Maria Theresia – Gedenken zum 300. Geburtstag

Vor 300 Jahren, am 13. Mai 1717, wurde Österreichs einzige Herrscherin Maria Theresia geboren. Sie war die älteste Tochter des römisch-deutschen Kaisers Karl VI. aus dem Hause Habsburg, der ohne männlichen Nachfolger starb und noch zu Lebzeiten die „Pragmatische Sanktion“, ein „radikal neues Erbfolgegesetz“ erlassen hatte, das es auch einer Tochter erlauben sollte, seine Nachfolge anzutreten, damit der österreichischen Linie der Habsburger das Schicksal der spanischen Linie erspart bliebe, die nach dem Tod des letzten spanischen Habsburger-Königs ausgestorben war. Zunächst war diese Pragmatische Sanktion national wie international akzeptiert und mit vielerlei Zugeständnissen erkauft worden, doch als sie 1740 beim Regierungsanritt Maria Theresias zum Tragen kommen sollte, machten die europäischen Mächte ihr dieses Erbe streitig, allen voran Preussens König Friedrich II.

Vorab gilt es, ein Missverständnis aufzuklären: Maria Theresia war nie „österreichische Kaiserin“ oder „Kaiserin von Österreich“. Sie war die Ehefrau des späteren römisch-deutschen Kaisers Franz Stephan von Lothringen und als solche ebenso „Kaiserin“ wie später Sisi, doch sie herrschte in Österreich als Erzherzogin auf dem „Habsburger Thron“.

Viele Geschichten und Anekdoten sind über diese bemerkenswerte Frau bekannt, sie wird oft als gütige Landesmutter, als strenge Verfechterin von Moral und Ordnung, als Initiatorin wichtiger Reformen sowie als barock-üppige Matrone dargestellt – doch welches Bild stimmt wirklich? Kann uns das Horoskop Maria Theresias darüber Auskunft geben?

Zunächst fällt uns in Maria Theresias Horoskop eine starke Erd-Betonung auf: Das verweist auf Bodenständigkeit, praktisches Geschick, Sinnlichkeit, Genuss- und Sicherheitsstreben und auch auf pragmatisches Vorgehen in ihren Unternehmungen. Von Beginn an ist sie bemüht, die maroden Staatsfinanzen, die ihr von ihrem Vater, Kaiser Karl VI., hinterlassen wurden, in Ordnung zu bringen. Dabei hilft ihr ihre zweckgerichtete Entschlossenheit und Kraft und ihr Geschick in praktischen Belangen. Der praktische Nutzen steht immer im Vordergrund.

Die Stier-Sonne bekräftigt das Bild einer Frau mit einer konservativen Grundeinstellung, die nur langsam in Bewegung kommt, dann aber sehr stark und ausdauernd ist. Mit grosser Willenskraft plant sie oft lange im voraus und lässt sich von einem einmal ins Auge gefassten Ziel nicht so leicht abbringen. Bezeichnend für die Stier-Sonne sind ausserdem Liebe und Treue zum Vertrauten, Pflege des Gewachsenen und Bewährten, Geduld, Sinnesfreude, aber auch ein Hang zur Hartnäckigkeit bis zur Sturheit. Materielle Sicherheit ist Maria Theresia wie jeder Stier-Sonne sehr wichtig, jedoch wird Geld nicht um seiner selbst willen angestrebt, sondern um die schönen und auch notwendigen Dinge zu finanzieren, die ihr so wichtig sind, wie zum Beispiel der Ausbau des ehemaligen Jagdschlosses ihres Vaters in Schönbrunn zu einer barocken Sommerresidenz nach dem Vorbild von Versailles. Aber auch die Kriege, die sie führen musste, um ihr Erbe zu wahren, mussten finanziert werden.

Dieser Frau geht es also um materielle Sicherheit im Leben, um Beharren und Erhalten, jede Lebensveränderung wird als schwierig erlebt. Nun werden Sie sich fragen, wie ist das möglich? Maria Theresia hat doch so manche gesellschaftliche und kulturelle Veränderungen in Österreich bewirkt. Das liegt zweifellos an dem Trigon zwischen der Stier-Sonne und Uranus, das sie befähigt, ihre Ideen über ihren persönlichen Nutzen hinaus zu verwirklichen. Es ist auch ein Hinweis darauf, dass sie sozusagen „selbständig arbeiten“ will, um gewisse Reformen umsetzen zu können und aus Österreich einen „modernen Staat“ zu machen, der die Schwerfälligkeit des feudalen Systems hinter sich lassen konnte. Dabei schätzte sie Kontakte mit Menschen, die geistige Anregung in ihr Leben brachten, wie die geistig aufgeschlossenen und aufgeklärten Ratgeber, die sie an ihren Hof holte. Aber auch dabei ging sie ausgesprochen pragmatisch vor. Ihre Motive waren nicht unbedingt a priori Grossherzigkeit zum Wohl des Volkes, sondern sie erkannte, dass es gute und praktische Gründe dafür gab, das verstaubte und morsch gewordene Staatsgefüge der Monarchie zu erneuern, beispielsweise indem sie das Steuersystem, das bisher den Adel und den Klerus privilegiert hatte, auf eine breitere Basis stellte, um die Armut des Volkes etwas einzudämmen. Ihre Maxime lautete: „Sind die Leute zufrieden, so leisten sie das Doppelte, handeln sie aus Furcht, dann tun sie nur ihre Pflicht.“ (zitiert nach Franz Herre: „Maria Theresia – die grosse Habsburgerin“, Piper 2004, S. 105).

Der Krebs-Aszendent weist auf das Thema Familie hin, das für Maria Theresia einen besonderen Stellenwert hatte. Sie war sehr fruchtbar, brachte 16 Kinder zur Welt, von denen 10 das Erwachsenen-Alter erreichten, und es war ihr ausgesprochen wichtig, das System weiterzuführen, um die Dynastie zu festigen. Krebs steht für die eigene seelische Identität, für Natürlichkeit und Ursprünglichkeit und bewirkt ein grosses Anlehnungs- und Zärtlichkeitsbedürfnis, ein Bedürfnis nach Wärme, Geborgenheit und Zuwendung, es macht aber auch überempfindlich und leicht gekränkt. Der Krebs-Aszendent erklärt vielleicht auch eine gewisse Launenhaftigkeit und emotionale Unbeständigkeit in ihrem Wesen. Da sie Kritik leicht als persönliche Unzulänglichkeit auffasst, legt sich Maria Theresia einen seelischen Panzer zu, um das verängstigte und verletzte Kind in sich selbst nicht zu spüren. Sie bewahrt ihrer Umgebung gegenüber Contenance und öffnet sich nur ganz wenigen vertrauten Menschen – zu denen ihre Kinder allerdings nicht gehörten.

Für einen Menschen mit Krebs-Aszendent sind auch die Bereiche Wohnen, Heim und Heimat von grosser Bedeutung, daher sucht sie emotionale Sicherheit in Heim und Familie, mit der sie sich natürlich sehr verbunden fühlt, auch wenn der Krebs-Aszendent womöglich mehr Mütterlichkeit und Fürsorglichkeit verspricht, als diese Maria Theresia tatsächlich entsprachen.

Der Mond als Geburtsherrscher steht im intellektuellen Zwillinge-Zeichen und überlagert Gefühle oft mit einer vernunftbetonten und rationalen Betrachtungsweise, die mehr erklärt und analysiert als fühlt. Ein Zwillinge-Mond ist gesellig, vielseitig interessiert, sehr wendig, kommunikativ und neugierig, und weiss von vielem etwas, wenn auch nicht sehr tiefgründig. Ihre Berater standen ihr kompetent und reformwillig zur Seite und vermittelten ihr das manchmal fehlende Wissen, das sie bereitwillig aufnahm.

Doch der Mond ist mehrfach verletzt: einerseits durch eine Opposition zu Mars, der eine gehörige Portion Unruhe in ihr Leben bringt und ihr auch zwangsläufig eine kämpferische Komponente verleiht, die sie aber befähigt, ihre Herrschaftsansprüche aktiv gegen ausländische Mächte zu verteidigen (Mars in Schütze). Andererseits ist der Mond durch ein Quadrat zu Uranus verletzt. Trotz ihres zur Trägheit neigenden Stier-Charakters gönnt sich Maria Theresia im allgemeinen kaum Ruhe, und es fällt ihr schwer, die Hände in den Schoss zu legen und sich zu entspannen. Meist schläft sie nicht genug, weil eine innere Nervosität sie bis spät in die Nacht und schon frühmorgens wieder aktiv werden lässt. Intensive emotionale Nähe ist ihre Sache nicht, das bekamen vor allem ihre Kinder zu spüren, die bald nach der Geburt an Ammen und Erzieher übergeben wurden, so wie sie selbst ebenfalls von 2 Erzieherinnen grossgezogen worden war, eine davon, die Gräfin Fuchs, nannte sie liebevoll „Mami“. Wenn sie auch keine mitfühlende und zärtliche Mutter im heutigen Sinn war, so gab sie ihren Kindern doch Verhaltensmaßnahmen und Regeln für jede Lebenslage mit, die auch die bereits erwachsenen Kinder genau einzuhalten hatten. Selbstverständlich mussten sich die Kinder auch – bis auf die Lieblingstochter Marie Christine – der restriktiven Heiratspolitik ihrer Mutter beugen, die sie mit Mitgliedern einflussreicher Herrscherhäuser – wie die Bourbonen in Frankreich, Italien und Spanien – vermählte. Somit deckte sich das Glück der Kinder meist nicht mit den Staatsinteressen. Die beste Partie schien die jüngste Tochter Marie Antoinette als Braut des französischen Thronfolgers zu machen – wie es endete, wissen wir. Maria Theresia musste die Hinrichtung ihrer Tochter allerdings nicht mehr erleben.

Die Stellung des Mondes im 12. Haus ist einerseits ein Hinweis auf sehr religiöse Gefühle, andererseits auf die Schwierigkeit, sich seelisch zu öffnen. Es gab aber auch das im späteren Leben stärker gewordene Bedürfnis der Herrscherin nach Stille, immer wieder brauchte sie zwischen den oft aufreibenden Regierungsgeschäften auch Rückzugsmöglichkeiten, Phasen des Alleinseins und eine Zeit des Schweigens, die sie sich in ihren ersten Regierungsjahren kaum gegönnt, sich aber im Lauf der Zeit doch regelmäßig zugestanden hatte, vor allem als ihr Leibarzt Van Swieten ihr das „verordnete“. In der Stille konnte sie Kraft tanken und ihre inneren Ressourcen auffüllen.

Maria Theresia ist ihren eigenen ganz persönlichen Weg als weibliche Herrscherin gegangen, ohne das damals vorherrschende passive und dem Mann unterlegene Frauenbild grundsätzlich in Frage zu stellen. Sich selbst betrachtete sie dabei wohl als Ausnahme (Mond Quadrat Uranus und Uranus im 4. Haus), denn sie fühlte sich ihrer Habsburgischen Herkunft nach zum Herrschen verpflichtet und auserwählt und war diesbezüglich auch nicht bereit, sich ihrem Mann, dem Kaiser, unterzuordnen.

Beim Volk war Maria Theresia als Herrscherin äusserst beliebt. Das lag nicht nur an ihrer Bodenständigkeit und Volksverbundenheit, welche von ihren Untertanen sehr geschätzt wurden. Besonders in jungen Jahren war Maria Theresia eine begeisterte Tänzerin (Merkur im 12. Haus) gewesen und hatte ihre Genußfreude (Venus in Stier) auch gerne in opulenten Umzügen, Spielen und Ballvergnügungen zur Schau gestellt. Zu Beginn ihrer Herrschaft war sie zur Sparsamkeit gezwungen, da die Staatskassen leer waren bzw. sehr viel Geld für Militärausgaben nötig war, um die Kriege gegen ihre Widersacher führen zu können, doch später konsolidierte sich das Staatsvermögen, nicht zuletzt dank der ökonomischen Kompetenz des Kaisers, sodass die gröbste Armut des Volkes eingedämmt werden konnte.

Doch bei ihrem Volk geschätzt wurde Maria Theresia auch wegen ihrer vertrauenerweckenden, zuversichtlichen Ausstrahlung: Jupiter befindet sich – im Krebs noch dazu erhöht stehend – am Aszendenten. Er macht sie freundlich und wohlwollend im Wesen, verleiht ihr eine grundsätzlich fröhliche, optimistische Lebenseinstellung, die auf andere abfärbt, einen gütigen, grosszügigen Charakter und starke moralisch-ethische Überzeugungen. Diese Frau hat ein positives Selbstbild, weiss genau, was sie sich zumuten kann, und kämpft für ihre Überzeugungen und ihr absolutistisches Weltbild. Auf der anderen Seite steht dieser Jupiter auch für ihre respektable Erscheinung, die Neigung zur Korpulenz und die Unfähigkeit zur Selbstkritik oder zum Eingeständnis eigener Fehler.

Jupiter in Krebs ist ausserdem ein weiteres Indiz für eine tiefe Religiosität und Gläubigkeit. In Maria Theresias Tagesablauf war ein täglicher Besuch der heiligen Messe ein fixer Bestandteil, und ihr Weltbild war ein tief katholisches, alle anderen Religionen lehnte sie ab, es wird ihr sogar ein stark ausgeprägter Antisemitismus nachgesagt. Es blieb daher ihrem Nachfolger Joseph II. überlassen, in Österreich die Religionsfreiheit und andere nachhaltige Reformen einzuführen, die Maria Theresia zu weit gegangen wären.

Maria Theresias Ehe mit Franz Stephan von Lothringen, der seine Erblande an Frankreich abtreten musste, um die Kaisertochter heiraten zu können, verlief sehr glücklich, obwohl der spätere Kaiser Franz I. als grosser Frauenfreund galt. Für Maria Theresia war er die Liebe ihres Lebens und ein kongenialer Partner, der ihr das Regieren überließ, sie mit reichem Kindersegen bedachte und sich im Grunde den Dingen widmete, für die er eine grosse Begabung hatte: den Wissenschaften und der Ökonomie. Dank seiner geschickten Investitionen erwarb er ein riesiges Vermögen, das der Habsburger-Dynastie bis ins 20. Jahrhundert zugute kam. Mit seinem Naturalienkabinett legte er den Grundstein für die Sammlung des Naturhistorischen Museums in Wien und er begründete auch die Menagerie im Schlosspark von Schönbrunn.

Saturn regiert im Horoskop Maria Theresias das 7. Haus und steht in der Waage erhöht. Sie geht also mit persönlichen Beziehungen sehr ernsthaft und verantwortungsvoll um und braucht eine Atmosphäre der Sicherheit und des Vertrauens, um sich einem Partner zu öffnen. Das 5. Haus steht für Lebensfreude, Spiel, Spaß, und auch für Kinder. Auch der aufsteigende Mondknoten befindet sich darin und ist wohl ein Hinweis darauf, dass sie die Aufgabe hat, sich auf ihrer ganz persönlichen Bühne zu verwirklichen, und das mit Hilfe ihrer Kinder und einer verantwortungsbewussten Partnerschaft. Als der geliebte Ehegatte viel zu früh verstarb, versank Maria Theresia in Trauer und Depressionen – die Neigung dazu ist wohl durch den Mond im 12. Haus gegeben, obwohl sie sich sonst einer robusten Gesundheit erfreute (Stier-Konstitution), der auch die zahlreichen Schwangerschaften und Geburten nichts anhaben konnten. Die Pocken, damals eine gefürchtete Krankheit, die zahlreiche Mitglieder der kaiserlichen Familie dahingerafft hatte, überlebte Maria Theresia, doch im Alter kamen ausser der Schwermut auch Korpulenz, Atemprobleme und andere Unpässlichkeiten hinzu. Sie befasste sich in ihren letzten Lebensjahren viel mit dem Tod, besuchte zumindest einmal pro Monat die Kapuzinergruft, in der ihr Gatte sowie mehrere Kinder und Schwiegerkinder bestattet waren und sah ihrem eigenen Tod mit Gleichmut entgegen. Im November 1780 zog sie sich eine schwere Verkühlung zu, an der sie am 29. November im Alter von 63 Jahren verstarb. Sie wurde im prunkvollen Doppelsarkophag neben ihrem Ehemann in der Kapuzinergruft beigesetzt.

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