Peter Lorre zum 120. Geburtstag

Am 26. Juni 1904 wurde der Schauspieler Laszló Loewenstein in Rosenberg geboren, das damals zur österreichisch-ungarischen Monarchie gehörte (heute Ružomberok in der Slowakei). Sie kennen ihn nicht? Kein Wunder, denn berühmt wurde er unter dem Namen Peter Lorre. Zunächst erfolgreicher Theatermime an der Berliner Volksbühne – vor allem in Inszenierungen von Bertolt Brecht -, wurde er 1930 von Filmregisseur Fritz Lang für die Hauptrolle in dessen Thriller “M – eine Stadt sucht einen Mörder” engagiert. Die sensible und intensive Darstellung eines von den eigenen inneren Dämonen geplagten und gejagten Psychopathen, für den man am Ende fast Mitleid empfindet, machte Lorre mit einem Schlag berühmt. Sein großer Erfolg machte ihn zu einem von Hitlers Lieblingsschauspielern, weil dieser zunächst nicht wusste, dass Lorre Jude war. Als Propaganda-Minister Goebbels ihm ein großes Filmprojekt bei der UFA vorschlug, lehnte Lorre ab: „In Deutschland ist kein Platz für zwei Mörder – Hitler und mich.“

Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Cäcilie Lvovsky floh Lorre 1933 nach Paris, und wurde 1934 in London von Alfred Hitchcock in dem Thriller „Der Mann, der zu viel wusste“ besetzt. Von dort führte sein Weg direkt nach Hollywood. Wegen seiner mangelhaften Englischkenntnisse konnte Lorre (der Künstlername ist ein Anagramm des Wortes „Rolle“; ihn legte sich der Schauspieler nach ersten Erfolgen 1925 zu) nicht gleich in Hollywood Fuß fassen; es dauerte mehr als ein Jahr, ehe er in den USA auf der Leinwand zu sehen war. Dann allerdings erhielt er mehrere Rollen in bedeutenden Filmen wie „Die Spur des Falken“, „Arsen und Spitzenhäubchen“ oder „Casablanca“. Seine Spezialität war die Darstellung nervöser, verschlagener Typen, denen nicht zu trauen war. So wurde Lorre nach und nach zu einem vielbeschäftigten und gefragten Schauspieler, was sich auch finanziell positiv niederschlug. Sein großzügiger, verschwenderischer Lebensstil sorgte allerdings – zusammen mit seiner Drogensucht – für immer wiederkehrende finanzielle Probleme.

Ende der 1940-er Jahre stand Peter Lorre auf der Schwarzen Liste des Kommunistenjägers Joseph McCarthy, wodurch er kaum noch Rollenangebote erhielt. Daraufhin kehrte Lorre nach Deutschland zurück und drehte dort mit „Der Verlorene“ seinen ersten und einzigen Film als Regisseur. Der Film arbeitet die Thematik des Dritten Reiches anhand eines Nazi-Mörders auf, was beim damaligen Publikum allerdings kein Interesse fand. Anfang der 1950-er Jahre kehrte Lorre endgültig in die USA zurück.

Lorre galt in Filmkreisen als Genussmensch und Womanizer. Er war dreimal verheiratet – aus der letzten Ehe mit Annemarie Brenning ging die Tochter Catherine (1953-1985) hervor.

Mich beschäftigte natürlich die Frage, ob wir die charismatische Schauspieler-Persönlichkeit, aber auch das überbordende Genuss- und Suchtverhalten aus dem Horoskop herauslesen können. Peter Lorre wurde mit einer Krebs-Sonne und einem Stier-Aszendenten geboren. Allein das zeigt uns, dass wir es mit einem sensiblen, phantasievollen und instinktsicheren Menschen zu tun haben, der emotionale Sicherheit sowie ein vertrautes Umfeld und Menschen braucht, denen er vertrauen kann.

Mit dem Stier-Aszendent legt er grossen Wert auf Sicherheit, Sinnlichkeit, Genuss, Werte und Besitz. Die Aszendentenherrscherin Venus ist zudem in einer engen Konjunktion mit der Sonne verbunden – beide befinden sich im 2. Haus, wo es ebenfalls um Werte geht, aber auch um Talente. Die Verbindung zwischen Venus, Sonne und Neptun weist auf den Schauspieler hin, der weich und gefühlvoll wirkt und seine Rollen mit psychologischem Feingefühl gestaltet. Die Sonne-Neptun-Konjunktion ist aber auch ein Hinweis auf ein Suchtverhalten – Lorre war den Großteil seines Lebens morphiumsüchtig.

Jupiter im 12. Haus ist einerseits ein Hinweis darauf, dass für den Schauspieler vieles im Leben ein gutes Ende nimmt (gelungene Flucht aus Deutschland, beruflicher Wiedereinstieg in Hollywood), zeigt andererseits im Zeichen Widder auch, dass Lorre mutig und engagiert für die eigenen Werte und für Freiheitsideale eintritt und ein ausgeprägtes Gefühl für die eigene Würde hat. So lehnte er mickrige Rollen in B-Movies stets ab, auch wenn er sich dadurch finanziell länger durchbeissen musste. Er war sich seiner Qualitäten bewusst und wollte diese in seinen Filmen auf sinnvolle Weise sichtbar machen. Der berufliche Erfolg stellte sich dann doch ein, wie das Quadrat zwischen Jupiter und dem MC beweist. Diese Konstellation kann aber auch zu Übereifer und unrealistischem Optimismus verführen, wie der Flop seines einzigen von ihm selbst inszenierten Films „Der Verlorene“ zeigt, für dessen Thematik das damalige Publikum noch nicht reif war. Auf der anderen Seite ließ das Trigon zwischen Jupiter und Uranus den Schauspieler so manche günstige Gelegenheit ergreifen, die sich ihm bot, auch wenn er – wie in den amerikanischen Anfangsjahren – des Englischen noch nicht so mächtig war. Dieses eignete er sich mit viel Fleiss und Disziplin (Mars Trigon Saturn) im Selbststudium an.

Ein anderes wichtiges Element in Lorres Horoskop ist die Zwillinge-Betonung. Hier herrscht Merkur in seinem eigenen Zeichen und steht in enger Verbindung mit Pluto und Mars. Der sprachliche Ausdruck und die Begabung dafür erhalten hier eine besondere Bedeutung, verstärkt durch Merkur-Trigon Saturn, wobei immer auch etwas seelisch-Tiefgründiges mitschwingt (Merkur/Pluto). Die Fähigkeit, Filmbösewichte mit subtilem Gespür darzustellen und ihnen eine intensive Note zu verleihen, entstammt wahrscheinlich auch dieser Konstellation.

Bleibt uns noch, den Schütze-Mond im 7. Haus zu deuten. Der Mond ist in diesem Horoskop umso wichtiger, weil ihm Sonne, Venus und Neptun in Krebs unterstehen. Er beherrscht ausserdem das 4. Haus – das Zuhause, die Familie, den Wohnort. Und das Schütze-Zeichen weist auf das Ausland, auf die Fremde hin. Hier gibt es also den Drang nach Horizonterweiterung, denn der Instinkt ist auf Wachstum und Erweiterung gerichtet. Lorre brauchte immer die Freiheit, die eigenen Grenzen zu erweitern, z.B. durch Reisen oder die Entdeckung fremder Länder und Kulturen, auch wenn das ursprünglich nicht ganz freiwillig geschehen ist. Er hatte aber nie Schwierigkeiten, sich im Ausland wohl und zu Hause zu fühlen, denn er betrachtete sich als Weltbürger, der schon früh seine Familie verlassen hat, um beruflich zu reüssieren – gegen den Willen des Vaters, der ihn lieber als Bankkaufmann gesehen hätte. Da Saturn als Herrscher des Steinbock-MC jedoch rückläufig ist, entsprach das Thema Pflichterfüllung nach den Vorstellungen des Vaters nicht jenen des Sohns, der mit Straßen- und Stegreiftheater in Wien begann und sich bald nach Berlin absetzte, um mit Bertolt Brecht zu arbeiten (den er übrigens später in Hollywood finanziell unterstützte). Mit Saturn in Wassermann steht er Autoritätspersonen und deren Systemen ohnehin kritisch gegenüber, daher war er – zumal als Jude – von Anfang an ein erklärter Gegner der Nazis und setzte sich später in Amerika auch gegen die Hexenjagd McCarthys zur Wehr.

Was den Schütze-Mond mit dem Wassermann-Saturn verbindet, ist ein großes Bedürfnis nach Unabhängigkeit und Freiheit, sowohl im System als auch in Beziehungen. Lorre fand immer Gefallen an aussergewöhnlichen, selbständigen Frauen, die ihn fördern und in seiner Karriere unterstützen sollten. Wahrscheinlich suchte er in allen Frauen einen Ersatz für die früh verstorbene Mutter, wollte ihre Liebe und Fürsorglichkeit für sich allein, ohne sich im Gegenzug allzu gebunden zu fühlen. Deshalb sind wohl alle seine drei Ehen letztlich gescheitert. Lorre selbst war in den letzten Lebensjahren gesundheitlich angeschlagen, er litt an Herzproblemen und verstarb am 23. März 1964 im Alter von knapp 60 Jahren an einem Schlaganfall.

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