Charakter ein. Es verleiht ihr die Fähigkeit zu Sinnlichkeit, Genuss und Gestaltungsfreude, macht sie ausgesprochen musikalisch und auch loyal. Über die Venus als Mitregentin des 1. Hauses habe ich weiter oben schon gesprochen – ihre Rolle verstärkt sich natürlich dadurch noch, macht ihr Engagement für Frieden und Toleranz zu einem ganz persönlichen. Dass sie bei ihrem Einsatz verantwortungsvoll umgeht, dafür sorgt Saturn im 1. Haus, in enger Konjunktion mit dem eventuell zu Übertreibungen neigenden Jupiter.

Auch die Sonnenstellung ist in diesem Horoskop wichtig. Sie befindet sich in Steinbock in enger Konjunktion mit Merkur im 10. Haus und beherrscht das 5. Haus, das für Kreativität und Selbstverwirklichung steht. Damit fällt es Joan Baez leicht, ihr Hobby zum Beruf zu machen, sie ist aber schüchtern und hat Lampenfieber, wenn sie ihre Kreativität öffentlich zum Ausdruck bringt und im Rampenlicht steht (die Steinbock-Sonne hat einen starken Perfektionsdrang, fühlt sich nie gut genug, daher das Lampenfieber). Mit einer derart elevierten Sonne nahe am MC wird sie jedoch als Sängerin in der Öffentlichkeit gut wahrgenommen, und sie selbst hat die Aufgabe, die eigene Identität und Ich-Wahrnehmung zu stärken und sich selbst beruflich zu verwirklichen – was sie ja auch gemacht hat. Mit einer Steinbock-Sonne ist die Sängerin auch enorm ehrgeizig, sie arbeitet sich durch Konsequenz und Ausdauer nach oben, will sich durch Leistung einen Status schaffen und ordnet alles diesem Ziel unter.

Nun kommt aber Uranus ins Spiel, der zu dieser Sonne ein Trigon bildet und die „strenge“ Steinbock-Sonne doch auflockert und sie dazu bringt, ihr Leben individualistisch und nach eigenen Ideen zu gestalten. Sie muss ihren ganz persönlichen und besonderen Weg gehen und braucht viel Freiraum. Als Frau wird sie sich von einem Mann kaum jemals vereinnahmen lassen oder sich unterordnen. Durch Uranus, den Planet der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, ist es ihr ein persönliches Anliegen, andere Menschen als gleichwertige und gleichberechtigte Wesen anzusehen. In beruflichen Belangen ist sie aufgeschlossen für Neuerungen und Verbesserungen, auch im Arbeitsalltag (Merkur als Herr von 6 im Trigon zu Uranus). Allerdings ist Uranus rückläufig, das macht sie in gewisser Weise zu einer rebellischen Unruhestifterin, die ungeduldig, unberechenbar und wenig bereit ist, sich in ein überkommenes System ein- oder gar unterzuordnen.

Der Mond befindet sich im Luft-Zeichen Zwillinge im 2. Haus, er kommt von Uranus, der ihn mit neuen Impulsen versieht, läuft aber auf Pluto zu. Auch das könnte ein Grund für ihr anfängliches Lampenfieber sein, denn sie steht permanent unter Druck und fühlt sich nie gut genug. Typisch ist hier eine starke Gefühlskraft sowie vorstellungsbezogene Emotionen. Unbewussste oder verdrängte Inhalte können das emotionale Wohlbefinden beeinträchtigen und dadurch eine starke Unruhe hervorrufen. Da aber Mond und Pluto ein Sextil zueinander bilden, konnte sie diese Anspannung im Rahmen einer Psychotherapie erfolgreich überwinden.

Der Zwillinge-Mond drückt Gefühle und Empfindungen gern mit Worten aus, der Steinbock-Merkur legt Wert auf Ernsthaftigkeit und Gewissenhaftigkeit, beides gute Voraussetzungen für ihre oft bewegenden und berührenden Liedertexte zu ernsten Themen.

Beziehungen zu Menschen, die ebenso offen und tolerant sind wie sie und die ihr neue Horizonte erschließen, sind und waren ihr stets sehr wichtig, wie die Venus in Schütze im 9. Haus andeutet. In punkto Beziehungen war Joan Baez jedoch keine Beständigkeit beschieden. Da waren vermutlich ihre Ansprüche an Freiheit und Ungebundenheit sowie ihr politisches Engagement wichtiger (Venus ist ja die 2. Geburtsherrin). Die Sehnsucht nach Liebe war zweifellos vorhanden, wie das Quadrat zwischen Venus und Neptun ausdrückt, aber vermutlich hat sie sich oft in Illusionen verloren, oder die Angst vor engen Bindungen war stärker. Dabei wirkt sie ja trotz des Widder-Aszendenten nach aussen hin liebenswürdig, heiter und stets um Fairness bemüht. Den Mars bringt sie wohl dann zum Einsatz, wenn sie mit Freundlichkeit allein nicht weiterkommt, da kann sie sich im Kampf für Frieden schon auch unerbittlich und kompromisslos zeigen (Mars Trigon Pluto).

Das soziale Engagement der Sängerin zeigt sich aber auch durch Neptun, den Herrscher des 12. Hauses, der im 6. Haus positioniert ist, und auf die Wichtigkeit von Kreativität, künstlerischen Ausdruck und Spiritualität in der Arbeit und im Alltag verweist.

Zum 80. Geburtstag wünschen wir der Sängerin alles Gute und hoffentlich noch viele Jahre in Gesundheit und Wohlbefinden.

Melina Mercouri – zum 100. Geburtstag

Die griechische Schauspielerin und Politikerin Melina Mercouri wurde am 18. Oktober 1920 in eine Politikerfamilie geboren; ihr Großvater war 30 Jahre lang Bürgermeister von Athen, der Vater Abgeordneter im griechischen Parlament und kurze Zeit Innenminister.

Schon früh verspürte sie den Wunsch, Schauspielerin zu werden, der allerdings von der Familie abgelehnt wurde. Nach anfänglichen Misserfolgen am Theater setzte sie sich schließlich im Film durch, besonders in der Zusammenarbeit mit ihrem späteren Ehemann Jules Dassin. Während der 7-jährigen Militärdiktatur in Griechenland 1967-1974 lebte Melina Mercouri mit ihrem Mann in Frankreich im Exil. Als die Künstlerin öffentlich gegen das Regime Stellung bezog, erkannten die Machthaber ihr die griechische Staatsbürgerschaft ab, ihr Pass wurde für ungültig erklärt, und Mercouri hatte große Schwierigkeiten, international zu reisen.

Nach dem Sturz der Militärjunta und der Wiedererrichtung der Demokratie in Griechenland am 24. Juli 1974 kehrte die Künstlerin in ihr Heimatland zurück. 1977 wurde sie erstmals als PASOK-Abgeordnete in das griechische Parlament gewählt und 1981 als Kulturministerin angelobt. Auf ihre Initiative geht die Einrichtung der jährlichen Kulturhauptstadt Europas zurück. Ihren letzten Film drehte sie 1978.

1989 wurde bei Melina Mercouri, die zeitlebens eine starke Raucherin war, Lungenkrebs diagnostiziert. Am 6. März 1994 starb sie nach einer Operation in New York.

Was sagt uns das Horoskop über ihre künstlerische und politische Karriere, über ihr Leben und Wirken?

Zunächst einmal fällt die starke Betonung des 4. Quadranten auf, in dem sich 5 Planeten befinden, darunter 4 persönliche. Damit muss sie sich in der Aussenwelt beweisen, das Leben ist vom Schicksal oder von scheinbaren “Zufällen” bestimmt, es gibt wenig Gestaltungsfreiheit. Viele Dinge in ihrem Leben fallen ihr zu, ohne dass sie selbst allzu viel dazu beigetragen hat. Das bedeutet aber auch den Auftrag, ihre Talente und Potenziale der Allgemeinheit und sich selbst der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen, was sie auch gerne tut.

Bei einer Waage-Sonne gehören Beziehungen fast selbstverständlich zum Lebensweg, auch ein Skorpion-Aszendent braucht emotional fordernde und sexuelle Begegnungen. Melina Mercouri heiratete das erste Mal mit 19 Jahren einen um einiges älteren, wohlhabenden Geschäftsmann; die Ehe hielt nicht lange, ermöglichte ihr aber die Schauspielausbildung, die ihr von der Familie verwehrt wurde. Dass ihr diesbezüglicher Ehrgeiz groß war, sehen wir sowohl an der Opposition zwischen Jupiter im 3. Haus, dem Haus der Selbstdarstellung, wo sie sich auf keinen Fall einschränken lässt, und Pluto, andererseits an der Sonne als MC-Herrscherin, die im künstlerischen Waage-Zeichen im 12. Haus und im Sextil zu Neptun steht, was sie für die Filmlaufbahn geradezu prädestiniert. Die Sonne im 12. Haus erlebt ihre Selbstverwirklichung oft dadurch, dass sie hinter die Fassade schaut (wie für das Rollenstudium notwendig), aber auch dass sie eigene Bedürfnisse und Wünsche zum Wohle anderer Menschen oder eines grösseren Ganzen hintanstellt, so wie Mercouri das als Politikerin getan hat.

Neptun in der Nähe des MC tut ein übriges, drückt eine helfende oder künstlerische Tätigkeit aus, bietet anderen Menschen aber auch eine gute Projektionsfläche, die Hoffnungen auslöst. Problematisch bei diesem dreifachen Sonne/Neptun-Thema (Sonne in 12, Neptun in Löwe, Sonne Sextil Neptun) ist der Suchtcharakter, dem Melina Mercouri letzten Endes ihr Leben geopfert hat.

Der Aszendent der Schauspielerin steht im leidenschaftlichen und vorstellungsbezogenen Skorpion-Zeichen. Leidenschaftlichkeit ist etwas, was wir Melina Mercouri uneingeschränkt attestieren können; sie zeigte diese in zahllosen Filmrollen (etwa als Phaedra, als Prostituierte Ilya in „Sonntags nie“ oder als Geliebte eines Mörders in dem Film „Halbelf in einer Sommernacht“), wir erkennen diesen leidenschaftlichen Einsatz aber auch in ihrem politischen Engagement. Ein Mensch mit einem Skorpion-Aszendent will in der Tiefe seiner Seele berührt werden. Gefühlsintensität, Tiefgründigkeit, Auseinandersetzung mit Macht und Ohnmacht sind weitere Merkmale dieses Zeichens.

In Mercouris Radix steht jedoch nicht nur der Aszendent in Skorpion, sondern auch Mond und Merkur, allerdings noch im 12. Haus. Der erotischen Ausstrahlung und Faszination dieser Frau tut das keinen Abbruch, im Gegenteil: die faszinierende Ausstrahlung und Suggestivkraft, vielleicht auch die Leidensfähigkeit ist wohl zu spüren. Bei dieser starken Skorpion-Betonung geht um das totale Sich-Einlassen, und das geht nicht ohne Schmerzen ab. Als starke kreative Kraft kommt sie jedoch dem künstlerischen Ausdruck zugute.

Eine Frau mit dem Mond im 12. Haus spürt eine starke Verbundenheit mit anderen Menschen, von denen sie sich berühren und vereinnahmen lässt. Sie ist sehr hilfsbereit und sozial eingestellt, drückt ihre Gefühle aber auch künstlerisch aus und lebt oft in einer Traum- und Phantasiewelt (Film).

Die Konjunktion zwischen dem Mond und Merkur in Skorpion weist sowohl auf eine große Intelligenz wie auch auf eine sprachgewaltige Ausdrucksweise hin. Durch die Synthese zwischen Gefühl und Intellekt und ihre gefühlvolle Sprache kann sie sich gut und allgemein verständlich ausdrücken.

Wenn wir von einer Künstlerin sprechen, müssen wir uns auch die Venus anschauen, die ja auch noch die Sonnen-Herrscherin ist (Waage-Sonne). Venus steht in Schütze im 1. Haus, was ebenfalls ein Hinweis auf Kunstverständnis sowie auf eine heitere, warmherzige und gutaussehende Frau ist, die anderen Menschen ihre Zuneigung offen zu erkennen gibt. Sie geht direkt und spontan auf andere zu, kann sich schnell für jemanden begeistern und engagiert sich für ihre Mitmenschen, besonders wenn diese unterdrückt oder ungerecht behandelt werden. Die Venus als Herrscherin über das 7. Haus in Schütze steht auch für den Partner (Jules Dassin), der seine Frau unterstützte und förderte, wo er nur konnte. Die Beziehung mit Dassin dauerte beinahe 40 Jahre von 1955 bis zu ihrem Tod 1994.

Melina Mercouri selbst ist durch die griechische Militärjunta mehrfach unter Druck geraten, wie uns der Geburtsherr Pluto im 9. Haus verrät: aufgrund ihrer Weltanschauung und politischen Meinung wurde ihr die Staatsbürgerschaft aberkannt. Die Rezeption zwischen Mond und Pluto verleiht ihr jedoch eine immense Zähigkeit, um seelische Belastungen zu ertragen. Mit Saturn in Skorpion am Aszendenten übernimmt sie für ihr Wirken und die ihr übertragene politische Macht Verantwortung und bringt dank des dynamischen T-Quadrats zwischen Mars in Waage, der sich für künstlerische Belange und Gruppen einsetzt, sowie Pluto und Jupiter in ihrer Zeit als Politikerin einiges auf die Reihe, was nachhaltige Bedeutung erlangte. Doch auch ihre Filme zeigen vielfach starke Frauen, die selbstbewusst und kompromisslos ihren Weg gehen. „Ich bin als Griechin geboren“ – diesen Satz, den sie als Reaktion auf ihre Ausbürgerung in Richtung Militärdiktatur verlauten ließ, wählte sie als Titel ihrer Autobiographie.

Anlässlich ihres 100. Geburtstages wollen wir dieser tollen Schauspielerin und aussergewöhnlichen Frau gedenken.

Nikolaus Harnoncourt zum 90. Geburtstag

Der grossartige Musiker, Dirigent und langjähriger Leiter des von ihm gegründeten „Concentus Musicus“ wäre am 6. Dezember 2019 90 Jahre alt geworden.

Der Pionier der historischen Aufführungspraxis stammte väterlicherseits aus einem luxenburgisch-lothringischen Adelsgeschlecht, seine Mutter war eine Urenkelin von Erzherzog Johann. Da er an einem 6. Dezember, dem Nikolaustag, zur Welt kam, erhielt er den Vornamen Nikolaus. In Berlin wurde er geboren, weil sein Vater dort als Bauingenieur arbeitete, doch bereits 1931 übersiedelte die Familie nach Graz. Nach Nikolaus wurden noch 3 weitere Brüder geboren, die alle Musikunterricht erhielten und regelmäßig mit den Eltern zusammen Hausmusik praktizierten.

Nikolaus entschloss sich nach dem 2. Weltkrieg, Musiker zu werden, und zog 1948 zum Studium nach Wien, um professionellen Cello-Unterricht zu nehmen. Dort wurde er auf die „Alte Musik“ aufmerksam und lernte auch seine spätere Frau Alice kennen, die Geigerin war. 1952 wurde Harnoncourt als Cellist zu den Wiener Symphonikern verpflichtet, wo er bis 1969 im Orchester spielte.

1953, dem Jahr in dem Nikolaus und Alice heirateten, wurde ein Musikkreis gegründet, der zunächst nur aus Streichern bestand, sich in der Wohnung der Harnoncourts traf und sich zur Aufgabe setzte, Musik aus Barock und Vorbarock auf alten Instrumenten zu spielen, um „Musik als Klangrede“ umzusetzen. Dazu war es notwendig, die alten Spieltechniken zu erlernen, die im Stilwandel der Jahrhunderte verloren gegangen waren. Erst im Jahre 1957 traten die Musiker unter dem Namen „Concentus Musicus Wien“ erstmals öffentlich auf und erzielten wenig später mit den Brandenburgischen Konzerten von Johann Sebastian Bach auf Originalinstrumenten den internationalen Durchbruch.

Nachdem Harnoncourt lange Zeit die Orchesterwerke des Concentus immer vom Cello aus geleitet hatte, begann er in den 1970-er Jahren zu dirigieren und leitete auch andere, moderne Orchester – übrigens immer ohne Taktstock. Er erweiterte das Repertoire der Barockmusik und nahm mehr und mehr auch klassische, romantische und modernere Komponisten in sein Programm auf. Legendär wurde sein gemeinsam mit dem Regisseur Jean-Pierre Ponnelle im Opernhaus Zürich gestalteter Monteverdi-Zyklus, der ihn als Dirigent international bekannt machte, und dem in den 1980-er Jahren noch ein Mozart-Zyklus folgte.

Seit 1985 findet in Graz das Musikfestival „Styriarte“ statt, das bis heute eine wesentliche Aufführungsplattform des Concentus Musicus ist, der sich nach wie vor Harnoncourt verpflichtet fühlt.

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und sogar Anfeindungen seitens anderer renommierter Dirigenten erlangte Nikolaus Harnoncourt mit seinen Musikinterpretationen auf historischen Instrumenten Weltruhm und erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Er dirigierte an verschiedenen Opernhäusern, bei den Salzburger Festspielen, den Berliner Philharmonikern und anderen Orchestern von Weltformat. Am 5. Dezember 2015, einen Tag vor seinem 86. Geburtstag, teilte er seinen Rückzug vom Dirigentenpult mit. Nikolaus Harnoncourt starb am 5. März 2016 in St. Georgen im Attergau.

Werfen wir nun einen Blick in das Horoskop dieses aussergewöhnlichen Musikers, der von seiner Arbeit nicht nur beseelt, sondern fast besessen war.

Als erstes fällt die übermäßige Betonung des Feuer-Elements auf: Löwe-Aszendent, Sonne, Merkur und Mars in Schütze sowie Uranus in Widder: Das ist ein Mensch, der für seine Berufung brennt, der mit begeisterungsfreudiger Initiative, mit Mut und Lebensfreude an seine Aufgabe herangeht und dabei auch einen Sinn für Dramatik
erkennen lässt.

Wir finden die meisten Planeten in der unteren Hemisphäre, vor allem im 2. Quadranten, dem Seelenquadranten, haben es also mit einem Menschen zu tun, der in sich selbst verankert ist und möchte, dass die anderen sich mit ihm auseinandersetzen.

Der Löwe-Aszendent verweist auf einen gewissen Geltungsdrang. Das Ich will großartig sein, strahlen, glänzen und im Mittelpunkt stehen, daher strebt es eine Chefposition an, setzt sich gerne in Szene und kann auch autoritär sein. Als Dirigent duldete Harnoncourt keine Schlampereien und liess so lange probieren, bis der von ihm gewünschte Klang und Rhythmus erzielt war.

Die Sonne, die über das Aszendenten-Zeichen herrscht, steht eingebunden in ein Stellium mit Mars und Merkur in Schütze im 4. Haus. Das zeigt, wie wichtig ihm die Familie und sein Zuhause war. Nicht nur arbeitete er ja mit seiner Frau Alice zusammen (Mond in 6: die Frau als Mitarbeiterin), und stellte seine Wohnung für Orchester-Proben zur Verfügung. Auch seine 4 Kinder wurden in die Arbeit eingebunden, die Eltern beschäftigten sich viel mit ihnen und widmeten ihnen tagebuchartige Aufzeichnungen über das gemeinsame Leben. Ein weltoffenes (Schütze) und zugleich harmonisches Zuhause gab dem Musiker Geborgenheit und Kraft (Sonne Konjunktion Mars), die vertraute Umgebung hatte einen hohen Stellenwert in seinem Leben.

Aber auch der Concentus Musicus war eine Art Familie für Harnoncourt. Manche Mitglieder begleiteten ihn jahrzehntelang auf seinem Weg und waren ihm bis zuletzt freundschaftlich verbunden.

Über das, was ihn seelisch und emotional bewegte (also vor allem die Musik) konnte sich Harnoncourt mit viel Begeisterung und Eloquenz äussern (Sonne als Herr von 1 in Schütze Konjunktion Merkur), er war aber auch zuweilen sehr direkt und impulsiv in seiner Ausdrucksweise (Sonne Konjunktion Mars), machte auch gerne spitze, treffende Bemerkungen.

Venus beherrscht das 10., das Berufshaus, und steht in Skorpion im 4. Haus. Wiederum haben wir hier eine Verbindung zwischen dem Beruf, der mit Musik zu tun hat (10. Haus Stier), und dem Privatleben. Einerseits prädestiniert ihn diese Venus-Stellung für eine anspruchsvolle berufliche Tätigkeit, die auch das Gefühl anspricht, andererseits weist sie auf eine leidenschaftliche Beziehung mit seiner Partnerin hin, die auch einen grossen Einfluss auf ihn hat. Soviel wir wissen, war die Beziehung zu seiner Frau Alice sehr glücklich, er schätze sie auch als Künstlerin und besprach sich in wichtigen beruflichen Fragen mit ihr. Da Venus auch über das 3. Haus herrscht, wird die Wichtigkeit der Kommunikation mit der Partnerin über Kunst noch einmal hervorgehoben. Beruf und Liebe bzw. Familie hängen für den Horoskopeigner zusammen, über die Beziehung kann ein wichtiger beruflicher Schritt gemacht werden und umgekehrt.

Auch der Mond steht für die Familie und zeigt uns durch seine Stellung in Wassermann und im 6. Haus, dass der Familienbegriff hier erweitert werden muss: für Harnoncourt waren all jene seine Familie, mit denen er intellektuelle, kulturelle und/oder humanistische Werte teilen konnte. Und mit denen er arbeitete (Mond in 6).

Diese Mondstellung verleiht ihm aber auch das Gefühl, etwas Besonderes zu sein und ein gewisses Sendungsbewusstsein zu haben. Harnoncourt hat sich in seiner künstlerischen Tätigkeit (Mond ist Herr von 12) auf etwas ganz Eigenes spezialisiert (die alte Musik), und darin wollte er auch nicht eingeschränkt werden (Mond in Wassermann), er brauchte emotionale Freiräume, um sich wohl zu fühlen, prüfte Gefühle durch vernunftbetontes Denken und konnte trotz aller Freundlichkeit innerlich distanziert bleiben. Dieser Gefühlszustand wirkte sich auch auf die Arbeit aus, daher brauchte er eine Arbeit, die dem eigenen Wesen entsprach, sowie eine familiäre Atmosphäre bei der Arbeit.

Dass diese Arbeit auch erfolgreich ist und in der Öffentlichkeit gut ankommt, zeigt uns wiederum das Trigon zwischen dem Mond und Jupiter im 10. Haus, der überdies in Opposition zur Sonne steht und zusätzlich Glück in der Selbstverwirklichung bedeutet. Harnoncourt hat bei seinen Mitarbeitern stets hohes Vertrauen genossen, sodass er seine Visionen im Beruf verwirklichen konnte (Jupiter in 10), allerdings mit Verzögerungen, da Jupiter rückläufig ist. Doch konnte er sich das Vertrauen und Ansehen der Öffentlichkeit erwerben. Jupiter herrscht über das 5. Haus (Kreativität): der Horoskopeigner kann seine Kreativität beruflich zum Ausdruck bringen, was gut ist für die Selbstbestätigung.

Interessanterweise steht Saturn im Haus der Kreativität – er bedeutet hier aber keineswegs Hemmung oder Einschränkung, sondern, dass Harnoncourt seinen kreativen Ideen eine Form verlieh, und dass er sich bemühte, perfekte Leistungen zu vollbringen. Dennoch dürfte er eine gewisse Scheu gehabt haben, sich zur Schau zu stellen, sondern fühlte sich erst dann bereit für den grossen Auftritt, wenn alles tadellos war. Auf Auftritte bereitete er sich seriös und strukturiert vor und wirkte entsprechend klar und fachkundig. Er war sehr gewissenhaft in Bezug auf das Leben, das nicht vertan werden durfte, fühlte sich in oberflächlicher Gesellschaft und mit Small Talk nicht wohl, legte aber durchaus Wert darauf, als künstlerische Autorität anerkannt zu werden.

Saturn steht auch für das Alte (alte Musik) und bedeutet im Quadrat zu Uranus das Aufbrechen alter Werte und das Neue und Ungewöhnliche, das das Spielen von alter Musik auf Originalinstrumenten mit sich brachte.

Bleiben noch die Mondknoten, die genau über die MC/IC-Achse verlaufen und eine besondere Begabung sowie Schicksalshaftigkeit der Verwirklichung anzeigen. Der nördliche Mondknoten in Stier und am MC bedeutet, dass Harnoncourt seiner ureigenen Bestimmung und Berufung zu folgen hat (Stier steht für Musik), und zeigt auch eine besondere Leistung an, die zur Berühmtheit führt.

Somit gedenken wir dieses aussergewöhnlichen Menschen und Musikers an seinem 90. Geburtstag mit Freude und Dankbarkeit für das, was er der Musikwelt geschenkt hat.

Meryl Streep zum 70. Geburtstag

Sie gilt als eine der weltweit besten Schauspielerinnen, unpretentiös, wahrhaftig und überzeugend in ihrem Spiel. Rekordverdächtige 21 Oscar-Nominierungen und drei Oscar-Gewinne sprechen eine deutliche Sprache: am 22. Juni 2019 feiert Meryl Streep ihren 70. Geburtstag.

Ich habe mir das Horoskop dieser grossartigen Künstlerin angesehen, kann es uns etwas über ihren Charakter, ihre Schauspielkunst, ihren Erfolg erzählen?

Meryl Streep wurde am 22. Juni 1949 um 8.05 EDT in Summit, New Jersey, geboren. Schon auf den ersten Blick finden wir mehrere ungewöhnliche Details in ihrem Horoskop. Da ist zunächst die Verteilung der Planeten: außer Jupiter finden sich alle Planeten in der linken, der östlichen, Hemisphäre. Das weist auf einen Menschen hin, dem seine eigenen Interessen überaus wichtig sind, und der seinen Weg unbeirrt verfolgt. Gleichzeitig sind alle persönlichen Planeten, also Sonne, Mond, Merkur, Venus und Mars, in der oberen, der südlichen, Hemisphäre, und sogar alle im 4. Quadranten. Diese Frau strebt mit aller Macht an die Öffentlichkeit, die sie braucht, um sich selbst erfahren und verwirklichen zu können. Sie kann gar nicht anders, als in die Welt hinauszugehen und – im übertragenen Sinn – zu sagen: „Seht her, hier bin ich!“

Dazu der Löwe-Aszendent, der sich gerne in den Mittelpunkt stellt, auf die Bühne drängt, um Aufmerksamkeit, Bewunderung und Anerkennung zu bekommen. Dieser Drang auf die Bühne oder ins Rampenlicht war bei Meryl Streep schon in jungen Jahren sichtbar: bei privaten Filmaufnahmen der Familie machte es ihr viel Spaß, vor der Kamera zu agieren. Zunächst versuchte sie sich allerdings als Sängerin – auf das Gesangstalent verweist der Mond als Herr von 12 im Zeichen Stier und im Sextil zur Venus: mit 12 Jahren nahm Meryl auf Drängen ihrer Mutter Gesangsstunden bei der bekannten amerikanischen Sängerin Beverly Sills, erkannte jedoch bald, dass sie sich mit den Opernfiguren nicht wirklich identifizieren konnte, und wechselte zum Theater. Im Vassar College, wo Meryl Streep ab 1967 studierte, wurde sie bald der Star der Dramaklasse. 1971 setzte sie ihre Schauspielausbildung in Yale fort, wo sie in mehr als 40 Rollen brillierte.

Ein weiteres interessantes Detail des Horoskops ist die Sonne, die Herrscherin des Löwe-Aszendenten. Diese steht auf 0° Krebs noch im 11. Haus, aber schon an der Spitze zum 12. Haus und in Konjunktion mit Uranus, der nur eine Bogenminute vor der Sonne steht. Planeten, die in enger Konjunktion mit der Sonne stehen, werden als „verbrannt“ bezeichnet, können sich nicht ihrem Wesen gemäß entfalten. Nicht jedoch, wenn die Konjunktion innerhalb weniger Bogenminuten stattfindet. Dann befindet sich der Planet „im Herzen der Sonne“, erhält eine besondere Strahlkraft.

Die Sonne, die ja für das Ich, die eigene Persönlichkeit, steht, und hier noch dazu Geburtsherrscherin ist, mit Uranus: da können wir tatsächlich von einer aussergewöhnlichen künstlerischen Begabung sprechen (die Stellung in Krebs Spitze 12) und von einer ungewöhnlichen Darstellerin. Meryl Streep hat ja nie den gängigen Schönheitsidealen entsprochen. Vom italienischen Produzenten Dino de Laurentiis wurde sie in jungen Jahren bei einem Vorsprechen rundweg abgelehnt, da sie ihm „zu hässlich“ war – man stelle sich das vor!

Diese enge Bindung an Uranus gibt der gefühlvollen, instinktsicheren, fürsorglichen Krebs-Sonne, die emotionale Nähe und Wärme braucht, eine sehr individualistische Note. Daher wird dieser Frau trotz aller familiären Bedürfnisse ihre Eigenständigkeit, persönliche Freiheit und Unabhängigkeit immer sehr wichtig sein. Die traditionelle Frauenrolle wird sie mit dieser Konstellation nie spielen, vielmehr ungewöhnliche kreative Fähigkeiten ausbilden und sich in der Filmwelt (Sonne an der Spitze des 12. Hauses) verwirklichen.

Meryl Streep hat noch eine eher seltene Konstellation aufzuweisen: eine Yod-Figur (auch Finger Gottes genannt). Jupiter in Wassermann im 6. Haus, aber nahe am Deszendenten bildet ein Quincunx (150°) zur Sonne-Uranus-Konjunktion einerseits und zu Saturn in Jungfrau andererseits. Das heisst zugleich, dass die Sonne im Sextil zu Saturn steht. Jupiter an der Spitze dieser Yod-Figur spielt eine zentrale Rolle, denn er verkörpert eine Aufgabe, der sich die Horoskopeignerin kaum entziehen kann. Jupiter in Wassermann steht für das Recht und die Freiheit, geistige Beziehungen und einen regen Austausch zu Menschen aller Kreise und Ethnien zu pflegen, und für die Überwindung aller Schranken und Klassenunterschiede zu kämpfen, selbst wenn das persönliche Nachteile mit sich bringt. Dabei ist mit der Sonne das ureigenste Wesen involviert, das mit Saturn seine ernste, verantwortliche und disziplinierte Seite einbringt.

Saturn als Herrscher des 6. Hauses zeigt, dass die Schauspielerin ihren Beruf sehr ernst nimmt und sich bei der Arbeit äusserst diszipliniert und pflichtbewusst verhält. Sie verwandelt sich aber nach Drehschluss sofort wieder in die freundliche, loyale und unterstützende Frau und Kollegin, die privat bei sich selbst bleibt und das Divenhafte anderen überlässt.

Nicht nur in ihren Filmen hat Meryl Streep immer wieder Rollen übernommen, die kämpferische, selbstbewusste, ungewöhnliche Charaktere (Sonne-Uranus) zeigen. Man denke nur an die Frauenrechtlerin Emmelline Pankhurst in „Suffragette“, die Schriftstellerin Karen Blixen in „Jenseits von Afrika“ oder die Chemietechnikerin Karen Silkwood, die im gleichnamigen Film gegen die laschen Sicherheitsbestimmungen in einer Plutonium-Aufbereitungsanlage kämpft. Neben ihrer Arbeit als Schauspielerin hat sich Meryl Streep auch privat politisch engagiert und sich beispielsweise gegen Armut und Atomkraft, aber für Abrüstung sowie die Gleichberechtigung der Frauen in der Filmindustrie eingesetzt und so eine Möglichkeit gefunden, diese Yod-Figur zu leben.

Jupiter als Brennpunkt-Planet der Yod-Figur befindet sich im 6. Haus, dem „Arbeitshaus“ und zeigt den Erfolg an, der sich einstellt, wenn die Persönlichkeit mit viel Ausdauer und Verantwortungsbewusstsein (Sonne Sextil Saturn) ihre Aufgaben wahrnimmt. Ehrgeiz, Leistungsdrang sowie Disziplin und die Bereitschaft, wenn nötig, hart zu arbeiten, verhilft ihr im Beruf zur Verwirklichung ihrer Ziele und lässt sie zu einer Autorität und einem Vorbild auf ihrem Gebiet werden. Die geleistete Arbeit bringt Befriedigung, umso mehr, wenn der Erfolg sichtbar ist. Dennoch ruht sich Meryl Streep nie auf dem letzten Erfolg aus, sondern ist immer bemüht, alles zu geben. Sie hat die Fähigkeit, sich in eine Figur total einzuleben, deren Eigentümlichkeiten herauszustreichen, ohne zu desavouieren, sodass auch eine problematische Frauengestalt menschliche Züge erhält – siehe Margaret Thatcher in „Die eiserne Lady“. Wie sie selbst sagt, liebt sie es, in die Haut anderer Menschen zu schlüpfen und die Welt durch deren Augen wahrzunehmen, denn so kann sie ihrem Publikum auch an sich unverständliche Dinge erklären und nahebringen. Das zu erreichen, ist sicher ein Schlüssel ihrer Darstellungskunst, und dieser ist sowohl im Mond-Pluto-Quadrat als auch in der Sonne-Uranus-Konjunktion zu finden.

Mit diesen Konstellationen zeigt Meryl Streep sich weiblich und sensibel, mit starken Gefühlen und Leidenschaften, aber zugleich selbstbewusst und selbständig. Das zeigen u.a. ihre Rollen in „Kramer gegen Kramer“ und „Sophies Entscheidung“, für die sie Oscars erhielt.

Gefühle haben immer auch mit dem Mond zu tun. Dieser ist in Meryl Streeps Horoskop eleviert, also an höchster Position im 10. Haus stehend, und in Stier vom Zeichen her in Erhöhung. Zusätzlich befindet er sich im Sextil und in Rezeption mit Venus (Venus im Mondzeichen Krebs, der Mond im Venuszeichen Stier). Dadurch kann die Schauspielerin ihre Gefühle in einer künstlerischen Betätigung gut ausdrücken und wird von der Öffentlichkeit geschätzt und geliebt. Diese Mondstellung gibt uns auch den Hinweis, dass die Mutter im Leben von Meryl Streep eine wichtige, fördernde Rolle gespielt hat. Das wird von der Schauspielerin bestätigt, die ihre Mutter als sinnliche, warmherzige Frau erlebt hat (Stier-Mond), die Sicherheit und Natürlichkeit bot, sie aber auch zu Disziplin und Strebsamkeit anhielt (Mond in 10) und keine Nachlässigkeit duldete. Die starke Verbundenheit, fast eine gewisse Abhängigkeit, zur Mutter drückt sich auch in dem Quadrat aus, das der Mond zu Pluto bildet – einem an sich dunklen, leidenschaftlichen und verschlingenden Aspekt der Gefühlswelt.

Bei dieser Konstellation gibt es in zwischenmenschlichen Beziehungen sehr intensive Emotionen und Gefühle, nicht selten auch Erfahrungen mit Macht und Ohnmacht. Ein sehr schmerzhaftes Erlebnis hatte Meryl Streep als junge Schauspielerin, als ihr damaliger Lebenspartner John Cazale an Lungenkrebs starb. Sie hatte ihn in seinen letzten Wochen gepflegt, zog aber nach seinem Tod aus der gemeinsamen Wohnung aus und wohnte vorübergehend zur Untermiete bei einem Freund ihres Bruders, dem Bildhauer Don Gummer. Als dieser nach einem Motorradunfall unerwartet in seine Wohnung zurückkehrte, verliebten sich Meryl und er und heirateten ein halbes Jahr später. Aus dieser weithin skandalfreien Ehe gingen 4 Kinder hervor. Uranus, der Herr des 7. Hauses, steht ja für den Partner, und diesen trägt Meryls Sonne „im Herzen“, also ganz nahe in sich. Dennoch ist bei einem Wassermann-Deszendenten immer davon auszugehen, dass eine Beziehung beiden Partnern sehr viel Freiraum bieten muss, um zu bestehen.

Nicht vergessen dürfen wir auch Merkur, der in Zwillinge im 11. Haus und in Konjunktion mit Mars steht. Mars ist Herr von 10 und weist im Zeichen Zwillinge im Kontext mit Merkur auf Redegewandtheit und sprachliche Virtuosität hin. Tatsächlich ist Meryl Streep dafür bekannt, dass sie in ihren Rollen vielfältige Dialekte und Sprachen perfekt umsetzen kann, was den Figuren zusätzliche Glaubhaftigkeit verleiht. Unterstützend wirkt hierbei sicher auch das Trigon, das Neptun auf die Merkur-Mars-Konjunktion wirft und Feinfühligkeit sowie gestalterische Fähigkeiten schenkt. Neben ihrer instinktsicheren Gestaltungskunst ist Meryl Streep aber auch ein kritischer Geist und bringt Dinge auf den Punkt, wie sie es in öffentlichen Auftritten immer wieder unter Beweis stellt. Dass sie uns auch künftig noch in vielen Filmen erfreuen wird, ist dank der Merkur-Mars-Konjunktion fast sicher: denn ein ruhiges Leben ist wohl kein Ziel, das sie anstrebt.

In diesem Sinn wünschen wir Meryl Streep zum 70. Geburtstag alles Gute, Erfolg und Schaffenskraft und uns noch viele bereichernde Kino-Erlebnisse mit ihr.

Erika Pluhar – zum 80. Geburtstag

Sie ist eine der vielseitigsten Künstlerinnen unseres Landes. Die ehemalige renommierte Burgschauspielerin, die ihre kreative Ausdrucksmöglichkeit seit vielen Jahren auch auf die Musik und das Schreiben ausgedehnt hat, feiert am 28. Februar 2019 ihren 80. Geburtstag.

Erika Pluhar ist in Wien-Floridsdorf mit 2 Schwestern aufgewachsen, besuchte nach der Matura das Max Reinhardt-Seminar und wurde gleich nach der Abschlussprüfung an das Wiener Burgtheater engagiert, dessen Ensemblemitglied sie bis 1999 blieb. Während ihre Karriere als Schauspielerin in den 1960-er und 1970-er Jahren Fahrt aufnahm, und sie durch Fernseh- und Kinospielfilme auch einem internationalen Publikum bekannt wurde, verlief ihr Privatleben über weite Strecken problematisch und brachte ihr durch Verluste nahestehender Menschen auch tragische Momente und Verzweiflung. Zur Bewältigung dieser Tragödien trug das Schreiben bei, das sie zwar seit Kindertagen betrieben hatte, jedoch veröffentlichte sie erst ab 1981 eigene Werke – inzwischen Dutzende. In den 1970-er Jahren startete sie auch ihre gesangliche Karriere, ursprünglich vorangetrieben von ihrem 2. Ehemann André Heller, der für sie Texte schrieb und Lieder auswählte. Später trat sie nur noch mit eigenen Texten auf.

Theater, Musik, Literatur – diese Frau lebt in und mit der Kunst. Wie mag sich das in ihrem Horoskop ausdrücken?

Es ist ein durch und durch „künstlerisches“ Horoskop, mit einer Betonung des Elements Wasser, das ja für Gefühlsreichtum und Kreativität steht. Mit dem Aszendenten, mit Sonne, Jupiter und Merkur in Fische – nur der überpersönliche Pluto steht noch im Wasserzeichen Krebs – ist vor allem der künstlerische Bereich angesprochen, Phantasie, Hoffnungen, Illusionen, aber auch Verunsicherungen und Ängste, die oft verdrängt sind und ans Licht des Bewusstseins geholt werden sollten. Das Leben in einer Scheinwelt, im Theater oder Film, passt hier natürlich perfekt dazu, ebenso das Täuschen, Verstellen und Flüchten in Träume. Wie hätte Erika Pluhar das besser lösen können als im Beruf der Schauspielerin, wo sie die Rollenspiele perfektionieren konnte.

Der Fische-Aszendent macht besonders feinfühlig und sensibel, die Empfindungen sind stark ausgeprägt, ebenso die emotionale Verbundenheit mit anderen. Sie hat eine reiche Phantasie und agiert oft aus einem Bauchgefühl heraus. Persönliche Beziehungen und menschliche Werte bedeuten ihr sicherlich mehr als materieller Besitz oder theoretisches Wissen, sie kann sich aber auch in Gefühlen verlieren oder sich bis zur Selbstaufgabe anpassen.

Frauen mit einem Fische-Aszendent wirken oft auf andere Menschen faszinierend, weil sie geheimnisvoll, mysteriös, schillernd und schwer zu fassen sind, kaum ihr wahres Gesicht zeigen und dadurch die Phantasie anregen. Erika Pluhar war zwar schon als „jugendliche Liebhaberin“ (ihr Rollenfach am Burgtheater) eine in Wien bekannte und beliebte Darstellerin, richtig berühmt wurde sie jedoch durch ihre Verkörperung der Madame Forestier im Fernsehfilm „Bel Ami“ von Helmut Käutner (mit Helmut Griem in der Titelrolle, der während der Dreharbeiten ihr Liebhaber wurde). Diese Madame Forestier – eine sogenannte „Femme fatale“ wurde in den darauffolgenden Jahren zu Pluhars Synonym, auch wenn sie zahlreiche andere Film- und Theaterrollen spielte.

Wenn Sonne und Aszendent im selben Zeichen stehen und die Sonne ausserdem nahe am Aszendenten, legt sie aber doch auch einen gesunden Egoismus an den Tag, um zu überleben, das eigene Ego steht im Mittelpunkt des Interesses, auch wenn sie es immer wieder (im 12. Haus) versteckt und verdrängt.

Natürlich müssen wir uns auch den Geburtsherrscher ansehen, in diesem Fall also Neptun, den Herrscher des Fische-Zeichens. Dieser steht im Erd-Zeichen Jungfrau im 7. Haus in Rezeption und gleichzeitig Opposition zu Merkur in Fische am Aszendenten. Das ist eine sehr interessante Konstellation, denn beide Planeten stehen in ihrem Exil (Merkur herrscht über Jungfrau). Der Geburtsherrscher im 7. Haus drückt eine grosse Hingabefähigkeit und Opferbereitschaft für den Partner aus, er ist dazu mit den beiden „weiblichen“ Planeten Mond (im Quadrat) und Venus (im Trigon) verbunden. Erika Pluhar ist (oder war lange Zeit) bereit, alles für den jeweiligen Partner zu tun, sich ihm anzupassen und nützlich zu machen. Sie neigt dazu, schwache, kranke oder süchtige Partner anzuziehen (natürlich auch Künstler oder solche, die nicht wirklich für sie da sind), nimmt gerne die Helferrolle ein, ist also eine klassische Co-Abhängige – was sie aber inzwischen durchschaut haben dürfte. Ihr erster Ehemann Udo Proksch war ebenso Alkoholiker wie ihr späterer Lebensgefährte Peter Vogel, der zusätzlich an Depressionen litt und sich das Leben nahm. Von anderen Männern wurde sie betrogen oder verlassen. Ein an Enttäuschungen – aber auch ein an künstlerischen Höhenflügen und Rauscherlebnissen reiches Liebesleben also.

Als Fische-betonte Frau verfügt sie ohnehin nicht über eine übermäßige Abgrenzungsfähigkeit, und als junge Frau träumte sie – wie sie bekennt – vom „Märchenprinzen“ (Venus Trigon Neptun).

Was sich auf das Liebesleben problematisch auswirkt, hat aber einen positiven Effekt auf die Kreativität: die Rezeption zwischen Merkur und Neptun verleiht eine ungezügelte Phantasie, ausgeprägte Intuition, sowie die Fähigkeit, den geheimen Sinn von Worten zu erspüren und auch auszudrücken, was natürlich für Schriftsteller oder Musiker überaus günstig ist.

Überhaupt steht der Fische-Merkur im 1. Haus, in gradgenauer Konjunktion zum Aszendenten, für das Bedürfnis, sich mitzuteilen, oder, wir könnten auch sagen, für den künstlerischen Selbstausdruck über Worte. Ihre Fähigkeit, die Phantasie in Worte zu kleiden, in eine subtile oder tiefgründige Bildersprache zu verwandeln, ist eines der grossen Talente der Erika Pluhar und sicherlich diesem Merkur zu verdanken. Aber auch die Kontaktfreudigkeit, die Vielseitigkeit, das Führen eines Tagebuches seit den Jugendtagen geht auf diese Merkurstellung zurück, der noch dazu mit Mond (in Zwillinge) und Neptun ein T-Quadrat bildet. Es ist dieser Frau wirklich ein Anliegen, über ihre Gefühle und Bedürfnisse zu sprechen und zu schreiben (Zwillinge-Mond im 3. Haus). Gleichzeitig verleiht ihr dieser Mond ein Gefühl der Leichtigkeit, die ihr sonst eher zu fehlen scheint, ebenso ein grosses Kommunikations- und Abwechslungsbedürfnis, intellektuellen Wissensdurst und Vielseitigkeit. Sie beschäftigt sich wohl intensiv mit der Psyche (der eigenen und auch fremden), hat daher Interesse für Psychologie und auch schon therapeutische Hilfe in Anspruch genommen, um über ihre Gefühle und deren Verletzlichkeit zu sprechen.

Der Mond ist durch das Quadrat zu Neptun auch verletzt – hier zeigen sich seelische Labilität, emotionale Verletzbarkeit und ein Chaos im Gefühlsleben ebenso wie ein Defizit an Zuwendung und Geborgenheit, das in ein Gefühl der Verlorenheit und Angst münden kann. Ebenso ist eine gewisse Unsicherheit über die eigene Weiblichkeit und Mütterlichkeit „vorprogrammiert“, vielleicht auch die Unfähigkeit, der eigenen Tochter genügend Nestwärme und Zärtlichkeit geben zu können. Auf der anderen Seite gibt es eine grosse Naturverbundenheit und Liebe zu Tieren. Wie Erika Pluhar schreibt, sind ihr Spaziergänge und Aufenthalte in der Natur ein Grundbedürfnis, und als Mädchen hatte sie sogar erwogen, Tierärztin zu werden.

Der Mond steht auch noch in einer separativen, also schwächer werdenden Opposition zu Mars, dem Mitherrscher des 1. Hauses (das Zeichen Widder ist vollständig im 1. Haus eingeschlossen). Dieser Mars steht als elevierter (höchststehender) Planet in Schütze und bildet ein Gegengewicht zur starken Fische-Betonung. Begeisterung und Idealismus sind für sie daher die stärkste Motivation zum Handeln, das bewies Erika Pluhar sowohl in ihren künstlerischen Aktivitäten als auch in ihrem privaten Engagement. Als musikalische Botschafterin der Friedensbewegung in den 1980-er Jahren war sie entschlossen, viel Energie einzusetzen, damit sich die Welt ihren Idealen entsprechend verbessern könne, dabei zeigte sie Zivilcourage und trat mutig für ihre Überzeugungen ein – beispielsweise in Portugal bei der Nelkenrevolution. Sie liebt fremde Länder und Kulturen und bezieht viel Lebensfreude aus der Eroberung neuer Horizonte, muss aber für eine Sache “Feuer und Flamme” sein, damit diese wert ist, umgesetzt zu werden.

Dieser Mars ist gewissermaßen ihre Rettung. Mit der Fische-Sonne kennt sie ja Verunsicherungen und Zweifel, bevor sie zur Tat schreitet, daher kommt ihr der Mitherrscher des 1. Hauses sehr gelegen. Ihn sollte sie ins Bewusstsein holen und leben, und das hat sie meiner Meinung nach auch getan.

Die Opposition zwischen Mond und Mars macht sie zu einer „starken Frau“, die aber vielleicht manchmal Angst vor der eigenen Courage hat. Als junge Frau dürfte ihr diese Stärke – die zeitweise mit übertriebenen emotionalen Reaktionen einhergehen kann – eher unangenehm gewesen sein, da sie fürchtete, weniger geliebt und geschätzt zu werden. Im Lauf der Zeit hat sie aber wohl gelernt, diese Spannung in sich zu überwinden, sich ihrer Stärke bewusst zu werden und diese auch gezielt einzusetzen, wo es ihr nötig erschien.

Mars steht aber nicht nur in Schütze, er erhält auch ein Quadrat von Jupiter in Fische, das führt zwar manchmal dazu, dass sie ihre Kräfte und Möglichkeiten überschätzen könnte, andererseits gelingt es ihr aber auch, Dinge zu realisieren, die andere nicht für möglich gehalten hätten, einfach, weil sie so stark an sich und ihre Kraft geglaubt hat. Ihre Handlungen sind mit grossem Optimismus und Begeisterungsfähigkeit gekoppelt, aber es ist für sie wichtig, dass ihre Aktivitäten Sinn machen und einem höheren Zweck dienen (Jupiter in Fische). Einmal in Fahrt gekommen, ist sie kaum mehr zu bremsen, denn wenn ihr etwas sinnvoll erscheint, tut sie auch meist das Richtige. Der gut stehende Jupiter in Fische und im 12. Haus drückt auch aus, dass sie in höchster Not aufgefangen und gehalten wird. Dadurch können negative Erfahrungen in positive und Hindernisse in hilfreiche Ereignisse verwandelt werden.

Mars steht im Quadrat zu Merkur, das könnte ein Hinweis auf eine sehr scharfsinnige Gesprächskultur sein, allerdings neigt Erika Pluhar dazu, sich leicht zu erregen und dann vielleicht aggressiver oder gereizter zu wirken, als sie eigentlich ist.

Kommen wir noch auf die Venus zu sprechen. Diese steht in Erika Pluhars Radix in Steinbock im 11. Haus, ein Hinweis auf eine klassische, eher herbe Schönheit, die Beziehungen und Freundschaften ernst nimmt und dazu neigt, dabei viel Verantwortung zu übernehmen. Das Halbquadrat zur Sonne steht für eine Frau, die sich im Grunde nicht liebenswert findet. Die Opposition zu Pluto tut ein übriges: Diese ernsthafte, zurückhaltende Venus hat ein unbändiges Bedürfnis nach intensiven, aufwühlenden Beziehungen, in denen es auch zu Tabubrüchen, zu Gewalt und Missbrauch kommen kann. Erika Pluhar schreibt ja offen darüber, dass ihr erster Ehemann sie geschlagen hat, subtile Machtspiele in anderen Beziehungen werden zumindest angedeutet. Das Loslassen dürfte ihr nicht leicht gefallen sein. Doch hat ihr letztlich ihr kreatives Potenzial geholfen, den Druck aus den Beziehungsproblemen herauszunehmen.

Das separative Trigon zwischen Venus und Neptun drückt dennoch ein starkes Bedürfnis nach Nähe und Hingabe aus und die Tendenz, den jeweiligen Partner zu idealisieren. Mit den Jahren ist es ihr aber immer besser gelungen, sich auch von einem geliebten Du klar abzugrenzen und generell die Menschen so zu nehmen, wie sie tatsächlich sind. Ausserdem ist ihr im Lauf des Lebens ihre Unabhängigkeit so lieb geworden, dass sie sich trotz ihrer Sehnsucht nach Liebe nicht vereinnahmen lässt. Dieser Aspekt lässt sich konstruktiv leben, wenn sie einerseits lernt, ihre zahlreichen Ideen auf kreative Art umzusetzen, und andererseits auch der Spiritualität im Leben einen Platz einzuräumen. Beides scheint ihr gelungen zu sein.

Was ich persönlich an dieser grossartigen Frau und Künstlerin bewundere, ist ihr unbändiger Lebenswille, der sie trotz mehrerer privater Katastrophen nie ganz verlassen hat (auch wenn sie nach dem Tod ihrer einzigen Tochter Anna nahe dran war, ihr nachzufolgen), sowie die permanente Auseinandersetzung mit den eigenen inneren Verletzungen und Abgründen, die sie zu einer abgerundeten, der Weisheit nahen und auf wohltuende Weise gereiften Persönlichkeit gemacht haben.

Dieser wunderbaren Frau wünschen wir zu ihrem 80. Geburtstag noch viele erfüllte Jahre voller Schaffenskraft und Lebensfreude, um ihren Weg der Kreativität und Weisheit fortzusetzen.

Niki Lauda zum 70. Geburtstag

Er ist sicherlich einer der bekanntesten Österreicher: Niki Lauda, dreifacher Formel I-Weltmeister, Pilot und Ex-Eigentümer mehrerer Fluggesellschaften, feiert am 22. Februar 2019 seinen 70. Geburtstag.

Es ist ja fast ein Wunder, dass er diesen Geburtstag erleben kann (feiern mag er ihn nicht, wie er sagt), denn schon mehrmals ist er dem Tod von der Schippe gesprungen. Wer erinnert sich nicht an seinen grauenvollen Feuerunfall am Nürburgring vom 1. August 1976? Selbst diejenigen, die damals noch nicht geboren waren, haben sicherlich später Bilder davon gesehen. Damals war es unglaublich, dass er trotz schwerster Verbrennungen überlebt hatte, und noch viel unglaublicher war es, dass er bereits nach 42 Tagen wieder auf eine Rennstrecke zurückkehrte und im darauffolgenden Jahr neuerlich Weltmeister wurde.

1978 verließ er die Formel I, um seine erste eigenen Fluglinie, die Lauda Air, aufzubauen, kehrte jedoch 1982 zurück und wurde 1984 ein drittes Mal Weltmeister, ehe er sich 1985 endgültig vom Rennsport verabschiedete.

Spätere Schlagzeilen machte er vor allem, als eine Maschine der Lauda Air 1991 vermutlich aufgrund eines Konstruktionsfehlers in Thailand abstürzte, und auch wegen zahlreicher gesundheitlicher Probleme. Das Einatmen giftiger Dämpfe bei seinem Unfall auf dem Nürburgring hatte seine Lunge stark verätzt, die Einnahme starke Medikamente seine Nieren angegriffen, was ihn immer wieder in einen kritischen Zustand geraten ließ, sodass er Transplantate dieser Organe erhielt. Immer wieder schaffte er es ins Leben zurück. Woher diese Kämpfer-, diese Stehaufmännchen-Qualitäten?

Schauen wir in sein Horoskop.

Wir sehen eine Fische-Sonne im 10. Haus in Konjunktion mit Mars, einen Zwillinge-Aszendent und eine Merkur-Uranus-Rezeption. Was bedeutet das?

Ein Aszendent im Luftzeichen Zwillinge beschreibt einen neugierigen, umtriebigen, kommunikativen Menschen, der immer in Bewegung und ständig unterwegs ist, denn er hält es nirgends lange aus. Einen unsteten, unruhigen Menschen, einen Zweifler, der alles hinterfragt und in Frage stellt. Merkur, der Herrscher der Zwillinge und also Geburtsherrscher, befindet sich im Zeichen Wassermann, ebenfalls einem Luftzeichen, wie ja überhaupt das Luft-Element in Laudas Horoskop überwiegt und die Unruhe und Beweglichkeit des Zwillinge-Aszendenten noch untermauert.

Ausserdem gibt es eine Rezeption zwischen dem Geburtsherrscher Merkur und Uranus, der das 10. Haus beherrscht, und der im 1. Haus ganz nahe am Aszendenten platziert ist. Uranus kommt also auch eine grosse Bedeutung in diesem Horoskop zu, er steht nicht nur für ein ungewöhnliches Äusseres – Lauda hatte ja vor seinem schrecklichen Unfall den Spitznamen „Schnellste Maus Österreichs“, was seiner eigenwilligen Zahnstellung geschuldet war -, sondern auch für eine gewisse Exzentrik und Eigenwilligkeit. Der Horoskopeigner empfindet sehr stark seine Individualität und Besonderheit, er ist von seiner Einzigartigkeit überzeugt, auch wenn er das anderen vielleicht nicht immer so vermitteln kann. Niki Lauda haben sicher viele, die mit ihm zu tun haben oder hatten, als kühl und undurchdringlich erlebt, einen Menschen, der keinerlei Einengung verträgt, sondern prinzipiell nur aus freien Stücken handelt und kaum bereit ist, sich einem System ein- oder gar unterzuordnen. Obwohl er mit Ferrari grosse Erfolge erzielt hatte, verließ er das Team, als es ihm seiner Meinung nach nicht mehr die geforderte Unterstützung zuteil werden ließ, und wechselte erst zu Brabham, später zu McLaren. Ebenso unberechenbar und exzentrisch mag manchen sein erster Ausstieg aus der Formel I mit der Begründung „Ich will nicht mehr im Kreis fahren“ erschienen sein. Interessantes Detail: exzentrisch bedeutet „aus dem Kreis heraustretend“.

Schon das MC im Zeichen Wassermann ist ein Hinweis darauf, dass sein Ziel Unabhängigkeit und Individualität ist, und zwar in einem Beruf, der vermutlich nicht den Normen entspricht. Auch in diesem ungewöhnlichen Beruf ist er immer für Neues aufgeschlossen, ist risiko- und experimentierfreudig. Nicht zuletzt steht Wassermann auch für die Fliegerei, Laudas weitere Leidenschaft neben und nach dem Rennsport.

Als Herrscher des Berufshauses bezeichnet Uranus in 1 auch einen ungewöhnlichen Beruf im Bereich Beweglichkeit und Sport, aus dem er selbst viel persönliche Kraft gewinnt. Der Erfolg erklärt sich aus seiner Identifikation mit dem Beruf. Astrologisch sehen wir den beruflichen Erfolg einerseits in der starken Besetzung des 10. Hauses, in dem sich Sonne, Mars und Venus befinden, und auch in der Venus-Stellung in Konjunktion mit dem MC und im Trigon mit dem Aszendent.

Die Sonne in 10, wiewohl im Wasserzeichen Fische eher schwach stehend, erhält doch durch die Konjunktion mit Mars einen ziemlichen Aktivitätsschub sowie eine kämpferische Note, verbunden mit Unternehmungslust, Sportlichkeit und Konkurrenzdenken. Durch die Stellung im 10. Haus, das für Beruf und Öffentlichkeit steht, wird Lauda aufgefordert, die eigene Identität und Ich-Wahrnehmung zu stärken und sich selbst in Beruf und Gesellschaft zu verwirklichen. Die Sonne herrscht über das 4. Haus (Familie) und steht im 10. Haus: der Vater ist dominant und bestimmt das Leben in der Familie, ist aber emotional nicht vorhanden (Sonne Opposition Saturn).

Da Mars das 11. Haus beherrscht, spielen auch Gruppen (Teams) eine grosse Rolle bei der Erreichung der beruflichen Ziele. Auch ein gewisser Geltungsdrang wird sich durch diese beiden „aktiven“ Himmelskörper im 10. Haus zeigen. Im Beruf tendiert der Horoskopeigner zur Kompromisslosigkeit (Pluto Opposition MC), er hat auch keine Scheu, sich mit Autoritäten anzulegen, wenn er in seiner Entfaltung oder Durchsetzung behindert wird. Wenn er sich etwas in den Kopf gesetzt hat, dann wird er es auch durchziehen.

Das war bei Andreas Nikolaus Lauda, der am 22. Februar 1949 in eine wohlhabende und einflussreiche Wiener Industriellenfamilie hineingeboren wurde, schon in jungen Jahren zu sehen. Schulische Erfolge interessierten ihn wenig (Merkur in Wassermann im 9. Haus ist ein Freigeist, der Zwänge nicht aushält), Autos dafür umso mehr. Zielstrebig arbeitete er auf eine Karriere im Autorennsport hin. Von der Grossmutter erbettelte er einen Mini, dann sponserte die Erste Bank einen March für seine ersten Schritte in der Formel V, und später nahm Lauda einen Kredit für seinen Einstieg in die Formel I auf, für den er seine Lebensversicherung belehnte. Vater und Grossvater waren gegen diese Rennambitionen, sie hätten ihn lieber ebenfalls in der Industrie gesehen. Mit ihnen überwarf sich der junge Niki zumindest am Beginn seiner Karriere. Immerhin ist es ihm gelungen, eigene Maßstäbe zu schaffen, die von denen der Eltern abweichen, und sich im Lauf der Zeit selbst die Anerkennung und Wertschätzung zu geben, die er ursprünglich von der Familie erwartet hat (Steinbock-Mond in 7 im Trigon zu Saturn in 4).

Mit Saturn im 4. Haus und Pluto direkt am IC sehen wir ein konservatives, strenges und eher kühles Elternhaus, in dem es viele Pflichten, aber wenig Wärme und Geborgenheit gab. Saturn in 4 ist auch ein Hinweis darauf, dass der patriarchale Grossvater eine wichtige Rolle in dieser Familie spielte. Pluto am IC bezeichnet eine mächtige, einflussreiche Familie, in der es Machtstrukturen, aber wohl auch Tabuthemen gab. Für Niki ein Ansporn und ein starkes Bedürfnis, sich zu beweisen und seine Umgebung unter Kontrolle zu halten. In Interviews und Gesprächen hat er seine Partner des öfteren durch unverblümte Äusserungen vor den Kopf gestoßen, dennoch rückte er von seiner Meinung nicht ab (Merkur Opposition Pluto). Im Beruflichen könnte man diesen Aspekt (Pluto steht ja in Opposition zum MC) auch als Sklaventreiberaspekt bezeichnen, was vermutlich ehemalige MitarbeiterInnen der Lauda Air oder von Fly Niki bestätigen können, denen er eher weniger schenkte.

Sein bekannter Werbespot mit der Aussage „Ich habe ja nichts zu verschenken“ ist – obwohl von Lauda selbst stets geleugnet – möglicherweise doch eine Anspielung auf seinen nicht allzu grosszügigen Umgang mit Geld (Mond als Herr von 2 in Steinbock) nicht nur im privaten, sondern eben auch im geschäftlichen Bereich. Zeit und Geld möglichst ökonomisch einzusetzen, dürfte jedenfalls seine Devise sein.

Dieser Steinbock-Mond, der jedoch auch im Sextil zur Sonne und im Trigon zu Saturn steht, ist ein ganz wesentlicher Faktor für Ehrgeiz und Leistungsstreben. Lauda arbeitet genau und effizient und bringt sich mit viel Einsatz und Perfektionismus ein. Aus mangelnder Wärme und emotionaler Sicherheit seitens der Familie hat sich hier aber auch ein enormes Bedürfnis nach Anerkennung und Sicherheit entwickelt, das sich eben in Zielgerichtetheit und Ausdauer ausdrückt, wenn es darum geht, Beachtung und Anerkennung zu bekommen. Dabei bleibt er emotional kontrolliert und in seinen Gefühlsäusserungen vernünftig, sachlich und zurückhaltend, um weitere Verletzungen der Gefühle zu vermeiden.

Der Mond steht im 7. Haus, was darauf hinweist, dass Beziehungen in seinem Leben sehr wichtig sind. Von früher Jugend an war Lauda immer in einer Beziehung zu einer schönen Frau, die ihm Struktur und Sicherheit geben sollte und in gewisser Weise ein Ersatz für die Mutter war. Mit Mariella Reininghaus aus der steirischen Bierbrauerdynastie war er lange verlobt, bevor er Marlene Knaus kennenlernte und 1976 auch heiratete. Letztere – ihr Geburtsdatum ist nicht bekannt – gab ihm Halt und wurde die Mutter seiner beiden ältesten Söhne. Vor allem war sie ihm mütterliche Freundin, sein Fels in der Brandung, die ihm in allen Hochs und Tiefs seines Lebens beistand, auch als die Liebesbeziehung wegen häufiger ausserehelichen Umtriebigkeiten des Rastlosen schon lange beendet war (die Scheidung erfolgte 1991).

Aber auch seine 2. Ehefrau, die wesentlich jüngere Birgit Wetzinger, bewies Standfestigkeit und Verantwortungsgefühl. Sie spendete Niki eine Niere, nachdem die erste, die er von seinem Bruder Florian erhalten hatte, nach Jahren ihren Dienst versagte und abgestoßen wurde.

Ergänzend zu seinem Frauenbild, das durch den Mond dargestellt ist, drückt die Wassermann-Venus im Trigon zu Uranus aus, dass Niki Lauda sich auch in einer Beziehung unbedingt seine Unabhängigkeit und Eigenständigkeit bewahren will, eine Partnerin darf sich keinesfalls einschränkend verhalten oder ihn unbedingt an sich binden wollen. Das muss alles auf seiner Freiwilligkeit beruhen. Birgit scheint das gelungen zu sein, sie hält sich als Mutter der 10-jährigen Zwillinge brav im Hintergrund, ohne jedoch den Anschein einer grauen Maus zu erwecken. Im Gegenteil: sie dürfte eine starke Frau sein, die nach Jahren wieder Ordnung in das Leben ihres Mannes gebracht hat und ihm durch ihre Liebe Halt gibt (Mond in Steinbock in 7), auch in moralischer Hinsicht (Schütze-Deszendent).

Möglicherweise ist es ihrem Einfluss zu verdanken, wenn in den letzten Jahren Nikis sanfte, sensible Seite mehr und mehr zum Vorschein gekommen ist. Die Anlage dafür ist ja vorhanden: nicht nur die Fische-Sonne, auch ihr Herrscher Neptun im 5. Haus, der mit Aszendent und MC ein grosses Trigon bildet. Neptun verleiht ihm aber auch ein feines und untrügliches Gespür für geschäftliche Entwicklungen und Erträge, selbst wenn er sich dessen gar nicht bewusst ist.

Die Schwachstelle unseres seinerzeit so genannten „Niki Nazionale“ ist seine Gesundheit (Chiron im 6. Haus). Wie schon erwähnt, wurden Lunge und Nieren durch den Flammenunfall stark geschädigt, sodass bereits mehrere Implantationen notwendig waren. Wahrscheinlich wäre es für ihn besonders wichtig, seine Gefühle in angemessener Weise zum Ausdruck zu bringen und eine Synthese zwischen Körper und Seele herzustellen, wozu die Sonne-Mond-Saturn-Verbindung auffordert.

Auch wenn er nach eigener Aussage Geburtstagsfeiern hasst, wünschen wir Niki Lauda zum 70. Geburtstag jedenfalls vor allem gute Gesundheit und noch viele gute Jahre mit seiner Familie
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Arik Brauer – zum 90. Geburtstag

Ein Überlebenskünstler war er immer schon. Am 4. Jänner 1929 als Sohn eines jüdischen Schusters in Wien geboren, musste er als Kind erleben, wie sein Vater von den Nazis in ein Konzentrationslager verschleppt und dort ermordet wurde. Der kleine Erich – so sein Geburtsname – überlebte das Terrorregime in einem Versteck in Wien.

Gleich nach dem Krieg begann Brauer an der Akademie der Bildenden Künste in Wien bei Albert Paris Gütersloh Malerei zu studieren. In dieser Zeit gründete er mit seinen Studienkollegen Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Wolfgang Hutter und Anton Lehmden die Wiener Schule des Phantastischen Realismus. Ab 1947 studierte er zusätzlich Gesang an der Musikschule der Stadt Wien. 1954/55 lebte Brauer als Sänger und Tänzer in Israel und trat 1956 als Tänzer im Raimund-Theater in Wien auf. 1957 heiratete er die aus Israel stammende Jemenitin Naomi Dahabani, mit der er nach Paris zog und dort gemeinsam mit ihr als Gesangsduo auftrat. Gleichzeitig hatte er in Paris seine erste erfolgreiche Einzelausstellung als Maler. 1964 verließ er Paris und kehrte mit seiner Frau nach Wien zurück, wo die Phantastischen Realisten bereits grosse Erfolge verzeichnen konnten.

Brauer, der seinen Vornamen später von Erich auf Arik änderte, war immer ein vielseitiger Künstler, der neben Gemälden auch Bühnenbilder (z.B. für die Wiener Staatsoper) schuf und in den 1970-er Jahren auch eine viel beachtete Sänger-Karriere mit Dialektliedern startete. Seit den 2000-er Jahren tritt er auch gemeinsam mit seinen Töchtern Timna und Ruth sowie dem Schwiegersohn Elias Meiri auf. 1986 bis 1997 war Arik Brauer ordentlicher Professor an der Akademie der bildenden Künste in Wien.

1991 begann er mit der künstlerischen Gestaltung des 1994 fertiggestellten Arik-Brauer-Hauses im 6. Wiener Gemeindebezirk Mariahilf. 2002 erhielt er den Auftrag der Botschaft Österreichs in Berlin zur Gestaltung des österreichischen United Buddy Bears, den er in der Art des Phantastischen Realismus bemalte.

Arik Brauer wirkt mit 90 Jahren nach wie vor sehr vital und geistig rege, und obwohl er der Politik der derzeitigen österreichischen Regierung kritisch gegenübersteht, verurteilt er die Regierungsmitglieder der FPÖ nicht pauschal, sondern zeigt sich tolerant und humanistisch. Hat diese Einstellung etwas mit seinem Geburtshoroskop zu tun?

Das Geburtsdatum verrät, dass wir es hier mit einer Steinbock-Sonne zu tun haben, die sich in der positiven Verwirklichung durch grosses Verantwortungsgefühl, Treue, Disziplin, Konsequenz, Beständigkeit, Zuverlässigkeit und Pflichtbewusstsein auszeichnet. Steinbock-Geborene verfügen in der Regel über Ehrgeiz und grosses Vertrauen in die eigene Kraft. Sie können sich in die schwierigsten Probleme so lange vertiefen, bis sie eine geeignete Lösung gefunden haben. Und sie sind fähig, sich für eine gewisse Zeit zu reduzieren und mit geringsten Mitteln auszukommen.

Allerdings kann die Sonnenstellung in Steinbock und im 2. Haus auch auf Selbstzweifel sowie ein geringes Selbstwertgefühl hinweisen. Gleichzeitig existiert jedoch auch die innere Überzeugung, es aus eigener Kraft, mit Fleiss und Ausdauer „schaffen“ und sich so seinen eigenen Wert verleihen zu können. Auch wenn Brauer aus ärmlichen Verhältnissen stammte und gelernt hatte, mit Kargheit und Armut umzugehen, so bestand dennoch das starke Bedürfnis, seine Talente und Fähigkeiten zu entwickeln, um (materielle) Werte zu erwerben und zu einem stabilen Selbstwertgefühl zu gelangen. Steinbock-Geborenen wird ja Langlebigkeit nachgesagt, viele spüren das auch und sind daher bestrebt, durch das Anhäufen von Werten einer möglichen Altersarmut vorzubeugen. Arik Brauer braucht sich davor sicher nicht zu fürchten.

Brauers Sonne weist keine Aspekte auf – ausser eine Opposition zu Pluto: Als Kind musste er Situationen erleben, in denen er sich total hilflos und ausgeliefert fühlte, um sein Leben kämpfte und Gewalt hautnah miterlebte. Diese frühen Erfahrungen mit Macht und Gewalt haben ihn so weit geprägt, dass er sich vermutlich nach dem Ende des Kriegs geschworen hat, sich nie wieder zum Opfer machen zu lassen. Die starke Verletzung der durch die Sonne verkörperten eigenen Persönlichkeit führte dazu, dass er stets Mühe hatte, Situationen zu akzeptieren, die er nicht kontrollieren konnte. Da die Sonne im Horoskop aber auch für den Vater steht, finden wir in der Pluto-Opposition wohl den Hinweis auf die Ermordung des Vaters.

Bei all diesen traumatischen Kindheitserfahrungen konnte Brauer seinen Schütze-Aszendenten nur als Rettung erleben, denn der stattete ihn trotz allem mit genügend Optimismus und Selbstvertrauen aus, um sich nicht so leicht unterkriegen zu lassen und selbst schwierigste Situationen zu meistern. So hat er das Leben mit viel Schwung und Elan angepackt, wirkt lebhaft, spontan, begeisterungsfähig und überzeugend. Sein Leben wird in vielen Bereichen bestimmt von der Sinnsuche, und im Lauf seines Lebens hat er wohl erkannt, dass alles mit allem verwoben ist, Sinn hat und in einem grösseren Zusammenhang steht. Ein Mensch mit Schütze-Aszendent braucht aber auch Bewegung, geistige und körperliche. Arik Brauer war immer sehr sportlich. In seiner Jugend reiste er mit dem Fahrrad durch Europa und Afrika, später ging er leidenschaftlich gerne bergsteigen und schifahren.

Auch die Stellung des Geburtsherrn ist in diesem Zusammenhang wichtig. Jupiter, der über das Zeichen Schütze herrscht, steht auf 0° Stier im 5. Haus in Konjunktion mit Chiron und im Trigon zu Neptun. Die persönliche Selbstverwirklichung ist also an etwas Neues geknüpft (0°-Stellung des Aszendenten-Herrschers im 5. Haus), und Kreativität wird als lebensnotwendiger Selbstausdruck empfunden. Wie wir schon im Blog über Hundertwassser festgestellt haben, bedeutet die 0°-Stellung des Geburtsherrschers, dass der Betreffende sich aus der Masse heraushebt. Jupiter als Geburtsherr verkörpert den Hunger nach Wahrheit und sinnvoller Orientierung im Leben. Der Horoskopeigner glaubt an ein höheres Ideal und eine günstige Fügung im Leben und muss doch immer wieder schmerzhaft feststellen, dass seine Vorstellungen sich nicht mit der Realität decken. Er gibt sich jedoch nicht geschlagen, sondern möchte seinen Beitrag für eine bessere Welt erbringen und setzt sich mit leidenschaftlichem Engagement gegen die Übel in der Welt ein – so wie Brauer das beispielsweise mit seinen kritischen Liedern getan hat. So versteht er es, auch anderen Sinn und Begeisterung zu vermitteln. Trotz seiner entsetzlichen Erfahrungen als Kind und Jugendlicher schafft er es, sich seinen Glauben an das Gute im Menschen zu bewahren und eine versöhnliche Haltung einzunehmen (Jupiter Trigon Neptun).

Und wo sehen wir den Künstler?, werden Sie fragen. Nun, wie bei den meisten Künstlern, die sich in der Öffentlichkeit durchsetzen konnten, gibt es hierfür mehrere Hinweise. Zunächst finden wir das MC im künstlerischen Waage-Zeichen, die Herrscherin Venus in Wassermann im 3. Haus. Neben Freiheitsliebe, Toleranz, der Suche nach einer aufregenden, unkonventionellen Beziehung steht eine Wassermann-Venus auch für ein ungewöhnliches Kunstverständnis. Heutzutage ist uns der Phantastische Realismus vertraut, doch in den 1950-er Jahren galt er als höchst irritierend, da nach dem 2. Weltkrieg die Kunst sich eher abstrakt, gegenstandslos oder monochrom ausdrückte. Diese Wiener Schule aber verwendete phantastisch-unwirkliche Motive, manchmal mit schockierenden, apokalyptischen Inhalten, oft mit einer Orientierung am Manierismus sowie an der Maltechnik der Alten Meister. In diesem Sinn war diese Neuschöpfung, an der Brauer beteiligt war, schon sehr innovativ und ungewöhnlich. Dass sie auch erfolgreich wurde, liegt wieder am Geburtsherrscher Jupiter, der dem MC im Quincunx gradgenau verbunden ist.

Diese berufsbezogene Wassermann-Venus bezeichnet also einen Freigeist und Visionär, der nicht in kleinkarierten Schablonen denkt und seiner Zeit in vielen Dingen voraus ist, authentisch und immer sich selbst treu. Im 3. Haus besteht natürlich ein reges Interesse für Kunst und Selbstdarstellung, die Begabung für Design, Interesse an künstlerischen und kulturellen Unternehmungen und eine Vorliebe für Literatur und Dichtung. Darüberhinaus hat Brauer dank dieser Venus eine angenehme, melodische Stimme und die Fähigkeit, in seiner Umgebung eine fröhliche, harmonische Atmosphäre zu verbreiten. Er pflegt regen Gedankenaustausch mit Freunden und Bekannten, kann witzig, optimistisch und sehr charmant sein.

Das Trigon zwischen Venus und Mars steht für die Ausgewogenheit der männlichen und weiblichen Anteile eines Menschen. Meist findet er einen vernünftigen Kompromiss zwischen den Polen Lebensgenuss, Harmonie, Kreativität und Aktivität im Beruf, steht mit beiden Beinen im Leben und hat großen Spaß daran. Ebenso hat er eine faszinierende Ausstrahlung und dementsprechend wahrscheinlich viele interessante Bekanntschaften und Beziehungen. Er ist jedoch vernünftig genug, deswegen nicht stabile Beziehungen privater oder beruflicher Art leichtsinnig aufs Spiel zu setzen. Da sein Beruf es ihm ermöglicht, kreativ tätig zu sein und vielfältige Kontakte und Beziehungen zu anderen Menschen zu unterhalten (Mars steht in Zwillinge im 7. Haus), kommt er mit Sicherheit gut an bei anderen. Das grosse Trigon wird noch durch den Mond in Waage vervollständigt, was die Du-Bezogenheit, Friedfertigkeit und Charme unterstreicht. Diese drei Planeten (Mond-Venus-Mars) ergänzen einander auf wohltuende Weise. Wir können davon ausgehen, dass Arik Brauer ein durchaus willensstarker Mensch ist, der es jedoch versteht, dies nicht negativ ausarten zu lassen, sondern im richtigen Moment die Initiative zu ergreifen und aktiv zu werden, ohne andere vor den Kopf zu stoßen. Dabei muss er sich gar nicht verstellen. Er kann handeln, wie es seiner inneren Befindlichkeit entspricht, und drückt auch negative Gefühle und Emotionen ehrlich und überlegt aus, so dass sich in seinem Inneren kaum zerstörerische und gewalttätige Gefühle aufstauen.

Mars steht zwar in Opposition zu Saturn, was auf grossen Ehrgeiz und Konkurrenzdenken, auch auf zielgerichteten Energieeinsatz hinweist, doch bildet Saturn auch ein Sextil zum Mond – einerseits ein erneuter Hinweis auf eine leidvolle, belastete Kindheit, andererseits aber auch (da es ja ein harmonischer Aspekt ist) die Fähigkeit, Gefühle so weit unter Kontrolle zu haben, dass diese nicht die Zügel in die Hand nehmen und eine unkontrollierte Regie in seinem Leben führen. Das kann ihn zu einem Lebenskünstler machen, der zwar instinktiv das Angenehme und Schöne im Leben sucht, sich aber davon nicht blenden und fesseln lässt.

Mars-Saturn gibt es in Brauers Radix in doppelter Ausführung: als Opposition, wie oben besprochen, aber auch durch die Saturn-Stellung im 1. Haus. Dies könnte die Begründung für den leptosomen Körperbau Brauers sein, aber auch sein Faible für schwarze Outfits erklären. Saturn bekommt als Sonnen-Herrscher natürlich ein besonderes Gewicht, die Stellung im 1. Haus macht ihn nach aussen sichtbar. Im Schütze-Zeichen kann er schon gewisse Zweifel an jeglichen Religionen haben. Brauer bekennt sich natürlich zu seiner jüdischen Herkunft, ist aber kein religiöser Mensch und fordert daher Äquidistanz zu allen Religionen und deren Symbolen.

Zum Schluss noch ein paar Hinweise auf die Stellung der überpersönlichen Planeten in Brauers Horoskop: Uranus im 4. Haus nahe dem IC erzählt über ungewöhnliche häusliche Verhältnisse und Familienbeziehungen und ist auch ein Hinweis darauf, dass die Familie schon in früher Jugend auseinandergerissen wurde. Ein Mensch mit dieser Uranus-Stellung fühlt sich infolgedessen oft fremd in der Heimat oder wechselt häufig den Wohnsitz. Später könnte er ungewöhnliche Häuser bauen (wie das Arik Brauer- Haus in der Gumpendorfer Straße in Wien). Ein Merkmal für eine wenig ausgeprägte Ortsgebundenheit oder mehrere Wohnsitze ist auch die Stellung Merkurs im 2. Haus im Quadrat zum Mond.

Pluto in 8 steht für frühe Erfahrungen mit Macht, Tod und Gewalt, die Brauer aber auch Stärke verleihen und ihn sehr willensstark, ausdauernd, ehrgeizig und unnachgiebig im Verfolgen einmal gesteckter Ziele machen. Dank seiner Resilienz- und Regenerationsfähigkeit versteht er Umbrüche und Krisen als Chance zur Erneuerung.

Heute bezeichnet sich Arik Brauer als glücklichen und zufriedenen Menschen, der im Leben alles erreicht hat, was er sich nur wünschen konnte. Er ist seit über 60 Jahren mit seiner Frau Naomi verheiratet, hat drei Töchter (von denen 2 in Wien leben, und eine in Israel) und mehrere Enkelkinder, die er über alles liebt. Nach wie vor malt er täglich und erfreut sich guter Gesundheit. Dass dies noch lange so bleiben möge, eine ungebrochene Lebens- und Schaffenskraft und noch viele gute Jahre, das wünschen wir dem Universalkünstler Arik Brauer zum 90. Geburtstag.

Friedensreich Hundertwasser – zum 90. Geburtstag

Der international bekannte Maler, Architekt und Umweltschützer wurde als Friedrich (Fritz) Stowasser am 15. Dezember 1928 in Wien geboren. Nachdem sein Vater kurz nach seinem ersten Geburtstag an den Folgen einer Blinddarmoperation verstarb, zog ihn seine jüdische Mutter – im römisch-katholischen Glauben – allein gross. Obwohl sie von den Nazis in eine Wohnung im 2. Bezirk zwangsumgesiedelt wurde, blieb ihr und ihrem Sohn die Vernichtung durch das NS-Regime erspart.

Stowassers künstlerisches Talent wurde bereits in der Volksschule erkannt. Im Alter von 15 zeichnete er viel nach der Natur, gleichzeitig (1943) begann er für einige Jahre, ein Tagebuch zu führen. In diesem Jahr waren an die 70 Verwandte mütterlicherseits (darunter Grossmutter und Tante) deportiert und getötet worden. Mit 20 Jahren besuchte er für einige Monate die Akademie der bildenden Künste in Wien. Von diesem Zeitpunkt an ging er dazu über, seine Werke mit „Hundertwasser“ zu signieren – hundert ist die deutsche Übersetzung des slawischen Wortes sto. Seinen Vornamen änderte er 1968, nachdem er ihn in die japanischen Schriftzeichen für „Frieden“ und „reich“ übersetzt hatte, in Friedensreich.

Eigenen Angaben zufolge wurde er von den Arbeiten Egon Schieles und Walter Kampmanns, deren Werke er damals kennenlernte, stark beeinflusst. Hundertwasser verlässt jedoch die Akademie und begibt sich auf ausgedehnte Reisen: zunächst quer durch Italien, dann mit dem Freund und Kollegen René Brô nach Paris, wo er eine Zeitlang lebt, malt und Ausstellungen bestreitet. Zeitlebens war Hundertwasser unterwegs, wie es seiner Schütze-Betonung entspricht, bereiste die ganze Welt, lebte und arbeitete viele Jahre im Ausland, vor allem in Frankreich, Italien, Japan und Neuseeland, und sprach mehrere Sprachen. Er trat als Gegner der „geraden Linie“ und jeglicher baulichen Standardisierung auf (wie er es in seinem „Verschimmelungsmanifest“ von 1958 darlegt), was insbesondere bei seinen Arbeiten im Bereich der Baugestaltung bedeutsam ist, die sich durch phantasievolle Lebendigkeit und Individualität, vor allem aber durch die Einbeziehung der Natur in die Architektur auszeichnen.

Hundertwasser galt als unangepasster Einzelkämpfer, Reformer und Umweltschützer, dem ökologische Gesichtspunkte sowohl in seiner Arbeit wie in seinem Leben eine Herzensangelegenheit waren, und der auch durch Aktivismus auf sich aufmerksam machte. Der Baum, die Vegetation, die gesamte „beseelte“ Natur nahm in seinem Werk und in seinem Denken breiten Raum ein. 1953 verwendete er zum ersten Mal die Spirale, die zum bestimmenden Element seines malerischen Werkes wurde. Er malte in Aquarell oder Mischtechnik, bevorzugte intensive, leuchtende Farben und arbeitete in vielen graphischen Techniken: Lithographie, Siebdruck, Radierung, Farbholzschnitt etc. Seine Werke befinden sich heute in zahlreichen Museen auf der ganzen Welt. Das KunstHaus Wien jedoch bietet die weltweit einzige permanente Ausstellung der Werke von Friedensreich Hundertwasser.

Am 19. Februar 2000 starb Friedensreich Hundertwasser auf der Rückreise von Neuseeland nach Europa an Bord der Queen Elizabeth 2 an Herzversagen. Seinem letzten Wunsch entsprechend, wurde er auf seinem Grundstück in Neuseeland, ohne Sarg und nackt, eingehüllt in eine von ihm entworfene Koruflagge, die einen sich entrollenden Farnwedel darstellt, beerdigt. Auf seinem Grab wurde ein Tulpenbaum gepflanzt.

Was sagt uns das Horoskop dieses ungewöhnlichen Menschen, der als Querdenker und Eigenbrötler verschrien war, der mit seinen Ideen provozierte und seiner Zeit vielfach voraus war, dessen Architektur aber weltweit für Aufsehen sorgt und Tausende Touristen anzieht? Was fällt uns auf?

Gleich mehrere Faktoren fallen ins Auge: So stehen beide Achsen in kritischen Graden: die AC-DC-Achse auf 0.52 Krebs/Steinbock, die MC-IC-Achse auf 29.48 Wassermann/Löwe. Für mich würde das heissen, dass er mit seinem persönlichsten Punkt des Selbstausdrucks (Aszendent) Neuland betritt, hingegen im beruflichen und gesellschaftlichen Bereich einen zwar ungewöhnlichen Weg geht (Wassermann), den er noch vollendet, bevor er in eine transzendentale Sehnsuchtswelt hinüberschreitet.

Weiters stehen 6 Planeten (also die Mehrzahl) in den Anfangsgraden eines Zeichens, nämlich Mond, Venus, Mars, Jupiter, Uranus und Neptun: hier soll etwas ganz Neues begonnen werden, etwas Pionierhaftes, das für ihn und andere bedeutsam wird. Und nicht nur sind alle diese 6 Planeten untereinander durch Aspekte verbunden, sondern auch mit der AC-DC-Achse. Wie wir wissen, ist die Bedeutung eines Menschen umso grösser, je mehr Planeten „in Achsenbindung“ er hat.

Aber beginnen wir mit dem persönlichsten Punkt, dem Aszendenten in Krebs. Menschen mit einem Krebs-Aszendenten werden im allgemeinen als sehr emotional, feinfühlig, spontan, kreativ und charmant, aber auch etwas kindlich, launenhaft, schwankend, hilflos und ängstlich beschrieben. Die Familie sollte eine grosse Rolle spielen, dem stehen jedoch Neptun im Sextil zum Aszendenten und direkt am IC (chaotische, sich auflösende Familienverhältnisse, Fehlen eines Elternteils) und Uranus (Streben nach Freiheit und Individualität) im Quadrat entgegen. Tatsächlich starb Hundertwassers Vater, als dieser ein Jahr alt war, an einer Blinddarmentzündung. In der Direktion hatte damals das progressive IC den Neptun erreicht (Auslöschung eines Familienmitglieds), die Konjunktion des Aszendenten mit Mars ist in der Progression ganz exakt geworden, was auf eine Entzündung samt Operation und einen Konflikt im persönlichen Bereich hinweist. Der transitierende Mars stand in Konjunktion zur Radix-Sonne, Transit-Saturn in Opposition zum Radix-Mars – alles massive Hinweise auf den Verlust des Vaters.

Die spontane Kindlichkeit dürfte dem Jungen aber auch während der Nazi-Zeit mit seiner jüdischen Mutter vergangen sein. Neptun am IC zeigt auch das Untertauchen mit der Mutter, die Angst um sie, was Auswirkungen auf den individuellen Ausdruck seiner Persönlichkeit hat. Den Mond, der ja auch für die Mutter steht, finden wir im Zeichen Wassermann im 8. Haus, er bildet 2 Quinkunx-Aspekte mit Mars und Neptun, die zusammen im Sextil stehen: das ganze wird als Yod-Figur oder Finger Gottes (auch: Finger des Schicksals) bezeichnet. Menschen mit dieser Konstellation in der Radix werden oft schicksalshaft mit Ereignissen konfrontiert (Tod, Naturkatastrophen etc.). Es ist eine Aufgabe zu erfüllen, eine Bestimmung, der man sich nicht entziehen kann.

Der Mond ist aber auch Geburtsherr (Krebs-Aszendent) und steht auf 0 Grad Wassermann im 8. Haus: Noch ein Hinweis sowohl auf die Ungewöhnlichkeit und Andersartigkeit der Mutter (als Jüdin), aber auch auf die Besonderheit des Horoskopeigners. Der erste Grad im Wassermann hebt ihn aus der Masse heraus, er wird andererseits im 8. Haus aber immer in etwas hineingezogen, ohne sich abgrenzen zu können, muss sich auseinandersetzen, hat kein ruhiges Leben.

Mit dem Mars auf 1.48 Krebs am Aszendenten besteht jedoch auch ein Durchsetzungswille, selbst wenn Mars in Krebs in schlechter Qualität steht. Immerhin ist Krebs ja ein kardinales Zeichen. Hier geht es sowohl um künstlerische Aktivitäten wie um den Einsatz von Energie für die Natur, die Umwelt und den Wassersport. Hundertwasser ist ja bekannt für die neuartige ökologische Bauweise seiner Architekturprojekte (Dachbewaldung, Bäume, die aus Fenstern wachsen), die er mit grosser Beharrlichkeit und ohne sich von seinem Weg abbringen zu lassen, durchsetzte. Er war aber auch ein begeisterter Segler, der sein Boot „Regentag“ von einem alten Frachter zu seinem Wohnboot hatte umbauen lassen, in dem er frei und unabhängig leben konnte.

Der Geburtsherr in Wassermann in Konjunktion mit Venus ist natürlich auch ein starker Hinweis auf den genialen Künstler, dessen kreative Ideen (Venus ist Herrin von 5) nicht nur auf Zustimmung stießen, sondern vielfach provozierten (Venus in 8). Hundertwassers Kunst war sicherlich ungewöhnlich: er verabscheute die gerade Linie, veröffentlichte Pamphlete und Manifeste, um seine Ansichten einem breiten Publikum bekannt zu machen. Mit Mond Quadrat Jupiter konnte er seine Kunst aber auch hervorragend vermarkten und sich Wohlstand schaffen.

Der Mond als Geburtsherr spielt im Geburtshoroskop Hundertwassers natürlich eine ganz wesentliche Rolle. Trotzdem dürfen wir die Sonne nicht ausser Acht lassen, die ja immerhin den inneren Wesenskern jeder Persönlichkeit repräsentiert. Eine Schütze-Sonne bezeichnet einen Menschen mit einer optimistischen, toleranten, weltoffenen, begeisterungsfähigen, nach dem Sinn des Lebens suchenden Grundveranlagung. Viele dieser Charakterzüge finden wir ja auch bei Friedensreich Hundertwasser. Weltoffen, nach dem Sinn des Lebens suchend – ja, so haben ihn viele erlebt. Aber war er wirklich tolerant? Optimistisch? Hat er nicht eher mit missionarischem Eifer versucht, die Menschen zu einer ökologisch korrekten Lebensweise hin zu führen? Auch das ist Schütze: überzeugt von der Richtigkeit der eigenen Ansichten, überzeugt, auf der Seite der „Guten“ zu stehen, lässt er andere Meinungen nicht wirklich gelten, wirkt leicht anmaßend und überheblich.

Hundertwassers Sonne steht in Konjunktion mit Merkur und Saturn, das heisst, er stellt an sich selbst, aber auch an andere sehr hohe Ansprüche. Da kann die Leichtigkeit und Grosszügigkeit des Schützen schon mal abhanden kommen. Er hat hohe Werte im Rücken, denen er sich verpflichtet fühlt, eine ernsthafte und pflichtbewusste Grundveranlagung; es ist ihm wichtig, sich durch Leistung zu beweisen. Man könnte auch sagen: sich dem (verstorbenen) Vater zu beweisen. Mit der Sonne im stark besetzten 6. Haus bemüht er sich auch, auf seinem ureigensten Gebiet (Malerei, Graphik, Architektur) zu einer Autorität zu werden, er definiert sich in erster Linie über die Arbeit, und es ist ihm auch wichtig, einer weltanschaulich sinnvolle Tätigkeit nachzugehen. Auch Gesundheit und Ökologie spielen eine wichtige Rolle in seinem Leben.

Natürlich weist die Saturn-Sonne-Konjunktion im 6. Haus in Schütze auch auf einen kranken Vater sowie auf eigene gesundheitliche Probleme hin. Angeblich litt Hundertwasser unter einem angeborenen Herzfehler.

In vielen Biographien wird Hundertwasser als Einzelgänger oder Eigenbrötler bezeichnet, eigentlich untypisch für eine Schütze-Sonne. Es ist eher die Betonung des 2. Quadranten der Radix dafür verantwortlich, die auf viele innere Ressourcen verweist, aber im Grunde andere Menschen nicht braucht. Weitere Indizien dafür sind der Wassermann-Mond sowie die Sonne-Saturn-Konjunktion.

Uranus ist ein weiterer sehr wichtiger Planet in diesem Horoskop. Uranus beherrscht das 10. Haus, gibt also einen ungewöhnlichen Berufsweg vor, steht auf 3° Widder im 11. Haus im Sextil zum Geburtsherrscher Mond und im Quadrat zu Mars und der AC-DC-Achse. Er lässt sich sicher nicht in ein allzu konventionelles gesellschaftliches Korsett pressen.

Uranus in den ersten Widder-Graden steht auch für einen Pionier, der neuen Dingen zum Durchbruch verhilft, und da Uranus den Aszendent quadratiert, geht es um sehr persönliche Anliegen. Er spürt sicher, dass er ein einzigartiger Mensch ist, der sich mit nichts vergleichen lassen will – und andere spüren das auch. Zudem ist Uranus der elevierte Planet in dieser Radix: Hundertwasser muss seinen eigenen Weg gehen, auch wenn er sich damit gegen viele Autoritäten stellt. Es gibt auch viele Umbrüche und Veränderungen im Leben.

Und wie ist es um das Liebes- und Beziehungsleben dieses aussergewöhnlichen Künstlers bestellt? Wir wissen, dass er zweimal kurz verheiratet war (einmal 2 Jahre, dann 4 Jahre), dass er natürlich immer wieder Liebesbeziehungen, meist mit viel jüngeren Frauen, hatte, und dass aus einer dieser Beziehungen eine Tochter hervorging.

Aber Bindung? Will er das mit dem 8. Haus, Mond und Venus in Wassermann? Nein, er braucht Freiheit, ist auf Dauer nicht bindungsfähig. Beziehungen sind in seinem Leben nicht das wichtigste. Es kann nur funktionieren mit einer Partnerin, die ihn nicht einschränken oder unterdrücken will. Offenbar hat das auf Dauer keine geschafft. Mit der Wassermann-Venus im 8. Haus liebt er wohl die Vorstellung von der Liebe, die vor allem frei sein soll, er ist dadurch sehr fordernd, sucht aber eine aufregende, unkonventionelle Beziehung mit ungewöhnlicher Erotik, verträgt keine Einengung und Bevormundung. Diese Konstellation ist fast eine Garantie für eine Scheidung – Hundertwasser hatte zwei.

Mit Venus Quadrat Jupiter kann er aber auch unersättlich sein in der Liebe, er ist genussfreudig, aber oft ist es zuviel des Guten, dann neigt er zum Übertreiben. Das Verlangen nach Freundschaft (Jupiter in 11) und Liebe kann ziemlich intensiv werden und sich zu einem regelrechten Eroberungsdrang auswachsen. Dann konzentriert er sich aber doch wieder auf seine kreative Seite, die er besser im Griff zu haben scheint.

Uranus im Quadrat auf die Beziehungsachse trägt auch nicht gerade zu stabilen Beziehungen bei, ganz im Gegenteil: In der Verfolgung seines eigenen kreativen Weges muss er immer gegen Widerstände ankämpfen und wirkt daher ruhelos, unbeständig und launisch. Vielleicht wirkt das anfangs auf Frauen sogar anziehend. Doch dann konnte es geschehen, dass er die Nähe nicht ausgehalten und gewisse Dinge in Frage gestellt hat, dass er heftiger und impulsiver aufgetreten ist, als er seinem Krebs-Aszendenten zufolge eigentlich wollte, und dann war es vorbei mit der Harmonie oder dem Reiz der Beziehung. Mars am Aszendenten und im Quadrat zu Uranus hat wieder einmal die Oberhand behalten. Jähzorn und voreilige Reaktionen können einer Beziehung schon zusetzen und ihnen ein jähes Ende bereiten. Im Endeffekt hat er wohl gegen sich selbst gekämpft (Mars rückläufig im ersten Haus).

So hat er sich eben auf seine Arbeit und die Philosophie dahinter konzentriert. Mit dem Stellium von Sonne, Merkur und Saturn in Schütze ist das ja auch naheliegend. Seine stark ökologisch ausgerichtete Weltanschauung konnte er anderen gut vermitteln (Sonne als Herrin von 3 in Schütze Konjunktion Merkur), auch durch Lehraufträge (Merkur Konjunktion Saturn) und Manifeste. Sein eigenes Leben hat er nach seiner tiefsten Überzeugung gestaltet, im Einklang mit der Natur und vorwiegend am Wasser gelebt (Neptun am IC und im Sextil zum Aszendent) und wohl auch den Finger des Schicksals auf seine ganz eigene, unverwechselbare Weise verwirklicht. Was er uns hinterlassen hat, sind unzählige Baudenkmäler, Museen und Bücher, in denen seine Ideen und Werke der Nachwelt erleb- und begreifbar bleiben.

Charles, Prince of Wales: Der Leider-Nein-König wird 70

Am 14. November 2018 wird er 70, doch seinen runden Geburtstag hat er bereits im Sommer gefeiert, bald nachdem sein jüngerer Sohn Harry die amerikanische Schauspielerin Meghan Markle geheiratet hatte. Der Grund dafür dürfte in erster Linie dem britischen Wetter geschuldet sein, das sich im Juli wesentlich besser für ein pompöses Gartenfest eignet, als im nebeligen November. Oder hatte er gar daran gedacht, im November vielleicht bereits die Nachfolge seiner Mutter, der Queen, anzutreten?

Nun, wir wissen das nicht. Jedenfalls wartet der Prince of Wales in einem Alter, in dem andere Herrschaften sich schön langsam in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen, immer noch darauf, jene Aufgabe zu übernehmen, für die er erzogen wurde und auf die er sein Leben ausgerichtet hat: die Krone des Vereinigten Königreichs von Großbritannien und Nordirland zu übernehmen.

Doch Elizabeth II. ist langlebig und zäh, wie es ihrem Steinbock-Aszendenten entspricht, und sie denkt nicht daran, es ihrer Kollegin Beatrix der Niederlande gleichzutun oder dem belgischen König Albert II., die beide vor einigen Jahren ihren ältesten Söhnen den Thron freigemacht hatten. So muss Charles weiterhin warten, doch allem Anschein nach zieht er bereits jetzt die Fäden im Hintergrund, wie es seiner Skorpion-Sonne geziemt, um seine greise Mutter zu entlasten.

Was ist das für ein Mensch? Hat er den langen Atem, irgendwann selbst den britischen Thron zu besteigen, oder wird er gleich seinem älteren Sohn William den Vortritt lassen? Was sagt uns sein Horoskop dazu?

Zunächst fällt die Feuer-Betonung des Prinzen auf: Löwe-Aszendent, der Sonnenherrscher Pluto in Löwe, Mars und Jupiter in Schütze und Widder am MC: das weist auf einen Menschen hin, der begeisterungsfreudig, mutig, aktiv ist und mit dynamischem Selbstausdruck ins Leben geht, viel Lebensfreude und einen Sinn für Dramatik aufweist, der sich aber auch sehr vorstellungsbezogen und beinahe stur verhalten kann (die fixen Zeichen dominieren).

Der stark besetze 2. Quadrant ist ein Zeichen dafür, dass die seelische Befindlichkeit hier eine grosse Rolle spielt, dass es Seelentiefe und viele innere Ressourcen gibt, um das vorhandene Potenzial umzusetzen.

Der Löwe-Aszendent verleiht Charles eine durchaus königliche Attitüde, einen selbstverständlichen Stolz, lässt ihn selbstbewusst, grosszügig und würdevoll wirken. Dass seine Ausstrahlung dennoch nicht allzu überheblich oder großspurig ist, wie bei so manch anderem Löwe-Aszendenten, ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass die Aszendenten-Herrscherin Sonne in Skorpion und im 4. Haus steht, wo sie weniger nach Aufmerksamkeit und Anerkennung heischt, sondern mehr im Hintergrund wirkt. Im 4. Haus liegt der Fokus auf Seelentiefe, seelischem Wachstum und geistiger Entwicklung. Ausser der Sonne befinden sich dort noch Neptun, Venus und Merkur. Diese Betonung des 4. Hauses weist darauf hin, dass die Familie den Schwerpunkt im Leben dieses Menschen bildet, der stolz ist auf sein Familienerbe und gerne seine aristokratische Haltung zeigt.

Darin liegt auch eine gewisse Gefahr, nämlich dass er seine Identität zu stark aus seiner Herkunft ableiten und so seine Einzigartigkeit verleugnen könnte. Das mag in seiner Jugend durchaus der Fall gewesen sein, doch habe ich den Eindruck, dass er im Lauf seines Lebens gelernt hat, seinen Interessen gezielt und beharrlich nachzugehen und dadurch auch seine Besonderheit zum Ausdruck zu bringen.

Charles spielte lange Zeit die Rolle des braven, angepassten Thronfolgers, der eine standesgemäße, junge und naive Frau heiratete, statt sich zu seiner grossen Liebe, der bürgerlichen Camilla, zu bekennen, die fortan seine heimliche Geliebte war. Auf die Dauer war aber die Selbstverleugnung für einen leidenschaftlichen Mann wie Charles nicht durchzuhalten. Die Skorpion-Sonne steht in Rezeption zum Löwe-Pluto, was die intensive Natur noch unterstreicht, die keine faulen Kompromisse
eingehen will, aber dennoch fähig ist, lange Zeit geduldig und zäh zu warten, bis ihm die Gunst der Stunde zu Hilfe kommt. Nachdem er seine Thronfolger-Pflichten mit der Zeugung von zwei Söhnen erfüllt hatte, konnte Charles die Illusion seiner Ehe mit Diana nicht mehr länger aufrecht erhalten, auch wenn die Scheidung in gewisser Hinsicht einen Tabubruch im Königshaus bedeutete. Es war ihm bewusst, dass er sich mit diesem Schritt in der Öffentlichkeit nicht gerade beliebt machte, die ja eher Diana als armes Opfer sah. Pluto im 1. Haus hat ihn hier wohl auch mit einer enormen Willens- und Durchsetzungsstärke unterstützt.

Eine Schlüsselrolle in diesem Horoskop spielt sicher die Stellung des Mondes auf 0°26‘ Stier im 10. Haus, der somit Charles‘ höchststehender Planet ist. Dass er noch dazu in Konjunktion mit dem nördlichen Mondknoten steht, weist auf die schicksalshafte Abhängigkeit von Frauen hin, die den Prinzen überstrahlen – allen voran natürlich die eigene Mutter, die wie ein Leitstern das ganze Horoskop dominiert. Elizabeth II. hat selbst eine Stier-Sonne, die gradgenau mit Charles‘ Mond in Konjunktion steht, was die enge Verbundenheit zwischen Mutter und Sohn gut aufzeigt, in der es fraglos auch um Machtkämpfe geht (Elizabeths Mond in Konjunktion zum Pluto ihres ältesten Sohnes). Es liegt also im Naturell dieser Mutter, den Sohn nicht loslassen zu können, die Abhängigkeit dürfte jedoch gegenseitig sein. Mond Trigon Saturn zeigt ebenfalls die starke Verbindung zur Mutter an, die ihn allerdings auch zur Disziplin anhält.

Wir dürfen gespannt sein, was im Frühjahr 2019 passiert, wenn Uranus das letzte Mal über diesen Mond im 1. Grad Stier transitiert.

Dennoch hat Charles nach der Absolvierung diverser militärischer Ausbildungen und Studien, die seiner künftigen Herrscher-Rolle zugute kommen, auch seine eigenen Interessen zielgerichtet verfolgt. Das ist auch kein Wunder, steht doch Mars, der Herrscher des Widder-MC, in Schütze im 5. Haus. So zeigt Charles Entschlossenheit und Elan bei der Durchsetzung seiner Interessen und scheut sich nicht, in der Öffentlichkeit Konflikte auszustehen. Mars im Zeichen Schütze zeigt uns eine idealistische Handlungsweise, die die Welt ein wenig besser machen soll. Es ist bekannt, dass der Prince of Wales sich seit langem für Bio-Landwirtschaft stark macht und sehr eindringlich Maßnahmen gegen den Klimawandel fordert. Sein Einsatz für gesunde Ernährung und ökologisches Bauen und sein Wunsch nach einer ästhetischen Wohnumgebung ist aber auch dem betonten 4. Haus und den darin befindlichen Planeten geschuldet.

Mars in 5 drückt auch ein aktives Interesse für den Ballsport aus. Prinz Charles war jahrelang ein begeisterter Polo-Spieler; aus Altersgründen übt er diesen Sport jedoch nicht mehr aktiv aus. Den Reitsport (Schütze-Mars) betreibt er jedoch nach wie vor. Im 5. Haus zeigt sich auch seine kreative Ader: Charles gilt als guter und anerkannter Aquarell-Maler. Bekannt ist auch seine Liebe und sein Einsatz für die Architektur und die Erhaltung historischer Gebäude. Das können wir aus einer Kombination von Mond im 10. Haus, Saturn im 2. Haus und Venus im 4. Haus herleiten.

Doch wo sind die Schattenseiten in diesem Horoskop? Auffällig ist die Stellung Neptuns genau am IC, was auf Geheimnisse, Unklarheiten, Täuschungen oder Intrigen in der Familie hinweist. Dinge werden verschleiert, Probleme unter den Teppich gekehrt. Es heisst aber auch, dass Neptun am IC eine mediale Begabung verleiht oder zumindest eine esoterische Sicht der Natur. In den Medien wurde ja darauf verwiesen, dass Charles diese Neigung hat und auch mit seinen Pflanzen zu sprechen scheint.

Neptun bildet aber auch eine Konjunktion zur Venus, die das 4. Haus beherrscht und somit einerseits für die Mutter, andererseits auch für die Frauen steht, mit denen Charles Beziehungen eingeht. Die Queen hat sicher so manches Geheimnis oder Tabuthema verschwiegen, in das Mitglieder der königlichen Familie verwickelt waren, denken wir nur an die politische und private Affäre ihres Onkels, König Edward VIII., an die Liebesaffäre mit einem Bürgerlichen ihrer Schwester Margaret oder an die Trinkfreudigkeit ihrer eigenen Mutter. Aber natürlich war Elizabeth selbst als Mutter für ihren Ältesten auch emotional abwesend, denn mit Liebe und Geborgenheit dürfte sie ihre Kinder nicht überschüttet haben. Eher legte sie Wert auf Selbstdisziplin, Pflichterfüllung und Contenance, wie es ihrem Steinbock-AC und Saturn als eleviertem Planeten entspricht. Noch dazu hockt ihr Saturn auf Charles‘ Sonne, hat ihn sozusagen im eisernen Griff und schränkt seine Persönlichkeit ein. Unter dieser Lieblosigkeit hat Charles als Kind sicher gelitten. Ist daraus ein unstillbares Verlangen nach Zärtlichkeit und erotischen Phantasien entstanden (Venus Sextil Pluto)? Neigt Charles dazu, Frauen zu idealisieren (Venus Konjunktion Neptun)?

Nach der unglücklichen Ehe mit Diana und deren tragischem Tod hat sich Charles endlich dazu durchgerungen, seine eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen und hat seine Lebensliebe Camilla geheiratet, eine sicherlich ungewöhnliche Frau (DC Wassermann), die ihn wohl aber glücklich macht (Uranus Opposition Jupiter). Sie hat ihn wohl auch dazu gebracht, die Fesseln des konventionellen Lebens abzustreifen, seinem Drang nach individueller, unabhängiger Entfaltung nachzugeben und seinen eigenen Weg zu verfolgen.

Mit Uranus Opposition Jupiter könnte er sich aber auch von überkommenen Ideologien befreien, ein unkonventionelles, zeitgemäßes Weltbild entwickeln und durch seine Offenheit und Aufgeschlossenheit der Monarchie ein modernes Gesicht verleihen.

Seine Popularität und Beliebtheit beim Volk (Mond in 10) dürfte gestiegen sein, seit er nicht mehr in Dianas Schatten steht, er hat sich in den Bereichen Architektur und Stadtentwicklung sowie nachhaltige Landwirtschaft ebenso einen Namen gemacht, wie als Unterstützer zahlreicher karitativer Einrichtungen, hat mehrere Bücher geschrieben und bewährt sich seit Jahren als Vertreter des britischen Königshauses in der Öffentlichkeit. Wir werden sehen, ob Charles seine Lebensaufgabe eines Tages doch noch erfüllen und als König Großbritanniens Thron besteigen wird. Vorerst aber wünschen wir ihm zum 70. Geburtstag alles Gute.